Kino-Filmkritik: Supergirl
James Gunn, das geniale Mastermind hinter den supererfolgreichen „Guardians of the Galaxy“ Filmen von Marvel, hat einen neuen Job. Für Warner Brothers soll er ein neues Superhelden-Universum rund um die Figuren aus den DC-Comics erschaffen. Als erster Film ist eine gelungene Superman-Verfilmung entstanden, die wirklich überzeugen konnte. Hier hatte auch Supermans durchgeknallte Cousine Kara Zor-El (Milly Alcock) zusammen mit ihrem fliegenden Hund Krypto einen ersten Einstand.
Nun hat das „Supergirl“ einen eigenen Film bekommen. Und der hat so gar nichts mit Metropolis oder mit der Erde zu tun. Der neue Film zeigt Kara Zor-El als jemanden, der über den Verlust der alten Heimat und der eigenen Eltern nicht hinweggekommen ist. Aber anstatt Gutes zu tun wie Superman, treibt Kara lieber mit ihrem Raumschiff durchs Universum, um heruntergekommene, intergalaktische Kneipen unter einer roten Sonne zu suchen – weil sie hier keine Superkräfte hat und der Alkohol noch eine spürbare dämpfende Wirkung hinterlässt.
Doch genau auf einem solchen Trip kommt sie einem kleinen Mädchen mit einem großen Schwert in die Quere, die sich an einer galaktischen Gaunertruppe für den Tod ihrer Familie rächen möchte. Es kommt zu einer großen Klopperei – und am Ende wird leider Hund Krypto vergiftet. Kara bleiben nur drei Tage, um dem interstellaren Banditen Krem das Gegengift abzuluchsen. Dabei muss sie auch noch auf die rachsüchtige Göre aufpassen.
„Supergirl“ hat so gar nichts vom strahlenden Edelmut ihres Cousins: Sie ist egoistisch, depressiv, versoffen, unordentlich und nicht auch nur die Spur verantwortungsvoll. Ihr fehlen Halt und Aufgabe. Hinzu kommt: Das ganze Universum, das sie bereist, scheint da nicht anders zu sein. Überall ist es dreckig und versifft, ärmlich und gefährlich. Es wirkt fast so, als hätte man für „Supergirl“ die Star-Wars-Saga mit Mad Max gekreuzt.
Das sorgt durchaus für einen coolen Vibe auf dem Bildschirm. Der Film „Supergirl“ präsentiert sich als versiffte Kneipenschlägerei in den Abgründen der Galaxis. Da hat man ja schon Angst, sich nur vom Zuschauen einen Weltraumherpes zu holen.
Die Crux: James Gunn führt leider nicht selbst Regie, er hat auch das Drehbuch nicht geschrieben. Das haben Craig Gillespie (Regie) und Ana Nogueira (Drehbuch) erledigt. Die beiden haben aber nicht die besondere Erzählgabe von James Gunn.
Und so säuft der Film ziemlich schnell ab. Die fiesen Ganoven wirken trotz der vielen Metallnieten im Gesicht völlig generisch und nicht die Spur bedrohlich: Man traut es ihnen nicht eine Sekunde lang zu, eine Bedrohung für die Galaxis zu sein. Warum Kara sie nicht einfach mit dem roten Hitzestrahl in Streifen schneidet – man weiß es nicht. Vielleicht liegt es ja an der kindgerechten Altersfreigabe. Auf jeden Fall verhalten sich die Gegenspieler so unlogisch und unbeholfen, dass man ihnen am liebsten einen Nachhilfekurs im Böse-sein schenken möchte. So ist „Supergirl“ ein weiterer Superhelden-Film, der beim Aufbau eines würdigen Gegners komplett versagt.
Jason Momoa als intergalaktischer Kopfgeldjäger Lobo könnte ebenfalls problemlos aus dem Film herausgeschnitten werden, ohne dass sich die Story verändert. Schade, es fing so gut an. (CS / Verleih: Warner Bros)
Wertung: ♠♠♠/♠♠ (3 von 5)
FSK: 12 – Dauer: 108 Minuten
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=1L4OQydtwyw
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 244 (7/2026).
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