Unermüdlich ist Erhard Winkler aus Falkensee unterwegs, um seine Freizeit in den Dienst seiner Mitmenschen zu stellen. Mit 90 Jahren ist er gefühlt von morgens bis abends auf Achse, um einsame Senioren zu besuchen, der Stadt neue Sitzbänke zum Ausruhen abzuringen oder um sich im Seniorenbeirat zu engagieren. In „Anerkennung der um die Bundesrepublik Deutschland erworbenen besonderen Verdienste“ bekam er am 12. Februar auf Schloss Ribbeck von Landrat Roger Lewandowski das „Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“ verliehen.
Erhard Winkler stammt aus Berlin-Neukölln. Er hat sein Berufsleben größtenteils bei der Firma Schering im Wedding verbracht. Nach mehreren Ortswechseln zogen die Winklers Ende der 90er Jahre nach Falkensee – in ein Eigenheim im Ortsteil Falkenhöh. Schnell wurde Erhard Winkler zu einem waschechten Falkenseer. Und nach dem Tod seiner Frau nahm er den Rat seiner Familie an, aktiv zu bleiben, hinauszugehen und etwas zu unternehmen.
Mit 81 Jahren klopfte Erhard Winkler im Jahr 2017 bei der CDU-Geschäftsstelle in Falkensee an, um im Büro zu helfen. Landrat Roger Lewandowski erinnert sich: „Schnell waren Sie auch in der Mittelstandsvereinigung, in der Wirtschaftsunion, in der Seniorenunion und in der überparteilichen Europaunion aktiv.“



Seine ehrenamtliche Berufung entdeckte Erhard Winkler allerdings sehr schnell bei den Senioren. Er kümmerte sich in ihrem Sinne um neu zu errichtende Ampeln im Falkenseer Stadtgebiet, er mahnte barrierefreie Gehsteige an, er sorgte für Bänke zum Hinsetzen, aber er regte auch Aktivitäten gegen die Einsamkeit an. So besucht er selbst regelmäßig Senioren, die einen runden Geburtstag feiern, bringt Blumen und ein kleines Präsent mit – und schenkt ihnen Zeit. Gegen die Einsamkeit im Alter hat er auch etwas unternommen – und so etwa einen Kaffeenachmittag im Johannisstift in Dallgow-Döberitz, einen wöchentlichen Vorlese- und Spielenachmittag im Falkenseer Katharinenhof und auf dem Gelände vom SV Falkensee-Finkenkrug ein Senioren-Treffen für die Nachbarn initiiert.
Roger Lewandowski: „Man kann sich gar nicht vorstellen, wie man das alles in 24 Stunden unterbekommt.“
Für seine langjährigen Bemühungen, den Senioren in Falkensee und Umgebung das Leben etwas schöner und angenehmer zu gestalten, hat Erhard Winkler nun am 12. Februar eine der höchsten Auszeichnungen Deutschlands erhalten – das „Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“. Die Verleihungsurkunde hat Bundespräsident Frank Walter Steinmeier bereits am 26. August 2015 unterschrieben. Stellvertretend für den Bundespräsidenten hat Landrat Roger Lewandowski nun im Februar die Ehrung überreicht – im Kleinen Salon auf Schloss Ribbeck. Roger Lewandowski: „Das ist mein Lieblingsraum im ganzen Schloss. Er gibt dem Anlass den passenden würdigen Rahmen.“



Beim feierlichen Anstecken des Ordens, der laut Protokoll nur zu großen Anlässen getragen werden soll, war die Familie von Erhard Winkler mit dabei. Aber auch die Landtagsabgeordnete Barbara Richstein, Falkensees Bürgermeister Heiko Richter und Hans-Peter Pohl als Vorsitzender der Falkenseer Stadtverordnetenversammlung drückten die Daumen. Auch Torsten Birlem war vor Ort – er hatte den Stein ins Rollen gebracht und Erhard Winkler für den Orden vorgeschlagen.
Erhard Winkler, der 2021 auch den Bürgerpreis der Stadt Falkensee und 2024 die Ehrenamtsmedaille des Landkreises Havelland erhalten hat, überraschte die Anwesenden am Ende der Veranstaltung mit dieser Aussage: „Ich habe immer noch Kapazitäten frei“. (Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 240 (3/2026).