Stefanie Kleemann ist in diesem Jahr mit dem Bürgerpreis der Stadt Falkensee ausgezeichnet worden. Sie kümmert sich mit großem Einsatz um unsere Wildtiere in Not. Zurzeit beherbergt sie in ihrem Haus gleich mehrere viel zu leichte Fledermäuse verschiedener Arten, um sie vor dem Winter aufzupäppeln. Darüber hinaus engagiert sie sich in den Grund- und Gesamtschulen, um den Kindern einen besseren Umgang mit unserer Natur zu vermitteln.
Stefanie Kleemann (37) ist in Dallgow-Döberitz aufgewachsen. Seitdem sie 18 Jahre alt ist, wohnt sie aber im kleinen, verwinkelten ehemaligen Haus ihrer Großeltern in Falkensee.
Die frisch gekürte Bürgerpreisträgerin arbeitet beruflich als Arzthelferin in Dallgow-Döberitz. In ihrer Freizeit kümmert sie sich engagiert um Wildtiere und um den Artenschutz. Außerdem geht sie gern in Schulen, um die Kinder an den Naturschutz heranzuführen: “Es reicht eben leider nicht aus, verletzte Tiere zu versorgen. Wir müssen auch die Ursachen benennen. So werden 80 Prozent der verletzten Wildtiere zu uns gebracht, weil sie von freilaufenden Katzen verschleppt wurden. Eine Katze bringt oft sogar mehrmals in der Woche einen stark verletzten Vogel nach Hause. So werden die ehrenamtlichen Pflegestellen voller und voller. Und es gibt ja noch mehr menschengemachte Probleme, die Wildtiere in Gefahr bringen. Bekannt sind ja bereits die autonom fahrenden Mähroboter, die unsere Igel sehr stark verletzten können. Igelmamas werden aber auch oft von Hunden zerfleischt. Und dann hat man plötzlich ein verwaistes Igelnest mit Babys, die irgendwann hungrig hervorgekrochen kommen und schreien. Das hört sich wie ein Zwitschern an. Aber wenigstens werden die Babys so gefunden und wir können uns kümmern. Da es immer weniger Insekten gibt, müssen die Igel nachts immer größere Strecken laufen. Da werden sie leicht überfahren. Die Tiere werden übrigens auch auf die Straße gezwungen, weil die Gärten oft so hermetisch abgeriegelt sind, dass die Igel nicht von einem Garten in den nächsten wechseln können.”



Gefahren für die Wildtiere lauern oft an den ungewöhnlichsten Stellen. Auch darüber muss aufgeklärt werden, so Stefanie Kleemann: “Was niemand weiß: Für Fledermäuse sind die gelben Klebefallen sehr gefährlich, die etwa im Blumenkästen stecken, um kleine Schadinsekten zu fangen. Da bleiben auch die Fledermäuse haften – und sterben. Jetzt im Winter sind freistehende Gießkannen und Blumentöpfe gefährlich. Die Fledermäuse suchen einen Tropfen Wasser, fallen hinein und können in der engen Umgebung nicht mehr losfliegen. Sie rufen nach ihren Artgenossen – und auf einmal sitzen 20, 30 Fledermäuse in einer Gießkanne.”
Stefanie Kleemann hat sich in ihrer Freizeit in Potsdam und Hessen zur Wildtierpflegerin ausbilden lassen. Die Kosten dafür hat sie selbst getragen. Nun betreibt sie ehrenamtlich eine kleine private Pflegestelle für Fledermäuse, Wildvögel und Igel bei sich Zuhause. Auch kleine Eichhörnchen sind mitunter bei ihr zu Gast. Das ist ein Ehrenamt, bei dem ihr niemand für die Arbeit dankt oder sie für den Kampf und die Mühen belohnt. Und wo niemand Trost spendet, wenn ein Tier nach tagelangem Kampf und durchgemachten Nächten doch verstirbt. Sie bekommt auf ihrer Arbeit auch keine “Elternzeit”, wenn in der Tierkindersaison von März bis September wieder Jungtiere zu versorgen sind, die alle zwei Stunden ein “Fläschchen” benötigen. Die Finanzierung der tierischen Gäste bleibt ebenfalls an Stefanie Kleemann hängen: “In der Vogel- und Babyigel-Aufzuchtzeit belaufen sich die monatlichen Kosten schon einmal auf 500 Euro.”
Die Falkenseer Tierfreundin möchte ihre genaue Adresse in Falkensee nicht verraten, um nicht “überrannt” zu werden. Stefanie Kleemann: “Wer ein verletztes Wildtier findet, ruft am besten die Homepage der Wildtierrettung (www.wildtierrettung.de) auf, hier findet man alle Kontaktinformationen. Die Wildtierrettung greift anschließend auf ihre Pflegestationen zurück. Ich bin auf diese Weise auch mit der Tierrettung Potsdam und mit dem Landesamt für Umwelt (LfU) vernetzt.”


Jetzt im Winter hat Stefanie Kleemann vor allem Fledermäuse bei sich im Haus zu Gast: “Die Fledermäuse suchen gerade ihr Winterquartier auf, um zu überwintern. Das gelingt ihnen wie bei den Igeln aber nur, wenn sie ausreichend Gewicht haben. Sie müssen gut im eigenen Speck verpackt sein. Haben sie zu wenig Gewicht, muss ich sie aufpäppeln. Am besten geht das mit Mehlwürmern und den Larven der Wachsmotte. Zurzeit habe ich die Zweifarbfledermaus, die Mückenfledermaus und die Zwergfledermaus im Haus. Langohren gab es viele im letzten Jahr, aber in diesem Winter noch nicht.”
Die Fledermäuse kommen einzeln in eine Quarantänebox. Gut wäre es, wenn sie besonders schnell an Gewicht zulegen. Stefanie Kleemann: “Im Moment können wir einzelne Fledermäuse noch auswildern. Man kann sich daran orientieren, was vor der eigenen Haustür passiert. Fliegen da noch andere Fledermäuse, kann ich meine Gäste auch noch freilassen, wenn sie genügend Gewicht haben. Vor allem Weibchen versuchen wir sehr schnell wieder auszuwildern. Die sind alle schon begattet, speichern aber das Sperma und befruchten sich nach dem Winter selbst, sobald es wärmer wird. Die denken bei mir in der warmen Stube, der Winter ist vorbei, und schon gibt es Nachwuchs.”
Bleibt ihr noch Zeit, folgt Stefanie Kleemann gern dem “Bildungsauftrag für nachhaltige Entwicklung” (BNE) und geht in die Grund- oder Gesamtschulen: “Das mache ich, damit die Kinder schon früh lernen, wie wichtig der harmonische Einklang zwischen Menschen, Natur und Tieren ist. Es soll das Bewusstsein in jungen Menschen geweckt werden, in der Natur etwas besser machen zu wollen und aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Etwa, indem man Katzen lieber im Haus behält, um so unzähligen Wildtieren das Leben zu retten. Oder, indem der eigene Garten naturnah angelegt wird, sodass sich viele Insekten ansiedeln und Igel eben nicht jede Nacht bis zu fünf Kilometer weit laufen müssen, um sich den Bauch vollzuschlagen. Und wo lassen sich Verbesserungen im Umgang mit den Wildtieren besser umsetzen als vor der eigenen Haustür?”
Wer Stefanie Kleemann für ein Naturprojekt in der Schule anfragen möchte, wendet sich am besten an den NABU Osthavelland (www.nabu-osthavelland.de). (Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 237 (12/2025).

