Am 13. Februar ist Horst Evers mit seinem Programm „So gesehen natürlich lustig“ in der Falkenseer Stadthalle zu sehen. Der Autor von skurril-absurden Alltagsgeschichten sammelt seine Werke in zahlreichen Büchern wie „Für Eile fehlt mir die Zeit“, „Mein Leben als Suchmaschine“ oder „Wäre ich du, würde ich mich lieben“. Seine Alltags-Comedy funktioniert aber auch auf der Bühne sehr gut. In Falkensee ist Horst Evers nun bereits zum zweiten Mal zu Besuch. Carsten Scheibe von „Unser Havelland“ bat ihn vorab um ein Interview.
Lieber Herr Evers, Sie sind (noch) 58 Jahre alt – genau wie ich. Sie stammen aus Diepholz, waren bei der Bundeswehr und haben angefangen, in Berlin Publizistik zu studieren, bevor Sie sich dafür entschieden haben, Lehrer zu werden. Habe ich aus dem frühen Lebenslauf etwas Wichtiges vergessen?
Horst Evers: „Eigentlich nicht. Höchstens noch, dass ich als Kind tatsächlich auch mal Jugend-Kreismeister im Torwandschießen war. Vier von sechs im Finale. Zwei oben, zwei unten.“
Ich habe an der FU ein Semester Germanistik studiert – und bin dann ins Fach Biologie gewechselt. Ach, du schöne Studienzeit. Ich war nebenher Friedhofsgärtner, Prospektverteiler, Hilfsarbeiter auf dem Bau, Mädchen für alles in einem Design-Center am Ku’damm und Zettelverteiler am Berliner Wasserklops. Ich habe gehört, Sie hatten auch ein paar klasse Jobs im Studium?
Horst Evers: „Nicht nur während des Studiums. Mein erster Job war Futtersilofestfahrer als Zwölfjähriger. Ich saß da mit mehreren Sitzkissen und Klötzen unter den Schuhen auf einem Traktor.“
Ihre Vita klingt sehr danach, dass da jemand schon früh die Freude am Schreiben für sich entdeckt hat. Wie fing das bei Ihnen damals an? Ich kann mich erinnern, meine ersten Magazine mit einem Spiritus-Umdrucker gekurbelt zu haben…
Horst Evers: „Bei mir waren die Anfänge tatsächlich in der Schülerzeitung. Der Hauptgrund für mein Engagement seinerzeit war jedoch, ehrlich gesagt, dass ich mich für die Zeitungsarbeit oft vom Unterricht freistellen lassen konnte. Doch dann fand ich es bald auch sehr schön, mich mitteilen zu können.“
Unsere gemeinsame Freundin Susanne Riedel sagt immer gern, sie hat Alltag. Ihre Geschichten leben auch sehr davon, dass Sie ganz alltägliche Dinge auf amüsante Art und Weise beschreiben. Da geht es dann um einen Flohmarktbesuch, um das ständige Starren aufs Handy oder um einen Ausflug mit Schulkindern in ein Schwimmbad (meine Lieblingsgeschichte). Ist das Ihre geheime Wunderkraft: Den Alltag so zu beschreiben, dass die Leser denken, hey, das geht mir ja ganz genau so?

Horst Evers: „Dafür braucht man eigentlich keine Wunderkraft. Es geht mehr darum, das Licht zu sehen. Das Licht ist fast immer die Komik, der Humor, der letztlich in allen Dingen des Alltags steckt. Nichts hilft besser gegen Verzweiflung.“
Heute erscheinen Ihre Bücher bei Rowohlt – der Mann hat es geschafft. Aber wie fing alles an? Wie gelangt man als unbekannter Autor auf die große Bühne der Literatur?
Horst Evers: „Erstmal mit viel Glück. Dann braucht es sehr viel Fleiß und noch mehr Glück, um da auch bleiben zu dürfen.“
Für unser Magazin schreibe ich gern Glossen. Mein Problem: Damit ich etwas Gutes schreiben kann, muss mir erst etwas „passieren“. Etwas, das so absurd oder lustig ist, dass es als Thema für eine Seite trägt. Geht Ihnen das auch so: Dass nur das Leben die Geschichten schreibt und man sich nicht vor einer leeren Seite Papier etwas aus dem Nichts ausdenken kann?
Horst Evers: „Das reine Leben ist im Regelfall zu unglaubwürdig. Aber mit etwas Phantasie kann man die Realität so bearbeiten, dass wahre Geschichten daraus werden. Für mich gilt beim Schreiben: Logik, Witz und Glaubwürdigkeit sind wichtiger als Dokumentation.
Aber natürlich muss man etwas erlebt haben, um über das Leben schreiben zu können. Doch nicht nur Leben ist wichtig fürs Schreiben, sondern auch das Nachdenken.“
Wie ist eigentlich Ihre Schreibroutine? Per Hand auf einem Notizblock, per Spracheingabe am Handy, tippend mit drei Fingern am Mac? Morgens, mittags oder nachts? Und wird ein einmal geschriebener Text noch einmal angefasst? Oder bleibt er dann für immer so? Was ist, wenn das Lektorat etwas verändern möchte, mit dem Sie absolut nicht einverstanden sind?
Horst Evers: „Ich lese praktisch nie zweimal denselben Text. Ich bearbeite meine Texte ständig. Mündlich, wie schriftlich. Oft lese ich auch sehr viel mehr vor, als auf meinen Zetteln steht. Geschichten leben und verändern sich. Ich trage meine Geschichten nicht vor. Ich erlebe sie.“
Wie viele Bücher gibt es bereits, was ist das erfolgreichste, wie oft kommen neue Bücher? Wann erscheint das nächste? Und was ist Ihre absolute Lieblingsgeschichte aus dem eigenen Werk?
Horst Evers: „Mein erfolgreichstes Buch ist ‚Für Eile fehlt mir die Zeit‘. Ein neues Buch kommt immer, wenn ein Erscheinungstermin festgelegt wurde. Als nächstes ‚Hope Joanna‘ im Mai 2026. Das wird wieder ein Berlin-Krimi.“
Nun schreiben Sie nicht nur, Sie gehen auch gern auf die Bühne. Wie kommt man aus der eigenen Schreibkammer auf die Bühne? Das ist schon ein krasser Schritt für einen Autor?
Horst Evers: „Nein. Ich erzähle Geschichten. In jedem Medium, das mir zur Verfügung gestellt wird.“
Mit Ihrem Bühnenprogramm reisen Sie durch ganz Deutschland. Wie unterscheidet sich das Publikum von Ort zu Ort? Verstehen die Leute auf dem Land die Großstadtgeschichten überhaupt? Wann wissen Sie auf der Bühne, dass Sie das Publikum in der Hand haben?
Horst Evers: „Da mein Humor nicht aggressiv oder ausgrenzend ist, funktioniert er eigentlich überall. Ich spüre sehr schnell, ob ein Publikum mich und meine Geschichten mag. Das reicht mir. Ich muss niemanden in der Hand haben. In meinen Programmen versuche ich eigentlich, dass jeder und jede mehr über sich selbst als über mich erfährt. Und sich selbst hinterher vielleicht auch ein bisschen mehr mag. Das wäre für alle gut.“
Als würde es noch nicht ausreichen, dass Sie durch Deutschland reisen: Sie sind auch Teil der Berliner Lesebühne „Der Frühschoppen“. Da treten Sie mit anderen Geschichtenschreibern auf. Und zwar ziemlich regelmäßig. Wie funktioniert hier ein Auftritt? Und gibt man sich hier untereinander auch Tipps oder sagt sich auch einmal, wenn ein Text nicht ganz so dolle war?
Horst Evers: „Das merkt jeder und jede schon selbst. Ich mache Lesebühnen seit fast vierzig Jahren. Für mich ist das vor allem die Pflege von Freundschaft und gemeinsamer Leidenschaft.“
Gibt es für einen Autor eine Rentenzeit oder einen Ruhestand? Oder machen Sie weiter, bis Sie von der Bühne fallen?
Horst Evers: „Wenn ich das Gefühl habe, dass das Publikum mich und meine Geschichten nicht mehr mag oder braucht, werde ich aufhören. Ich verspreche, das wird klaglos geschehen.“ (Text: CS / Fotos: Anja Limbrunner)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 239 (2/2026).