Jedes Jahr im Herbst: Die Lindenwanze zeigt sich auf den Stämmen der Winterlinde!
Wer in diesen Tagen genauer auf die Stämme der Linden am Straßenrand schaut, entdeckt mitunter Hunderte oder sogar Tausende kleiner schwarz-roter Wanzen, die sich dicht an dicht auf der Rinde drängen. Dabei handelt es sich nicht um die deutlich größere Feuerwanze, sondern um die Lindenwanze, auch Malvenwanze genannt. Das aus dem westlichen Mittelmeerraum stammende Insekt hat sich in den vergangenen Jahren auch in Deutschland ausgebreitet. Besonders im Herbst fallen die Tiere durch ihre großen Ansammlungen auf.
Grund zur Sorge besteht jedoch nicht. Die Lindenwanze, wissenschaftlich Oxycarenus lavaterae, ist für den Menschen völlig ungefährlich. Sie sticht Menschen nicht und gilt auch nicht als Pflanzenschädling. Selbst wenn sich große Mengen der Tiere auf einem Baumstamm versammeln, bedeutet das nicht, dass der betreffende Baum ernsthaft geschädigt wird.
Warum sitzen die Wanzen gerade jetzt an den Linden? Das auffällige Schauspiel hat vor allem etwas mit dem bevorstehenden Winter zu tun. Im Herbst suchen die jungen und die ausgewachsenen Lindenwanzen geeignete Plätze zum Überwintern. Besonders beliebt sind Linden, vor allem Winterlinden. An deren Stämmen und in den Ritzen der Borke sammeln sich die Tiere in großen Gruppen – sie klettern dazu aus den Baumkronen, wo sie unsichtbar den Sommer verbracht haben, zum Stamm herunter. Solche Ansammlungen können aus Hunderten, Tausenden oder sogar Zehntausenden Wanzen bestehen.
Die gemeinsame Überwinterung an geschützten Stellen erhöht ihre Chancen, die kalte Jahreszeit zu überstehen. Manchmal bleiben die Lindenwanzen auch nicht am Baum. Auf der Suche nach einem Winterquartier können sie auch an Hauswänden, Mauern oder Balkonen auftauchen und gelegentlich sogar in Wohnungen gelangen.
Wie andere Pflanzenwanzen besitzt die Lindenwanze stechend-saugende Mundwerkzeuge. Sie beißt also keine Blätter ab, sondern saugt Pflanzensäfte. Ursprünglich lebt die Art vor allem an Malvengewächsen. Zu ihren Nahrungspflanzen gehören Malven, Hibiskus, Stockrosen und Strauchpappeln. In Mitteleuropa findet man sie aber eben vor allem an Linden. (✪ Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 247 (10/2026).
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