Wir wollen doch nur spielen: Brettspiele, Escape Games und Rätsel-App bei der Falkenseer Familie Gran!
Im Falkenseer Haus der Familie Gran gibt es mehr Brettspiele als Steckdosen: Sie füllen mehrere Schrankwände. Keine Frage: Diese Familie liebt das Spielen. Christian und Margret Gran betreiben seit vielen Jahren einen eigenen Escape Room in Berlin. Zusammen mit Sohn Marvin haben sie nun eine mobile App programmiert, mit der sich Rätselspaziergänge an festen Standorten absolvieren lassen. Zurzeit arbeiten die drei Informatiker an ihrer ersten mobilen Krimitour. In Elstal gilt es, den verschwundenen Feuerwehrmann Erik zu finden.
In den Regalen der Familie Gran in Falkensee gibt es keine Bücher oder Bildbände, dafür aber jede Menge bunte und dicke Schachteln mit Brettspielen aller Art. Hier finden sich Spiele wie „Endangered“, „Hydra“, „Die Zwerge“ oder „Shuffle Dragons“.
Christian Gran (61): „Wir spielen bestimmt schon seit zwanzig Jahren. Wir wissen gar nicht, wie viele Spiele wir besitzen, ein paar Hundert werden es schon sein. Erst haben wir sie im Flur im Regal gestapelt, inzwischen machen sie sich auch schon im Esszimmer breit. Wir sortieren immer wieder kartonweise Spiele aus, es kommen aber immer wieder neue dazu. Am Anfang haben wir Spiele in den Keller gebracht, sie dann aber vergessen und neu gekauft, weil wir dachten, wir hätten sie noch nicht.“
Die Familie liebt Spiele, bei denen man kooperativ gegen das Spiel selbst antritt. Margret Gran (67): „Sehr gern spielen wir ‚Aeon’s End‘. Da sind wir alle Magier und treten gegen das Böse an. Da gibt es eine Basisversion, und Jahr für Jahr erscheint eine Erweiterung, die dem Spiel neuen Schwung gibt. Wir fahren allerdings nicht mehr auf Messen, um neue Spiele kennenzulernen. Wir haben Freunde in der Szene, die uns neue Spiele empfehlen. Und wir sind viel in der Kickstarter-Szene unterwegs und unterstützen Spieleautoren, die an einem ganz neuen Werk arbeiten.“
Familie Gran ist aber nicht nur in den eigenen vier Wänden aktiv, wenn es ums Spielen geht.
Christian Gran: „Wir betreiben seit 2017 einen eigenen Escape Room in Berlin-Charlottenburg, den man besuchen kann. Wir haben früher selbst gern Escape Rooms gespielt und dachten: Das macht Spaß, so etwas können wir doch auch auf die Beine stellen. Damals ist die amerikanische Firma, für die ich gearbeitet hatte, in die Insolvenz gegangen – da bot sich ein Neuanfang an. Unser Escape Room heißt ‚Illuminati Escape‘ (www.illuminati-escape.com). Vor Ort gibt es vier Räume, die man unabhängig voneinander buchen kann. Immer geht es um einen mächtigen und gefährlichen Quantencomputer. In einem Raum sitzt man in einem Casino und muss die gestohlenen Pläne des Computers wiederfinden. In einem weiteren Raum gilt es herauszufinden, ob der Energiekern des Computers von Aliens gebaut wurde. Dann wird man vom Quantencomputer mitten in ein sinkendes Schiff im Bermudadreieck gebeamt und muss versuchen, unter Wasser zu überleben. Im vierten Raum gilt es, den Computer selbst zu stoppen. Uns war es wichtig, eine zusammenhängende Geschichte zu erzählen – wie bei James Bond.“
Für den Bau eines jeden Raums hat die Familie immer ein ganzes Jahr gebraucht, so komplex sind die Escape Rooms. Aber es hat sich gelohnt: Inzwischen lebt die Familie von ihren Rätselräumen.
Immer im Sommer merkt die Familie allerdings, dass es bei den Buchungen der Escape-Räume einen „Durchhänger“ gibt. Christian Gran: „Deswegen haben wir angefangen, Outdoor-Spiele zu entwickeln. Auf dem iPad haben wir zunächst eine App entwickelt, die unsere Kunden zwischen der Technischen Universität und der Spree durch einen wirklich spannenden Kiez führt. Dazu gibt es eine kleine Tasche mit Materialien, die man für das Lösen der Rätsel benötigt. Das bringt uns seitdem über die Sommermonate. Inzwischen gibt es mehrere Aufgabensets. Da muss man im Freien etwa eine Bombe entschärfen, einen Meteoriten abfangen oder den Mord an einem Bischof aufklären. Dabei haben wir sehr viel gelernt – und uns überlegt, dass wir aus diesen Outdoor-Spaziergängen noch etwas viel Größeres entwickeln könnten.“
Hier kam Sohn Marvin Gran (28) ins Spiel. Er ist Medieninformatiker und Programmierer von mobilen Spielen wie „Void Raiders“. Er hat für das Familienunternehmen die App „My Outdoor Escape“ entwickelt: „Das ist ein Autorentool, mit dem jeder Anwender einen eigenen Rätselspaziergang selbst zusammenstellen kann – mit Navigation, vielen Rätselformaten für die einzelnen Stationen und mit der Möglichkeit, Infotexte zu hinterlegen. Gleichzeitig ist die App die Spielbasis für alle Teams, die vor Ort ein Rätsel lösen möchten. Wenn viele Autoren mitmachen, kann die App schnell skalieren, sodass vielleicht schon bald überall in Deutschland entsprechende Rätselparcours zur Verfügung stehen. Wer für uns einen Spaziergang entwickelt und ihn für alle Nutzer freigibt, bekommt dafür zehn Freispiele.“
Christian Gran: „In den Großstädten wie Berlin, Hamburg oder München gibt es bereits jede Menge Escape Rooms oder Outdoor-Rätseltouren. Sobald man aber die Großstadt verlässt, schrumpft das Angebot extrem. Mit unserer App ist es ein Leichtes, auch im entlegensten Ort schnell ein Outdoor-Rätsel zu entwickeln. Im privaten Umfeld kann das ein Spaziergang mit den wichtigsten Stationen im Leben eines Hochzeitspaares sein, im öffentlichen Umfeld ein informativer Spaziergang durch den Ort mit Hervorhebung sämtlicher Sehenswürdigkeiten.“
Wer sich als Autor betätigen möchte, läuft die einzelnen Stationen ab, nimmt vor Ort Fotos auf, baut seine Rätsel und erfasst wichtige Informationen. Marvin Gran: „Am Ende lässt sich der gesamte Rätsel-Parcours in einen Web-Editor übernehmen und hier noch einmal umfassend nachbearbeiten. Man kann die Texte optimieren, die Fotos manipulieren und die Rätsel verfeinern. Am Ende müssen wir die öffentlichen Rätsel allerdings noch manuell freischalten. So stellen wir sicher, dass keine politisch radikalen oder anderweitig verstörenden Inhalte veröffentlicht werden.“
Da Familie Gran in Falkensee lebt, hat sie für „My Outdoor Escape“ bereits zwei eigene Rätseltouren für Falkensee und Nauen angelegt, die sich für jeweils knapp 18 Euro in der Gruppe spielen lassen. Aber das spielbegeisterte Team denkt bereits weiter, so Margret Gran: „Wir arbeiten zurzeit an unserer ersten Krimitour namens ‚Akte 22:21 – Der letzte Einsatz‘, die in Elstal spielen wird. Hier heißt es: ‚Nach einem nächtlichen Brand am Bahnhof Elstal ist Feuerwehrmann Erik Faber spurlos verschwunden. Als Spezialermittler folgt ihr seinen letzten Spuren durch den Ort, untersucht Beweisstücke und rekonstruiert die entscheidenden Minuten. Könnt ihr Erik finden, bevor es zu spät ist?‘ Auf diese Weise zeigen wir, wie viel Potenzial in der App steckt. So können sich mehrere Spieler gemeinsam als Detektive beweisen und einen kniffligen Fall aufklären.“ (ϑ Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 246 (9/2026).
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