24 Stunden im Dienst der Nudel: 24 Stunden im Leben von Jean Carl Demant von der Manufaktur „Nudel & Co“ aus Dallgow-Döberitz!!
Schlemmen wie Gott in Italien. Möglich macht das die kleine Manufaktur „Nudel & Co“ aus Dallgow-Döberitz, die handgefertigte Pasta und köstliche Pesti anbietet. Verkauft werden Ravioli, Tortelloni, Gnocchi und Bandnudeln – vor allem auf regionalen Märkten. Immer am Freitag kann die Pasta auch im Werksverkauf auf dem eigenen Hof mitgenommen werden. Jean Carl Demant und Anke Fischer führen die Firma seit nunmehr 30 Jahren. (ANZEIGE)
Es darf gefeiert werden: „Nudel & Co“ gibt es nun bereits seit 30 Jahren. Seit 2006 befindet sich die kleine Manufaktur für „italienische Genüsse aus liebevoller deutscher Herstellung“ im alten Dorf von Dallgow-Döberitz. Das Team ist in dieser Zeit auf 24 Personen angewachsen, die in der Produktion oder im Verkauf tätig sind.
Die Idee von „Nudel & Co“: Aus Eiern und Hartweizengrieß aus der Uckermark entsteht italienische Pasta, die nicht getrocknet wird, sondern frisch am Tag der Herstellung in den Verkauf geht. Die inzwischen sieben gelben Marktwagen von „Nudel & Co“ findet man in Berlin etwa auf dem Wilhelmplatz in Wannsee, auf dem Hackeschen Markt, auf dem Wittenbergplatz oder auf dem Bahnhofsvorplatz von Onkel-Toms-Hütte, wenn dort Markttage sind. Der Werksverkauf in Dallgow öffnet am Freitag von 12 bis 17 Uhr.
Bei „Nudel & Co“ gibt es acht, neun Nudelsorten, darunter Fettuccine, Spaghetti und Pici. Jean Carl Demant: „Pici sind dicke toskanische Nudeln, die es ansonsten in Deutschland kaum zu kaufen gibt.“
Insbesondere die Ravioli werden mit einer vegetarischen Füllung verkauft, so etwa mit Ricotta-Spinat, Walnuss-Gorgonzola oder Tomate-Pecorino. Jean Carl Demant: „Wir haben Rezepte für etwa 50 verschiedene Füllungen entwickelt, die wir je nach Lust und Laune und passend zum saisonalen Angebot umsetzen.“
Als „Nudel & Co“ angefangen hat, Pasta zu produzieren, gab es im Supermarkt noch keine „frische“ Pasta. Das hat sich geändert. Jean Carl Demant: „Unser Alleinstellungsmerkmal sind nun unsere handgefertigten Pesti. Da gibt es etwa ein Zitronen-Pistazien-Pesto. Oder ein Trüffelpesto. Das lieben unsere Kunden sehr.“
Wie verläuft eigentlich so ein Arbeitstag in einer kleinen, aber aufgabenintensiven Manufaktur? Wir haben Jean Carl Demant (62) einen Tag lang über die Schulter geschaut.
6:30 Uhr: Der Wecker klingelt. Ich stehe auf, setze mich an den Tisch und rufe erst einmal die neu eingegangenen E-Mails ab. Meist passiert dann aber doch wieder etwas, das ein sofortiges Krisenmanagement erfordert. Da wurde etwa vergessen, etwas Wichtiges in den Wagen für den Verkauf am Hackeschen Markt einzuladen. Es wurde aber erst vor Ort bemerkt. Der Kollege muss zurückgerufen werden und kommt erst viel später und mit deutlicher Verspätung auf dem Markt an. Mitunter geht jetzt auch noch eine Krankmeldung ein und ich muss schauen, wie ich Ersatz organisieren kann.
8:30 Uhr: Ich wohne in der Nähe von Potsdam. Das ist 50 Kilometer von Dallgow-Döberitz entfernt. Wenn die wichtigsten Abläufe von zu Hause aus organisiert sind, fahre ich in die Firma und bin meist so gegen halb neun vor Ort. Das erste, was ich tue: Ich mache erst einmal einen Rundgang. Ich frage die Mitarbeiter: Ist alles in Ordnung? Gibt es Probleme? Ist eine Maschine defekt? Mitunter fehlt noch eine Zutat für die Produktion. Dann fahre ich schnell etwa zu Selgros in Falkensee, um sie zu besorgen.
Ich bin übrigens superpingelig. Möchten wir eine Füllung mit Ziegenkäse und Schnittlauch machen und der Schnittlauch sieht nicht gut aus, gehe ich keine Kompromisse ein. Damit gehe ich den Leuten manchmal ganz schön auf die Nerven. Dann besorgen wir aber entweder einen neuen Schnittlauch oder wir wechseln zu einer ganz anderen Füllung. Darum kümmere ich mich auch. Ich gehe hoch ins Büro, berechne das Rezept neu und wechsele wieder in die Produktion, um die Füllung anzusetzen. Zuletzt war das übrigens eine Pecorino-Trüffel-Füllung für eine Tortelloni-Pasta.
9:00 Uhr: Bei uns gibt es eine richtige Produktionskette mit mehreren Mitarbeitern. Jeder ist für einen Handgriff verantwortlich. Der Teig wird angesetzt, ausgerollt, die Füllung kommt dazu und die Pasta erhält ihre finale Form. Am Ende wird die Pasta mit Reismehl bestäubt, damit sie nicht zusammenklebt, und kommt dann in Wannen für den Verkauf. Fehlt jemand im Team, reihe ich mich in die Produktionskette ein und helfe. Das muss immer wieder einmal sein, damit die Produktion nicht ins Stocken gerät. Haben wir eine neue Pasta wie aktuell die Tortelloni im Programm, zeigen Anke und ich, wie man den Teig auslegt, wie man die Tortelloni aussticht und wie sie gefaltet werden.
10:00 Uhr: Oh je, unsere Kühlzelle ist vereist. Das passiert im Sommer bei sehr hohen Temperaturen schon einmal. Dann arbeitet die Kühlzelle zwar, erzeugt aber keine Kälte mehr. Dann muss ich eingreifen. Die Kühlzelle wird abgetaut und neu gestartet. Ansonsten könnten wir sie nicht mehr verwenden.
10:30 Uhr: So um halb elf herum halten wir eine Besprechung ab. Dann treffe ich mich mit Anke oben im Büro. Da geht es oft um Qualitätskontrolle: Wie können wir unsere Kontrollmechanismen verbessern? Wir sprechen auch über neue Ideen und neue Produkte. Und natürlich müssen wir über Preise sprechen. Wir haben sehr lange an unseren alten Preisen festgehalten. Aber es ging einfach nicht mehr länger. Wir mussten sie am Ende erhöhen, damit das Verhältnis zwischen Einnahmen und Ausgaben gewahrt bleibt.
13:00 Uhr: Es ist viel zu heiß in Berlin, ein Markt schließt vor der Zeit – und schaltet den Strom ab. Super. Da kann es passieren, dass ich schnell in ein Zugfahrzeug auf den Hof springen muss, um unseren Verkaufswagen irgendwo in Berlin einzusammeln und nach Dallgow-Döberitz zu bringen, bevor die Kühlung versagt. Manchmal gibt es auch einen technischen Defekt in einem der Wagen. Da muss ich schauen, wer das schnell reparieren kann oder wo ich ein Ersatzteil herbekomme. Ich kann ja nicht sechs Wochen warten, bis eine Werkstatt den Wagen repariert hat. Wir brauchen ihn ja sofort. Sonst können wir keine Ware verkaufen und verdienen kein Geld.
15:00 Uhr: Wir schauen, was die Verkäufer von den Märkten an Ware wieder mit zurück in die Manufaktur gebracht haben. Was können wir am nächsten Tag noch weiterverkaufen und was nicht? Die Hänger müssen jeden Tag neu bestückt und neu sortiert werden. Vor allem die Pesti werden uns zurzeit aus den Händen gerissen. Sorten wie Walnuss-Limette oder das Korianderpesto bekommt man eben sonst nirgends.
16:00 Uhr: Wir machen Kassensturz und schauen uns die Einnahmen des Tages an. Passend dazu wird die Buchhaltung auf den neuesten Stand gebracht. Und wir füllen das Wechselgeld in den Kassen der Verkaufswagen auf, damit unsere Verkäufer am nächsten Tag kein Problem damit haben, auf einen Schein herauszugeben. In der Manufaktur wird durchgeputzt. Wir nehmen die letzten Lieferungen entgegen. Parmesan ist bei uns unverzichtbar, er ist in jeder Füllung drin. Sollte uns der Parmesan ausgehen, weil der Lastwagen aus Italien nicht kommt, wäre das eine echte Katastrophe.
16:30 Uhr: Feierabend. Anke und ich gehen jetzt oft noch eine Runde mit unseren Hunden und machen eine finale Draußenbesprechung. Dabei entstehen meist richtig gute Ideen. Ich fahre anschließend oft zum Training der Rettungshundestaffel und Anke geht Tango tanzen. (ϑ Text/Fotos: CS)
Nudel & Co GmbH, Seegefelder Straße 6c, 14624 Dallgow-Döberitz, Tel.: 03322-219120, www.nudelundco.eu
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 246 (9/2026).
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