300.000 Kilometer gefahren: Der rollende Ersatz für den alten Bürgerbus in Brieselang ist da!
Seit dem Jahr 2007 rollt der knallrote Bürgerbus durch Brieselang. Er wird von ehrenamtlich tätigen Fahrern gesteuert und fährt auf zwei Linien durch den Ort, um die Bürger Brieselangs auch dann schnell und komfortabel von A nach B zu bringen, wenn Havelbus keine Busse auf der Piste hat. Eines der beiden Fahrzeuge des Bürgerbus-Vereins hat nun nach sechs Jahren Dauerbetrieb über 300.000 Kilometer auf dem Tacho – und wurde am 29. Juli gegen einen neuen Bus ausgetauscht.
Havelbus kann mit seinen Bussen nicht überall sein. Manche Strecken sind unwirtschaftlich. Oder es ist nicht möglich, die großen Busse durch kleine Straßen zu steuern.
Vor knapp zwanzig Jahren ist in Brieselang deshalb der erste Bürgerbus ans Netz gegangen – inzwischen sind es zwei Wagen. Die beiden roten Kleinbusse für jeweils bis zu acht Passagiere sind seitdem unterwegs, um die Menschen in Zeestow und in Bredow, aber auch in den seitlichen Ausläufern von Brieselang in die „City“ oder zum Bahnhof zu befördern.
Hinter der Bürgerbusidee steht immer ein Verein, dessen Mitglieder rein ehrenamtlich tätig sind. Im Land Brandenburg gibt es erst vier Bürgerbus-Vereine – und drei von ihnen sind im Havelland zu finden. Nach Brieselang sind erst Dallgow-Döberitz und zuletzt Schönwalde-Glien an den Start und damit ans Netz gegangen.
In Brieselang stand am 29. Juli ein nagelneuer Bus auf dem Marktplatz vor dem Rathaus. Die Neuanschaffung ersetzt einen der alten Busse, der bereits sechs Jahre auf dem Buckel und über 300.000 gefahrene Kilometer auf den Reifen hatte. Fahrzeugbetreuer Hans-Gert Gieseler (65) vom „BürgerBus Brieselang Verein“ (www.buergerbus-brieselang.de) weiß, dass man den richtigen Zeitpunkt erwischen muss, um einen der im Dauerbetrieb fahrenden Busse zu ersetzen. Denn steht der Bus erst einmal tage- oder wochenlang ungenutzt in der Werkstatt, weil wieder etwas zu reparieren ist, ist niemandem geholfen: „Es gibt bei uns in Brieselang eine Tour Nord und eine Tour Süd. Havelbus fährt auf der Strecke nur bis 8:30 Uhr am Morgen und dann erst wieder ab 15 Uhr am Nachmittag. Wenn wir in der Zeit dazwischen nicht auf der Linie 657 unterwegs wären, würden wir die Menschen in Bredow und Zeestow abhängen. Auch von Brieselang-Nord bis zum Bahnhof sind es drei Kilometer. Die müsste man sonst laufen oder mit dem Fahrrad fahren. Das kann nicht jeder, schon gar nicht unsere Senioren.“
„Bürger fahren für Bürger“: Über zwanzig ehrenamtliche Fahrerinnen und Fahrer klemmen sich gern hinter das Lenkrad, um den Fahrbetrieb aufrechtzuerhalten. Der Jüngste ist 50, der Älteste 82.
Der neue Bürgerbus von Volkswagen ist etwas kürzer als der alte, fasst aber weiterhin bis zu acht Fahrgäste. Die Kosten für die Anschaffung belaufen sich auf 140.000 Euro. Hiervon tragen der Landkreis Havelland und die Gemeinde Brieselang jeweils 70.000 Euro.
Landrat Roger Lewandowski erklärte sich selbst zum stolzen Fan des Bürgerbuskonzepts. Er spendierte bei der Übergabe des Busses noch 200 Euro für die Weihnachtsfeier des Vereins: „Mehr als 250.000 Fahrgäste belegen eindrucksvoll, dass das Konzept Bürgerbus als Ergänzung zum übrigen Linienverkehr funktioniert.“
Auch Brieselangs Bürgermeisterin Kathrin Neumann-Riedel freute sich, dass die Vereinsmitglieder schon so lange ihre Freizeit als ehrenamtliche Busfahrer zur Verfügung stellen: „Inzwischen unterstützt uns der Bürgerbus auch beim Adventsmarkt in Zeestow und bringt die Ortsteile zusammen.“ (ϑ Text/Foto: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 246 (9/2026).
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