Brunnenwasser unter der Lupe vom VSR-Gewässerschutz e.V.: Mobiler Labortest in Nauen!
Viele Havelländer haben sich in ihrem Garten einen eigenen Brunnen bohren lassen. Mit dem von der Pumpe geförderten Wasser lässt sich der Rasen wässern, das Planschbecken der Kinder befüllen und das Gemüse zum Reifen bringen. Aber ist das Wasser, das da aus der Tiefe ans Tageslicht befördert wird, auch wirklich unbelastet und gesundheitlich unbedenklich? Am 4. August nahm der VSR-Gewässerschutz e.V. in Nauen wieder Wasserproben entgegen und bot den Gartenbesitzern eine umfangreiche Analyse an.
Seit vielen Jahren besucht der gemeinnützige Verein VSR-Gewässerschutz e.V. aus Geldern (www.VSR-Gewaesserschutz.de) auch das Havelland, um allen Brunnenbesitzern eine umfassende Analyse ihres Gartenwassers anzubieten.
Am 4. August standen Matthias Ahlbrecht und Harald Gülzow mit ihrem mobilen Stand auf dem Rathausplatz in Nauen – wie in jedem Jahr. Von 9 bis 11 Uhr konnten alle Brunnenbesitzer aus der Umgebung ihre selbst entnommenen Wasserproben am Labormobil abgeben.
Und tatsächlich war der Ansturm wieder einmal sehr hoch. Schon kurz nach neun Uhr morgens standen die Nauener – und auch viele Havelländer aus den umliegenden Orten und Gemeinden – Schlange, um ihr Wasser chemisch untersuchen zu lassen.
Die Experten hatten bereits im Vorfeld darauf hingewiesen, das Brunnenwasser doch bitte als Probe in einer 0,5-Liter-Mineralwasserflasche aus Kunststoff aufzufangen. Matthias Ahlbrecht erklärte, wie die perfekte Probe vorbereitet wird: „Bitte das Mineralwasser aus der Flasche ausgießen, die Flasche mehrmals mit Brunnenwasser spülen, um sie dann bis zum Rand zu füllen, ohne den Deckel oder die Flasche innen zu berühren.“
Viele Gartenfreunde wissen bereits, dass ihr Brunnenwasser stark mit Eisen belastet ist. Man sieht es an der trüben, gelblichen Farbe des Wassers und daran, dass sich Hausfassaden und Gartenwege sehr schnell gelblich-braun verfärben, sobald sie mit dem Brunnenwasser in Berührung kommen.
Andere Stoffe sieht man allerdings nicht mit dem bloßen Auge. Bei der „Informationsveranstaltung zum Grundwasserschutz“, die auch schon in Falkensee, Ketzin/Havel, Premnitz und Rathenow stattfand und bei der in den letzten Jahren 1.843 Brunnen im Havelland analysiert wurden, ging es auch um den Nitrat-, Säure- und Salzgehalt des Wassers. Eine solche Analyse kostete 12 Euro. Das Ergebnis konnten die Besucher noch am gleichen Tag mit nach Hause nehmen.
Vor allem Nitrat im Wasser ist problematisch, weil es im Körper zu Nitrit umgewandelt wird. Daraus abgeleitete Verbindungen wie Nitrosamine gelten als krebserregend. Für das Trinkwasser gilt in Deutschland ein Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter. Trinkwasser wird aber sehr engmaschig kontrolliert. Eine solche Kontrolle fehlt beim Brunnenwasser vollständig.
Tatsächlich ist das Grundwasser im Havelland schon seit vielen Jahren stark mit Nitrat belastet; wahrscheinlich auch aufgrund der Landwirtschaft und des hier in den Boden eingebrachten Düngers.
Bei den zwischen 2019 und 2024 durch den VSR-Gewässerschutz vorgenommenen Brunnenwasseranalysen im Kreis Havelland zeigte sich, dass 10,9 Prozent der Proben den Grenzwert der Nitratrichtlinie von 50 mg/l überschritten. Bei 1,6 Prozent der Brunnenproben lag der gemessene Nitratwert sogar über 100 mg/l. Über die letzten 25 Jahre ist die Nitratbelastung zwar gesunken, „aber nicht so stark wie gehofft“, so Matthias Ahlbrecht.
Vor Ort konnten die Gartenbesitzer verschiedene Tests hinzubuchen, um noch mehr Fragen zum eigenen Brunnenwasser beantworten zu lassen. Für eine „große Kombi-Wasseranalyse“ mit Nitratbestimmung, pH-Wert, Leitfähigkeit, Eisen, Bakterien, AOX-Pestiziden, Nitrit, Phosphat und einer Schwermetallanalyse auf Mangan, Blei, Kupfer, Cadmium und Nickel mussten 159 Euro investiert werden. Hier wird das Gutachten allerdings per Post verschickt.
Eine Analyse auf coliforme Bakterienkeime ist wichtig, wenn das Wasser aus dem Brunnen für das Gießen von Obst und Gemüse oder für das Befüllen eines Kinderplanschbeckens verwendet wird. Harald Gülzow vom VSR-Gewässerschutz, der 1980 als Zusammenschluss mehrerer Bürgerinitiativen gegründet wurde, um sich für den Schutz des Grundwassers einzusetzen: „Außerdem können wir eine Einschätzung abgeben, ob sich das Wasser im Notfall auch trinken lässt.“
Coliforme Keime sind Fäkalienbakterien, die krank machen können. Wie kommen diese Keime nun aber ins Brunnenwasser? Das kann wie folgt geschehen: Altern Brunnen mit der Zeit, so können sie undicht werden. Eindringendes Oberflächenwasser bringt dann die unerwünschten Keime mit. Gerade nach Starkregenereignissen bemerkt man einen deutlichen Anstieg der unerwünschten Keime im Wasser. Auch wenn rund um das Haus eine vergrabene Brauchwasserleitung undicht wird und belastete Abwässer unbemerkt in den Boden sickern, kann es leicht zu gesundheitsgefährdenden Belastungen des Brunnenwassers kommen.
Bei den Wasseruntersuchungen im Kreis Havelland fand der VSR-Gewässerschutz coliforme Keime in 17,9 Prozent der zwischen 2021 und 2025 untersuchten Brunnen. Daran zeigt sich, dass eine regelmäßige Untersuchung des Brunnenwassers durchaus sinnvoll ist.
Was ist nun aber mit dem Eisen? Harald Gülzow: „Eisen im Brunnenwasser ist unangenehm, aber nicht gefährlich. Eisen stellt bis zu einem Wert von 0,8 mg/l beim Trinken oder auch beim Befüllen eines Planschbeckens kein Problem dar. In der deutschen Trinkwasserverordnung liegt dieser Grenzwert bereits bei 0,2 mg/l. Dies wurde jedoch in erster Linie aus optischen und geschmacklichen Gründen so festgelegt.“
Jürgen Schneider (77) war am 4. August extra aus Falkensee-Finkenkrug nach Nauen gefahren, um sein Brunnenwasser aus sieben Metern Tiefe analysieren zu lassen: „Ich habe mein Wasser zum allerersten Mal untersuchen lassen. Dass es sehr eisenlastig ist, sieht man schon. Sprüht man es an die Hausfassade, wird alles gelb. Jetzt wollte ich gern wissen, ob Schadstoffe im Wasser sind. Und meine Frau wollte gern erfahren, ob man es nach dem Abkochen auch trinken könnte. So ein Angebot zur Analyse finden wir einfach super.“ (ϑ Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 246 (9/2026).
Kennen Sie schon unsere Gratis-App?
Apple – https://unserhavelland.de/appapple
Android – https://unserhavelland.de/appandroid
Anzeige







