Kinder brauchen oft nicht viel, um in ihrer Fantasie ganze Welten neu entstehen zu lassen. Aus einem einfachen Stock wird ein Schwert und ein Ast verwandelt sich in ein treues Pferd. Kinder spielen seit Generationen mit Steckenpferden. Rund um die Pferdeköpfe hat sich in den letzten Jahren die Sportart „Hobby Horsing“ entwickelt, die immer mehr Anhänger findet. Tina Twelkmeyer aus Dallgow-Döberitz fertigt in ihrer „Hobby Horses Manufaktur“ in liebevoller Handarbeit Pferdeköpfe auf Holzstecken an, die sowohl zum Spielen als auch für den sportlichen Einsatz bestimmt sind.
Bei Tina Twelkmeyer bestimmen Pferde ihr ganzes Leben. Seit vielen Jahren ist sie im Reitsport aktiv, engagiert sich im Voltigieren und gibt ihre Begeisterung in Kursen weiter. 2018 entdeckte sie im Internet das Bild eines genähten, besonders realistischen finnischen Pferdes.
„Ich wollte einfach ausprobieren, ob ich das auch hinbekomme“, erinnert sie sich. Noch in derselben Nacht entwarf sie ein Schnittmuster, nähte ihren ersten Pferdekopf und bemalte ihn von Hand. Das Resultat bot sie online bei eBay Kleinanzeigen an – für rund 70 Euro. Kaum 15 Minuten später meldete sich eine Interessentin und bestellte kurzerhand noch ein zweites Exemplar. Inzwischen hat Tina Twelkmeyer an die 1.500 tierische Köpfe am hölzernen Stiel gefertigt – darunter auch Esel, Zebras und Einhörner.



Jeder Kopf entsteht in Handarbeit. Genäht wird mit der Nähmaschine und per Hand. Verwendet werden ausschließlich zertifizierte Materialien – vom Plüsch über die Wollmähne bis hin zu den Sicherheitsaugen und der Füllwatte. Alle Materialien erfüllen den OEKO-TEX-Standard. Für einen Pferdekopf benötigt sie rund sieben bis acht Stunden. Viel Zeit fließt dabei in Details.
„Allein bis die Ohren so waren, wie ich sie haben wollte, hat es bestimmt drei Jahre gedauert“, sagt Tina Twelkmeyer.
Ihre Liebe zum Detail zeigte sich zuletzt auch bei einer besonderen Kreation für das Richtfest des „Bibi & Tina Freizeitparks“. Extra dafür entwarf sie das Erdbeerpferd Karlotta – inklusive individuell gestaltetem Halstuch. „Die Stickmaschine wollte einfach nicht das machen, was ich im Sinn hatte“, erzählt sie. Also experimentierte Tina Twelkmeyer und malte die Schrift einfach frei Hand, bis das Ergebnis ihren Vorstellungen entsprach. Robert Dahl von Karls schenkte sie diesen Pferdekopf in knallroten Erdbeerfarben kurzerhand zum Richtfest.
Zum Nähen kam sie ursprünglich über ihre Voltigiergruppe. Damals waren Voltigieranzüge kaum bezahlbar; sie wurden nur von wenigen Schneiderinnen gefertigt. Also setzte sie sich selbst an die Nähmaschine ihrer Großmutter und legte los.
Als das Thema „Hobby Horsing“ in Deutschland langsam bekannter wurde, erkannte auch der Pferdesport das Potenzial. Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene „reiten“ hier mit ihren Steckenpferden über einen Parcours und zeigen dabei vorgegebene Schrittfolgen und Figuren. Auch ein Springreiten ist möglich.


Über ihre ehrenamtliche Arbeit für den Landesverband im Voltigieren wurde Tina Twelkmeyer gefragt, ob sie die neue Sportart nicht auf der Pferdemesse „Hippologica“ vorstellen könnte. Sie packte 25 Pferdeköpfe ein, die bei Weitem nicht ausreichten: „Als unsere Zeit vorbei war, haben Kinder geweint, weil sie nicht mehr an die Reihe gekommen sind“, erzählt Tina Twelkmeyer.
Tina Twelkmeyer wünscht sich, dass alle zukünftigen Besitzerinnen viel Freude an ihren Hobby Horses (www.hobby-horses.de) haben werden. (ϑ Text/Foto: Sandy Kolbuch)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 245 (8/2026).

