Rettungsaktion im Neuen See: Falkenseer Feuerwehr übt Rettungskonzept!
Im Falkenhagener See und im Neuen See sind im vergangenen Jahr zwei Menschen gestorben. Das zeigt, wie wichtig es ist, dass die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Falkensee ganz genau weiß, wie ein Einsatz im Ernstfall ablaufen muss, sobald ein Notfall vom See gemeldet wird. Am 18. August probte die Feuerwehr sogar mit allen Kräften den Ernstfall. Mit 40 Frauen und Männern, einem motorisierten Schlauchboot, einem elektrischen Tauchscooter und einer fliegenden Drohne rückte die Feuerwehr an, um vermeintlich in Not geratene Menschen zu retten.
Mitten im Sommer. Dienstagabend. 19 Uhr. An der inoffiziellen Badestelle am Neuen See ist um diese Uhrzeit nicht mehr besonders viel los. Nur sehr vereinzelt sind noch Menschen im Wasser zu entdecken. Ein Pärchen, das am Sandstrand spazieren geht, beobachtet plötzlich, wie ein Mann untergeht und nicht wieder auftaucht. Ohne lange zu überlegen, stürzt sich die Frau in die Fluten. Auf dem Weg zum Ertrinkenden bekommt die Schwimmerin aber einen Krampf in der Wade und gerät so unvermittelt selbst in Not.
Das ist das Szenario, das sich die Freiwillige Feuerwehr von Falkensee für ihre Einsatzübung am 18. August ausgedacht hat.
Der am Ufer verbliebene Freund der Schwimmerin hat umgehend einen Notruf abgesetzt, entweder über sein Handy oder aber über eine der drei Notrufsäulen am See.
Dennis Seidelmann ist einer der ersten, der von der Freiwilligen Feuerwehr Falkensee vor Ort eintrifft. Er erklärt: „Unser Konzept sieht es vor, dass wir uns dem See immer erst über die Kantstraße annähern. Wir steuern dabei die kleine hölzerne Brücke zwischen dem Falkenhagener See und dem Neuen See an. Oft ist bei einem Notruf nicht sofort klar, welcher der beiden Seen eigentlich gemeint ist. So sind wir aber in beiden Richtungen sofort startklar. In der Zeit steuert ein zweites Fahrzeug bereits den Neuen See von der anderen Seite aus an – von der Humboldtallee. Im Ernstfall rücken erst die hauptamtlichen Kräfte aus, die gerade Dienst auf der Wache haben. Die Freiwillige Feuerwehr wird dazualarmiert. Aber diese Kräfte müssen erst von zu Hause oder von der Arbeit zur Wache gelangen und sich umziehen. Eine Wasserrettung, zu der wir gerufen werden, heißt übrigens nicht automatisch, dass jemand bewusstlos unter Wasser verschollen ist. Ein Szenario ist es auch, dass eine Person aus eigener Kraft nicht mehr in der Lage ist, sich aus dem Wasser zu retten.“
Als Vertreter der Wehrführung der Feuerwehr Falkensee war Benjamin Christ bei der Übung mit dabei. Er hat die Übung am Neuen See angeleitet und koordiniert: „Wir haben heute eine Wasserrettungsübung durchgeführt, um unser bestehendes Wasserrettungskonzept zu trainieren und um zu überprüfen, ob die einzelnen Abläufe bei einer Meldung ‚Person im Wasser‘ unter realistischen Bedingungen auch wirklich so funktionieren, wie wir uns das vorstellen. Wir sind mit etwa 40 Personen vor Ort. Das wäre tatsächlich auch der Kräfteansatz, den wir bei einem echten Notfall aufbieten würden. Bei uns würde alles, was Räder hat, sofort losfahren. Wir nehmen eine Notfallmeldung am Wasser sehr, sehr ernst, weil es immer auch um das Leben der betroffenen Personen gehen kann.“
Die zufällig vorbeischlendernden Spaziergänger am See staunen jedenfalls nicht schlecht. Die Feuerwehr setzt ein Schlauchboot mit Motorantrieb, einen elektrischen Tauchscooter (Seabob) und eine fliegende Drohne ein, um die Übung abzuschließen.
Die über dem Neuen See eingesetzte Drohne war mit einer modernen Kamera ausgestattet und unterstützte die Einsatzkräfte bei der Suche und Lagebeurteilung aus der Luft. Dafür kann sie auch einen sehr starken Suchscheinwerfer einsetzen. Am wichtigsten ist aber die Wärmebildkamera. Benjamin Christ: „Es gibt eine Drohneneinheit der Feuerwehr in Falkensee und eine zweite in Rathenow. Sie kommt aber überall dort im Havelland zum Einsatz, wo gerade Bedarf ist. Anfang des Jahres gab es nachts eine vermisste Person in der Döberitzer Heide. Da kein Polizeihubschrauber zur Verfügung stand, haben wir die Suchaktion mit unserer Drohne unterstützt. Dank der Wärmebildkamera kann man Menschen im Dunkeln sehr gut aufspüren. Sie hilft uns aber auch, eine Person zu finden, die im Wasser bereits untergegangen ist.“
Zunächst wird die Schwimmerin mit dem Krampf ins Schlauchboot gezogen, an Land gebracht und gleich an Ort und Stelle erstversorgt. Sie wird u.a. in eine Metallfolie gewickelt – um der Auskühlung entgegenzuwirken.
Währenddessen hat die Drohne bereits die untergegangene Person erspäht – sie wird von einer Puppe „gespielt“. Benjamin Christ: „Bei der Erstversorgung der bewusstlosen Person, die am Grund des Neuen Sees aufgefunden wurde, haben wir unsere eigenen Notfallsanitäter eingebunden. Dank ihrer besonderen Ausbildung konnten sie die Einsatzkräfte durch den gesamten Ablauf führen und dabei anleiten. So muss eine aus dem Wasser gerettete Person etwa gut im Brustbereich abgetrocknet werden, bevor man dort den Defibrillator ansetzen kann. Sonst funktioniert das Gerät nicht so, wie es soll.“
Für die Reanimationsausbildung stand eine Rescue-Übungspuppe mit einem Defibrillator zur Verfügung. So konnte die Reanimation unter möglichst realistischen Bedingungen durchgeführt und der gesamte Ablauf praxisnah trainiert werden.
Einer, der die Übung der Feuerwehr sehr interessiert mitverfolgt, ist Falkensees Bürgermeister Heiko Richter: „Ich bin zunächst einmal froh, dass es nur eine Übung war und kein Ernstfall. Für mich war es sehr interessant zu sehen, wie die Abläufe sind, wie die Feuerwehr vorgeht und wie viele Menschen Hand in Hand arbeiten, um Zeit zu sparen und effizient Leben zu retten. Man merkte auch sofort, dass die Übung sehr ernst genommen wird. Da wird nicht viel geredet, da gibt es klare Kommandos. Es wurde auch an alles gedacht. Als das Unfallopfer behandelt wurde, haben einige Kollegen sofort einen Sichtschutz errichtet, damit andere Badegäste nichts sehen können.“
Wie sieht es mit den anderen Gewässern in Falkensee aus? Gibt es dort auch ein Rettungskonzept für Menschen, die im Wasser in Not kommen? Benjamin Christ: „Ja, wir haben auch Konzepte für die beiden Panzerteiche und für den Lindenweiher. Da geht es aber vor allem darum, wie wir mit unseren Fahrzeugen möglichst nah an das Wasser herankommen können. Am Lindenweiher waren wir ja gerade erst im Einsatz. Da hat jemand einen Feuerlöscher in den Weiher entleert. Wir mussten das Pulver wieder entfernen. Das ist ein Salz, das wirkt wie Dünger, das hätte sonst zu einer Algenblüte führen können.“
Wie ist die Übung am Neuen See nun verlaufen? Benjamin Christ: „Was ich gesehen habe, hat mir gefallen. Auch die Zeiten lagen im Rahmen. Unser Konzept funktioniert. Die Feinheiten werden wir im Nachgang auswerten. Genau dafür haben wir den gesamten Einsatz auch gefilmt.“ (ϑ Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 246 (9/2026).
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