Fliegende Autos im nassen Sand: RC-Racing-Fans treffen sich jeden Sonntag!
Ob es nieselt oder ob die Sonne scheint: Immer am Sonntag ist im Grenzgebiet zwischen Brandenburg und Berlin ordentlich etwas los. Dann treffen sich die Racing-Fans vom RC Team Hahneberg, um auf einer kurvig angelegten Lehmstrecke ihre elektrisch betriebenen Modellautos im Maßstab 1:10 oder 1:8 über die Piste rasen zu lassen. Jung und Alt finden über das ungewöhnliche Hobby zusammen – und haben viel Spaß im Freien.
Bereits bei der Annäherung an das vom RC Team Hahneberg genutzte Gelände laufen vor uns zwei Väter mit ihren Kindern, in den Händen große RC-Racing-Autos, die umweltfreundlich nicht mit Sprit fahren, sondern mit Strom. Sie beziehen ihre Power aus einem kleinen Akku, der Saft für etwa zwanzig bis dreißig Minuten freie Fahrt speichert, bevor den Miniaturboliden die Puste ausgeht.
Przemyslaw Brak (47) kommt aus Spandau und übt das neue Speed-Hobby mit seiner Tochter aus: „Zusammen mit einem Kumpel und seinem Sohn haben wir uns zu Weihnachten zwei Autos angeschafft. So können wir Väter gemeinsam mit unseren Kindern basteln und auf der Piste generationsübergreifend Spaß haben. Die Autos sind bis zu hundert Stundenkilometer schnell, im Sand fahren sie aber höchstens 80.“
Andy Piehl (56) aus Spandau ist einer der Schrauber und Bastler vor Ort, der sich mit den Autos richtig gut auskennt: „Ich habe mit 15, 16 Jahren mit dem Fahren angefangen und war auch bei großen Meisterschaften mit am Start. Ich war damals einer der ersten, die die Modellautos, die man kaufen konnte, umgebaut haben, um sie mit Kohlefaser zu verstärken. Ich habe dann aber das Motorradfahren für mich entdeckt und etwa 35 Jahre Pause gemacht. Jetzt hat es mich wieder gepackt. Ich habe mir den ersten Wagen gekauft, dann den zweiten, jetzt denke ich über einen dritten nach.“
Das RC Team Hahneberg ist kein Verein, sondern eine lose Interessengemeinschaft, die Videos ihrer Fahrten auf Instagram, TikTok und YouTube postet und die interessierten Fahrer in einer WhatsApp-Gruppe zusammenbringt. Andy Piehl: „Ich bin jetzt seit etwa einem Jahr mit dabei, die Gruppe gibt es aber schon viel länger. Unser Gelände war früher einmal ein BMX-Platz. Jetzt haben wir den Parcours für unsere Belange angepasst, sodass wir mit unseren Racing-Cars über den Lehmboden fahren können. Wir nennen das RC Offroad.“
Tatsächlich gibt es hinter dem Spandauer Hahneberg eine perfekt angelegte Piste, die in mehreren Kurven und Geraden wieder zum Ausgangspunkt zurückkehrt und mehrere Anhöhen und Rampen bietet, über die sich spektakuläre Sprünge mit den ferngesteuerten Autos realisieren lassen.
Andy Piehl: „Das hier ist eine freie Strecke, es gibt keine feste Organisation. Jeder kann kommen und hier fahren, wie er das möchte. Unsere Gruppe trifft sich aber immer gezielt an den Sonntagen so ab zehn Uhr. Wenn das Wetter stimmt, kommen oft zwischen 15 und 30 Leute zusammen. Beim Saisonauftakt in diesem Jahr sind bis zu 50 Fahrzeuge an den Start gegangen.“
Es gibt in Berlin spezielle Läden wie etwa MOB (www.mob-rc.de), in dem sich die verschiedenen RC-Modelle wie z.B. der Race Truck Truggy oder der Absima Aero X, aber auch Ersatzteile, einzelne Karosserien, die Elektronik und das benötigte Werkzeug einkaufen lassen.
Andy Piehl: „Die günstigsten Fahrzeuge kriegt man so ab 300 Euro, nach oben hin gibt es keine Grenzen. Ersatzteile sind wichtig, irgendwas gibt es immer, was repariert werden muss. Gerade erst habe ich beim Fahren eine Schraube verloren, dadurch ist die Antriebswelle herausgefallen. Da frage ich einfach in die Runde: Hat jemand eine neue Schraube für mich? Man hilft sich hier. Irgendjemand hat immer das passende Teil oder Werkzeug mit dabei, sodass man weiterfahren kann.“
Auch Sascha Treichel (53) aus Berlin-Lankwitz ist mit seinem RC-Mobil am Start: „Ich bin Künstler. Ich habe ein Malzimmer, in dem ich male. Und wenn die Farbe trocknen muss, wechsele ich zu meinen Autos – und bastele. Der Reiz am RC Racing ist für mich aber nicht nur das Basteln und das Fahren, sondern auch die Community. Wir teilen alle ein gemeinsames Hobby und können uns so entspannen. Es gibt hier keine Politik und nicht die großen Probleme dieser Welt. Bei uns ist außerdem jeder willkommen.“
Worum geht es auf der Strecke, wenn mehrere Fahrer zugleich ihre Boliden mit den dicken Reifen durch den Sand schicken? Andy Piehl: „Es geht uns um den Spaß. Der eine springt gern, der andere fährt gern schnelle Runden. Oft fahren wir auch ein spontanes Rennen, da stehen manchmal sieben Fahrzeuge und mehr an der Startlinie und warten auf das Go. Das Rennen fährt man so lange, bis nur noch ein Fahrzeug übrig ist.“ – Sascha Treichel: „Man glaubt es ja kaum, was das Fahren für eine enorme Konzentrationsaufgabe fürs Gehirn ist.“
Die RC Fahrer sind sehr freundlich. Kinder, die mit ihren Eltern beim Spazierengehen bei den Racing-Freunden vorbeikommen, dürfen gern einmal die Fernbedienung übernehmen und selbst eine Runde drehen. Vielleicht sind sie ja die Fahrer von morgen. (ϑ Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 242 (5/2026).
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