EDEKA Vujanov feiert Neueröffnung: Der Wachtelkönig fliegt los
Es ist vollbracht. Der EDEKA-Kaufmann mit den wohl buntesten Ideen im Kopf hat seinen Markt im Falkenseer Wachtelfeld komplett neu erfunden und den Finkenkrugern aus der Nachbarschaft einen modernen Einkaufstempel mit 36.000 Produkten in das kleine Wäldchen gestellt. Der neue Markt, am 27. August feierlich eröffnet, setzt so viele ungewöhnliche, kreative und versponnene Ideen um, dass man nur staunen kann.
Am 1. April 2023 war es so weit. Alexander Vujanov wagte den großen Schritt von Spandau nach Falkensee und übernahm den kleinen EDEKA-Laden im Wachtelfeld, in dem die Finkenkruger Nachbarn schon immer all die Dinge des täglichen Bedarfs einkaufen. Schon vor drei Jahren war klar: Die tausend Quadratmeter Verkaufsfläche reichen bei Weitem nicht aus, um den Einkaufsbedarf der Nachbarn zu decken.
Deswegen musste ein Neubau her. Monatelang rollten die Bagger über das Gelände, um einen komplett neuen und hypermodernen EDEKA-Markt direkt neben das alte Gebäude zu setzen. Am 31. Juli wurde der alte Markt zugesperrt, am 27. August der neue feierlich eröffnet – nun ist es endlich geschafft. Ein paar Augenringe mehr dürfte Alexander Vujanov aus dieser stressreichen Zeit mit in die nächsten Monate nehmen. Zumal er in genau dieser hektischen Phase auch noch geheiratet hat und Vater eines erstgeborenen Wachtelkönigsohns geworden ist.
Schon vor der Eröffnung hat sich Alexander Vujanov einen Namen als positiv „Verrückter“ gemacht. Als Wachtelkönig, Erntekönig, „EDEKAner des Jahres“ und Bürgerpreisträger der Stadt Falkensee setzte er in und vor seinem Markt u.a. eine Pokémon-Tauschbörse, einen Handwerkermarkt, eine eigene Strickgruppe, ein Live-Krimi-Event und ein Harry-Potter-Sommerfest durch. Fast hat es den Anschein, als würde der Supermarkt für den bärtigen Chef nur eine Begegnungsstätte für immer neue Netzwerkevents sein.
Alexander Vujanov sagt selbst: „Unser Markt steht für mehr als nur fürs Einkaufen. Er steht für Verantwortung, für Gemeinschaft, für Engagement, für Feuerwehr, für Fußballvereine, für die Wollwachteln und für den Jugendclub. Wir möchten Teil dieser Stadt sein. Nicht nur als Anbieter von Lebensmitteln, sondern als Partner, Unterstützer und als Nachbar.“
Aber: Die Nachbarn sollen nicht nur Spaß haben, sondern vor Ort auch einkaufen können. Der neue Markt bringt es deswegen auf rund 1.850 Quadratmeter Verkaufsfläche. Im Oktober ist auch der neue Getränkemarkt im alten Bestandsgebäude fertig, dann kommen im Wachtelfeld insgesamt mehr als 2.500 Quadratmeter zusammen. Das Sortiment der ausgestellten Artikel wächst zugleich von 24.000 auf etwa 36.000 Artikel. Das Schlendern durch die inzwischen extrabreiten Gänge macht nicht nur wegen der neu gewonnenen Ellenbogenfreiheit Spaß: Man entdeckt immer wieder neue Firmen und Artikel, die man als Kunde vorher noch nie im Supermarkt gesehen hat. Alexander Vujanov: „Kurz gesagt, wenn Sie hier nichts finden, liegt das wohl nicht an uns.“
Unendlich lange hat Alexander Vujanov an seiner Vision von einem eigenen Supermarkt gearbeitet: „Kinder bauen sich ihren Traumsupermarkt mit Klemmbrettsteinen, ich hab ihn mir in echt gebaut.“
Im neuen Markt schaut einen der Wachtelkönig von den Wänden an. Es gibt lustige Sprüche über den Regalen. Kinder können auf extra für den Markt angefertigten Zahlenfliesen Hopse spielen. Es gibt eine Stillecke für Mütter. Ein eigenes Café mit 76 Sitzplätzen innen wie draußen ist vorhanden. Eine eigene Crêperie mit Flammkuchenausgabe wurde eingerichtet. Neben einer großen Wurst- und Käse-Bedientheke gibt es auch frisches Sushi.
Bezahlt wird an den normalen Kassen, in deren Quängelzone keine Süßigkeiten hängen. Eine der allerersten KI-gestützten Obst- und Gemüsewaagen steht im Markt. Außerdem gibt es Scan&Go-Kassen – für alle Kunden, die ihren Einkauf selbst abrechnen möchten. Auch die wohl erste rollstuhlgerechte Selbstscannerkasse in der Region findet sich im neuen Wachtelfeld-EDEKA.
Wer es nicht eilig hat, sondern Gesellschaft sucht, bezahlt an der Plauderkasse, an der Zeit keine Rolle spielt. Falkensees Bürgermeister Heiko Richter zeigte sich sehr begeistert von dieser Einrichtung: „Wenn es gewünscht wird und ich Zeit habe, setze ich mich gern selbst einmal an die Plauderkasse und spreche mit den Menschen.“
Ulf Plath, Vorstand der EDEKA Minden-Hannover, zeigte sich beeindruckt vom Einfallsreichtum „des wohl einzigen Einzelhändlers bei der EDEKA, der seine Markteröffnung in einem Rock bestreitet“ und der als „Chef der wilden Wollwachteln sogar Förderer der Strickkultur“ in Deutschland ist. Er staunte: „Sie haben sich ein Programm aufgelegt, da wären andere schon mit der Hälfte überfordert.“ Und erzählte: „Mein Markt ist eine Wohnung, haben Sie einmal gesagt. Das erklärt auch, warum man hier in diesem Markt Dinge findet, die man sonst nicht in jedem Supermarkt findet.“
Aber genau diese Verrücktheiten von Alexander Vujanov sorgen dafür, dass Kunden nicht nur Kunden sind, sondern zu Freunden und Partnern werden. Als der alte Supermarkt leerzuräumen war, fanden sich spontan an die 40 Stammkunden, Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr und Sportskollegen vom SV Blau-Gelb Falkensee e.V. ein, um freiwillig an die 2.500 Umzugskisten zu schleppen. Eine Hilfestellung, die zeigt, dass das große Engagement des bärtigen Wahnsinns aus dem Wachtelfeld Früchte trägt.
Ein Beispiel für den kreativen Irrsinn: Mitten im Markt steht nun ein alter Trabi, den der Marktchef einem Nachbarn abgeschwatzt hat: „Bevor der Trabi bei Ihnen im Garten verrostet, kann er das auch bei mir im Markt tun.“ Ausgestattet mit einer großen Holzplatte hilft der Trabi nun bei der Präsentation von Waren aller Art.
Auch rund um das Gebäude setzt der neue Markt Akzente. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach, die Nutzung der Abwärme der Kühlanlagen sowie eine begrünte Fassade tragen zu einem energieeffizienten Betrieb bei. Auf dem Parkplatz stehen Ladestationen für Elektroautos und E-Bikes zur Verfügung. Neue Stromanschlüsse sollen bei zukünftigen Outdoor-Veranstaltungen dafür sorgen, dass die Standbetreiber von morgen auch elektrifiziert werden.
Ab sofort arbeiten übrigens 80 Mitarbeiter im neuen Markt, vorher waren es 40. (ϑ Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 246 (9/2026).
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