Königin Luises Herbstfest im Schlossgarten Paretz!
Für einen Nachmittag kehrte im Schlossgarten Paretz ein Stück königliche Vergangenheit zurück. Beim Herbstfest zu Ehren von Königin Luise konnten die Besucher am 20. September dem Jugendblasorchester lauschen, historische Tänze erleben, Laternen basteln, Märchen in der Grotte hören und zusammen mit der königlichen Gesellschaft durch den Schlossgarten ziehen. Gerade im Jahr ihres 250. Geburtstags stand die frühere preußische Königin ganz besonders im Mittelpunkt.
Das Schloss Paretz war um das Jahr 1800 herum die Sommerresidenz von Königin Luise von Preußen. Zusammen mit ihrem Mann, dem König Friedrich Wilhelm III., verbrachte sie hier gern den Spätsommer. Bis der Krieg Preußens gegen Napoleon die Sommerausflüge jäh beendete und Königin Luise für längere Zeit ins Exil schickte.
Nach dem Tod Friedrich Wilhelms III. im Jahr 1840 bestimmten die Nachkommen, dass die Räume im Schloss unverändert bleiben sollen – als Andenken an die Eltern. Bis 1945 wurde diesem Wunsch entsprochen. In den folgenden Jahren verfiel das Schloss aber zunehmend. Seit 1999 versucht man, das Schloss und die Gartenanlagen im ursprünglichen Sinn wiederherzustellen. Das ist beim Schloss, beim Aha-Graben und beim Zaun bereits gelungen. Beim 7,5 Hektar großen Garten stehen allerdings noch Arbeiten aus.
Evelyn Friedrich ist die Schlossleiterin des Anwesens, das zur Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg gehört. Sie erzählt: „Das Schloss ist heute ein Museum, das man zu den Öffnungszeiten gern besuchen kann. Gezeigt wird die Königswohnung aus der Zeit von Königin Luise und König Friedrich Wilhelm III. In einem Ausstellungsraum werden viele interessante Dinge erklärt: Wie ist das Dorf Paretz entstanden? Wie waren die Wohnräume des königlichen Paars in Berlin gestaltet? In der Schlossremise kann man sich außerdem Kutschen und Sänften aus der damaligen Zeit anschauen.“
Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (www.spsg.de) und der Verein Historisches Paretz e.V. (www.paretz-verein.de) feierten in diesem Jahr den 250. Geburtstag von Königin Luise mit einer besonderen Veranstaltung – Königin Luises Herbstfest.
Susanne Weber ist die Vorsitzende im Verein Historisches Paretz: „Das Herbstfest veranstalten wir tatsächlich zum allerersten Mal. Eine echte Besonderheit ist, dass uns das Paretzer Liebhabertheater unterstützt hat. Etwa 18 Personen sind in Kostümen aus der Zeit von 1800 durch den Schlossgarten flaniert.“
So bekamen die Besucher, die es an einem sonnig-windigen Sonntag nach Paretz verschlagen hat, tatsächlich das Gefühl, um 250 Jahre in die Vergangenheit versetzt zu sein.
Vor Ort wurde ein umfangreiches Programm geboten. Im Schlossgarten gab es einen bunten Budenzauber mit Keramik, historischen Büchern, Honig aus Paretz und frischen Waffeln. Das Jugendblasorchester Havelland spielte, dazu gab es historische Tänze des Paretzer Liebhabertheaters, ein Ponyreiten im Kirchgarten, Alpakas und Schafe zum Streicheln sowie ein Laternenbasteln für Kinder im Schloss. Später spielte ein Bläsertrio auf dem Grottenberg, die Kinder konnten historische Spiele ausprobieren und es gab eine Gartenführung mit dem Parkrevierleiter – zur berühmten Eibe.
Was hat es mit der Eibe auf sich? Evelyn Friedrich: „Die Eibe hat Ende der 1960er-Jahren verhindert, dass direkt an das Schloss angebaut wurde. Zu DDR-Zeiten hatte der Naturschutz eine höhere Priorität als der Erhalt eines königlichen Schlosses. Um die große Eibe im Schlossgarten zu schützen, errichtete man den Anbau rund 15 Meter vom Schloss entfernt. Ein Glasgang verband beide Gebäude miteinander. Beides wurde inzwischen abgerissen. Die Eibe hat also dazu beigetragen, dass Schloss Paretz in seiner ursprünglichen Form wiederhergestellt werden konnte.“
Um 16:30 Uhr las Königin Luise in der sogenannten „Grotte“ Märchen vor. Anschließend fand das familienbetonte Fest um 17 Uhr seinen Abschluss – mit einem Laternenumzug der „königlichen Gesellschaft“ und aller Gäste durch den Schlossgarten.
Keine Frage: Das Debüt ist gelungen. Königin Luises Herbstfest darf gern zu einer alljährlichen Veranstaltung werden. (ϑ Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 247 (10/2026).
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