Leute, wir müssen ganz dringend miteinander reden. Auf Facebook bieten wir eine informative Seite passend zu unserem Magazin „Unser Havelland“ an, auf der wir sofort und ohne Verzögerung Nachrichten aus unserer Region posten können – und an die 18.000 Follower können das sehen. Leider wird die Kommentarfunktion unserer Seite immer wieder für Beleidigungen, Pöbeleien, strafrelevante Drohungen und unterirdische Kommentare zweckentfremdet. Das verdirbt uns immer wieder den Spaß an dieser Online-Nachrichten-Verkündung.
Es lässt sich nicht einmal an einem besonderen Thema festmachen. Manchmal reicht schlechtes Wetter mit Nieselregen aus – und unter einem Facebook-Post eskaliert es.
Ohne Filter und ohne Hemmungen werden wir, die Personen, über die wir schreiben, oder andere Facebook-Nutzer, die einen Kommentar verfasst haben, ohne jede Verzögerung oder Vorgeschichte verbal angegriffen – in einer Heftigkeit, dass wir nicht selten schockiert sind. Wir fragen uns: Das können doch nicht unsere netten, aufmerksamen und höflichen Leser sein, denen wir im Alltag begegnen. Etwa beim Einkaufen, im Restaurant, im Park oder bei einer Veranstaltung. Leute, die uns kurz beiseitenehmen und erzählen, wie spannend sie den einen oder anderen Artikel gefunden haben.
Auf Facebook ist nicht nur gossennahes Pöbeln an der Tagesordnung, sondern auch das Posten von Anschuldigungen, für die man glatt für Verleumdung bei der Polizei angezeigt werden kann. „Der schlägt doch seine Frau“, „Das sind Verbrecher, die nur auf Schwarzgeld aus sind“ oder „Dem würde ich gern einen Arm ausreißen, um ihn damit durch die Straßen zu prügeln“ sind da noch das Netteste.
Wir betreiben eine Seite. Im Gegensatz zu einer Facebook-Gruppe lassen sich hier die Kommentare leider nicht ausschalten. Wir müssen sie tagtäglich ertragen. Was wir tun: Wir sperren Leute, die andere Leute beleidigen oder bedrohen. Und wir löschen Posts, die unterirdisch sind. Leider wissen manche Spezis schon genau, wo die Grenze ist – und beleidigen andere eine Haaresbreite im gerade noch von uns tolerierten Rahmen.
Ist das Blockieren bereits Zensur? Eher Seelenpflege. Schade finde ich, dass ein paar verbale Hooligans ausreichen, damit sich ganz normale und nette Leser gar nicht mehr trauen, einen Post von uns zu kommentieren.
Ich appelliere deswegen an alle: Seid nett, seht doch einmal das Positive, ermutigt Leute, die sich in der Region engagieren und über die wir schreiben. Es gilt weiterhin die Anstandsregel: Wenn du nichts Nettes sagen kannst, lass es doch einfach bleiben. Und sag nix.
Wir bauen seit Monaten mit großer Energie unseren WhatsApp-Kanal „Unser Havelland“ auf (https://whatsapp.com/channel/0029Vaw4II98PgsF6zCiqW0C), der bereits 2.500 Follower hat. Hier posten wir aktuelle News aus dem Havelland. Und die Follower können mit einem Emoticon reagieren – und das war’s. Wie himmlisch friedlich ist dieser Kanal. Wenn ein Daumen-runter-Icon oder ein Ist-mir-übel-Smiley das Schlimmste ist, was man dort zu sehen bekommt.
Wer nicht auf Facebook ist: Hier einmal eine übertriebene und zur besseren Lesbarkeit auf lustig getrimmte Standardsituation.
Ein möglicher auf Facebook verlinkter Artikel aus „Unser Havelland“ könnte sein:
Peter Xyz ist der neue Gala-Bauer aus Nauen, der sich darauf spezialisiert hat, störende Gänseblümchen aus dem Rasen zu entfernen.
Typische Reaktionen der Follower:
„Wer Gänseblümchen entfernt, hasst die ganze Welt.“
„Ich könnte kotzen, wenn ich von solch schielenden Pflanzenmördern höre.“
„Und wer denkt nun an die ganzen Schafe? Was sollen die fressen?“
„Ich kenn den, der mag auch keinen Klee.“
„Ich kenn den nicht und will den auch nicht kennenlernen.“
„Botanik ist die Lehre vom Tierfutter.“
„Ich hab auch eine Idee: Beton drüber und macht nen Parkplatz aus dem Garten.“
„Also ich mag ja Gänseblümchen.“
„Für mich ist das ein Umweltterrorist, den zeig ich an.“
„Wo wohnt der, da fahr ich hin!“
„Wie tief muss ein Mensch sinken, wenn er sich an so harmlosen Pflanzen vergreift.“
Schnell entstehen auch Zwiegespräche zwischen den Followern:
„Also ich würde ja lieber Brennnesseln ausreißen.“
„Ja, wie doof bist du denn? Brennnesseln sind voll wichtig für lauter Raupen.“
„Wie, du nennst mich doof? Bist du vom Dach gefallen, du blödes Arschgesicht?“
„Man sieht ja, wie doof du bist. Du rauchst doch Brennnesseln.“
„Du bist ganz bestimmt so hässlich, dass ich dich mit dem Gesicht in die Nesseln stoßen könnte, ohne dass es noch hässlicher wird.“
„Ich zeig dich an.“
„Hab ich schon. Screenshot ist bereits bei der Polizei.“
„Du bist so abartig.“
Also: Denkt mal drüber nach. Wer dazu neigt, auf Facebook auszurasten und schnell emotional zu werden, sollte sich prophylaktisch die Hände hinter dem Rücken zusammenbinden und die Tastatur ausschalten. (Carsten Scheibe)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 241 (4/2026).