09.03.2026

„Unser Havelland“ lädt einmal im Monat eine Person aus dem Havelland ein, um ein halbstündiges Expertengespräch zu führen. So können wir ein Interview präsentieren, das den Rahmen sprengt und ein wenig mehr in die Tiefe geht. Das Interview wird auf vier Seiten im Magazin abgedruckt und auf die Homepage www.unserhavelland.de gestellt. Zugleich nehmen wir den Experten-Podcast auch auf Video auf, das Sie auf unserem YouTube-Kanal (www.youtube.com/UnserHavelland) sehen können.
Ein Jahr lang haben wir unseren „Unser Havelland“ Experten-Podcast in der „Überschaubar“ im EDEKA Zukunftsmarkt von Christian Dorfmann in Nauen durchgeführt – und tolle tiefschürfende Gespräche mit sehr interessanten Menschen geführt, so etwa mit 2-Sterne-Koch Christian Lohse, Karls-Gründer Robert Dahl, Olympiasieger Ronald Rauhe und Mimikexperte Dirk Ehlert. Nun beenden wir diese Interview-Serie wieder – und schließen die Rubrik mit einem ganz besonderen Interview.
Das führten wir im Dezember mit Christian Dorfmann selbst, unserem „Gastgeber“ vor Ort. Der selbstständige Unternehmer führt einen EDEKA-Markt in Ketzin/Havel, einen Nah & Gut in der Altstadt von Nauen und darüber hinaus den EDEKA Zukunftsmarkt in Nauen, in dem auch die Interviews für den Podcast stattfanden. Carsten Scheibe sprach mit Christian Dorfmann über den Preiszoff mit Markenproduzenten, über personalisierte Werbung, über Ladendiebstahl und über die drei meistverkauften Artikel im Geschäft.
Lieber Christian, wenn man dich jetzt so sieht als EDEKA-Kaufmann mit gleich drei eigenen Märkten, da fragt man sich schon: Hast du eigentlich bereits als Kind mit dem Kaufmannsladen gespielt? Oder woher kommt diese Leidenschaft zum Verkaufen?
Christian Dorfmann: „Ja, als Kind habe ich ganz bestimmt mit einem Kaufmannsladen gespielt. Aber völlig ohne einen Hintergedanken oder eine besondere Leidenschaft. Zur EDEKA bin ich auf einem ganz anderen Weg gekommen. Damals war ich jung – und brauchte das Geld. Eine Bekannte wohnte damals gleich hinter einem EDEKA. Und die hat mir immer wieder gesagt: ‚Frag doch mal da nach, ob du dir im Markt nicht etwas Benzingeld für dein Auto verdienen kannst.‘ Ich war damals gerade 18 Jahre alt geworden – und meine Taschen waren leer.
Eigentlich wollte ich ja in die IT-Branche gehen und Fachinformatiker werden, das war damals schon sehr angesagt. Das hat aber nicht geklappt. Dann wollte ich zur Bundeswehr, das hat aber auch nicht funktioniert.
In all dieser Zeit habe ich bereits im EDEKA-Markt als Pauschalkraft gearbeitet. Als Aushilfe habe ich dort den Umgang mit den Mitarbeitern und den Kunden schätzen und lieben gelernt. Ich bin dann tatsächlich bei der EDEKA hängen geblieben und habe eine klassische Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel absolviert. Es gibt bei EDEKA verschiedene Aufstiegsprogramme, sodass man durchaus die Chance hat, die Karriereleiter hinaufzusteigen, um irgendwann selbst Marktleiter oder sogar selbstständiger Unternehmer im EDEKA-Konstrukt zu werden. Auf diese Weise bin ich über verschiedene Stationen in Berlin und später im Havelland gelandet, nämlich erst in Ketzin und dann in Nauen.“
EDEKA unterscheidet sich ja von LIDL, REWE, Kaufland oder familia in der Struktur. Bei EDEKA handelt es sich um eine Genossenschaft, oder?
Christian Dorfmann: „Das stimmt, die EDEKA ist eine Genossenschaft. Sie wurde 1898 von mehreren Kolonialwarenhändlern im Halleschen Torbezirk in Berlin gegründet, um gemeinsam Importwaren wie Kaffee und Tee zu besseren Preisen einkaufen zu können. Das Kürzel ‚E.d.K.‘ stand dabei für ‚Einkaufsgenossenschaft der Kaufleute im Halleschen Torbezirk zu Berlin‘. So konnte man im Schulterschluss Stärke gegenüber den Lieferanten zeigen und bessere Preise aushandeln.
Die EDEKA ist die Weiterentwicklung dieser ursprünglichen Einkaufsgenossenschaft. Sie gibt uns selbstständigen Unternehmern in ganz Deutschland die Möglichkeit, unter dem Dach der großen Genossenschaft gute Geschäfte zu machen. Der Vorteil ist eben: Oben kauft einer für alle ein und kann die Preisvorteile anschließend an jeden einzelnen EDEKA-Markt weitergeben.“

Jetzt lese ich immer wieder in den Medien, dass EDEKA Produkte aus den Regalen nimmt, weil es hinter den Kulissen Auseinandersetzungen mit den Markenanbietern über die Preise gibt. Warum gibt EDEKA die erhöhten Preise nicht einfach an die Kunden weiter?
Christian Dorfmann: „Wir haben in Deutschland eine ganz besondere Marktsituation. Es gibt wenig Länder auf der Welt mit so einer geballten Konzentration an Lebensmittelgeschäften. Der Kunde findet an fast jeder Ecke in Deutschland einen Supermarkt vor.
Wir versuchen deswegen, unseren Kunden immer den besten Preis für die Waren zu geben. Wenn ein Anbieter die Preise erhöht, schauen wir ganz besonders genau hin. Denn oft sind die neuen Preisforderungen in unseren Augen gar nicht gerechtfertigt. Nehmen wir Schokolade. Natürlich ist der Kakaopreis in den letzten Jahren exorbitant gestiegen. Sagen wir einmal, er hat um 50 Prozent angezogen. Dann ist es aber über das Ziel hinausgeschossen, wenn sich das Produkt für uns Händler gleich um 100 Prozent verteuern soll. Da sagen wir als Genossenschaft: Diesen Weg gehen wir nicht mit.
Natürlich kämpfen wir dabei mit multinationalen und internationalen Unternehmen, die eine gewaltige Marktmacht haben. Da sind wir als EDEKA im direkten Vergleich natürlich nur ein kleines Licht. Das ist ein Kampf David gegen Goliath. Am Ende setzt sich aber der Klügere durch. Und das ist am Ende hoffentlich der Kunde, der darauf achtet, dass er sein Lieblingsprodukt auch weiterhin zu einem noch angemessenen Marktpreis bekommt.“
Wenn ich durch den Markt gehe – und das fällt mir auch bei den konkurrierenden Supermärkten auf -, dann sehe ich immer mehr Eigenmarken in den Regalen. Diese Produkte sind oft preiswerter als die klassischen Markenprodukte, haben aber durchaus keine schlechtere Qualität. Oft ist es ja so, dass im Geheimen sogar ein Markenanbieter in der neutralen Verpackung steckt. Werden diese Eigenmarken für die Supermärkte immer wichtiger?
Christian Dorfmann: „Wir nennen das bei uns Differenzierung. Wir setzen uns mit diesen Eigenmarken noch einmal vom Wettbewerb ab. Und uns gelingt es immer mehr, dass Kunden gezielt zur Eigenmarke greifen, weil sie eine tolle Qualität hat und trotzdem günstig ist. Das sieht man jetzt, um beim Beispiel zu bleiben, bei unserer Herzstücke-Schokolade. Die ist ganz neu auf dem Markt – und die gibt es in verschiedenen Variationen nur bei uns bei EDEKA. Hier bestimmen wir die Preise selbst und müssen uns nicht mit den Markenanbietern auseinandersetzen.
Gerade wenn wir uns mit den Markenanbietern streiten und deren Produkte mitunter über Wochen und Monate hinweg in den Regalen fehlen, helfen uns die Eigenmarken dabei, weiter Umsatz zu machen. Weil die Kunden ja, um beim Beispiel zu bleiben, weiterhin eine leckere Schokolade in ihren Einkaufskorb legen wollen.
Da die Streitigkeiten mit den Produzenten und Lieferanten immer mehr zunehmen, werden unsere Eigenherstellungen und Eigenprodukte in der Tat immer wichtiger.“

So ein Supermarkt passt sich immer wieder neu an die aktuelle Zeit an. Inzwischen gibt es sogar digitale Preisschilder, die sich aus der Ferne jederzeit anpassen lassen. Nun stelle ich bei dir im Nauener EDEKA fest, dass die Preisschilder auch noch verschiedene Farben haben. Was hat es denn damit auf sich?
Christian Dorfmann: „Als wir den EDEKA-Zukunftsmarkt in Nauen im August 2024 eröffnet haben, gab es die Schilder so zunächst noch gar nicht, wir haben sie nachgerüstet. Den Kunden ist es nämlich sehr wichtig, dass sie ein besonderes Preisangebot sofort auf den ersten Blick erkennen können. Ein rotes Schild suggeriert so immer schon aus einer gewissen Entfernung: Hier gibt es einen guten Preis. Ein blaues Schild weist auf einen Preisvorteil hin, der in Kombination mit der Payback-Karte zur Wirkung kommt. Dann haben wir auch noch grüne Schilder, die signalisieren, dass hier ein Bio-Produkt vorliegt. Braune Schilder kennzeichnen regionale Produkte aus der Landwirtschaft.
Das Problem ist, dass die elektronischen Preisschilder selbst nur wenige Farben darstellen können. Wir lösen dies mit unseren Covern, also mit farbigen Rahmen für die Preisschilder.“
Dann fehlt doch eigentlich nur noch eine Farbe für vegetarische oder vegane Produkte.
Christian Dorfmann: „Es gibt, so glaube ich, bereits ein eigenes Cover für vegetarische Produkte. Das haben wir aber nicht bei uns im Einsatz. Ich denke, dass vegetarische und vegane Produkte inzwischen im Mainstream angekommen sind. Wer sich auf diese Weise ernähren möchte, der kennt seine Marken und Produkte bereits ganz genau. Was aber nicht heißt, dass wir vegane und vegetarische Artikel nicht auch immer wieder einmal in besonderen Verkaufsinseln bündeln und so unseren Kunden noch einmal ganz anders präsentieren.
Das werden wir jetzt im Januar wieder verstärkt machen, da der Januar ja inzwischen als Aktionsmonat gefeiert wird. Zu Beginn des Jahres nehmen sich nämlich viele Menschen vor, sich diesen einen Monat lang rein pflanzlich zu ernähren.
Ich persönlich bin der Meinung, dass diese pflanzengestützte Ernährung immer wichtiger wird. Wir sollten nicht jeden Tag Fleisch essen, das ist nicht gut für uns. Früher gab es Fleisch ja auch immer nur am Wochenende.“
Ich würde gern einmal wissen: Was sind im EDEKA-Zukunftsmarkt in Nauen eigentlich die drei absoluten Bestseller?
Christian Dorfmann: „Wir haben bei uns im Markt etwa 30.000 unterschiedliche Artikel. Tatsächlich ist es sehr spannend, sich die Top-Seller einmal anzusehen. Auf Platz 1 steht das sogenannte Weizenbrötchen, also die Schrippe, die Semmel. Das Brötchen kostet 19 Cent, das ist natürlich nicht besonders preisintensiv, das kann sich eigentlich jeder leisten. Ich habe einmal den Computer konsultiert. Im letzten Jahr 2025 haben wir tatsächlich 120.000 Weizenbrötchen verkauft. Das sind 10.000 Stück im Monat.
Auf Platz 2 findet sich die Gurke, auf Platz 3 steht die Butter, auf Platz 4 entdeckt man die Frischmilch.
Was sich wie oft verkauft, hängt natürlich immer auch vom Standort ab. In meiner Zeit als Junior in einem Berliner Markt in einem schwierigen kulturellen Umfeld in Bahnhofsnähe gehörte z.B. die kleine Flasche Wodka für fünf Euro in die Top-3 der meistverkauften Artikel.“
Und was ist der Ladenhüter?
Christian Dorfmann: „Wir hoffen natürlich immer, dass wir keine Ladenhüter haben. Aber saison- oder trendbedingt kann es so etwas immer geben. Artikel werden schnell zu Ladenhütern, wenn ihre Zeit vorbei ist, wenn sie nicht mehr im Trend liegen. Bei Spirituosen geht das ganz besonders schnell. Da ist plötzlich eine Spirituose ganz angesagt, weil sie zu einem Mixgetränk gehört, das in den sozialen Medien von Promis vorgeführt oder getrunken wird. Und wenn es dann eine neue Spirituose gibt, ist die alte eben ganz plötzlich out und nicht mehr angesagt.
Wir haben einmal aus den USA einen echten Hype übernommen, das war im Grunde genommen Wasser, das mit etwas Alkohol versetzt wurde. Das hat hier in Deutschland überhaupt nicht funktioniert. Da haben wir die gesamte Ware als Verlust abschreiben müssen.“
Es gibt ja bei EDEKA immer noch eine Zeitungsecke, obwohl es immer wieder heißt, Print ist tot. Läuft das denn noch?
Christian Dorfmann: „Das Segment ist auf jeden Fall nicht tot. Man hat den Print ja schon vor zehn Jahren totgesagt und gemeint, dass das Internet das Pressegrosso kaputtmacht. Das ist nicht in dem Ausmaß passiert. Aber natürlich ist es so, dass sich die klassische Tageszeitung zunehmend schlechter verkauft, weil es die tagesaktuellen Nachrichten eben schneller im Netz oder auf Social Media gibt. Gerne gekauft werden noch immer die klassischen Magazine wie STERN oder SPIEGEL. Mit denen legt man sich aufs Sofa und kann beim Lesen auch einmal richtig abschalten. Und das funktioniert nach wie vor.“
Ich war schon immer ein großer Comic-Fan. Kaufen Mama und Papa ihrem Kind denn noch einen Donald Duck oder eine Mickey Maus?
Christian Dorfmann: „Ja, natürlich. Aber man muss ganz klar feststellen, dass es hier in erster Linie nicht um die gedruckten Comics geht, sondern um die Plastikspielzeuge, die vorne aufs Titelbild geklebt wurden.“
Ich lese oft in den Medien, dass sich die Supermarkt-Betreiber darüber beklagen, dass der Ladendiebstahl ein sehr großes Problem geworden ist. Auch die neuen Selbstbedienungskassen, an denen die Kunden selbst die Waren scannen, sind ein Teil des Problems. Wie geht man als Marktbetreiber damit um?
Christian Dorfmann: „Ladendiebstahl ist ein Problem, das kann man nicht leugnen. Und es gibt zwei Wege, um damit umzugehen.
So haben wir tatsächlich unsere Sicherheitsmaßnahmen im Markt erhöht, weil wir wirklich exorbitant hohe Diebstahlquoten im SB-Bereich hatten. Wir haben jetzt Bildschirme an den SB-Kassen, in denen sich die Kunden selber noch einmal sehen können, über die wir aber auch die Kunden beobachten können. Das muss man nicht gut finden. Es ist aber der einzige Weg, wie wir die SB-Kassen überhaupt weiter benutzen können. Die Wirtschaftlichkeit steht über allem. Wir müssen ja allein im Nauener EDEKA die Gehälter für über 80 Mitarbeitern bezahlen.
Ein anderer Weg: Wir sind für unsere Kunden da. Wir haben auch an den SB-Kassen Mitarbeiter, die beraten, die ansprechbar sind und die dem Kunden die Technik auch erklären. Da kommt nämlich eine ganz neue Technologie zum Einsatz, die man vorführen und erläutern muss, um Bedienungsfehler und Unsicherheiten zu vermeiden.“
Wie sieht es mit Big Data aus? Sammelt EDEKA Daten darüber, wer wann was einkauft, um daraus Schlüsse daraus für zukünftige Strategien zu entwickeln?
Christian Dorfmann: „Wir sammeln wichtige Informationen schon seit mindestens zehn Jahren, also länger, als der Begriff Big Data bereits in Mode ist.
Wir arbeiten aber zurzeit an einer viel wichtigeren Sache – und das ist der personalisierte Kunde. Über unsere digitalen Prozesse, etwa durch den Einsatz der Payback-Karte oder der EDEKA-App, erfahren wir etwas über unsere Kunden. Beim Carsten Scheibe wissen wir dann vielleicht, dass er gern Filetsteak kauft, guten Wein trinkt oder für hochwertigen Käse schwärmt. Bereits 2026 rollen wir dann erste personalisierte Angebote aus. Bevor der Carsten also unseren Markt in Nauen betritt, bekommt er bereits einen guten Angebotspreis gezeigt, der genau zu seinem Kaufverhalten passt. Die App schreibt dann etwa beim Betreten des Supermarkts auf den Bildschirm des Smartphones: ‚Schön, dass du wieder einmal bei EDEKA Dorfmann bist. Heute haben wir für dich ein frisches Rinderfilet zum Sonderpreis von X Euro im Angebot.‘
Damit das gelingt, muss man natürlich die Standortübermittlung freischalten und entsprechende Sicherheitseinstellungen deaktivieren. Wer so viel Personalisierung nicht zulassen möchte, muss das auch nicht. „

Jetzt gibt es den EDEKA-Zukunftsmarkt in Nauen seit über einem Jahr. Gibt es schon ausreichend Zahlen für eine erste Analyse des Kundenkaufverhaltens?
Christian Dorfmann: „Ja, wir sehen im Vergleich mit anderen EDEKA-Märkten, dass wir etwa im Bereich Wurst und Fleisch sehr gut unterwegs sind. Auch unsere Premiumsegmente gehen sehr gut. Unsere Kunden lieben besondere Themen wie Sportlernahrung, Longevity-Produkte für ein langes Leben und hochwertige Produkte, die für eine bewusste Ernährung stehen.
Wir hatten das aber bereits vermutet, weil unser Markt in einem neu gebauten Wohngebiet liegt. Hier wohnen viele Menschen, die aus der Großstadt Berlin kommen, ein bestimmtes Einkommen erzielen und die ein ganz eigenes Bewusstsein für hochwertige Lebensmittel mitbringen.“
Wann kaufen denn die Kunden am liebsten ein? Sicherlich nicht an einem Mittwochvormittag, oder?
Christian Dorfmann: „Wir sind ein klassischer Wochenendmarkt. Der Samstag ist mit Abstand der umsatzstärkste Tag bei uns. Samstag ist hier immer die Hölle los. Als Kaufmann und Marktbetreuer geht mir da wirklich das Herz auf, wenn die Einkaufswagen alle voll sind.
Wir müssen auf jeden Fall noch daran arbeiten, am Dienstag und am Mittwoch mehr Menschen in den Markt zu bekommen. Mittwochs haben wir so bereits immer ein besonderes 44 plus 4 Angebot. Wer für wenigstens 44 Euro bei uns einkauft, bekommt einen 4-Euro-Gutschein geschenkt. Das merken immer mehr Kunden und kaufen nun auch am Mittwoch ein.
Toll finde ich, dass unser gastronomischer Bereich so gut angenommen wird. Viele Kunden frühstücken bei uns, bevor sie ihren Einkauf erledigen.“
Vieles von dem, was man heute als Neuheit in Deutschland im Supermarkt sieht, war vor zwei, drei Jahren bereits in den USA aktuell. Etwa besonders breite Gänge, große Einkaufswagen, Probierinseln, besonders hochwertig präsentiertes Obst und Gemüse. Oder eine Station mit warmem Essen. Schaut man als Kaufmann auch einmal in die Supermärkte ferner Länder hinein, um sich inspirieren zu lassen?
Christian Dorfmann: „Absolut. Da achten wir als Kaufleute nicht nur im privaten Urlaub darauf. Sondern es gibt regelrechte Rundtouren mit mehreren Kaufleuten. Da schauen wir uns gezielt die Supermärkte in Amerika, aber auch schon einmal im Nahen Osten an. Im Frühjahr geht eine weitere Reise, an der ich leider aus Termingründen nicht teilnehmen kann, nach China. Da sind wir also ganz nah am Puls der Zeit. Und wir müssen uns immer wieder überlegen: Was von dem, was wir da unterwegs sehen, lässt sich auch in Deutschland realisieren? Mitunter sprechen ja auch Kulturfragen gegen eine Adaption.
Mir waren beim EDEKA-Zukunftsmarkt etwa besonders breite Gänge sehr wichtig. Ich wollte außerdem einen Wow-Effekt haben, sobald man den Markt betritt. Ich wollte, dass sich der Kunde erst einmal in Ruhe orientieren und umschauen kann, ohne dass hinter ihm jemand drängelt. Sodass er die Obst- und Gemüseabteilung wahrnimmt, die warmen Speisen, die Sushi-Station, die Salate. Genau dieses Entrée kenne ich aus London oder aus dem Italien-Urlaub, wenn man die größeren Märkte besucht.“
Jetzt haben wir ja schon über Preis-Streitigkeiten mit großen Herstellern gesprochen. Da denke ich oft: Auch andere Mütter haben schöne Töchter. Es gibt ja hierzulande noch nicht so bekannte Hersteller aus den osteuropäischen Ländern, aus dem asiatischen Raum, aus Skandinavien oder aus Kanada. Warum probiert man nicht einmal Produkte aus diesen Märkten aus?
Christian Dorfmann: „Tatsächlich sind wir in diesem Bereich bereits sehr gut unterwegs. Wir haben ein sehr gutes osteuropäisches Angebot. Im Januar starten wir die Zusammenarbeit mit einem Spezialitätenhändler, der authentische türkische Marken für uns bereitstellt. Vor einigen Wochen war eine rumänische Delegation bei uns zu Besuch. Die haben einen extrem leckeren Käse mitgebracht, den ich jetzt auch an den Einkäufer der EDEKA weitergegeben habe. Mal sehen, was daraus wird. Da gibt es ja mitunter immer auch Deklarationsfragen und Einfuhrprobleme und komplizierte Zollformulare.
Wir möchten natürlich alles verkaufen, was der Kunde auch annimmt. Wenn wir es etwa schaffen, Urlaubserinnerungen aus anderen Ländern hier nach Deutschland zu holen und sie bei uns ins Regal zu stellen, ist das natürlich toll.“
Im Nauener EDEKA gibt es einen kleinen integrierten Dorfladen mit regionalen Produkten aus der Nachbarschaft. Wird das gut angenommen?
Christian Dorfmann: „Das ist ja im EDEKA-Verbund der große Vorteil. Ich kenne als Kaufmann auch die regionalen Produkte und darf sie bei mir auch einlisten. Frau Wesche aus Ribbeck ist da ein besonders positives Beispiel für mich. Wir haben uns kennengelernt und ich habe damit begonnen, so drei, vier Produkte von ihr mit im Markt anzubieten. Inzwischen sind es zehn Mal so viele verschiedene Produkte, weil sie sich sehr gut verkaufen. Frau Wesche pflegt ihre Ware, sie schaut in die Regale, wir pflegen eine tolle Geschäftsbeziehung. Mittlerweile steht ja sogar ein Pappaufsteller von ihr im Laden.
Man kann wirklich sagen: Je regionaler und deswegen auch bekannter die Produkte bei den Kunden sind, umso besser laufen sie auch.“
Du hast dir eine eigene „Überschaubar“ geleistet. Das ist ein Veranstaltungsort im Obergeschoss über dem Nauener Markt, in dem fortlaufend völlig verschiedene Events stattfinden. Warum wurde so eine Fläche mit eingeplant? Und lohnt sich der Betrieb der „Überschaubar“?
Christian Dorfmann: „Als ich in das Projekt eingebunden wurde, gab es die Fläche auf den Planungsunterlagen schon. Ich habe dann die Idee mit der ‚Überschaubar‘ eingebracht. Denn wir haben 20.000 Einwohner in Nauen. Wir sind eine stark wachsende Gemeinde, die aber gerade in der Südstadt nur wenig Angebote für Veranstaltungen oder für einen Treffpunkt bereithält. Jetzt sorgen wir selbst für viele tolle Veranstaltungen. Man kann in der ‚Überschaubar‘ tanzen, Dartpfeile werfen, Poker spielen, Fußball gucken, ein Bier-Tasting mitmachen, Pokémon-Karten tauschen, bei einem Brunch mitmachen oder ein 3-Gänge-Menü von Sternekoch Christian Lohse genießen.
Und das gelingt. Die Menschen treffen sich hier gern, sie haben eine tolle Zeit, neue Freundschaften entstehen. Und tatsächlich gibt es viele Besucher der Veranstaltungen, die vorher noch nie bei uns waren, über den Markt staunen und hier dann auch gleich einkaufen gehen.“
Der EDEKA Zukunftsmarkt ist einer der nachhaltigsten, modernsten und umweltfreundlichsten Märkte in der ganzen Region. Wissen die Kunden das zu würdigen? Oder ist es ihnen egal?
Christian Dorfmann: „Egal nicht. Die sichtbaren Dinge wissen sie schon zu würdigen. Etwa die Holzbauweise, weil sie für ein schönes Ambiente sorgt. Oder unseren ökologischen Fußboden, der sehr leise ist und Geräusche schluckt, sodass das Einkaufen im Markt die Ohren schont. Die großen Glasflächen, die viel Tageslicht in den Markt bringen, kommen auch gut an. Dass wir eine übermoderne umweltfreundliche Kühlung haben, interessiert die Kunden weniger. Und dass wir mit unseren Photovoltaik-Modulen auf dem Kundenparkplatz bereits bis zu 70 Prozent unseres Strombedarfs decken, bekommen die Kunden ja gar nicht mit.“
Gibt es im Markt ein „Guilty Pleasure“, an dem Christian Dorfmann nicht vorbeigehen kann?
Christian Dorfmann: „Ich versuche seit einigen Monaten, mich gesünder zu ernähren. Aber es gibt eben so bestimmte Verhaltensmuster, die kann man einfach nicht abschütteln. Wenn ich an unserer Gastronomie vorbeilaufe und die haben gerade Pizza-Fleischkäse mit süßem Senf und einem Brötchen im Angebot, kann ich nicht Nein sagen.
Ansonsten muss ich zugeben: Ich selbst gehe höchst ungern einkaufen. Ich arbeite immer nur die Einkaufsliste meiner Frau ab. Und dabei vergesse ich sogar immer noch etwas, weil ich zwischendurch ein Gespräch mit einem Kunden oder einem Mitarbeiter habe und nicht mehr allzu genau auf den Zettel schaue.
Zum Glück gibt es an meinem Heimatort, wo ich wohne, einen guten EDEKA-Kollegen, bei dem ich mir alles holen kann, was am Ende noch fehlt. Aber ich bin acht bis zehn Stunden am Tag im Markt. Das reicht dann auch.“ (Fotos: CS + Marvin Zinke)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 238 (1/2026).