Ehrenamt zum Anfassen: 5. Tag der Vereine fand in Falkensee statt!
Wie bunt und vielfältig das Vereinsleben im Havelland ist, zeigte sich am 26. September beim 5. Tag der Vereine in Falkensee. Entlang der Bahnstraße direkt am Bahnhof präsentierten sich Vereine aus ganz unterschiedlichen Bereichen – vom Sport über Kultur und Soziales bis hin zum Tierschutz und der Brauchtumspflege. Mit Informationsständen, Mitmachaktionen und einem Bühnenprogramm konnten die Besucher die Arbeit der Ehrenamtlichen aus nächster Nähe kennenlernen. Und vielleicht fand der eine oder andere dabei gleich ein neues Hobby – oder sogar ein Ehrenamt.
Vereine sind vielerorts das Rückgrat des gesellschaftlichen Lebens. Sie organisieren Sportangebote, kümmern sich um Kinder und Jugendliche, pflegen Traditionen, helfen Menschen in schwierigen Situationen, schützen Tiere und Natur oder sorgen mit kulturellen Angeboten dafür, dass in den Städten und Gemeinden etwas los ist. Vieles davon geschieht ehrenamtlich – und damit häufig außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung.
Genau das möchte der Tag der Vereine des Landkreises Havelland ändern. Zum inzwischen fünften Mal lud der Landkreis am 26. September Vereine und Besucher zu einem gemeinsamen Aktionstag ein. Dieses Mal wurde die Bahnstraße direkt am Falkenseer Bahnhof zwischen 11 und 16 Uhr zu einer großen Präsentationsfläche für das Ehrenamt.
Landrat Roger Lewandowski: „In unserem Landkreis gibt es über eintausend Vereine. Wir haben den Tag der Vereine vor fünf Jahren ins Leben gerufen, um die Vielfalt dieser Vereine sichtbar zu machen. Das Ehrenamt ist für den Landkreis unfassbar wichtig, denn ohne das Ehrenamt würde bei uns vieles überhaupt nicht funktionieren.“
Auch Falkensees Bürgermeister Heiko Richter freute sich, dass der Tag der Vereine bereits zum zweiten Mal Station in der Gartenstadt gemacht hat: „Bei uns in Falkensee haben wir über 200 Vereine. Auch in unserer Stadt würde ohne die Vereine und die Ehrenamtlichen wenig funktionieren. Die Vereine sind aber auch die Orte, wo sich die Menschen kennenlernen und Freundschaften schließen. Das ist vor allem für die Zugezogenen wichtig, die hier erste Kontakte knüpfen. Gut fände ich es, wenn sich die Vereine noch mehr untereinander vernetzen. Es muss nicht jeder eine Bierzeltgarnitur oder ein Zelt besitzen, man kann sich das auch wunderbar untereinander ausleihen.“
Extra für die Präsention und die Verknüpfung der Vereine hat der Landkreis Havelland eine Ehrenamtsplattform ins Netz gestellt. Sie lässt sich über die „Mein HVL-App“ erreichen. Landrat Roger Lewandowski: „Unser Landkreis ist groß, er hat 1.726 Quadratkilometer Fläche. Da ist die App bestens dafür geeignet, einen Verein zu finden. Auf der Plattform sind inzwischen über 100 Vereine und Initiativen verzeichnet. Wir laden die übrigen Vereine dazu ein, sich hier ebenfalls kostenfrei zu präsentieren.“
Zurück zum Tag der Vereine. Vor Ort ging es nicht nur darum, Flyer zu verteilen und über die eigene Arbeit zu informieren. Die Vereine waren eingeladen, ihre Angebote möglichst anschaulich zu präsentieren. An zahlreichen Ständen konnten Besucher ins Gespräch kommen, sich über Mitgliedschaften und Angebote informieren oder bei Aktionen selbst ausprobieren, was die jeweiligen Vereine ausmacht. Hinzu kamen Beiträge auf der Bühne.
An den Ständen in der Bahnstraße und auf dem Marktplatz vor dem Busbahnhof trafen die Besucher auf die Ehrenamtlichen vom Förderverein der Stadtbibliothek Falkensee, auf die Vernetzungsstelle für Gleichberechtigung, auf den Schönwalder Seifenkistenverein VROOM!!, den Ukrainischen Verein Rathenow, den Partnerschaftsverein Havelland, das Innovationsbündnis Havelland, den Seniorenbeirat Falkensee, auf die Stinknormalen Superhelden aus Rathenow und die Rehkitzrettung Brandenburg. Auch der Verschönerungsverein Falkensee, der ADFC und der Tierschutzverein Falkensee-Osthavelland waren mit dabei. Mehrere Sportvereine vom SV Motor bis hin zum TSV Falkensee stellten sich ebenfalls vor. Auch der Bürgerbus Schönwalde-Glien nutzte die Gelegenheit, seine ehrenamtliche Arbeit vorzustellen und über sein Mobilitätsangebot zu informieren.
Gerade für kleinere Vereine war der Tag eine wichtige Gelegenheit, um Kontakt zu Gleichgesinnten aufzunehmen. Denn viele Organisationen stehen vor ähnlichen Problemen: Mitglieder werden älter, Vorstände suchen Nachfolger, für Veranstaltungen werden helfende Hände gebraucht und gerade jüngere Menschen müssen erst einmal erfahren, welche Möglichkeiten es überhaupt gibt. Der Landkreis hatte die Standflächen und die hölzernen Marktstände vollkommen kostenfrei zur Verfügung gestellt, um den unterschiedlichen Organisationen die Chance zu geben, sich einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren.
Etwa den Igelrittern Havelland (www.igelritter.de). Monika Lauber aus Falkensee: „Wir pflegen, schützen und päppeln Igel. Dem Igel geht es nicht gut. Das Insektensterben sorgt dafür, dass er kaum noch Nahrung findet. Auch der Einsatz von Pestiziden auf Feldern und im Garten ist ein Problem. Der schlimmste Feind der Igel ist aber weiterhin der Mähroboter, er sorgt immer wieder für tödliche Verletzungen. Der Igel ist kein Fluchttier, er rollt sich ein. Wir plädieren dafür, den Mähroboter nur noch tagsüber einzusetzen, weil der Igel erst in der Dämmerung und nachts unterwegs ist. Wer helfen möchte, legt seinen Garten naturnah an. Und lässt im Zaun Möglichkeiten zum Durchschlüpfen, weil z.B. ein Männchen auf der Suche nach einem Weibchen bis zu sechs Kilometer in einer Nacht zurücklegt.“
Jörg Schneider engagiert sich im Vorstand vom Verein Lesementor Havelland (www.mentor-havelland.de), der seinen Sitz in Rathenow hat: „Wir stellen fest, dass es an den Schulen noch immer Kinder gibt, die nicht lesen können. Unsere ehrenamtlichen Lesementoren kommen in die Schulen und schenken diesen Kindern Zeit, um in einer 1:1-Situation gemeinsam mit ihnen zu lesen. Dabei achten wir darauf, dass die Kinder und Jugendlichen nicht nur ihre Vorlesekompetenz verbessern, sondern auch, dass sie wirklich verstehen, was sie da gerade lesen.“
Der Verein ist im ganzen Havelland unterwegs, allein in Falkensee wirken zehn Mentoren, die an „ihren“ Schulen fest verankert sind.
Jörg Schneider: „Natürlich müssen die Rektoren und auch die Eltern unserer Arbeit zustimmen. Manchmal gehen wir direkt mit in eine Deutschstunde hinein und manchmal lesen wir mit den Kindern erst nach dem Unterricht, etwa in der Hortbetreuung.“
Mario Lehmann betreut seit über 13 Jahren den Englisch-Stammtisch (www.asb-falkensee.de/mehrgenerationenhaus/offene-treffs/englisch-stammtisch), der immer am 2. und 4. Freitag im Monat im ASB Mehrgenerationenhaus in der Ruppinerstraße 15 in Falkensee stattfindet: „Wir hatten alle einmal Englisch in der Schule und haben Vokabeln gebüffelt. Dann haben wir die Sprache jahrelang nicht mehr gebraucht. Und was man nicht braucht, vergisst man mit der Zeit. Englisch wird aber immer wichtiger – im Urlaub und auch im Beruf. Wir treffen uns deswegen und reden Englisch – egal, über welches Thema. Um wieder reinzukommen, um die Vokabeln aufzufrischen. Dabei ist es erst einmal egal, ob man Fehler macht. Wir haben aber auch einen Native Speaker mit dabei, der uns Tipps gibt. Zwei Euro kostet das pro Session, jeder ist willkommen.“
Andreas „DJ Andy“ Maul ist „Boss“ bei den Motorrad-Freunden-Falkensee. Die freundlichen Biker sind seit vier Jahren im Havelland unterwegs, inzwischen gehören 40 Freunde und Freundinnen des knatternden Zweiradkults mit dazu. Mindestens 125 Kubik sollte man schon mitbringen, um mitfahren zu können. Andreas Maul: „Wir fahren regelmäßig zusammen. Meist sind wir am Wochenende im ganzen Havelland unterwegs. Wir waren aber auch gerade auf Rügen bei den Störtebeker-Festspielen und davor im Harz, in Tschechien und in Polen.“
Die Motorrad-Freunde-Falkensee haben sich der guten Tat verschrieben. Immer an Halloween fahren sie auf gruselig geschmückten Bikes und in echten Horror-Verkleidungen durch das Havelland, um Süßigkeiten an die Kinder zu verteilen und um Spenden für den guten Zweck zu sammeln. Im letzten Jahr kamen knapp 7.000 Euro für den Traglinge-Verein zusammen, der sich für die Familien von kranken Kindern engagiert.
Spannend war auch ein Besuch am Stand der Interessengemeinschaft Geschichte aus Dallgow-Döberitz (www.geschichte-dallgow.de). Christina Stepien: „Uns gibt es seit zwei Jahren und wir haben bereits 36 Mitglieder.“ Auf der Homepage heißt es passend dazu: „Die Gemeinde Dallgow-Döberitz, deren Ursprung in den vier Orten Dallgow, Döberitz, Rohrbeck und Seeburg liegt, kann auf mehr als 750 Jahre Geschichte zurückblicken. Der Verein beschäftigt sich damit, diese zu bewahren, dokumentieren, und öffentlich zugänglich zu machen.“
Dallgow-Döberitz war lange ein großer Militärstandort, da gibt es vieles zu entdecken. Christina Stepien: „Wir haben gerade ein Buch von 1802 geschenkt bekommen, das uns Neues über unseren Ort verraten kann. Es ist aber in altdeutscher Schrift geschrieben, das müssen wir erst einmal wieder lesbar machen.“ (ϑ Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 248 (11/2026).
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