Der Ammen-Dornfinger brütet zurzeit: Giftige Spinne im Havelland weit verbreitet!
Der Ammen-Dornfinger kam aus dem warmen Süden Europas ins Havelland – und er ist gekommen, um zu bleiben. Die Spinne mit dem ungewöhnlichen Jagd- und Brutverhalten hat sehr lange und kräftige Kieferklauen – und kommt damit sogar durch eine Jeans hindurch. Der Biss wird von der Schmerz- und Giftwirkung her mit einem Wespenstich verglichen. Zurzeit sind die Weibchen in der Brutphase – und aus diesem Grund besonders aggressiv.
Lange Zeit galt in Deutschland die Aussage: Nur die Wasserspinne, die unter Wasser in Mooren lebt, ist giftig. Die meisten anderen Spinnenarten kommen mit ihren Cheliceren (Kieferklauen) gar nicht erst durch die menschliche Haut hindurch.
Der Klimawandel hat nun aber den Ammen-Dornfinger aus dem Süden Europas nach Deutschland gebracht. Im Havelland ist er seit Jahren verbreitet, wobei der Bestand abhängig vom Wetter steigt oder schrumpft. In diesem Jahr ist erneut ein starker Besatz zu beobachten.
Der Ammen-Dornfinger lebt gern in trockenen Offenbiotopen mit hüfthohen Gräsern, Kräutern und Stauden. Hier klettert die Spinne an Gräsern empor, biegt die Spitzen um und baut sich in Hüfthöhe schwebend eine Netzglocke als Tagesruheplatz. Nachts geht die Spinne „zu Fuß“ auf die Jagd – ein Netz baut sie nicht. Die Spinne hat einen gelblich-grünen Körper, einen intensiv orangefarbenen Brust- und Kopfbereich und tiefschwarze Cheliceren.
Kurios: Im Juli spinnen die Männchen ein Ruhegespinst direkt an das der Weibchen – und es kommt zur Paarung. Anschließend stirbt das Männchen. Die Weibchen bauen nun ein sehr großes und stabiles Brutgespinst in der Größe eines Hühnereis – ebenfalls in den Spitzen der Gräser. Hier legt die Spinne ihre Eier und bewacht die Brut, bis die Jungtiere schlüpfen. Diese verlassen das Gespinst im Herbst. Das Muttertier stirbt kurz darauf im Kokon und verbleibt als Mumie im Gespinst.
Wer jetzt durch eine vom Ammen-Dornfinger besiedelte Wiese läuft, zerreißt mitunter ein solches Brutgespinst, wenn mehrere Grashalme zusammengesponnen sind. Darauf reagiert die Spinne sehr aggressiv – und es kann zu Bissen kommen. (ϑ Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 246 (9/2026).
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