Ernterede, Erntekönigin, Ernteumzug, Kurzgeschichtenwettbewerb: Das war das 16. Havelländer Erntefest im Erlebnispark Paaren!
Wie sieht das Havelland von oben aus? Grün. Der ganze Landkreis wird eben doch sehr von seiner Landwirtschaft geprägt. Da wundert es nicht, dass es in jedem kleinen Dorf einen eigenen Ernteumzug gibt. Das größte Erntefest feiert aber der Landkreis selbst: Am 6. September fand bereits das 16. Havelländer Erntefest auf dem Gelände vom MAFZ statt. Vor Ort gab es eine Rede zur aktuellen Lage der Bauern. Eine neue Erntekönigin wurde gewählt. Der große Festumzug der geschmückten Erntewagen fand statt. Und der ausgelobte Kurzgeschichtenwettbewerb fand seine drei Gewinner.
Das 16. Havelländer Erntefest wurde in diesem Jahr bei bestem Herbstwetter am 6. September im MAFZ gefeiert. Das Motto des Familienfestes hieß dieses Mal „Wurzeln pflegen, Zukunft säen“. Auf die über 2.500 Besucher, die sich für fünf Euro Zutritt verschafften, wartete ein bunter Budenzauber mit regionalen Leckereien, Live-Musik auf der Bühne und vielen Aktionen einer Landwirtschaft zum Anfassen.
Landrat Roger Lewandowski textete bereits im Vorfeld: „Das Erntefest ist eine besondere Gelegenheit, die Leistungen unserer Landwirtschaft zu würdigen, regionale Vielfalt zu entdecken und unsere Verbundenheit zur Heimat zu stärken.“
Dirk Peters ist der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Havelland. Er ordnete das Fest noch klarer ein: „Wir feiern unsere Erntefeste jedes Jahr im Herbst, weil jede Ernte immer wieder eine Herausforderung ist. In normalen Jahren kämpfen wir oft mit Witterung und Technik. In diesem Jahr müssen wir uns jedoch ganz neuen Entwicklungen stellen. Die weltweiten Unruhen sind längst bei uns angekommen und machen uns schwer zu schaffen. Umso wichtiger ist es für uns Bauern, dass die diesjährige Ernte hoffentlich gut in den Scheunen ankommt und die Felder schon auf das nächste Jahr vorbereitet werden können. Das darf und muss auch gefeiert werden.“
Michael Koch, Dezernent und Stellvertreter des Landrates, übernahm auf dem Erntefest die Leitung, weil der Landrat selbst noch im Urlaub weilte. Sichtbar gut gelaunt sorgte er mit seinem Team aus der Verwaltung dafür, dass alle Bausteine auf dem Fest nahtlos ineinander passten. Und Fakten hatte er auch noch mitgebracht: „Im Havelland gibt es 90.000 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche, die von 400 landwirtschaftlichen Betrieben in jeder Größenordnung bewirtschaftet wird.“ Er mahnte aber auch: „Der Sommer des Jahres 2026 reiht sich ein in eine Serie immer neuer, auch fragwürdiger Rekorde, sei es bei den Temperaturen oder auch der Trockenheit.“
Dirk Peters gab eine Einschätzung zur diesjährigen Ernte im Havelland ab. So sei vor allem West- und Süddeutschland durch lang anhaltende Hitzewochen und niedrige Pegelstände in den großen Flüssen gebeutelt worden, hier sei die Ernte sehr schlecht ausgefallen. Im Havelland sei die Situation besser gewesen: „Wir hatten gute, teils sogar sehr gute Erträge. So haben wir unseren Teil dafür geleistet, dass die Ernte in Deutschland am Ende keine völlige Katastrophe war.“
Dirk Peters freute sich, dass die roten Düngeverbotszonen auf den Feldern weggefallen sind, hob die immense Bedeutung der EU-Agrarpolitik hervor, mahnte den Erhalt gerechter Flächenprämien über das Jahr 2028 hinaus an und riet bei stets steigenden Kosten dazu, dass nicht auch noch das Wassernutzungsentgelt für die Bauern erhöht wird: „Das ist nicht dafür da, Löcher im Landeshaushalt zu sperren.“
Während auf der Bühne noch gemahnt wurde, konnte man im Gebäude nebenan bereits die ersten Erntekronen bestaunen. Sie werden jedes Jahr aufs Neue kunstvoll geflochten – in der Form einer großen Kirchenglocke. Antje Schulze von den Havelländer Landfrauen: „Drei Erntekronen wurden schon früh in der historischen Festschänke ausgestellt, zwei weitere fuhren erst noch auf den Erntewagen mit. Wir Landfrauen haben natürlich auch wieder eine eigene Erntekrone beigesteuert. Man ahnt gar nicht, wie viel Arbeit darin steckt. Wir haben sechs Nachmittage lang an unserer Erntekrone gearbeitet, immer um die drei Stunden lang – und wir waren meist zehn bis zwanzig Frauen. In diesem Jahr haben wir Gerste in zwei Farben verarbeitet – gelb und grün. Hinzu kamen Weizen, Hafer, Roggen und Triticale.“
Am Ende holte sich die Erntekrone der Tremmener Landfrauen den ersten Platz. Auf Platz zwei kam die Erntekrone vom Landfrauenverein Havelland. Die von der Jury drittbewertete Erntekrone hatte der Landkreis Havelland gebunden.
Vor der Bühne fanden sich derweil die verschiedenen Hoheiten aus dem Landkreis und der angrenzenden Nachbarschaft ein, darunter die Ketziner Fischerkönigin, die Baumblütenkönigin aus Werder, die Heidekönigin für die Döberitzer Heide und der Kremmener Lebkuchenprinz. Sie alle stärkten Alexander Vujanov aus Falkensee den Rücken. Der allererste Havelländer Erntekönig hatte ein Jahr lang mit Stolz die Schärpe getragen und gab nun sein Amt an seine zunächst noch unbekannte Nachfolgerin ab. Die 16. Havelländer Erntekönigin fuhr geheimnisvoll in einer Kutsche vor. Sie präsentierte sich in einem schulterfreien nachtblauen Kleid und ließ sich von ihrer Freundin Joane Brömme alias der Ketziner Fischerkönigin die Schärpe umlegen und die Krone aufsetzen.
Die neue Havelländer Erntekönigin heißt Leonie Muchow. Sie ist 20 Jahre alt und kommt aus Etzin. Sie freute sich sehr über die viele Aufmerksamkeit und war auch Stunden später noch Feuer und Flamme für ihren repräsentativen Auftrag: „Das alles ist sehr aufregend und macht mir viel Spaß. Ich liebe diese Rolle, ich stehe gern im Mittelpunkt.“ Das darf sie auch: Spätestens bei der Grünen Woche unter dem Berliner Funkturm wird sie das Gesicht der Landwirtschaft aus dem Havelland sein.
Kaum war die Erntekönigin gekrönt, ging es mit dem Programm auch schon wieder weiter. Ein Höhepunkt auf dem Havelländer Erntefest ist stets der große Festumzug der aufwendig geschmückten Erntewagen, die in der Regel von einem echten Traktor gezogen werden.
Erwin Bathe wohnt selbst in Paaren im Glien – er ist seit vielen, vielen Jahren für die Organisation des Umzugs verantwortlich: „In diesem Jahr haben wir 24 Anmeldungen gehabt. Alle Erntewagen haben sich rechtzeitig im Großen Ring eingefunden, sodass die Besucher die Wagen schon einmal in Augenschein nehmen konnten.“
Die Erntewagen waren allesamt mit frisch geernteten Maiskolben oder anderen Feldprodukten aus der heimischen Scholle geschmückt. Meist war „an Bord“ auch noch Platz für einen Kasten Bier und mehrere gut gelaunte Fahrgäste. Um 12 Uhr mittags ging es los. Erwin Bathe gab die Route vor: „Wir fahren mit der Kolonne im Schritttempo durch Paaren im Glien. Da warten überall schon die Zuschauer am Straßenrand. Und am Ende kommen wir alle wieder im MAFZ an.“
Eine Jury hatte bereits im Vorfeld die Erntewagen unter die Lupe genommen, um sie kritisch zu bewerten. Dabei vergaben sie Punkte für die Kreativität und den geleisteten Aufwand beim Schmücken. Außerdem bewerteten sie den Gesamteindruck. Am Ende gewann der Wagen vom „Heimatverein Freunde für Lietzow“, die ihren Titel vom letzten Jahr somit erfolgreich verteidigen konnten. Auf Platz 2 kam der Wagen von der ASB-Kita „Waldwichtel“ aus Grünefeld. Platz 3 holte sich Karsten Dau aus Paaren.
Gab es im vergangenen Jahr noch einen Landkreis-geprägten Wettbewerb der Fotografen, so wurde in diesem Jahr ein Literaturwettbewerb ausgerufen. Michael Koch: „Das Havelland ist eine Region, die von ihrer lebendigen Landwirtschaft, ihrer Kultur und ihrer Geschichte geprägt ist. Das diesjährige Motto des 16. Havelländer Erntefestes ‚Wurzeln pflegen, Zukunft säen‘ unterstreicht diese Verbindung zwischen Tradition und Fortschritt. Genau hier setzte auch unser Kurzgeschichtenwettbewerb ‚Geschichten aus dem Landleben – früher und heute‘ an: Er hat dazu eingeladen, persönliche Erlebnisse und Geschichten festzuhalten und zu zeigen, wie eng Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verbunden sind. Die Resonanz hat eindrucksvoll gezeigt, wie tief die Havelländerinnen und Havelländer mit dem Havelland verbunden sind.“
20 Geschichten wurden für den Wettbewerb eingereicht. 20 Geschichten, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Um den Besuchern des Erntefestes einen Eindruck von der kreativen Schaffenskraft der Autorinnen und Autoren zu vermitteln, konnte man sich in der Historischen Festscheune Ausschnitte aus den Geschichten auf großen Schautafeln durchlesen. Außerdem lag eine gedruckte Broschüre mit allen Beiträgen aus, die man sich gegen eine kleine Spende mit nach Hause nehmen durfte. So konnte man sich mit Geschichten wie „Der Schäfer und ich“ oder „In Gummistiefeln und Highheels“ die Zeit vertreiben. Verantwortlich für die Organisation des Schreibwettbewerbs war Juliane Bahr aus dem Amt für Landwirtschaft, Veterinär- und Lebensmittelüberwachung. Sie zeigte sich begeistert: „Die Broschüren wurden uns aus den Händen gerissen. Wir haben 200 Exemplare drucken lassen, am Ende war nur noch eine Handvoll übrig.“
Die so eingesammelten Spenden kommen den Landfrauen zugute. Antje Schulze: „Wir arbeiten viel mit Kindern und Jugendlichen und werden mit dem Geld wahrscheinlich ein Projekt zum Thema Gesunde Ernährung auflegen und damit die Schulen im Havelland besuchen.“
Um 16 Uhr wurden die Gewinner des Literaturwettbewerbs auf der Bühne verkündet. Sieger wurde Florian Wirth mit „Das Flüstern der Birnen“. Auf Platz 2 kam Julia Sellmann mit der Geschichte „Wurzeln pflegen“. Über Platz 3 freute sich Anna Heinrich mit der Geschichte „Home is where the Havel flows“. Ein Sonderpreis wurde für die 8-jährige Laura Louisa Zegke ausgelobt. Sie hatte einen Tag aus ihrem Leben in Nauen beschrieben. Alle erhielten Urkunden und einen kleinen Geschenkkorb mit der berühmten Havelländer Birne zum Knautschen und anderen regionalen Überraschungen. (ϑ Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 247 (10/2026).
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