vocatium 2026 in Falkensee: Wenn aus der Berufsfrage ein konkreter Plan wird!
Wie geht es nach der Schule weiter? Ausbildung, Studium, duales Studium – oder vielleicht doch erst einmal ein Freiwilligendienst? Für viele Jugendliche gehört diese Frage zu den schwierigsten überhaupt. Die vocatium 2026 in Falkensee möchte bei der Orientierung helfen: Am 23. und 24. September brachte die Fachmesse in der Falkenseer Stadthalle gezielt junge Menschen mit Unternehmen, Hochschulen und Beratungsstellen zusammen. Das Besondere dabei: Viele Gespräche wurden bereits vorab vereinbart. So wurde aus einem Messebesuch im besten Fall der erste konkrete Schritt ins Berufsleben.
Die Auswahl ist riesig – und genau das macht die Entscheidung oft nicht leichter. Wer heute die Schule verlässt, kann zwischen einer Vielzahl von Ausbildungsberufen, Studiengängen und dualen Angeboten wählen. Hinzu kommen Freiwilligendienste, Auslandsaufenthalte oder die Frage, ob vielleicht zunächst ein Praktikum der erste Schritt in die eigene Zukunft ist.
Eine möglichst auf die Jugendlichen abgestimmte Orientierung soll die vocatium Berlin II + Havelregion 2026 (www.vocatium.de/messen/info/vocatium-berlin-ii-havelregion) geben. Sie fand am 23. und 24. September jeweils von 8:30 bis 14:45 Uhr in der Stadthalle Falkensee statt – und zwar gleich in beiden Hallen. Der Eintritt war für die Schülerinnen und Schüler völlig kostenfrei. Nach den Angaben des Veranstalters waren 90 Aussteller dabei.
Bei ihnen handelte es sich längst nicht nur um Unternehmen, die klassische Ausbildungsplätze anbieten. Die Mischung war bewusst breit angelegt: Ausbildungsbetriebe trafen auf Hochschulen, Fachschulen, öffentliche Einrichtungen und Beratungsstellen.
Leyla Jahn ist im Auftrag der Berliner Firma „IfT Institut für Talententwicklung Mitte GmbH“ die Projektleiterin für die vocatium in Falkensee, die bereits seit 2021 vor Ort stattfindet – eine gute Ergänzung übrigens zur von der Stadt veranstalteten „Perspektivmesse Falkensee“ und der vom Landkreis Havelland im MAFZ organisierten „Börse für Ausbildung und Studium“. Sie erzählte: „Zu den Ausstellern in diesem Jahr gehörten elf Beratungsinstitutionen, 51 Ausbildungsunternehmen, fünf Akademien und Fachschulen sowie 21 Hochschulen. Wir hatten auch zwei Aussteller zum Thema Ehrenamt mit dabei. Neben der Berliner Landeszentrale für politische Bildung stellte sich auch die ICJA vor, die weltweit einen Freiwilligenaustausch organisiert. Im Vorfeld haben wir 4.900 Schülerinnen und Schüler informiert. 4.200 von ihnen haben im Vorfeld eine Einladung von einem angefragten Aussteller samt Termin vor Ort erhalten. 55 Prozent der Jugendlichen mit einem Termin streben übrigens einen MSA-Abschluss an, 45 Prozent das Abitur.“
Unter den Unternehmen und Institutionen fanden sich auch dieses Mal wieder bekannte Namen wie Bayer, BMW, Siemens, Rolls-Royce Deutschland, die Berliner Verkehrsbetriebe, die Charité, die Bundespolizei, die Bundeswehr, der Zoll, Kaufland und Lidl. Auch regionale Arbeitgeber wie die Havelland Kliniken, die Mittelbrandenburgische Sparkasse oder die Stadt Falkensee waren vertreten.
Gerade die Stadt Falkensee zeigte, wie unterschiedlich die Möglichkeiten bei einem einzelnen Arbeitgeber sein können. Angeboten wurden u.a. Ausbildungswege zum Verwaltungsfachangestellten, zum Brandmeisteranwärter oder für den Erzieherbereich (alle m,w,d). Hinzu kam ein duales Studium in Verwaltungsinformatik. Auch Praktika wurden in Aussicht gestellt.
Lena Brown ist die Ausbildungsleiterin der Stadt Falkensee. Sie erzählte: „Zum 1. August 2027 bieten wir wieder Ausbildungsplätze zur oder zum Verwaltungsfachangestellten an. Bei der Ausbildung handelt es sich um eine duale Ausbildung, die neben der praktischen Tätigkeit auch den Besuch der Berufsschule umfasst. In unserem Fall ist dies das OSZ Ostprignitz-Ruppin. Während der Ausbildung durchläuft man verschiedene Bereiche der Verwaltung und erhält so einen umfassenden Einblick in unterschiedliche Aufgabenfelder – u.a. in den Personalbereich, das Rechnungswesen, das Bürgeramt sowie weitere Fachbereiche. Wer die Ausbildung mit den Noten 1 bis 3 erfolgreich abschließt, wird im Anschluss in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen. Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten ist eine sichere Beschäftigung in der öffentlichen Verwaltung wieder besonders gefragt.“
Wer eher über ein Studium nachdenkt, konnte sich u.a. bei der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg, der Europa-Universität Viadrina, der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, der Medizinischen Hochschule Brandenburg, der Universität Rostock oder der Bauhaus-Universität Weimar informieren.
Das eigentliche Erfolgsrezept der vocatium ist aber nicht allein die Zahl der Aussteller.
Im Unterschied zu vielen klassischen Berufsmessen sollen die Jugendlichen nicht nur durch die Halle laufen, Prospekte einsammeln und hoffen, zufällig den passenden Ansprechpartner zu finden. Das Konzept setzt vielmehr auf vorbereitete Gespräche, die noch in der jeweiligen Schule stattfinden und die dann in ganz konkreten Terminen auf der Messe münden. Die Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich deshalb bereits lange vor der Messe mit den teilnehmenden Unternehmen und Bildungseinrichtungen. Sie konnten so auch angeben, mit wem sie besonders gern sprechen möchten. Das Organisationsteam versuchte anschließend alles, um passende Gesprächswünsche zusammenzuführen und feste Termine zu vergeben.
Dadurch wissen beide Seiten schon vorher, warum sie miteinander sprechen.
Für die Jugendlichen aus 46 Schulen von Hennigsdorf bis Velten bedeutete dies auch 2026 wieder: Sie konnten gezielt Fragen stellen, sich über Voraussetzungen, Bewerbungsfristen, Ausbildungsinhalte oder Studiengänge informieren – und sich gleichzeitig selbst vorstellen. Den Unternehmen und Hochschulen hingegen saßen junge Menschen gegenüber, die sich zumindest grundsätzlich für ihr Angebot interessiert haben. Auf diese Weise konnte ein solches Gespräch deutlich konkreter und intensiver ausfallen als der übliche kurze Austausch an einem Messestand. Genau darauf zielt das generelle Konzept der vocatium ab: Nicht möglichst viele Kontakte sollen entstehen, sondern möglichst passende. Und vielleicht ist am Ende eines dieser Gespräche tatsächlich wichtiger als hundert Broschüren im Rucksack.
Trotzdem musste niemand einen festen Termin besitzen, um die vocatium zu besuchen. Auch spontane Gespräche waren jederzeit möglich. Schließlich konnte man auch beim Schlendern durch die Hallen interessante Ausbildungen, Studiengänge und auch Arbeitgeber entdecken.
So etwa die Reinhold Fehmer GmbH aus Falkensee, die sich im Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau engagiert. Thomas Szypritt ist bei Fehmer mit der Bauleitung betraut. Am Stand der vocatium stand er den Schülern Rede und Antwort: „Wir suchen Auszubildende für den Garten- und Landschaftsbau (m,w,d). Das ist eine dreijährige Ausbildung. Unser Firmensitz ist in Falkensee, wir sind aber in ganz Berlin und Brandenburg unterwegs. Wer sich bewerben möchte, braucht einen MSA-Abschluss und die Bereitschaft, an der frischen Luft körperlich zu arbeiten. Fehmer ist ein Familienunternehmen, das sehr gut aufgestellt ist. Wir haben u.a. den Sportplatz am Rosentunnel und die Grünanlagen an der Stadthalle und am Anger mitentwickelt. Um unsere sehr abwechslungsreichen Aufträge zu bewältigen, brauchen wir dringend Nachwuchs. Alle Azubis, die ihre Ausbildung ordentlich beenden, werden in der Regel automatisch übernommen. Wir haben schon Azubis gehabt, die sich so sehr für unsere schweren Maschinen begeistern konnten, dass sie sich anschließend ganz auf das Fahren mit dem Radlader spezialisiert haben.“
Ergänzt wurde die Messe mit einem umfangreichen Vortragsprogramm.
Im nächsten Jahr wird die vocatium erneut in Falkensee stattfinden – und zwar am 22. und 23. September 2027. (ϑ Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 247 (10/2026).
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