Demenz-Parcours im Falkenseer ASB-Kulturcafé: Wie fühlt sich eine Demenz an?
Was geht in einem Menschen vor, wenn plötzlich selbst die einfachsten Handgriffe nicht mehr gelingen und der Körper nicht mehr das tut, was der Kopf von ihm erwartet? Genau diese Fragen standen am 5., 6. und 7. Juli beim Demenz-Parcours im Falkenseer ASB-Kulturcafé im Mittelpunkt. Hier konnten Teilnehmer kostenfrei einen unmittelbaren Einblick in den Alltag von Menschen mit Demenz gewinnen.
„Altwerden ist nichts für Feiglinge“, sagte einst Schauspieler Joachim „Blacky“ Fuchsberger. Tatsächlich lässt im Alter die kognitive Leistung bei allen nach: Namen fallen einem nicht mehr sofort ein und der Weg in den Keller endet unten oft mit der Frage, weshalb man eigentlich losgelaufen ist. Für Menschen mit Demenz sind solche Momente jedoch kein Ausnahmefall, sondern alltägliche Realität.
Um Angehörigen, Ehrenamtlichen und Interessierten einen Perspektivwechsel zu ermöglichen, veranstaltete die Kontaktstelle Demenz vom ASB Falkensee im Juli – gefördert durch den Landkreis Havelland und des „Pakts für Pflege Brandenburg“ – einen sogenannten Demenz-Parcours.
Mithilfe spezieller Erlebnisstationen von „Hands-on Dementia“ konnten die Teilnehmer erleben, wie sich der Verlust kognitiver Fähigkeiten anfühlen kann. „Es geht gar nicht so sehr darum, was sie tun“, erklärte die Koordinatorin der Kontaktstelle Juliane Fischer. „Viel wichtiger ist, wie sie sich dabei fühlen.“
Der aufgebaute Parcours bestand aus sechs Stationen, die sich der ASB vom Landkreis ausgeliehen hatte. Die Teilnehmer durften sich an sechs Stationen ausprobieren. Hinter jeder Aufgabe verbarg sich eine Alltagssituation aus dem Leben der fiktiven Demenzpatientin Erna.
Was zunächst ganz einfach klang, entwickelte sich schnell zu einer echten Herausforderung. Über einen Blick in einen Spiegel mussten etwa farbige Murmeln mit einem Löffel in passende Becher gelegt werden, ohne die Becher zu berühren. An einer anderen Station galt es, ein Spielzeugauto spiegelverkehrt über eine Straße zu lenken oder einfache Formen nachzuzeichnen. Schon nach wenigen Minuten stellte sich echte Frustration ein. Durch den Spiegel irritiert, wollten die Hände nicht das tun, was der Kopf vorgab. Vermeintlich einfache Aufgaben misslangen auf diese Weise immer wieder. Einige Teilnehmer reagierten mit Unsicherheit, andere mit Ärger oder Frustration. Viele zweifelten plötzlich an ihren Fähigkeiten.
Genau diese Gefühle seien gewollt, erklärte Juliane Fischer. Der Parcours solle nicht zeigen, was Menschen mit Demenz tun, sondern nachvollziehbar machen, wie sie sich in solchen Momenten fühlen. „Es ist schwer, eine kognitive Einschränkung zu erklären. Körperliche Einschränkungen kann man oft simulieren – eine Demenz dagegen kaum. Dieser Parcours schafft genau dafür Verständnis.“ Nach dem Parcours kamen alle Teilnehmer zu einer Gesprächsrunde zusammen. Schnell zeigte sich, dass alle ähnliche Erfahrungen gesammelt hatten. Sie empfanden Hilflosigkeit, Überforderung, Frustration und Verzweiflung. Der Demenz-Parcours verdeutlichte zudem, dass gut gemeinte Ratschläge oder Zeitdruck oft nur zusätzlichen Stress bei den Betroffenen auslösen. Stattdessen helfen Geduld, Verständnis und die Bereitschaft, die Welt für einen Moment mit den Augen eines erkrankten Menschen zu betrachten.
Die Kontaktstelle Demenz Falkensee wird vom ASB betrieben (Tel.: 03322-284437, www.asb-falkensee.de/demenz). Sie hat ihren Sitz in der Ruppiner Straße 15. (ϑ Text/Foto: Sandy Kolbuch)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 245 (8/2026).
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