Die Waldschule Brieselang: Anne-Katrin Hagendorf ist die neue Leiterin!
Leider bleibt in der Schule meist viel zu wenig Zeit, um über die Wunder der einheimischen Natur zu sprechen. Eine wertvolle Ergänzung ist das außerschulische Lernangebot in der „Waldschule Brieselang“, das Kitas, Grundschulen und weiterführende Schulen völlig kostenfrei in Anspruch nehmen dürfen. Seit Anfang Mai ist die Waldpädagogin Anne-Katrin Hagendorf die neue Leiterin vor Ort. Zusammen mit dem Revierförster Volker Kademann lädt sie u.a. zum Steinzeitcamp und zu den Waldjugendspielen ein.
Bei 36 Grad im Schatten steht eine Wasserschale mit großen Steinen im Garten der „Waldschule Brieselang“. Das sei eine Bienentränke, erklärt Anne-Katrin Hagendorf (49).
Sie ist seit Anfang Mai die neue Leiterin der Waldschule. Mit ihrer Aussage gibt sie bereits den Geist der Einrichtung vor, die in den Zuständigkeitsbereich des Forstamtes Havelland fällt: „Wir sind ein außerschulischer Bildungsort und bieten ein transformatives Lernen an. Kitakinder, Grundschüler und Jugendliche weiterführender Schulen besuchen uns und verleben mit uns Stunden oder ganze Tage in der freien Natur. Dabei lernen sie zu schätzen, was um uns herum kreucht und wächst. Die Kinder merken gar nicht, dass sie bei uns ganz viele Dinge lernen, ohne dabei in Büchern zu blättern oder am Klassentisch zu sitzen. Es passiert einfach.“
Anne-Katrin Hagendorf hat vor ihrer Tätigkeit in Brieselang bei den Internationalen Jugendgemeinschaftsdiensten gearbeitet: „Ich wollte aber gern näher an meinem Heimatort wirken. Ich wohne in Nauen. Ich habe schon früher einmal als Honorarkraft in einer Waldschule in Potsdam gearbeitet. Das hat mir gut gefallen. Die Waldpädagogik liegt mir sehr am Herzen.“
In der „Waldschule Brieselang“ wirkt bereits seit vielen Jahren Volker Kademann (61), der offizielle Revierförster für die Wälder zwischen Falkensee und Nauen. Er erklärt: „Die Waldschule Brieselang, das war vor hundert Jahren einmal das Forsthaus Bredow. Das wurde extra für den Revierförster von Bredow gebaut, weil sich hier gleich der Bredower Forst anschließt. Später war das die zuständige Revierförsterei für diese Flächen, die ich 1991 übernommen habe. Das hier war lange mein Dienstsitz. Ich habe vor Ort auch gewohnt. 2004 bin ich ausgezogen, anschließend gab es hier nur noch das Büro. Inzwischen ist das alles die ‚Waldschule Brieselang‘.“
In Brandenburg gilt der Wunsch der Landesregierung, dass jeder Landkreis eine eigene Waldschule haben soll, um den Kindern kostenfrei ein Angebot im Bereich der Waldpädagogik bieten zu können. Das ist im Landkreis Havelland auf jeden Fall gelungen.
In der Vergangenheit haben bereits zahlreiche Schulklassen am beliebten „Steinzeitcamp“ von Volker Kadelmann teilgenommen: „Eine ganze Woche lang sind dann die Kinder bei uns im Wald. Am Ende übernachten sie sogar bei uns. In dieser Zeit lernen sie, wie man ein sicheres Feuer vorbereitet und wie man es mit Zunder und dünner Birkenrinde entzündet. Sie erfahren, welche Kräuter es im Wald gibt, wie man im Wald auf die Hygiene achtet und wie man mit einfachsten Mitteln kochen kann. Wir laden zum Bogenschießen und Speerwerfen ein. Die Kinder arbeiten Hand in Hand zusammen, lösen Aufgaben, lernen die Natur ganz neu kennen und funktionieren im Team. Das machen wir seit 2008. Das Steinzeitcamp ist so begehrt, dass sich die Schulen um die wenigen freien Plätze regelrecht bewerben.“
Anne-Katrin Hagendorf tritt nun an, um die „Waldschule Brieselang“ noch mehr zu beleben und neue Projekte anzustoßen: „Wir planen mehrere neue Veranstaltungen und möchten noch mehr Kindern und Jugendlichen den Zugang zur Natur und zum Wald ermöglichen. Damit wir mehr Unterstützung bekommen, haben wir eine Stelle für ein Freiwilliges Ökologisches Jahr eingerichtet, auf die man sich bewerben kann. Wir befinden uns außerdem im Anerkennungsverfahren für den ökologischen Bundesfreiwilligendienst.“
Waldpädagogik – was kann man sich denn darunter vorstellen?
Anne-Katrin Hagendorf: „Mit unseren Kitakindern gehen wir gern in den Wald, um die Natur mit allen Sinnen wahrzunehmen. Wir haben auch viele Präparate bei uns und können den Kindern so die Tiere zeigen, die viel zu scheu sind, als dass man sie zu Gesicht bekommen würde. Bei den Grundschülern orientieren wir uns am Lehrplan. Geht es um Frühblüher, knüpfen wir dort an. Oder wir zeigen den Entwicklungszyklus der Amphiben auf und erklären den Unterschied zwischen Winterschlaf und Winterruhe. Die weiterführenden Schulen interessieren sich vor allem für das Steinzeitcamp.“
Drüber hinaus gibt es so viele Möglichkeiten, etwas mit den Kindern zu unternehmen. Auf dem Gelände findet sich ein Bienenlehrpfad samt echten Bienenvölkern, die von Imkern betreut werden. Die Kinder gehen mit dem Kescher über die Wiese, fangen Insekten und schauen mit der Hilfe von Bestimmungsbüchern, was sie denn da gefangen haben. Sie lernen den Entwicklungszyklus eines Schmetterlings oder einer Ameise kennen. Außerdem ist es möglich, im Herbst aus Gallen Tinte herzustellen oder die vielen Farben der Herbstblätter mittels Chromatographie voneinander zu trennen.
Volker Kadelmann: „Die Waldpädagogik ist wirklich wichtig, damit die Kinder Kenntnisse über unsere einheimische Natur bekommen. Oft können die Kinder die Getreidearten nicht voneinander unterscheiden und wissen auch nicht, welchen Baum sie im Wald vor sich haben.“
Jetzt soll es am 14. Oktober wieder lebhaft zugehen in der „Waldschule Brieselang“ – die Waldjugendspiele gehen nach langer Pause neu an den Start. Anne-Katrin Hagendorf: „Die gab es in den 1990er-Jahren schon einmal, sie wurden aber wegen personellem Mangel ausgesetzt. Bewerben können sich gezielt die fünften Klassen aus dem Havelland. Die Teilnehmer werden auf einen Parcours mit einem Dutzend Wissensstationen geschickt. Dabei müssen theoretische und praktische Aufgaben gelöst werden. Da geht es etwa darum, einen Holzstapel umzusetzen. Oder man muss mit alten Forstgeräten arbeiten. Vier Schulen können an den Waldjugendspielen teilnehmen – und jeweils eine fünfte Klasse zu uns schicken. Im Parcours bekommt man Punkte. Die Gewinnerschule erhält am Ende eine Urkunde. Toll ist, dass die Gymnasien mit uns zusammenarbeiten. Einzelne Schüler werden die Stationen betreuen. Auch die Jäger und Imker werden mit eingebunden.“ (ϑ Text/Fotos: CS)
Waldschule Brieselang, Forstweg 55, 14656 Brieselang, Tel.: 033232-36005, E-Mail: waldschule.brieselang@lfb.brandenburg.de.
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 246 (9/2026).
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