Kino-Filmkritik: In the Grey
Der britische Regisseur Guy Ritchie ist ein echter Ausnahmeregisseur. Er steht für sehr schräge und äußerst gewitzte Gaunergeschichten, die mit unfassbar guten Dialogen überzeugen. Fans lieben seine Werke wie „Bube, Dame, König, grAs“ (1998), „Snatch – Schweine und Diamanten“ (2000), „RockNRolla“ (2008), „Cash Truck“ (2021) und „Operation Fortune“ (2023). Wobei „The Gentlemen“ (2019) in Sachen Qualität, Überraschungseffekt, Charaktere und Dialoge sicherlich sein ungekröntes Meisterwerk ist. Nicht umsonst hat Netflix daraus inzwischen auch eine Serie gemacht.
Im neuen Film „In the Grey“ wird eine recht ungewöhnliche Geschichte rund ums Geld erzählt.
Das Geldinstitut Spencer Goldstein hat dem windigen Gauner und Geschäftsmann Manny Salazar (Carlos Bardem) eine Milliarde Dollar geliehen. Jetzt weigert sich der Despot, das Geld zurückzuzahlen. Anwälte, die losgeschickt werden, um Salazar auf die Finger zu klopfen, werden zu Fischfutter verarbeitet. Da ist es an der Zeit, zu härteren Maßnahmen zu greifen.
So kommt Rachel Wild (Eiza González) ins Spiel. Die eiskalt planende Schönheit schickt ihre beiden Asse Sid (Henry Cavill) und Bronco (Jake Gyllenhaal) los, um Salazars Geschäfte so lange zu sabotieren, bis der Gangster zu ersten Gesprächen bereit ist. Auf der abgeschotteten und militärisch bestens bewachten Privatinsel von Salazar kommt es zum finalen Showdown.
Der Filmtitel „In the Grey“ lässt sich im Deutschen gut mit „In der Grauzone“ übersetzen. Und tatsächlich operiert das Team von Rachel Wild tief in der juristischen Grauzone, um die versprochenen Erfolge zu garantieren. Dabei gehen die Männer, die ihrer Chefin blind ergeben sind, absolut nicht zimperlich vor.
„In the Grey“ bringt also eine recht ungewöhnliche und neue Geschichte auf die Leinwand. Auch in Sachen Action kann der Film voll überzeugen. Es gibt gleich mehrere spannende und recht lange Szenen, die perfekt choreografiert sind und die dem Zuschauer richtig viel Spaß machen. Ein echtes Highlight ist auch die von Rachels Leuten perfekt vorbereitete Flucht von der Insel, für die gleich mehrere Evakuierungsrouten im Vorfeld akribisch ausgetestet werden. Wer Henry Cavill und Jake Gyllenhaal als eiskalte Hunde in Action sehen möchte, wird viel Spaß mit „In the Grey“ haben.
Schade ist nur, dass der überschäumende Gossen-Wortwitz, der sonst die Guy-Ritchie-Filme dominiert, hier spürbar zurückgefahren wird. Das nimmt einem doch etwas die Freude. Schließlich konnte man früher beim Anhören der englischen Originaltonspur viele neue Schimpfwörter und coole Sprüche lernen.
Henry Cavill und Jake Gyllenhaal haben eine tolle Buddy-Chemie auf der Leinwand. Es macht jede Sekunde Spaß, sie zusammen in Action zu sehen. Leider verzichtet Guy Ritchie vollständig auf eine Figurenentwicklung oder darauf, mehr über ihren Hintergrund zu erzählen. Das ist unfassbar schade: Über Sid und Bronco hätte man gern noch viel mehr erfahren. Das Duo kommt auf jeden Fall so gut an, dass man ihm glatt einen eigenen Film gönnen würde.
Eine letzte Kritik: Fliegen am Ende die Kugeln, werden die Helden plötzlich unsterblich. Das ist dann doch etwas zu unrealistisch. (CS / Verleih: Leonine Studios)
Wertung: ♠♠♠♠/♠ (4 von 5)
FSK: 16 – Dauer: 98 Minuten
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=rClDoakj7S8
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 243 (6/2026).
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