Kristina Hölzel: Regionale Geschichte (13): Falkenhöh
Ganz im Osten unser Stadt nah an der Stadtgrenze zu Berlin finden wir die nun schon 100jährige Falkenseer Siedlung Falkenhöh. Im Jahr 1922 hatte die Märkische Scholle e.G.m.b.H. dieses Areal für Siedlungszwecke erworben. Dieser Landstrich hinter dem Falkenhagener See gehörte damals zum Gutsbezirk Damsbrück. Für ein Häuschen im Grünen fanden sich auch hier schnell die Siedler, die ihren Lebensmittelpunkt vorher meist im nahen Berlin hatten.
Die Gemeindeväter Falkensees dachten damals nicht im Traum daran, Falkenhöh ihrer neu entstandenen Kommune zuzuordnen. Noch eine finanzielle Last mitten in der Hyperinflation? Nein. Folglich wurden Bebauungspläne durch den Regierungspräsidenten in Potsdam nicht genehmigt, weil die Falkenseer Baupolizei nicht zuständig war. Deswegen wurde behelfsmäßig gebaut – auch gegen den Willen der Behörden. So kam wie es kommen muss: Ein behördlicher Baustop wurde verhängt. Langwierige Verhandlungen folgten. Am Ende erklärte man die Falkenseer Baupolizei doch für zuständig.
Mit der Eingemeindung der letzten preußischen Gutsbezirke im Jahr 1928 kam diese kleine Ansiedlung doch endlich zu Falkensee.
Nicht ganz unproblematisch war auch die Verkehrsanbindung. Weit weg vom Bahnhof Seegefeld, der ab 1927 Bahnhof Falkensee hieß, wurde mancher Schulweg vor allem im Winter lang und beschwerlich.
Private Transport-Initiativen scheiterten. Ein harter Gegner war die Reichsbahn, weil sie den Kundenverlust befürchtete. Wieder wurde verhandelt. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) machten das Rennen: Am 1. Dezember 1929 fuhren endlich Busse die Siedlung Falkenhöh an. Das Dankesschreiben des Verein „Siedlung Falkenhöhe e.V.“ wurde in der BVG-Betriebszeitung am 1. Januar 1930 veröffentlicht.
Vor 100 Jahren entstanden die ersten sechs Zweifamilienhäuser sowie zwei Einfamilienhäuser. Weitere Siedler kamen hinzu, neue Grundstücke wurden parzelliert und so wuchs Falkenhöh zu einer Idylle hinter dem Falkenhagener See.
Neben der kleinen Gaststube „Siedlereck“, die an der Ecke Spandauer Straße/Pestalozzistraße stand und heute nicht mehr existiert, gab es seit den 1930er Jahren mitten in den märkischen Kiefernbeständen das Gasthaus „Zum Falken“ (Foto Sammlung Uwe Ulrich). Dessen hier kurz geschilderte Geschichte soll stellvertretend für ein Gefühl des Falkenhöher Aufbruchs vor 100 Jahren stehen.
Das zweistöckige Haus in der Lisztstraße wurde Anfang der 1930er vom Spandauer Otto Priem (andere Quellen: „Prim“) erbaut. Schnell folgten Um- und Anbauten zu einem Gasthof mit Vereinszimmer (rechte Seite) und einem Kolonialwarenladen (linke Seite). Nachweislich haben beide Unternehmungen die Kriegszeit überstanden.
In der Nachkriegszeit übernahm den Lebensmittelladen die 1945 wieder zugelassene Konsumgenossenschaft, während der Gasthof der 1948 gegründeten Handelsorganisation (kurz HO) zugeordnet wurde. Ab August 1961 war das Sperrgebiet zur stark gesicherten Staatsgrenze der DDR nur einen Steinwurf entfernt.
Diese gemütliche Gastlichkeit war trotz der Randlage jahrzehntelang sehr beliebt – bei Siedlern, deren Familien, bei Ausflüglern und natürlich auch bei Berliner Laubenpiepern. Das freundliche Betreiber-Ehepaar T. brachte einfache, aber schmackhafte Angebote wie Soljanka, Currywurst und Bockwurst mit Kartoffelsalat auf den Tisch. In den 2000er Jahren wurde die inzwischen legendäre Instanz „Zum Falken“ geschlossen. Das Lebensmittelgeschäft hatte schon zuvor die Wende nicht überlebt. Heute ist das Gebäude in der Lisztstraße nur noch ein Wohnhaus. Es atmet jedoch noch das Gefühl des Aufbruch von damals. (Kristina Hölzel)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 240 (3/2026).
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