Ladies Night in Ribbeck: „Schlossfestspiele Ribbeck“ mal ganz frivol!
Halbnackte Kerle in anzüglicher Pose auf der Bühne vor dem ehrwürdigen Schloss Ribbeck? Was ist denn da los? Die Antwort: Die „Schlossfestspiele Ribbeck“ führen eins ihrer erfolgreichsten Stücke noch einmal auf. In „Ladies Night – ganz oder gar nicht“ versuchen vier arbeitslose Versager, ihre Schulden auf ganz besondere Art und Weise zu tilgen: Sie machen sich mit einer eigenen Striptease-Show vor vielen zahlenden Frauen nackig! Ob das wohl funktionieren kann – so ganz ohne Sixpack und Choreographie?
2014 ging es los. Die „Schlossfestspiele Ribbeck“ (www.schlossfestspiele-ribbeck.de) begingen ihr Debüt mit „Effi Briest“ von Theodor Fontane. Im Garten vom Schloss Ribbeck nahm das historische Drama um die kesse Effi Briest ihren Lauf. Und das Publikum staunte nicht nur, weil die ehrwürdige Schlosskulisse so perfekt zum Stück passte, sondern auch darüber, dass die Schauspieler wirklich mit der echten Pferdekutsche zum Schloss vorfuhren.
In den nächsten Jahren gab es alle zwölf Monate ein neues Open-Air-Theaterstück, das die Besucher im Freien bestaunen durften. Im Rahmen der Schlossfestspiele wurden große Stücke wie „Romeo und Julia“, „Robin Hood“ und „Die vier Musketiere“ aufgeführt – letztere mit Fechtkämpfen mitten im Publikum. 2024 konnte man in Ribbeck bereits das scharfzüngige „Extrawurst“ sehen, bevor es mit Hape Kerkeling ins Kino kam. Das Drama hier: Eine Moslemwurst durfte im Tennisclub nicht zu den deutschen Schweinewürsten auf den Grill gelegt werden.
Besonders erfolgreich, weil freizügig, irre witzig, frivol und anzüglich, war 2022 die Aufführung von „Ladies Night – ganz oder gar nicht“. Das ganze Stück hatte zur Freude der Frauen im Publikum nur ein Thema: Männer machen sich auf der Bühne nackig – ohne Rücksicht auf Verluste.
Zur großen Überraschung des Publikums wurde „Ladies Night“ in diesem Jahr noch einmal neu auf den Spielplan gehoben. Bislang hatte man nur „Effi Briest“ noch einmal aufgeführt, um das Fontane-Jubiläum angemessen zu feiern. „Ladies Night“ feierte bei der Wiederholung am 3. Juli Premiere und wurde bis zum 12. Juli sechs Mal aufgeführt.
Die „Schlossfestspiele Ribbeck“ bestehen im Grunde genommen aus dem Intendant und Regisseur Claus Stahnke und aus der Kauffrau Marietta Grade, die sich um die Organisation, die Finanzen und das Marketing kümmert.
Zur Frage, warum „Ladies Night“ noch einmal wiederholt wurde, sagte Claus Stahnke: „Ich wollte ja Sophokles antike Tragödie ‚Antigone‘ zeigen. Aber das geht nicht. Die Leute leiden an den Problemen, die wir bei uns im Land haben, so sehr, dass sie sich ganz dringend eine Pause wünschen. Sie möchten herzhaft lachen, abschalten und alles vergessen. Es ist tatsächlich auch schwieriger geworden, alle Stühle zu besetzen. ‚Ladies Night‘ ist da ein Garant für ein volles Haus. Das Stück lief schon 2022 sehr gut. Und viele Fans haben uns gebeten, es noch einmal zu zeigen. Da wir in diesem Jahr vier neue Schauspieler auf der Bühne hatten, gab es zumindest bei den Darstellern etwas Abwechslung.“
Worum geht es? In einer englischen Industriestadt haben die Freunde Craig (Nikolai Novikov), Norman (Richard Rabeus), Barry (Lucas Weißbach) und Wesley (Karl Völker) schon ewig keine bezahlte Arbeit mehr und deswegen auch kein Geld. Zum Glück pumpt ihnen ihre Freundin Brenda (Celina Schneider) immer wieder Geld, damit sie sich Bier kaufen und in einem Club Streit mit anderen Männern anfangen können.
Doch die Lage eskaliert, der „Kneipendeckel reicht schon bis nach Peking“. Die Ex will Unterhalt, der windige Kredithai eine Rückzahlung seines Darlehens. Es muss ganz dringend Geld her. Als die Jungs Wind davon bekommen, dass eine durchtrainierte Strippershow aus Texas auch in England die Hallen füllt – „da gockeln Sonnenbank-Brathähnchen auf der Bühne herum“ – und ordentlich Geld verdient, denken sich die Männer: Das können wir doch auch. Schnell ist ein Club gefunden, der die entweder extrem dürren oder doch recht übergewichtigen Möchtegern-Stripper auftreten lässt. „Wir blamieren uns gemeinsam – als Freunde“, heißt es schnell im Kreis der vier Arbeitslosen. Sie wollen „ohne Proben ganz nach oben“. Doch der erste Auftritt misslingt.
Brenda nimmt schließlich die Sache selbst in die Hand, fordert glattrasierte Männerhintern und fragt: „Wollt ihr strippen oder stempeln?“
Wird es den Jungs gelingen, sich einer Choreographie unterzuordnen, ihre persönlichen Befindlichkeiten zu vergessen und zugleich das nötige Rhythmusgefühl zu entdecken, um nicht mehr länger wie ein „tiefgekühlter Pinguin“ über die Bühne zu staksen? Klarer Fall: Brenda hatte bestimmt schon leichtere Aufgaben.
„Ladies Night“ ist ein wunderbaren Stück über vier Freunde, die kein Talent haben, aber viel Hoffnung. Es ist wunderbar albern und frivol, was vor allem die Damen im Publikum in allerbeste Stimmung versetzt. Und es gibt sogar wirklich etwas nackte Haut zu sehen: Männerstriptease kann doch so aufregend und schön sein! Zumal Claus Stahnke seine Truppe nie vorführt oder bloßstellt, sondern stets viel Sympathie für die verwegenen Loser weckt.
Die „Schlossfestspiele Ribbeck“ ziehen nun weiter. Sie sind zu Gastspielen in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern eingeladen und werden u.a. im Jagdschloss Grunewald, im Kulturzentrum Rathenow und im Brauhaus Himmelpfort auftreten. Am 12., 13., 14. und 15. November geht es IM Schloss Ribbeck dann weiter mit „Loriot – Unvergessene Sketche“.
Claus Stahnke: „Im nächsten Jahr werden wir an den ersten beiden Juliwochenenden noch einmal ‚Effi Briest‘ aufführen. Das wird dann das letzte Mal sein, dass ich unsere Stücke als Regisseur begleite. Mit ‚Effi Briest‘ habe ich angefangen, mit ‚Effi Briest‘ höre ich auch auf. Das ist ein schöner Bogen.“
Ach herjeh. Wird es die „Schlossfestspiele Ribbeck“ und ihre Frischluftkunst nicht mehr geben? Claus Stahnke: „Nein, wir wollen weitermachen. Dann wird ein anderer, von uns ausgewählter Regisseur übernehmen, das findet sich schon. Wir möchten mit dem Angebot der Schlossfestspiele Ribbeck auch in den nächsten Jahren zur Vielfalt der Theaterlandschaft beitragen.“ (ϑ Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 245 (8/2026).
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