Perspektivmesse in Falkensee: 74 Aussteller, 650 Schüler!
Wie geht es nach der Schule weiter? Viele Schülerinnen und Schüler haben leider noch so gar keine Idee. Doch die Zeit drängt – und es tut gut, ein wenig Zeit für die eigene Zukunftsplanung aufzuwenden. Seit vielen Jahren hilft die Stadt Falkensee dabei – und organisiert dafür die „Perspektivmesse Falkensee“ in der Stadthalle. In diesem Jahr nutzten 74 Aussteller die Gelegenheit, sich der neuen Generation vorzustellen. 650 Schüler fanden sich am 11. Juni vor Ort ein, um sich über Ferienjobs, Praktika, Ausbildungen und verschiedene Studiengänge zu informieren.
Es ist noch gar nicht so lange her, da wurden die jungen Schulabgänger noch gesucht wie Goldstaub. Die Wirtschaft florierte, Facharbeiter waren Mangelware, und die Unternehmen drückten gern einmal ein Auge bei schlechten Noten zu, wenn sie dafür eine Unterschrift unter einem Ausbildungsvertrag erhielten.
Die Zeiten haben sich geändert. Die Wirtschaft stagniert, Insolvenzen häufen sich, und viele Unternehmen suchen nicht mehr ganz so dringend nach dem Nachwuchs von morgen. Das sorgt dafür, dass die Schüler wieder mehr Interesse und bessere Noten mitbringen müssen, um sich auf dem Arbeitsmarkt einen Platz zu sichern.
Das grundlegende Problem bleibt allerdings: Wo soll die berufliche Reise denn überhaupt hingehen? Am 11. Juni lud die Stadt Falkensee Schülerinnen und Schüler aus der Region dazu ein, die diesjährige „Perspektivmesse Falkensee“ (www.falkensee.de/perspektivmesse) in der Stadthalle zu besuchen – um hier eine Antwort auf die Frage zu finden. 74 Aussteller hatten sich für die Messe angemeldet und einen Stand direkt in der Veranstaltungshalle oder draußen auf dem Campusplatz bezogen. Ein Jahr zuvor waren es übrigens noch 81 Aussteller.
Statt knapp eintausend Schülern fanden sich in diesem Jahr nur knapp 650 in der Stadthalle ein. Babett Ullrich von der Falkenseer Wirtschaftsförderung: „Das ist natürlich auch dem Umstand geschuldet, dass die Bahn noch nicht fährt.“ Die Wiederaufnahme der Bahnfahrten nach der großen Sanierung der Strecke Berlin-Hamburg fand tatsächlich erst nach der Perspektivmesse statt.
Dr. Harald Sempf hielt stellvertretend für den verhinderten Bürgermeister Heiko Richter die Eröffnungsrede und richtete sich direkt an die Schüler: „Besuchen Sie bitte unsere Ausbilder aus der Industrie, dem Handel, dem Handwerk, den Banken und Versicherungen, den Behörden, den Kammern, den Verbänden, der Bundeswehr und natürlich aus den Bildungseinrichtungen. Nutzen Sie die Chance zum Kontakt und zum Gespräch.“
Hans Peter Pohl schloss sich als Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung an: „Wir erleben seit Jahrzehnten einen stetigen, immer schneller werdenden und zum Teil sprunghaften Wandel in der Arbeitswelt. Immer seltener üben Menschen ihren einmal gelernten Beruf ihr gesamtes Arbeitsleben aus, noch seltener beim selben Arbeitgeber. Junge Menschen werden künftig voraussichtlich drei bis fünf verschiedene Berufsfelder durchlaufen und bis zu zehn, 15-mal den Arbeitgeber wechseln. Deshalb ist es so wichtig, sich auf diese stetig wandelnde Arbeits- und Berufswelt einzustellen. Das heißt, einen Schulabschluss zum Start zu erreichen und sich dann durch lebenslanges Lernen permanent weiterzuqualifizieren, ja vielleicht auch umzuschulen. Ich denke, die heutige Perspektivmesse wird das auch verdeutlichen.“
Der Eintritt zur Perspektivmesse war für alle Schüler (aber auch für Eltern oder interessierte Bürger) kostenfrei. Parallel zu den Informationsangeboten an den Ständen gab es Vorträge zu verschiedenen Berufen, einen optionalen Check der eigenen Bewerbungsmappe und die Möglichkeit, vor Ort professionelle Bewerbungsfotos anfertigen zu lassen; Styling inklusive.
Ganz egal, ob die Schüler eine Ausbildungs- oder Studienmöglichkeit, einen Ferienjob oder einen Praktikumsplatz gesucht haben; das durchaus lokal geprägte Angebot war wieder breit gefächert, wie Babett Ullrich, die sich jedes Jahr sehr engagiert um die Messe kümmert, anmerkte: „Die Perspektivmesse zeigt jedes Jahr aufs Neue, wie viele verschiedene Berufe es in unserer Region gibt. Hier entstehen erste Kontakte, Chancen und Perspektiven – direkt vor der eigenen Haustür. Es freut mich besonders, dass wir auch dieses Mal wieder so viele engagierte Unternehmen, Institutionen und interessierte Menschen zusammenbringen konnten.“
Auf der Messe präsentierten sich u.a. die Industrie- und Handelskammer Potsdam, die Bäckerei Thonke, die Sana Kliniken Berlin-Brandenburg, die Stadt Falkensee, Panther Display, das OSZ Havelland, die Berliner Wasserbetriebe, die Lebenshilfe Havelland, der Landkreis Havelland, der Horizont e.V., der TSV Falkensee und PacTech, um nur einige der Aussteller kurz beim Namen zu nennen.
Bei einem Rundgang über die Perspektivmesse konnte man viele anregende Gespräche führen. In den meisten Fällen ging es vor Ort ganz konkret um eine Ausbildung, die die Aussteller mit im Gepäck hatten.
Am Stand von EDEKA Vujanov (www.edeka-vujanov.de) aus dem Wachtelfeld in Falkensee suchte man den Chef vergebens. Er hatte seinen Stand ganz in die Hand seiner Auszubildenden gegeben, da diese ja am allerbesten die Fragen der Schüler beantworten könnten. Jonas Bein (22): „Ich habe meine Ausbildung im EDEKA-Markt Vujanov im letzten Jahr gestartet und bin jetzt seit etwa einem Jahr dabei. Mein Weg in die Ausbildung war nicht sehr geradlinig. Nach der 10. Klasse wusste ich nicht, was ich nach der Schule tun soll – und habe deswegen das Abitur gemacht. Danach war mir meine Zukunft noch immer nicht klarer. Ich habe in Berlin ein Studium angefangen, es aber bald wieder abgebrochen. Ich habe an der Uni gemerkt: Ich möchte doch lieber direkt arbeiten und gleich Geld verdienen. Im EDEKA-Markt habe ich ein tolles Team, es gibt sehr abwechslungsreiche Aufgaben und kein Tag ist wie der andere. Meine Ausbildung nennt sich Kaufmann im Einzelhandel (m,w,d). Sie dauert drei Jahre, aber mit Abitur kann man sie auf zwei Jahre verkürzen. Wir sind zurzeit sieben Auszubildende. Aber da ja in Kürze unser neuer Markt entsteht, würde unser Chef unsere Anzahl gern auf zehn Azubis erhöhen.“
Ein Kontrast zum Arbeiten in einem wirtschaftlichen Betrieb ist die Arbeit in einer Behörde. Michaela Winkler machte auf der Perspektivmesse Werbung für das Finanzamt Nauen: „Wir bieten eine Ausbildung zum Finanzrat (oder -rätin) an. Diese Ausbildung kann man bereits nach der 10. Klasse angehen, sie dauert zwei Jahre. Alternativ dazu gibt es nach dem Abitur ein Duales Studium, das man nach drei Jahren als Diplom-Finanzwirt (oder -wirtin) abschließt. Wir haben einen großen Bedarf. Unsere Betriebsprüfung ist zwar im Moment sehr gut aufgestellt, weil wir bereits viele junge Leute gewinnen konnten. Aber trotz Digitalisierung fehlt uns noch immer Personal, um alle Aufgaben zu bewältigen. Bei uns geht es vor allem um die Bearbeitung der Steuererklärungen. Wir tragen Sorge, dass die Steuern pünktlich gezahlt werden, geben aber bei einer Steuererstattung das Geld auch wieder pünktlich zurück. Im östlichen Havelland haben wir es sehr viel mit Handwerkerbetrieben zu tun.“
Andreas Plessow ist der Ausbildungsleiter bei Havelbus (www.havelbus.de): „Wir haben unsere Ausbildungsplätze für den Bereich der Kfz-Mechatroniker für Nutzfahrzeuge (m,w,d) und der Berufskraftfahrer für den Personenverkehr (m,w,d) bereits für das aktuelle Jahr besetzt. Wir nutzen die Perspektivmesse aber sehr gern, um Praktikumsplätze für die 9. oder die 10. Klasse anzubieten. Natürlich beraten wir auch alle, die für das kommende Ausbildungsjahr einen Platz suchen.“
In Falkensee kümmert sich das Unternehmen Smartana (www.smartana.de) um die Themenbereiche Smart Home, Klimaanlagen, Dachsanierung, Wärmepumpen und Photovoltaik. Pasqual Winsche ist einer der beiden Geschäftsführer: „Wir sind inzwischen zwölf Festangestellte. Hinzu kommen zwei Azubis. Hier suchen wir aber noch weitere Auszubildende – und zwar in den Ausbildungsbereichen Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik (m,w,d), Anlagenmechaniker (m,w,d) und Dachdecker (m,w,d). Tatsächlich sagen auch wir: Es ist einfacher, unsere Mitarbeiter von morgen selbst auszubilden als fertig ausgelernte Facharbeiter auf dem Stellenmarkt zu finden. Wenn wir die jungen Menschen selbst ausbilden und anschließend im Unternehmen halten, können wir nachhaltig wachsen. Wir arbeiten ja auch innovativ in einem echten Wachstums- und Zukunftsmarkt. In Verbund mit Photovoltaik sprechen wir viel über ein intelligentes Energiemanagement. Und beim Neubau geht in unseren Augen nichts mehr ohne ein kabelgebundenes Smart-Home-System, sodass man Licht oder die Heizung auch über eine App steuern kann. Unser Motto ist: Jeder Neubau ohne Smart Home ist ein Altbau.“
Das Unternehmen Asphalta Baustoffprüfung (www.asphalta.de) hat seinen Sitz ebenfalls in Falkensee. Das Prüf- und Forschungslaboratorium bietet eine duale Ausbildung zum Baustoffprüfer (m,w,d) an. Vanessa Ruzas: „Ich habe selbst gerade ausgelernt und bin gleich übernommen worden. Unsere Firma arbeitet sehr viel mit Baustoffen, so etwa mit Asphalt und Beton. Wir analysieren etwa den Aufbau von Straßen an und schauen nach dem Aufbau der einzelnen Schichten, prüfen die Schichtdicken, untersuchen das Bindemittel und haben ein Auge auf die Kornzusammensetzung.“
Die Havelland Kliniken Unternehmensgruppe (www.havelland-kliniken.de) ist sicherlich die größte Arbeitgeberin im Landkreis Havelland. Ralf Setecki ist Sachgebietsleiter Recruiting: „Wir bieten aktuell 120 Ausbildungsplätze an, im nächsten Jahr könnten es sogar noch mehr werden. Wir bieten vor allem eine Ausbildung zum Pflegefachmann und zur Pflegefachfrau aus. Wir bemerken aber immer wieder, dass unsere Ausbildung zum Notfallsanitäter (m,w,d) extrem gefragt ist. Hier gibt es aber nur etwa zehn Ausbildungsplätze im Jahr. Eine tolle Ausbildung ist die zum Medizinischen Technologen für Laboratoriumsanalytik (m,w,d). Unsere Ärzte brauchen oft ganz schnell die Testergebnisse von Urin und Blut aus dem Labor. An unseren Krankenhausstandorten unterhalten wir eigene Labore, die ganz modern ausgestattet sind. So müssen wir die Proben nicht an externe Dienstleister schicken und haben die Ergebnisse sehr schnell. Das ist eine tolle Ausbildung für alle, die Computertechnik, Chemie, Bio und Mathe lieben.“ (ϑ Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 244 (7/2026).
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