1. Akademikertag am Goethe Gymnasium in Nauen!
Das Goethe Gymnasium in Nauen geht ganz neue Wege, um den Schülern der 11. und 12. Klassen mögliche Alternativen für ihre Zukunft aufzuzeigen. Vertreter aus über einem Dutzend Berufsfelder schauten am 29. Januar in der Schule vorbei, um sich knapp 200 Schülerinnen und Schülern vorzustellen. Die Akademiker von morgen hatten sich bereits im Vorfeld für jeweils drei Wunschvorträge anmelden können. Der neue „Akademikertag“ kam in der Schule sehr gut an – die Fortsetzung wird bereits geplant.
Wenn das Abitur langsam näherrückt, stellt sich für die Schüler eine stetig wichtiger werdende Frage: Wie geht es weiter? Leider haben nur die wenigsten eine Vorstellung davon, wie es in ihrem Leben einmal weitergeht.
Das Goethe Gymnasium in Nauen schlägt nun einen neuen Weg ein, um die eigenen Schüler rechtzeitig mit neuen Ideen zu konfrontieren. Die Schule hat in diesem Jahr erstmals zum „Akademikertag“ eingeladen, er richtete sich an alle Schüler der 11. und 12. Klassen. Im Rahmen des „Akademikertages“ nutzten eingeladene Vertreter verschiedener Berufssparten die Möglichkeit, sich den neugierigen Schülern vorzustellen.
Anne Quade (35) ist seit drei Jahren Lehrerin für die Fächer Deutsch und Geografie am Goethe Gymnasium in Nauen. Die Initiatorin des 1. Akademikertages hat zunächst soziale Arbeit studiert und nach einigen Berufsjahren noch das Lehramtsstudium drangehängt: „Lehrerin wurde ich, weil mir die Arbeit mit den Schülern gefällt, mir aber eben auch der soziale Aspekt sehr wichtig ist. Das Thema Berufscoaching hat mich schon immer sehr beschäftigt. Mit dem neu initiierten ‚Akademikertag‘ bringe ich all diese Interessen zusammen und setze sie für unsere Schüler ein.“
Der Akademikertag soll den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit geben, sich über verschiedene akademische Berufe zu informieren und in den direkten Austausch mit dem Akademiker zu gehen.
Anne Quade: „Auch wenn die Schüler bereits verschiedene Messen besuchen, um sich über Berufe zu informieren, möchte ich mithilfe des ‚Akademikertages‘ einen noch privateren Rahmen schaffen und den Schülern die Möglichkeit geben, sich mit noch mehr Zeit in den Austausch zu begeben. Ein ruhigerer Ort direkt in der Schule soll dabei helfen, sich noch intensiver mit einzelnen Berufsfeldern auseinanderzusetzen und Erfahrungen und Vorstellungen auszutauschen. Häufig fällt es den jungen Erwachsenen schwer, eine Entscheidung für ihren zukünftigen beruflichen Werdegang zu treffen. Ich erhoffe mir daher, dass der ‚Akademikertag‘ Anregungen für die Berufsentscheidung vermittelt“.
Entscheidungen für die eigene berufliche Zukunft treffen zu müssen, die oft ein Leben lang halten sollen – das alles bestimmt die Gedanken der Abiturienten von morgen. Hier hilft es ungemein, wenn man einen Plan hat. Nur wie soll man sich bitte für einen Beruf entscheiden, wenn man gar nicht weiß, wie dieser Beruf genau aussieht. Oder wenn man gar nicht einschätzen kann, ob die eigenen Fähigkeiten zum zukünftigen akademischen Weg passen? Anne Quade, die von den Schülern in diesem Schuljahr zur Vertrauenslehrerin gewählt wurde, ging es genau darum. Wissen transportieren, Barrieren abbauen und Menschen miteinander zu vernetzen.
Rückenwind gab es dabei von der Schulleiterin Uta Reichel: „194 Schüler und Schülerinnen nahmen am 1. ‚Akademikertag‘ teil. Ich habe sie alle in der Aula begrüßt und sie gefragt, wer von ihnen bereits einen in Stein gemeißelten Plan hat, wie es für sie ab September weitergehen wird. Daraufhin meldeten sich genau drei Schüler.“ Der Bedarf für eine noch intensivere Berufsvorbereitung ist demnach zweifellos vorhanden.
Viele drängende Fragen der Schüler sollten an diesem Tag von Experten beantwortet werden. Zu diesem Zweck lud Anna Quade über ein Dutzend Dozenten aus den verschiedensten beruflichen Sparten in das Goethe Gymnasium ein. Dabei streckte sie zunächst ihre Fühler im nahen Umfeld aus und akquirierte u.a. eine Ärztin, eine Logopädin, Physiotherapeuten, Lehrkräfte für das Grundschul- und Gymnasiallehramt, Immobilienmanager, eine Steuerberaterin, Vertreter der Polizei sowie eine angehende Anwältin und eine Betriebswirtin in spe. Einige Vertreter aus dem Kader des Landkreises gewährten außerdem Einblicke in die Branchen Eventmanagement und Sozialpädagogik.
In drei Durchgängen à jeweils 60 Minuten stellten die Referenten jeweils ihren eigenen Beruf vor – dabei verwandelten sich Klassenräume der Schule in Vortragsräume der neuen Dozenten. In den Präsentationen, die vor Ort gehalten wurden, ging es zum einen um das derzeitige, tatsächliche Tun der Vortragenden, aber auch um den sicherlich für die Schüler sehr spannenden Weg dahin. Dazu hatten die meisten Akademiker eine Power Point Präsentation vorbereitet. Sie nutzten vor Ort die modernen Smartboards in den Klassenzimmern.
Die Schüler hatten bereits in der Planungsphase zum „Akademikertag“ eigene Wünsche zum eingeladenen Berufsspektrum äußern dürfen. Jeder Schüler konnte sich anschließend aus den angebotenen 14 Berufen genau drei aussuchen, um hier am Vortrag teilzunehmen – eine Chance, in völlig unterschiedliche Branchen einzutauchen, Wissen zu erlangen und Fragen zu stellen. Dabei ging es auch darum, wie viel man später nach einem abgeschlossenen Studium in einem Beruf verdienen kann und ob es besser ist, sich selbstständig zu machen oder sich lieber einstellen zu lassen.
Pauline Ramin (18) ist selbst Schülerin am Goethe Gymnasium, sie steht kurz vorm Abitur: „Ich weiß schon, dass ich später beruflich gern in Richtung Kunst gehen möchte – verknüpft mit etwas Sozialem. Der ‚Akademikertag‘ ist eine sehr gute Chance für uns alle. Die bereits wissen, was sie nach der Schule tun möchten, können ihre offenen Fragen stellen. Diejenigen, die noch nicht sicher sind, wie es nach der Schule weitergeht, lernen neue Menschen und auch neue Berufe kennen.
Sabrina Paulick vom Nauener Therapiezentrum Logopädie im Horizont e.V. durfte ihren geliebten Job vor den zukünftigen Schulabsolventen vorstellen. 22 Schülerinnen und Schüler hatten sich zu ihrem Vortrag angemeldet und fanden recht bald heraus, dass es hier nicht nur ums Zuhören ging, sondern gleich ums Tun. Die Logopädin, die für ihren Beruf brennt, brachte nämlich gleich ein paar praktische Übungen mit: „Im Laufe meines Vortrags stellte sich heraus, dass einige der Schüler bereits mit dem Gedanken spielen, in Zukunft meinen Berufsweg einzuschlagen oder sich nach etwas Ähnlichem umzusehen. Die Praxisübungen, die ich aus meinem Studium mitgebracht hatte, kannten sie zum Teil sogar schon – etwa aus dem Darstellenden Spiel oder aus dem Gesangsunterricht. Für mich hat sich diese Gelegenheit schon allein deshalb ausgezahlt, weil ich eine Lanze für meinen Beruf brechen konnte, den ich einfach liebe.“
Eine andere Vortragende beim ersten „Akademikertag“ war Dr. Carolin Oeder – Fachärztin für Viszeralchirurgie und spezielle Viszeralchirurgie. Sie arbeitet als Leitende Oberärztin im Adipositaszentrum der Havelland Kliniken. Für ihre Teilnahme am 29. Januar musste sie keine Operation verschieben. Sie opferte stattdessen einen freien Tag: „Warum ich heute hier bin? Um meine Faszination an diesem wunderbaren Beruf weiterzugeben. Ich möchte mein Wissen gerne teilen. Die Ausbilderin in mir konnte sich diesen Tag am Goethe Gymnasium einfach nicht entgehen lassen.“
Klarer Fall: Der erste „Akademikertag“ war für alle Beteiligten ein voller Erfolg. Anne Quade: „Und an diesen Erfolg möchten wir gern auch im kommenden Jahr anschließen. In diesem Jahr kamen die kreativen Berufe ein wenig zu kurz. Ich wünsche mir für unsere Schüler, dass wir für den ‚Akademikertag‘ 2.0 Grafiker, Kunststudenten und Produktdesigner finden, die für ihre Branchen schwärmen und das gern mit unseren Schülern teilen möchten. Generell sind uns aber alle Berufsgruppen herzlich willkommen.“
Den Schülern hat der besondere Tag sehr viel Spaß gemacht. Es wurde aber auch der Wunsch geäußert, den „Akademikertag“ bei einer Wiederholung lieber so im Jahr anzusetzen, dass er zu Beginn des Schuljahres stattfindet.
Anne Quade: „Viele Schülerinnen und Schüler wissen in der Mitte vom 12. Schuljahr bereits, was sie machen wollen und befinden sich mitunter sogar schon im Bewerbungsprozess. Für sie wäre ein Informationstag zu Beginn des Schuljahres noch lohnender.“
Die Schüler haben auch den Wunsch vorgebracht, nicht nur die gängigen Berufe kennenzulernen. Sie möchten gern auch über ungewöhnliche Nischenberufe informiert werden, von denen sie ansonsten vielleicht nie etwas gehört haben.
Anne Quade: „Das positive Feedback hat mich auf jeden Fall in meinem Entschluss bestärkt, das Projekt weiterführen zu wollen.“ (Text: Sonja Schröder, cs / Fotos: Sonja Schröder)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 240 (3/2026).
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