Was tun mit all den schönen Dingen, die man im Haus leider nicht mehr braucht? Fürs Verschenken sind sie oft zu schade. Um daran noch ein paar Euro zu verdienen, hat das Havelland das Trödeln für sich entdeckt – in fast jedem Viertel finden inzwischen Flohmarkttage statt, an denen die Hausbesitzer einen Tisch im Vorgarten aufbauen, um diesen mit Trödelartikeln zu bestücken. In Nauen fand am 11. Juli der erste von drei geplanten Altstadt Flohmärkten statt. Organisiert wurde er von URST Events und der Stadt Nauen.
Was für eine schöne Location. Der allererste „Altstadt Flohmarkt“ wurde am 11. Juli von 10 bis 16 Uhr auf dem Martin-Luther-Platz direkt neben der Kirche veranstaltet.
Enrico Gennrich (41) von URST Events hatte das Event zusammen mit der Stadt Nauen auf die Beine gestellt: „Meine Freundin Sammy kam mit der Idee um die Ecke, hier mitten in der Nauener Altstadt einen Flohmarkt zu veranstalten. Dieses Jahr wollten wir die Idee endlich umsetzen. Da liefen wir im Kulturbüro offene Türen ein. Denn es gab genau für ein solches Projekt noch Geld aus dem Bürgerbudget, das wir verwenden durften. Die Stadt Nauen und URST Events sind demnach gemeinsam die Veranstalter des Altstadt Flohmarkts, der in diesem Jahr noch einmal am 8. August und am 12. September stattfinden wird.“
Im Vorfeld hatten sich 38 hoffnungsvolle Flohmarkthändler per E-Mail (flohmarkt@urst-events.de) angemeldet, um sich einen Platz zu sichern. Die Bedingungen für eine Teilnahme am Event waren klar formuliert: Jeder muss Tisch und Stühle selbst mitbringen; der Meter Fläche kostet ansonsten fünf Euro. Jeder Stand durfte aber maximal vier Meter breit sein.



Enrico Gennrich: „Ein paar Händler sind trotz vorheriger Anmeldung am Veranstaltungstag nicht gekommen. Aber wir sind dennoch sehr zufrieden. Wir haben den Platz vor der Kirche gut gefüllt, und es waren viele Besucher da, sodass der Flohmarkt ein gutes Bild abgegeben und funktioniert hat. Für zukünftige Termine sehen wir noch Potenzial für mehr Teilnehmer. So könnten wir die Stände um die ganze Kirche herum aufstellen. Und vielleicht auch noch den angrenzenden Schulhof nutzen. Da müssten wir natürlich vorher mit der Stadt und der Schule sprechen.“
Flohmarkt-Erfahrung bringt das URST-Team, das ansonsten Events wie das Techno-Spektakel „Secret Water“ am Angelteich im Winkel, die 2000er-Party auf der Freilichtbühne oder das Brieselanger Sommerfest stemmt, bereits mit, so Enrico Gennrich: „Beim Kinderfest im Stadtbad Nauen hatten wir auch schon einmal einen Flohmarkt mit 35 Ständen und 3.000 Besuchern.“
Kommerzielle Händler waren auf dem Altstadt Flohmarkt erlaubt, sie waren aber in der Unterzahl.
Ansonsten waren viele private Anbieter, vor allem aus Nauen, vor Ort vertreten. An ihren Ständen gab es vorrangig Kinderkleidung, Dekoelemente, Geschirr, Bücher, Kinderspielzeug und verschiedenste Alltagsgegenstände.
Cindy Backmann aus Nauen trödelt sehr gern. Sie ist ansonsten öfter auf dem Trödelmarkt am Havelpark anzutreffen: „Wir hatten vor allem Kindersachen dabei, so etwa Hörspiele, Kinderbücher, Stofftiere und Plastikfiguren. Die Kinder haben aufgeräumt und all das, was auf unserem Tisch zu sehen war, aussortiert. Das Geld, das wir auf dem Flohmarkt eingenommen haben, werden wir für die ganze Familie verwenden. Da gönnen wir uns etwas Schönes. Unsere Preise haben die Leute auch bezahlt. Wir haben aber auch nicht viel verlangt; das war ja im Grunde genommen schon halb verschenkt.“
Isabelle Reiche aus Nauen war früher regelmäßig auf Flohmärkten zu Gast. Mit zwei Kindern hat es aber zuletzt nicht mehr geklappt. Der Flohmarkt in der Altstadt liegt zum Glück gleich um die Ecke: „Wir hatten vor allem Kleidung dabei, aus denen die Kinder viel zu schnell herausgewachsen sind. Leider war die Nachfrage nach Kleidung eher verhalten. Die Spielsachen, die wir dabei hatten, gingen schneller weg. Tatsächlich war unser erster Verkauf allerdings ein paar Schuhe. Wir haben vor Ort sogar eine Bezahlung per PayPal angeboten – und das wurde auch genutzt.“



Auch Anja Thonig wohnt in Nauen: „An meinem Stand gab es ein bisschen Deko, ein paar Klamotten, Bücher und Parfum. Alles, was sich so im Haus ansammelt und was man irgendwann gern wieder loswerden möchte. Ich selbst war jetzt zum allerersten Mal auf einem Flohmarkt. Am Anfang lief es schleppend, aber nach und nach kamen immer mehr Besucher auf den Platz, die auch etwas gekauft haben. Zuerst bin ich meine Bücher losgeworden, dann das Parfum, am Ende standen die Dekoartikel hoch im Kurs. Die Leute handeln gern, aber das ist ja auch so gewollt. Mein Plan war es, möglichst nichts mehr mit nach Hause zu nehmen.“
Es gab aber auch das Extravagante auf dem Flohmarkt. Maximilian Schenk (14) aus Nauen hatte gleich mehrere Ordner mit seinen Pokémon-Karten dabei – und bediente so ein ganz besonderes Sammelgebiet: „Ich besitze selbst etwa 20.000 Pokémon-Karten. Hier auf dem Flohmarkt hatte ich aber natürlich nur meine doppelten Karten dabei, die ich verkaufen möchte. Das sind alles deutsche Karten. Für die Kinder hatte ich extra viele einfache Karten mitgenommen, die ich für 30 Cent anbieten kann. Für die echten Sammler waren aber auch ein paar teurere Karten mit dabei, so etwa die sehr begehrten Full-Art-Karten, bei denen die Grafik über die gesamte Fläche reicht.“
Wer beim Trödeln ein Bauchgrummeln verspürte, konnte sich beim URST-Catering heiße Waffeln und Wiener Würstchen bestellen – oder ein kaltes Getränk kaufen.
Gern würde Enrico Gennrich das Trödeln und Feilschen auch im kommenden Jahr wieder stattfinden lassen – vielleicht alle drei Monate? Dann könnte er sich auch eine kleine Bühne mit Livemusik vorstellen. Auch ein Wintermarkt mit Glühwein wäre etwa in der Vorweihnachtszeit denkbar. (ϑ Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 245 (8/2026).





























