Seit 2009 kocht Edmund Becker im Falkenseer Hexenhaus. Seine deutsch-französische Fusionsküche zaubert den Gästen ein beseeltes Lächeln ins Gesicht: Viele Stammkunden sind bereits süchtig nach Raviellis an Morchelrahmsoße oder nach dem butterzarten Black-Angus-Schmorbraten. Regelmäßig finden im Hexenhausgarten aber auch leckere Küchenpartys und besondere kulinarische Feiern statt. Am 3. Juli wurden 130 Gäste zum Südstaaten-Barbecue mit Live-Musik empfangen. 140 Kilo US-Beef kamen bei „Food, Rock and Fire“ u.a. auf den Teller.
Über hundert Jahre alt ist das Hexenhaus (www.hexenhausfalkensee.de) im Falkenseer Poetenweg. Das einzigartige Haus aus dem letzten Jahrtausend besteht aus kompletten Eichenstämmen samt Rinde – das ergibt einen ganz besonders märchenhaften Anblick. Eingebettet in ein kleines Wäldchen wirkt das hölzerne Haus auf den ersten Blick wirklich so, als würde gleich die Hexe aus der Tür treten, um kleine Kinder mit knorrig-dürren Finger ins Innere zu locken.
Doch keine Angst. Hexen gibt es heute nicht mehr vor Ort. Stattdessen arbeitet dort ein immer gut gelaunter Koch, der in der kleinen Kellerküche unermüdlich seinen Kochlöffel schwingt, um ganz besondere Leckereien auf den Teller zu bringen, die man so an keinem anderen Ort in ganz Europa verkosten kann. Edmund Becker (77), den alle nur „Edmond“ nennen, hat im Verlauf seines Lebens als Koch die halbe Welt bereist. So war er lange in den USA zu Hause und hat zuletzt in Mougins an der Côte d’Azur das bei Prominenten sehr geschätzte Spitzenrestaurant „À la table d’Edmond“ geführt.



Im Jahr 2009 lockte ihn sein Freund Lothar Hardt aus dem warmen Frankreich nach Brandenburg, um aus dem lange unbewohnten Hexenhaus nach einer umfangreichen Sanierung ein ganz besonderes Restaurant zu machen. Seitdem kocht „Edmond“ im Hexenhaus – und verbindet französische Rezepte mit lokalen Produkten aus Deutschland, um nach dem Fusionsprinzip eine ganz eigene Wohlfühlküche zu kreieren. Diese Küche funktioniert auf höchstem Niveau, schielt dabei aber nicht nach einem Michelin-Stern, sondern hat allein das Wohlbefinden und die Gemütlichkeit der Gäste im Sinn.
Frei nach dem Motto „Die Provence bittet zu Tisch“ bekommt man im Hexenhaus etwa einen Wildkräutersalat mit gebratenen Wildfanggarnelen, ein zartes US-Brisket mit japanischem Wasabi oder ein gebratenes Doradenfilet an Beurre Blanc serviert. Die Karte ist überschaubar – immer ein untrügliches Zeichen dafür, dass vor Ort wirklich frisch gekocht wird.
Legendär sind die Küchenpartys, die früher im Hexenhaus gefeiert wurden. Da stand ein Abend oft unter einem ganz bestimmten Motto wie etwa „Alles aus dem Meer“ – und es gab passend dazu ein ausgetüfteltes Menü mit häufig acht oder neun Gängen, bei denen Edmund zumindest für das Hexenhaus völlig neue Rezepte ausprobiert hat. Wer erinnert sich da nicht an den großen Topf mit einer dickflüssigen Bouillabaisse mit Hummer, Muscheln, Fisch und Krebstieren – und einem extrem intensiven Geschmack, der einem förmlich mit dem Presslufthammer in die Geschmacksknospen der Zunge eingestampft wurden An riesige Chili-Garnelen mit hausgemachter Aioli-Soße? An gebackene Miesmuscheln mit Kräuterkruste?



Bei den Küchenpartys holten sich die Gäste selbst das Essen für den ganzen Tisch in der Küche ab – oder halfen sogar selbst beim Kochen mit. Die Besonderheit bei diesen Abenden: Die Gäste zahlten im Vorfeld einen einmaligen Betrag. Anschließend waren sämtliche Speisen und auch die Getränke inklusive.
Es gab sogar russische und südamerikanische Abende im Hexenhaus. Zuletzt hat Edmond gemeinsam mit seinen bekannten Kochfreunden wie Hans-Peter Wodarz, Kolja Kleeberg und Christian Lohse zu ganz besonderen Abenden eingeladen. Keine Frage: Im Hexenhaus ist immer etwas los.
Das ganze Jahr über laufen übrigens immer Veranstaltungen der Reihe „WeinKulturKulinarik“, die stets an einem Dienstagabend stattfinden. Der bekannte Sprecher Dirk Lausch stellt einen Künstler wie etwa Johannes Vermeer oder Philipp Franck vor. Edmond kocht dazu ein Menü, das perfekt zur Lebensvita des Künstlers passt. Und Edmonds Frau Anna Filimonova malt live vor Ort eine Kopie eines berühmten Werks, das am Ende des Abends unter den Anwesenden versteigert wird.



Das erste richtig große Event in diesem Jahr fand am 3. Juli ab 18 Uhr für etwa 130 geladene Gäste statt. Frei nach dem Motto „Food, Rock und Fire“ wurde im Hexenhaus-Garten ein Südstaaten-Barbecue veranstaltet. Passend dazu sorgte die fünfköpfige Rockband „Gehrock“ für Live-Musik im ZZ-Top-Stil.
Edmund Becker: „Passend zu unserem Südstaaten-Barbecue gab es ein Büffet mit Short Ribs, einem Pork Neck mit BBQ-Soße, butterzartem Rinderbrust-Brisket vom amerikanischen Black Angus und einem Cajun-Lachs mit einer Sweet-Heat-Gewürzmischung, wie man sie drüben in New Orleans gern verwendet. Das ist schön scharf und würzig. Dazu konnten die Gäste verschiedene Quark-Dips probieren, es gab unser berühmtes Kartoffelsahnepüree, wir hatten kleine Rosmarinkartoffeln vorbereitet und es gab einen Mais-Paprika-Salat. Zum Nachtisch haben wir einen Käsetörtchen-Pudding mit einem Mandel-Baiser-Macaron gereicht.“
Ganz egal, ob Softdrink, Wasser, Wein, Bier oder am Ende einen Kaffee: Auch alle Getränke waren an diesem Abend wieder für 99 Euro pro Person inklusive – ein Preis, der voll gerechtfertigt ist für all die kulinarische Liebe, die hier auf der Gabel gelandet ist.
Der Abend verlief bei schönstem Sommerwetter äußerst entspannt. Die Gäste vertieften sich an den Tischen in ihre Gespräche, ließen sich von den fleißigen Helferinnen mit Getränken versorgen und lauschten der Live-Musik, die nicht durchgängig spielte, sondern immer wieder Pausen einlegte.
Edmund Becker: „Wir haben vor Ort eine spontane Umfrage gemacht und gefragt, wer denn vorher schon einmal im Hexenhaus und vielleicht sogar auf einer Küchenparty gewesen ist. Ich war überrascht, dass bestimmt jeder vierte Gast bei ‚Food, Rock and Fire‘ erstmals einen Fuß in unseren Hexenhaus-Garten gesetzt hat. Wir hoffen, dass es allen gefallen hat und sie schon bald wiederkommen.“ (ϑ Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 245 (8/2026).
















