Brandenburg ist eines der größten Bundesländer in ganz Deutschland – und trotz seiner Berlin-Nähe doch nur recht spärlich bevölkert. Umso mehr Raum nimmt die Landwirtschaft ein. Und die stellt sich seit 1991 in Form der Brandenburgischen Landwirtschaftsausstellung (BraLa) der Bevölkerung vor. Vom 8. bis zum 10. Mai strömten einmal mehr viele Familien und Fachbesucher auf das Messegelände im MAFZ, um Tiere zu sehen, Vorträge zu besuchen, alte Landmaschinen zu bestaunen und regionale Produkte zu verkosten. Allerdings kam die Frage auf: Wird das die letzte BraLa sein?
Die Landwirte produzieren – und die Bevölkerung konsumiert. Oft findet aber kein echter Dialog zwischen den beiden Seiten statt, was schade ist, weil Vorurteile und Fehlinformationen schnell dafür sorgen, dass die Menschen vor allem in den Städten kaum wissen, wie die Nahrungsmittel erzeugt werden, die täglich auf ihrem Tisch landen.
Die Brandenburgische Landwirtschaftsausstellung (www.brala.eu), die in diesem Jahr bereits zum 33. Mal stattfand, versteht sich als „Brandenburgs Schaufenster für Landwirtschaft, Technik und ländlichen Genuss“. Die kombinierte Fach- und Publikumsmesse ist ein wichtiger Branchentreff – und aufgrund der zahlreichen sehenswerten Angebote auf dem Gelände des Märkischen Ausstellungs- und Freizeitzentrums (MAFZ) in Paaren im Glien immer wieder ein Besuchermagnet für Familien mit Kindern. Im letzten Jahr pilgerten 21.300 Besucher ins MAFZ, um Rinder zu sehen, Traktoren unter die Motorhaube zu schauen, bei einer Vorführung wie etwa dem Schafscheren mit dabei zu sein oder sich durch das regionale Angebot an leckeren Speisen zu schlemmen.



In diesem Jahr wurde die BraLa vom 8. bis zum 10. Mai veranstaltet. Dabei wurde der Donnerstag gestrichen und die vom Landkreis Havelland, vom Landesbauernverband, vom pro agro e.V. und vom MAFZ gestemmte Veranstaltung auf drei Tage gekürzt. Roger Lewandowski, Landrat des Havellands: „Das war auch ein Wunsch der Aussteller, die ihre Messestände ja auch personell besetzen müssen. Sie haben sich eine verdichtete Ausstellung gewünscht.“
Die einzige überregionale Landwirtschaftsausstellung Brandenburgs folgte in diesem Jahr dem Motto „Entdecken. Erleben. Vernetzen.“ Roger Lewandowski: „Hier zeigen wir eben auch, was die Landwirtschaft in Brandenburg, aber auch insgesamt zu leisten imstande ist. Und das ist eine ganze Menge.“
Für die Landwirte ist die BraLa ein Treffpunkt, an dem sie zusammenkommen. Ganz in diesem Sinne haben sie sich noch vor der offiziellen Eröffnung der BraLa am 8. Mai morgens zusammengesetzt, um eine Bauernversammlung einzuberufen. Henrik Wendorff ist Präsident des Landesbauernverbands Brandenburg. Er erklärte: „Es ist uns gelungen, alle Fraktionsvorsitzenden der Parteien aus dem Landtag in die Bauernversammlung einzuladen. Vor uns steht eine neue europäische Förderperiode. Bei uns Landwirten geht es immer um die Finanzen, wir müssen aber auch über die Nachwuchsgewinnung reden. Da ist es wichtig, dass uns die Politik zuhört.“
Von diesen politischen Überlegungen haben die „normalen“ Besucher der BraLa wenig mitbekommen. Viele Familien kamen vor allem, um die vielen Tiere zu sehen, die sich auf der BraLa bestaunen lassen. Hier sah man das Sattelschwein, konnte ein Rind der Rasse „Deutsche Holstein schwarzbunt“ bestaunen, entdeckte bei den Hasen einen fast orangefarbenen „Burgunder“, fasste zum ersten Mal ein „Suffolk“-Schaf ins Auge oder näherte sich einem „Rheinisch-Deutschen Kaltblut“. Diese Pferderasse ist übrigens die BraLa „Rasse des Jahres“ gewesen. Über das Tier hieß es: „Diese Pferderasse ist weit mehr als ein imposantes Arbeitspferd, sie ist ein lebendiges Kulturgut auf vier Hufen.“



Über 500 gewaschene, geföhnte und gestriegelte Tiere waren auf der BraLa zu entdecken. Nur ein Publikumsmagnet fehlte – die Vögel, vor allem die Hühner, aber auch Gänse, Tauben und Enten. Sie mussten prophylaktisch zu Hause bleiben, weil zurzeit (und zum Glück noch außerhalb des Havellands) eine neue Vogelseuche grassiert, die Newcastle-Krankheit.
Das Fernbleiben der Vögel sei nötig, aber sehr schade, so Henrik Wendorff: „Unsere Landestierschauen auf der BraLa erfreuen die vielen Besucher. Mit ihnen sind aber auch Prämierungen und Auszeichnungen verbunden, die auf der BraLa vergeben werden. Für jeden Züchter ist es der Lohn einer Jahresarbeit, mit so einer Auszeichnung nach Hause zu fahren. So ein Züchterpreis motiviert auch die jungen Züchter, die ja später einmal in die Fußstapfen der Älteren treten möchten.“
Bei einem Rundgang über das Gelände der BraLa gab es aber noch viel mehr zu entdecken. In der Brandenburghalle präsentierten Firmen aus dem Dunstkreis der Landwirtschaft ihre Lösungen, Produkte und Angebote. Im Freien konnten sich die Besucher große aktuelle Traktoren und andere Fahrzeuge aus der Landwirtschaft ganz aus der Nähe anschauen.
Ein echtes Highlight war die Ausstellung mit historischen Landmaschinen. 59 Scheunenfunde und liebevoll erhaltene Oldtimer standen hier in Reih und Glied. Da fand sich der Massey Ferguson SA 3625 von 2009 ebenso wie der Traktor Renault R Super 5 von 1965 oder der Fendt Farmer 1Z von 1964.
Weiter ging es über das „Brandenburg-Dorf“. Das war der Food Corner der BraLa mit einem mehr als breit gefächerten Angebot rollender Foodtrucks. Hier konnte man sich den frisch panierten Bratfisch im Brötchen ebenso schmecken lassen wie dicke Burger, Knoblauchbrote, „Opas Bowle des Vergessens“ oder eine Riesen-Boulette. Für den süßen Zahn gab es geröstete Mandeln und andere Leckereien.



Der „pro agro Regionalmarkt“ ist jedes Jahr ein echtes Highlight für alle Freunde der regionalen Erzeuger. Dieses Mal konnte der Verband pro agro, der sich seit fast 35 Jahren darum bemüht, Brandenburger Produkte in den Handel zu bringen, gleich 40 Holzbuden besetzen. An den Hütten konnten die Besucher Havelländer Honig mit Marzipan aus Wustermark einkaufen, den Markauer Met auf Vorrat in die Tasche packen oder an der „Wildererhütte“ eine echte Waschbärensalami probieren. Auch Tonis Obstweinmanufaktur aus Werder (Havel), die Straußenfarm Westprignitz, 24Severn Spirits mit Likören aus Beeskow, Seenland-Safran aus Hermsdorf und Öl & Gut aus Cottbus waren mit dabei.
Florian Schulze ist der stellvertretende Vorsitzende des Verbandes pro agro: „Es ist unheimlich wichtig, regionale Produkte weiterhin in den Fokus zu setzen. Seinen Durst stillen und satt werden kann man auf vielerlei Weise, aber nur mit regionalen Produkten stützt man seine eigene Region und sorgt dafür, dass Brandenburger Unternehmen weiterhin ein Teil des ländlichen Raumes bleiben.“
Er machte sich auch stark für die Brandenburger Landpartie, die am 13. und 14. Juni stattfinden wird. Hier ist es möglich, die ländlichen Erzeuger direkt auf ihrem Hof zu besuchen, um sich die Landwirtschaft einmal aus allernächster Nähe anzuschauen.
Die Landwirte haben Probleme mit der Zukunftssicherung in ihrer Branche – es fehlt an Nachwuchs. Unter dem Aspekt „Grüne Berufe“ konnten sich die Besucher deswegen bei den ausstellenden Verbänden und Betrieben informieren und Fragen zu Ausbildungswegen und Karrierechancen in der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft stellen.
Einmal mehr wurde auch das Projekt „BraLaCampus“ neu ausgerollt. Schülergruppen in allen Altersklassen, Azubis, aber auch Studenten besuchten die BraLa, um sich über landwirtschaftliche Themen zu informieren. Ute Lagodka, Geschäftsführerin des MAFZs: „Der BraLaCampus war wieder ein voller Erfolg, es hatten sich in diesem Jahr über 500 Schüler angemeldet.“
Für die Besucher der BraLa lohnte sich auch der Blick ins Programmangebot. So verpassten sie hoffentlich nicht das Warm-up der Traktoren im Großen Ring, konnten beim Schaubrauen in der „Historischen Brauerei von 1834“ den Bierkrug in die Höhe stemmen, durften beim Landesfleischrindwettbewerb des Rinderzuchtverbandes Berlin Brandenburg RBB zuschauen und staunten beim Schaumelken der Milchschafe oder beim Schauscheren.



Auf die Besucher warteten auch etliche Vorträge. Christian Heidt referierte über „Alte und gefährdete Nutztierrassen“. Dr. Jens Hübel sprach über „Hitze als Kostenfaktor: Wie schütze ich meine Herde?“ und über „Meine ersten Hühner – was brauche ich?“. Und Christine Möller hielt einen Vortrag: „Naturschutz – der Esel als Nutztier“.
Beim „BraLa Cup Zaunkönig“ kam es zum Zaunbauwettbewerb des Schafzuchtverbandes, es gab einen Fahrwettbewerb der Pferde und Ponys um den „BraLa-Cup 2026“ im Großen Ring, und es wurden gleich mehrere Jungzüchterwettbewerbe abgehalten und ausgewertet.
Landrat Roger Lewandowski: „Die BraLa bot wieder ein tolles Programm, um vieles über die Landwirtschaft zu erfahren – und das mit allen Sinnen. Man konnte riechen, sehen, schmecken und ausprobieren. Sicher bot sich dabei auch die Gelegenheit, mit dem einen oder anderen Vorurteil aufzuräumen. Denn es ist immer besser, miteinander als übereinander zu reden. Da konnte auf der BraLa sicherlich die eine oder andere Fehlinformation geradegerückt werden. Gerade als Großstädter hat man oft eine ganz bestimmte Vorstellung von der Landwirtschaft, die aber schnell komplett von dem überholt wird, was man hier vor Ort zu sehen bekommt.“
Über 400 Aussteller und Züchter haben am Ende ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse und ihre Tiere und die Technik präsentiert. Im Fokus standen Biodiversität, Nachhaltigkeit, Klimaneutralität, Karrierechancen in den „Grünen Berufen“ sowie die aktuellen Entwicklungen in der Landwirtschaft.
Brandenburgs Ministerin Hanka Mittelstädt sagte: „Seit über 33 Jahren ist die BraLa als regionale Fachmesse eine Plattform für den gegenseitigen Austausch unter Akteuren der Land- und Ernährungswirtschaft, der Verbände und der Forschungsinstitute.“
Alexander Vujanov ist der Havelländer Erntekönig für die Saison 2025/2026, zugleich aber auch EDEKA-Marktleiter im Falkenseer Wachtelfeld. Eine spannende Kombination: „Mir war schon vor meiner Amtszeit als Erntekönig bewusst, dass Landwirtschaft deutlich mehr ist als nur der Inhalt der Verpackungen in den Supermarktregalen. Ich habe als Erntekönig sehr viele neue Menschen aus der Landwirtschaft kennengelernt, viele Kontakte aufgebaut und viel gelernt. Wichtig war mir, dass wir es gemeinsam schaffen, die Bürokratie zwischen Landwirtschaft und Supermarkt zu verschlanken und etwas kürzer zu gestalten, so wie das etwa bereits mit dem Hofladen Falkensee geschehen ist. Ich hoffe, dass ich noch mehr erreichen kann, aber meine Amtszeit nähert sich langsam ihrem Ende.“


Die Betreiber-GmbH vom MAFZ wird zurzeit aufgelöst. Die große Frage ist: Wie geht es vor Ort weiter, wird es die BraLa vielleicht (am Standort) nie wieder geben? Landrat Roger Lewandowski: „Die Gesellschaft steckt in Schwierigkeiten. Die BraLa ist aber ein wichtiges Ereignis für uns in Brandenburg. Unser Bestreben ist es natürlich, dass die BraLa auch im nächsten Jahr und im Folgejahr weiterhin stattfinden kann. Wir sind deswegen auf der Suche nach einem guten neuen Betreiber für das MAFZ-Gelände. Und es zeichnet sich ab, dass gute Aussichten bestehen, dass vor Ort jemand das Zepter übernimmt, der die BraLa am gewohnten Standort fortführen kann.“ (ϑ Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 243 (6/2026).






























































