Leuchtende Raupen in der Döberitzeer Heide: Raupensuche mit UV-Licht in der Nacht!
Was heute noch eine unscheinbare Raupe ist, wird später oft ein wunderschöner Schmetterling. Wer lange schon keine Raupe mehr gesehen hat, braucht sich nicht zu wundern: Sie sind Meister der Tarnung. Die Heinz Sielmann Stiftung hat nun am 30. Mai zu einer nächtlichen Führung in die Döberitzer Heide eingeladen: Knapp 20 Teilnehmer nutzten UV-Licht-Taschenlampen, um gut verborgene Raupen zum Leuchten zu bringen.
Sicherheitshalber hatte Michelle Prauß (34) aus dem Team „Umweltbildung & Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)“ der Heinz Sielmann Stiftung eine fast fingerlange Raupe vom Pappelschwärmer mit am Start. Nur für den Fall, dass bei ihrer nächtlichen Exkursion „Naturerlebnis Fluoreszenz“ keine einzige Raupe gefunden wird.
Doch ein paar Schritte zurück. Die Heinz Sielmann Stiftung (www.sielmann-stiftung.de) kümmert sich darum, die Naturlandschaft Döberitzer Heide mit all ihren verschiedenen Biotopen zu erhalten und zu schützen. Viele vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten leben hier.
Die Stiftung hat aber auch einen klaren Bildungsauftrag. Das im März 2024 neu eröffnete „Sielmanns Natur-Erlebniszentrum Döberitzer Heide“ ist die zentrale Anlaufstelle, in der Besucher und Spaziergänger Station machen können, um sich mit Informationen für ihre Wanderungen in der Döberitzer Heide vorzubereiten. Auch viele Kitagruppen und Schulklassen finden sich hier ein, um die Natur auf praktische Art und Weise kennenzulernen.
Vom Natur-Erlebniszentrum aus starten auch immer häufiger geführte Naturexkursionen in die Döberitzer Heide, um den Menschen die Gelegenheit zu geben, die vielen seltenen Tiere und Pflanzen vor Ort besser kennenzulernen.
Die nächtliche Exkursion „Naturerlebnis Fluoreszenz“ fand am 30. Mai bereits zum zweiten Mal statt, weitere Wiederholungen sind bereits angedacht. Ziel ist es, einmal gezielt die Raupen der Tagschmetterlinge und der Nachtfalter in den Mittelpunkt zu stellen, die überall um uns herum heimlich am Blattgrün nagen, aber selbst für das geübte Auge kaum zu entdecken sind. Bei der Exkursion machten sich die Teilnehmer ein Phänomen zunutze, das die Wissenschaft noch immer erstaunt: Viele Raupen beginnen unter dem UV-Licht deutlich zu leuchten, sodass sie bei nächtlicher Dunkelheit sehr gut an Gräsern, an Stauden und an den Ästen der Bäume auszumachen sind.
Das Thema zieht. Mehr als 20 Teilnehmer fanden sich am 30. Mai um 20:30 Uhr ein, um sich ganz dem Thema Raupen zuzuwenden. Da es zu der Uhrzeit noch nicht wirklich dunkel war, gab es zunächst einen kurzen Vortrag passend zum Thema „Das nächtliche Leben der Raupen“. Hier konnten die Zuschauer und Zuhörer erfahren, dass es nicht nur hübsche Tagfalter, sondern auch viele verschiedene Nachtfalter wie etwa die Schwärmer, die Spanner, die Eulen und die Zahnspinner gibt. Und dass auch die Raupen zu den Insekten gehören und nur sechs Beine haben. Die übrigen „Beine“ der Raupen sind nämlich nur Bauchbeine, bei denen es sich formal um ungegliederte Bauchausstülpungen handelt. Die Zuhörer bekamen zu hören, dass sich manche Raupen erfolgreich tarnen und aussehen wie ein kleiner Ast, wie ein Vogelschiss oder wie ein vertrocknetes Blatt, während andere mit ihrer Färbung so tun, als hätten sie einen gewaltigen Kopf voller Zähne oder als seien sie eine Schlange. Andere Raupen schützen sich mit giftbesetzten Härchen, nehmen Giftstoffe ihrer Futterpflanze auf oder tun dank starker Signalfarben einfach nur so, als seien sie giftig.
Michelle Prauß: „Wir haben einen klaren Bildungsauftrag für Erwachsene und Kinder. Wir wollen passend zu unserer Naturschutzarbeit erzählen und erklären: Welche besonderen Lebensräume gibt es bei uns, welche Tiere und Pflanzen kommen bei uns vor, warum müssen wir sie schützen? Manchmal müssen wir auch erklären, warum wir in der Döberitzer Heide Bäume fällen, das verstehen viele Spaziergänger nicht. Aber nur so können wir bestimmte Biotope erhalten und verhindern, dass etwa die Offenlandschaften verwalden.“
Sobald es draußen dunkel geworden war (und in der Döberitzer Heide kann es mangels Lichtverseuchung richtig dunkel werden), ging es ab nach draußen. Die Teilnehmer leuchteten mit ihren UV-Lampen ins Gras, in Brombeerhecken, in Büsche und in das Laub der Bäume hinein.
So manche Raupe, die dabei gefunden wurde, war zum Erstaunen der Exkursionsteilnehmer gar keine. Es waren entweder die fleischigen Larven des Großen Pappelblattkäfers oder die stacheligen Larven der Eichenblattwespe. Auch das war eine wichtige Erkenntnis: Nicht alles, was wie eine Raupe aussieht, bringt am Ende auch einen Schmetterling hervor.
Zum großen Glück für alle Anwesenden war Julian Cichos (19) mit dabei. Er absolviert in der Heinz Sielmann Stiftung sein freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ). Er ist ein wandelndes Lexikon, das sofort und ohne nachzudenken zu jeder Raupe den Artnamen und eine Geschichte beizusteuern wusste. Dank seiner Expertise konnten die Exkursionsteilnehmer die Raupen der Rundflügel-Kätzcheneule, des Königskerzen-Mönchs und der Steppenrasen-Weißstriemeneule bestimmen – allesamt Nachtfalter.
Zum Glück hatte Michelle Prauß auch noch die Pappelschwärmerraupe mit dabei, die unter dem UV-Licht sehr eindrucksvoll leuchtete.
Für alle Teilnehmer ein Erlebnis der besonderen Art war die Sichtung einer Kolonie mit den Raupen des Eichenprozessionsspinners. Auf dem Hinweg krabbelten die Raupen äußerst beeindruckend in der oft beschriebenen „Prozession“ dicht an dicht den Stamm einer Eiche hinauf. Auf dem Rückweg der Teilnehmer hatten sich die Raupen bereits komplett ins Blattgrün verteilt, um die Nacht zum Fressen zu nutzen. Hier zeigte sich eindrucksvoll, wie die Raupen samt Härchen unter dem UV-Licht zu leuchten begannen. (ϑ Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 244 (7/2026).
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