Kino-Filmkritik: Exit 8
Ein namenloser Mann (Kazunari Ninomiya) fährt in Tokio mit der U-Bahn. Seine Exfreundin ruft an und teilt ihm mit, dass sie schwanger ist, aber überlegt, eine Abtreibung vornehmen zu lassen. Mit der Nachricht ist der Mann völlig überfordert, er weicht aus, er kann nicht helfen. Wenig überzeugend bietet er an, zu ihr zu kommen.
Aber wie? Als er die U-Bahn verlässt, scheint der unterirdische Weg ins Freie wie verhext. Sobald er am Ende eines gefliesten Ganges ankommt, steht er wieder am Anfang. Exit 8 scheint unerreichbar. Immer wieder läuft der Mann exakt den gleichen Weg, trifft den gleichen Fremden, schaut auf die gleichen Plakate und passiert die gleichen Türen.
Allein diese unerklärliche Endlospassage sorgt für ein extrem beklemmendes Gefühl in der Verfilmung des Independent-Spieleerfolgs „Exit 8“. Regisseur Genki Kawamura hat aber noch mehr Überraschungen in petto.
Denn die Regeln, um aus dem Loop zu entkommen, sind extrem einfach – und der unbekannte Mann kann sie sogar auf einem Plakat einsehen. Immer, wenn es in dem U-Bahn-Gang zu einer sogenannten Anomalie kommt und sich auch nur ein kleines Detail ändert, muss er sofort kehrtmachen und umdrehen.
Eine Anomalie kann eine verdrehte Zahl, ein anderes Wandbild oder eine verschobene Türklinke sein. Gelingt es dem Mann, einen Rundgang korrekt zu vollenden, kommt er dem rettenden Ausgang einen Schritt näher. Wird aber auch nur eine Anomalie übersehen, geht es sofort wieder zurück ganz an den Anfang. Frustrierend.
Man könnte wahnsinnig werden. Schnell wird man auch als Zuschauer angesteckt und merkt sich den exakten Aufbau des U-Bahn-Gangs, um kleinste Abweichungen sofort erkennen zu können. Bald steigern sich die Anomalien. Blutströme, mutierte Ratten und andere Schockelemente tragen eine ordentliche Portion Horror in das Geschehen hinein.
Und zugleich wird auch das Kinderthema immer wieder in den Vordergrund gerückt. Es folgen weitere Anrufe der Ex-Freundin. Ein kleiner Junge taucht in den Gängen auf. Und warum hat der namenlose Mann nicht der Frau mit Kind in der U-Bahn geholfen, als sie von einem fremden Kerl angebrüllt wurde? Ist der Horrortrip hin zu Exit 8 vielleicht nur eine sinistre Strafe für unterlassene Hilfeleistung? Der kuriose Film startet am 13. August in den Kinos. (CS / Verleih: Plaion Pictures)
Wertung: ♠♠♠♠/♠ (4 von 5)
FSK: 12 – Dauer: 95 Minuten
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=1MfT2pIOelo
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 245 (8/2026).
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