Edmonds Leben in einem Buch: „Zwischen Herd und Herz“ kommt im September!
Seit vielen Jahren ist Edmund Becker Gastgeber im Falkenseer Hexenhaus. Die Menschen lieben seinen Charme, seine übersprudelnden Ideen und vor allem seine Gerichte auf dem Teller, die französische Kochfreude mit den besten Produkten der Region kombinieren. Nur die wenigsten wissen allerdings, was „Edmond“ eigentlich vor dem Hexenhaus schon alles getan und erlebt hat – in New York, Florida, Moskau, Hongkong oder Monaco. Jetzt gibt es die Gelegenheit dazu: Edmond schreibt seine kulinarischen Memoiren. Das Buch „Zwischen Herd und Herz“ erscheint im September.
„Ein lebendiges Buch über Genuss, Gastfreundschaft, Rückschläge, Neuanfänge und die Leidenschaft, Menschen mit gutem Essen glücklich zu machen.“
So fasst Edmund Becker, inzwischen 77 Jahre alt, sein Buch zusammen, das im September mit einem Umfang von etwa 160 Seiten erscheint, 28 Euro kostet und direkt im Falkenseer Hexenhaus (Poetenweg 88, www.hexenhausfalkensee.de) zu erwerben ist. Angereichert mit vielen Fotos und etlichen Rezepten, die sich schnell und unkompliziert umsetzen lassen, geht es aber vor allem um eins – um packende Geschichten aus der Vergangenheit, um Edmonds berufliche Reise um die ganze Welt, um interessante Begegnungen und die Frage, wie aus einem jungen Koch vom Heidelberger Hauptbahnhof der begnadete Koch geworden ist, der die Menschen noch immer mit seinen Gerichten gefangen nimmt.
Wie kommt man aber dazu, aus dem Kochalltag auszubrechen, um eine kurzweilige Autobiografie in knappen, leicht lesbaren Kapiteln zu schreiben?
Edmund Becker: „Ich bin viele Jahre um die ganze Erde gerannt. Jetzt bin ich im Hexenhaus doch ein bisschen zur Ruhe gekommen. Viele Leute haben mich gefragt, ob ich nicht noch mehr Anekdoten aus meiner Vergangenheit erzählen kann. Ich habe mich dann wirklich hingesetzt, mit dem Schreiben angefangen und konnte plötzlich nicht mehr aufhören. Die ersten drei Wochen habe ich jeden Abend durchgetippt. Auch, weil das Erinnern für mich ganz überraschend so spannend war. Du nimmst einen Faden auf – und erinnerst dich plötzlich an Dinge, die du jahrelang vergessen hat.“
Wer Edmund Becker kennt, weiß, wie er neue Ideen oft sofort in die Tat umsetzt, dabei mitunter ins Chaos abdriftet, um dann allerletzte Kurskorrekturen noch in letzter Minute vorzunehmen. Das war schon immer so, wie er in seinem Buch schreibt: „Geduldig war ich nie. Wenn ich etwas im Kopf hatte, wollte ich es schnell umsetzen. Das war nicht immer klug, und es lief auch nicht immer rund. Aber es war meine Art, mit Energie umzugehen.“
Im Heidelberger Hauptbahnhof lernt Edmund Becker, der die Schule nach der achten Klasse verlassen hat, das Kochen – auf Tempo. Noch vor dem eigenen Wehrdienst bekommt er anschließend einen Job bei den amerikanischen Streitkräften in Mannheim: „Dort lief Küche anders. Größer. Strenger. Organisierter. Es ging nicht mehr nur um den Topf vor einem, sondern um Abläufe, Mengen, Waren, Menschen und Zeiten.“
Nach dem Wehrdienst zieht es den Koch erneut in die Gastronomie. In Viernheim führt er sein erstes eigenes Restaurant, die „Stubb“. Edmond schreibt: „Ich war nicht mehr der Junge, der in Küchen stand und Arbeit lernte. Ich wollte selbst gestalten. Ich wollte Räume schaffen, in denen Menschen gerne blieben. In der ‚Stubb‘ wurde aus dem gelernten Koch langsam ein Gastgeber. Nicht auf einmal, nicht mit einem großen Entschluss, sondern Abend für Abend, Tisch für Tisch, Gast für Gast.“ Denn Edmond erkannte: „Ein Lokal ist mehr als eine Küche. Menschen kommen herein, setzen sich und legen einen Moment ihres Lebens in deine Hände. Sie bringen Hunger mit, aber auch Erwartungen, Müdigkeit, Gespräche, manchmal Sorgen. Und sie spüren sehr genau, ob ein Haus sie wirklich empfängt.“
Was viele nicht wissen: Nicht nur Edmonds Frau Anna Filimonova malt, auch Edmond selbst hat viele Jahre lang auf hohem Niveau gemalt: „Die Malerei war meine kleine Auszeit links und rechts von Küche und Service.“
Tatsächlich gewinnt er über seine Malerei einen Mäzen, Dr. Lothar Hardt, der Edmund Becker Jahre später auf das Falkenseer Hexenhaus aufmerksam machen sollte. Er stellt Edmond seine Wohnung im berühmten Dakota Building direkt am New Yorker Central Park zur Verfügung – dort, wo auch John Lennon gewohnt hat und direkt vor der Tür erschossen wurde. Edmund Becker: „Ich ging nicht nach New York, um anzukommen. Ich ging, weil eine Tür offenstand. New York war kein Ort für zaghaftes Auftreten. Die Stadt fragte nicht, ob man empfindlich war. Sie wollte sehen, ob man standhielt. Für einen Menschen, der aus der Küche kam, war das eine ganz eigene Prüfung. In der Küche wusste ich, wann etwas gelang. Eine Sauce hatte Bindung. Ein Fleisch hatte den richtigen Punkt. Ein Teller ging hinaus, ein Gast reagierte. Bei Bildern war alles stiller. Man stellte sie an die Wand und musste aushalten, dass andere Menschen davorstanden. Ohne dass man erklären konnte, was man eigentlich gemeint hatte.“
Edmund Becker sagt nicht von ungefähr: „Manchmal wusste ich selbst nicht genau, ob ich Koch war, Künstler, Unternehmer oder einfach jemand, der immer wieder versuchte, aus dem, was vor ihm lag, etwas zu machen.“
Sein Weg führt ihn von New York nach Florida, nach Moskau, nach Hongkong und nach Monaco. Am Ende eröffnet er 1991 in Mougins an der französischen Côte d’Azur sein Restaurant „À la table d’Edmond“, das er bis 2005 betreibt und das immer wieder von zahllosen Prominenten besucht wurde.
Während Edmond die englische Sprache als Jugendlicher bei den amerikanischen Streitkräften perfekt verinnerlicht hatte, stand er beim Französischen am Anfang noch bei Null da: „Ich bin mit dem Auto nach Frankreich gefahren und habe unterwegs mit ein paar Kassetten einen Crashkurs in Französisch gemacht. Davon ist aber leider nichts hängengeblieben. Ich war einfach viel zu aufgeregt. In Frankreich habe ich mir ein Wörterbuch angelegt mit all den Begriffen aus der Küche, die ich können musste. Aber nach zwei, drei Jahren bist du im Flow, da bist du in der Sprache angekommen. In Mougins hat auch niemanden interessiert, dass ich ein Deutscher bin, der in Frankreich französisch kocht. Geschenkt wird dir aber trotzdem nichts. Du musst jeden Tag auf höchstem Niveau liefern, sonst bist du morgen schon wieder weg. Nach 14 Jahren war ich am Ende der, der am längsten vor Ort überlebt hat.“
Aus Mougins flüchtet Edmond am Ende regelrecht: „Ich wollte einfach nur noch weg. Meine Ehe war kaputt, es gab nur noch Ärger. Ich habe mein Haus verkauft, das Restaurant verkauft und war zwei, drei Jahre nur auf Reisen. Die Kasse war voll. Aber wenn du kein Einkommen hast und die Substanz ausgibst, merkst du schnell, wie der eigene Kontostand sinkt. In der Zeit habe ich Anna kennengelernt. Und am Ende rief mich Dr. Lothar Hardt an und erzählte mir, dass er ein einzigartiges Objekt in Falkensee entdeckt hätte: das Hexenhaus. Er könnte sich vorstellen, dass man dort eine einzigartige Gastronomie aufbauen könnte. So kam ich zurück nach Deutschland – und Anna mit mir.“
Nach Amerika und Frankreich: Wie kommt man plötzlich wieder mit der deutschen Mentalität zurecht?
Edmund Becker: „Ja, die Mentalität ist hier eine ganz andere. Aber ich bin inzwischen mit der hiesigen Mentalität eins geworden. Ich fühle mich sehr wohl. Was mich persönlich aber immer mehr beschäftigt, ist meine Inkonsequenz, Tiere zu lieben, sie aber zugleich in der Küche zu verarbeiten. Da mache ich mir sehr viele Gedanken.“
Edmonds Texte in seinem Buch lesen sich sehr kurzweilig, frisch und voller interessanter Anekdoten. Man kann sich wunderbar einlesen, es weglegen oder an anderer Stelle neu starten. Wie ist das gelungen? Edmund Becker: „Ich spreche in Bildern und schweife nicht aus. Alles ist sehr komprimiert. Die Fotos und Rezepte lockern alles auf. Mein ganzes Umfeld hat mir geholfen. Mein Sohn Sascha, der Louis aus der Küche, der Sprecher Dirk Lausch mit seinem Sprachverständnis. Und am Ende hat die KI das Lektorat übernommen, alle Fehler ausgemerzt und ein Layout vorgeschlagen. Wir starten mit einer kleinen Auflage. Das erlaubt es uns, vor jedem Nachdruck noch Korrekturen und Ergänzungen vorzunehmen. Die ersten 200 Bücher sind bereits vorbestellt.“ (ϑ Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 246 (9/2026).
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