Komm, wir fragen den Bürgermeister: Dr. Michael Wiebersinsky, Nauen
Ende August haben Sie gemeldet, dass die „aktuelle Haushaltsanalyse der Stadt Nauen ein deutliches Defizit gegenüber den bisherigen Planungen“ zeigt. Maßgeblich dafür sei insbesondere ein unerwarteter Rückgang bei den Steuereinnahmen. Bezieht sich der Rückgang auf die Gewerbesteuern? Wie kommt es zu dem Rückgang? Wird es noch schlimmer werden? Geht es um die Autohäuser im Ort? Was bedeutet das für den Nauener Haushalt?
Dr. Michael Wiebersinsky: „Der in der Haushaltsanalyse dargestellte Einnahmenrückgang betrifft maßgeblich die Gewerbesteuereinnahmen der Stadt Nauen. Woran dieser Rückgang im Einzelnen liegt, lässt sich derzeit allerdings nicht abschließend beurteilen. Gewerbesteuerveranlagungen können sich auch auf bereits vergangene Jahre beziehen, sodass eine exakte Prognose der weiteren Entwicklung zum jetzigen Zeitpunkt schwierig ist.
Gleichzeitig beobachten wir, dass die Gewerbesteuereinnahmen auch in anderen Kommunen in diesem Jahr teilweise deutlich zurückgehen. Es handelt sich also nicht um eine Entwicklung, die ausschließlich Nauen betrifft. Zu einzelnen Unternehmen oder Unternehmensgruppen kann ich mich aus Gründen des Steuergeheimnisses grundsätzlich nicht äußern.
Für den Nauener Haushalt bedeutet diese Prognose, dass wir aufmerksam und verantwortungsvoll reagieren müssen. Verwaltungsintern stimmen wir deshalb derzeit das weitere Vorgehen ab. Dabei prüfen wir sowohl mögliche Einsparungen als auch Möglichkeiten zur Ertragssteigerung. Unser Ziel ist es, die gestiegenen Aufwendungen der vergangenen Jahre langfristig abzufedern und gleichzeitig die Handlungsfähigkeit der Stadt zu erhalten. Wichtig ist mir: Wir schauen uns die Situation sehr genau an und werden rechtzeitig die notwendigen Maßnahmen ergreifen.“
Die Stadt Nauen wollte doch gern das marode „Theater der Freundschaft“ aufkaufen. Was ist denn aus der Idee geworden? Besteht noch Hoffnung? Oder ist das bei leeren Kassen jetzt eh keine Option mehr?
Dr. Michael Wiebersinsky: „Der Ankauf des ‚Theaters der Freundschaft‘ durch die Stadt ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht geplant. Für eine solche Entscheidung wäre zunächst ein nachhaltiges und wirtschaftlich tragfähiges Nutzungskonzept erforderlich. Gerade in der aktuellen Finanzsituation müssen wir sehr verantwortungsvoll mit den finanziellen Möglichkeiten der Stadt umgehen.
Denn mit dem Erwerb einer Immobilie wären die Kosten keineswegs beendet. Hinzu kämen erhebliche Investitionen für die Sanierung sowie dauerhaft laufende Folgekosten. Deshalb müssen wir hier sehr genau abwägen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass wir die Entwicklung des Gebäudes aus den Augen verlieren. Sollte sich perspektivisch eine überzeugende und finanzierbare Lösung ergeben, werden wir uns diese selbstverständlich ansehen. Zum jetzigen Zeitpunkt wäre ein Ankauf ohne tragfähiges Nutzungskonzept jedoch nicht verantwortbar.“
Im Havelland sollen mehrere Rechenzentren gebaut werden, direkt vor Nauens Toren entsteht zurzeit das allererste. Was bedeutet dieses Rechenzentrum für Nauen? Sind zusätzliche Steuereinnahmen zu erwarten? Arbeitsplätze?
Dr. Michael Wiebersinsky: „Die ersten Arbeiten für das Rechenzentrum in Nauen sind bereits deutlich sichtbar, wenn wir aus Richtung Berlin nach Nauen hineinfahren. Diese Entwicklung hat für unsere Stadt durchaus Bedeutung und kann perspektivisch interessante Chancen eröffnen.
Ein wichtiger Aspekt ist die Abwärme des Rechenzentrums. Hier könnte sich langfristig die Möglichkeit ergeben, diese Wärme sinnvoll in der Stadt zu nutzen. Das wäre sowohl unter wirtschaftlichen als auch unter ökologischen Gesichtspunkten interessant.
Auch finanziell könnte die Entwicklung für Nauen positive Auswirkungen haben.
Auf Bundesebene wird derzeit über eine Änderung der gesetzlichen Regelungen zur Gewerbesteuer bei Rechenzentren beraten. Sollte die Gewerbesteuer künftig nicht mehr allein anhand der Zahl der Arbeitsplätze am Standort, sondern stärker anhand der Anschlussleistung berechnet werden, könnte davon auch die Standortkommune Nauen profitieren.
Wie die gesetzlichen Regelungen am Ende aussehen werden, bleibt abzuwarten. Wir verfolgen die Beratungen auf Bundesebene aber sehr aufmerksam. Entscheidend ist für uns, dass Nauen von einer solchen Entwicklung möglichst angemessen profitiert und sich daraus Chancen für unsere Stadt ergeben.“
Im Nauener Gebiet stehen viele Windräder. Lange war im Gespräch, die niedrigen Windräder durch wenige höhere zu ersetzen, die aber deutlich mehr Leistung bringen. Was ist daraus eigentlich geworden? Und bekommt die Stadt Nauen von den Windradbetreibern nicht auch anteilig Gelder?
Dr. Michael Wiebersinsky: „Entsprechend dem Bebauungsplan zum sogenannten Repowering sollen mittelfristig Windkraftanlagen der älteren Generation durch neue, effizientere und leistungsfähigere Anlagen ersetzt werden. Im Bebauungsplan ist genau festgelegt, welche bestehenden Anlagen nach Ablauf ihrer Laufzeit zurückgebaut werden sollen, um dort neue Anlagen zu ermöglichen.
Hier sind bereits erste Verfahrensschritte erfolgt. Allerdings handelt es sich bei solchen Projekten um einen längeren Weg mit umfangreichen Genehmigungs- und Prüfverfahren.
Für die Stadt Nauen kann das Repowering neben dem Beitrag zur Energiewende auch finanziell interessant sein. Werden die entsprechenden Anlagen errichtet, erhält die Stadt aufgrund der gesetzlichen Regelungen zur Beteiligung der Kommunen an den Erträgen aus der Windenergie eine entsprechende Vergütung. Diese richtet sich unter anderem nach dem jeweiligen Standort und wird auf die Gemeinden verteilt, die an den entsprechenden Windkraftanlagen liegen.
Damit bietet das Repowering für Nauen perspektivisch die Chance, moderne und leistungsfähigere Windenergie mit einem finanziellen Mehrwert für die Stadt zu verbinden.“
Ihr Tipp: Wo geht man in Nauen gut essen, welches Fest darf man nicht versäumen und welche Sehenswürdigkeit sollte man besuchen?
Dr. Michael Wiebersinsky: „Essen gehen kann man in Nauen an vielen Stellen ganz zentral rund um die Altstadt und entlang der Berliner Straße. Hier ist für jeden Geschmack etwas dabei – von asiatischer, griechischer und italienischer Küche über argentinische Spezialitäten bis hin zur klassischen Hausmannskost.
Aber auch in den Ortsteilen wie Wachow, Börnicke, Ribbeck und Groß Behnitz finden sich interessante Restaurants, die jeweils ihren ganz eigenen Charme haben.
Unbedingt erleben sollte man die mittlerweile traditionelle Nauener Hofweihnacht und das Rathausleuchten. Beide Veranstaltungen zeigen sehr schön, wie lebendig unsere Stadt und unsere Stadtgesellschaft sind.
Und wer Nauen wirklich kennenlernen möchte, sollte die Stadt und ihr Umland unbedingt mit dem Fahrrad oder zu Fuß erkunden.
Besonders empfehlenswert ist hier das Nauener Dreieck. Auf rund 28 Kilometern lassen sich die landschaftlichen Reize unserer Stadt mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten verbinden – beispielsweise mit dem Schloss Ribbeck oder dem Landgut Stober in Groß Behnitz.“ (ϑ Text/Foto: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 247 (10/2026).
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