Chefärztin Dr. med. Sevinj Wittershagen von den Havelland Kliniken spricht über einen gesunden Beckenboden!
Die Havelland Kliniken haben eine neue Chefärztin der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe. Dr. med. Sevinj Wittershagen hat den Posten im Februar von Dr. med. Manfred Miehe übernommen. Die weit gereiste Ärztin, die gleich mehrere Sprachen spricht, bringt eine große Expertise im Bereich der onkologischen Gynäkologie mit. Eine Aufgabe sieht sie auch in der Beckenbodentherapie. Schließlich ist die Klinik Nauen ein ausgewiesenes Kontinenz- und Beckenbodenzentrum. (ANZEIGE)
Dr. med. Sevinj Wittershagen (52) ist die neue Chefärztin in der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe in den Havelland Kliniken (www.havelland-kliniken.de) – und zwar für die beiden Standorte Nauen und Rathenow. In der Klinik werden die Themenschwerpunkte auf die Bereiche Gynäkologie, Inkontinenzbehandlung, plastische Chirurgie (Liposuktion), Geburtsbegleitung und Geburtshilfe mit angeschlossener Neonatologie gesetzt.
Als Ärztin ist Dr. Sevinj Wittershagen bereits fast einmal um die ganze Welt gereist. Sie wurde in Baku in Aserbaidschan geboren, hat aber Medizin in Sankt Petersburg studiert. Sie erzählt: „Als ich geboren wurde, gehörte Aserbaidschan noch zur Sowjetunion. Bereits in der Grundschule habe ich Russisch gelernt. Nach dem Abitur bin ich nach Sankt Petersburg gegangen, um dort sechs Jahre lang Medizin zu studieren. Sankt Petersburg ist eine wunderschöne Stadt. Aber es waren damals schwierige Zeiten. Die Sowjetunion war zerfallen, es herrschte Perestroika und Glasnost. 1999 habe ich meine Facharztausbildung für Gynäkologie und Geburtshilfe abgeschlossen – mit russischem Zertifikat. Zurück in Aserbaidschan habe ich drei Jahre als Fachärztin an verschiedenen Standorten gearbeitet, darunter auch in einem Zentrum für Familienplanung. Da gab es ganz viele Frauen mit Kinderwunsch, aber mit endokrinen Störungen.“
Sevinj Wittershagen engagiert sich und arbeitete damals mit humanitären NGOs auf der ganzen Welt zusammen: „Über diese Organisationen habe ich das Angebot bekommen, als Ärztin in der Dritten Welt zu arbeiten. So bin ich nach Osttimor gekommen, das liegt zwischen Indonesien und Australien – und wird heute Republik Timor-Leste genannt: Vier Jahre lang habe ich dort in einem Krankenhaus gearbeitet, über 3.500 Geburten begleitet, die Sprache der Menschen vor Ort gelernt und am Ende auch noch meinen deutschen Mann kennengelernt. Es waren Ärzte von den Philippinen, aus Australien und aus den Niederlanden tätig. Spannend war vor Ort, dass Osttimor damals die höchste Geburtenrate der ganzen Welt hatte. Auf eine Familie kamen im Schnitt 7,8 Kinder. Ich habe Frauen betreut, die 15 bis 20 Kinder hatten.“
Mit ihrem Mann, der Jurist ist, zog Dr. Sevinj Wittershagen nach Deutschland: „Das war 2004. Seit über 20 Jahren lebe ich nun in Deutschland – und spreche inzwischen auch Deutsch, allerdings mit einem leicht russischen Akzent.“
Die Familie wohnt zurzeit in Bonn. Hier hat Dr. Sevinj Wittershagen an der Uniklinik in Bonn und später am Klinikum Recklinghausen gearbeitet – zuletzt als Leitende Oberärztin. Die Ärztin sagt: „Nun habe ich nach zwölf Jahren Oberarzterfahrung ein für mich sehr spannendes Angebot aus Nauen bekommen und hier als Chefärztin angefangen. Mein Mann und meine beiden Töchter wohnen noch in Bonn, sie werden aber bald nachfolgen. Wir haben in Kladow ein Haus gefunden und werden somit Spandauer werden.“
Für Nauen hat sich die neue Chefärztin sehr schnell begeistern können: „Das Krankenhaus ist sehr modern aufgestellt und hat eine schöne Atmosphäre. Mir gefällt es, dass die Gynäkologie sehr auf den Beckenboden spezialisiert ist. Das ist ja auch meine Leidenschaft. Ich habe eine Ausbildung in AGUB II, also in der Beckenbodenbehandlung. Und eine Zusatzausbildung für die gynäkologische Onkologie. In Nauen arbeite ich mit drei Oberärzten zusammen. Unser Kreißsaal in Nauen wird von den Hebammen geführt, hier steht mir die leitende Hebamme zur Seite. Am 1. Februar habe ich in Nauen angefangen. Hier fühle ich mich wohl.“
Beckenbodenzentrum an den Havelland Kliniken
Viele Frauen leiden – gerade nach einer Schwangerschaft oder mit zunehmendem Alter – an den Folgen eines schwachen Beckenbodens. Eine schlecht ausgebildete Muskulatur des Beckenbodens und ein schwaches Bindegewebe gehen oft Hand in Hand. Das führt mitunter zu einer Senkung der Gebärmutter und der Blase. Die Folge sind Inkontinenz, Schmerzen und stetig wiederkehrende Entzündungen und Infektionen.
Im Beckenbodenzentrum lernen betroffene Frauen zunächst durch eine konservative Behandlung, ihren Beckenboden zu trainieren, um ihn so zu stärken. Etwa mit Physiotherapie, mit besonderen Übungen oder durch eine Gewichtsreduktion.
Hilft das nicht, führt ein operativer Eingriff wieder zu einem besseren Lebensgefühl.
Dr. Sevinj Wittershagen: „Bei einer Senkung kann man etwa die Gebärmutter entfernen oder die Blase heben. Dabei können wir mit eigenem Gewebe unterstützen oder die Blase mit eingezogenen Netzen stabilisieren. Einen solchen Eingriff führen wir minimalinvasiv durch. Ich freue mich natürlich sehr, dass wir in Nauen das roboterunterstützte Da-Vinci-Operationssystem zur Verfügung haben, das besonders präzise und damit auch nervenschonende Eingriffe durchführen kann. Ich habe bereits selbst erste Eingriffe mit dem Da-Vinci-System absolviert. Da ging es u.a. um eine adipöse Person, da kommen wir mit den laparoskopischen Instrumenten an unsere Grenzen und haben mit dem Da-Vinci doch noch mehr Feingefühl in der Tiefe. Sehr gut ist, dass wir mit den Viszeralchirurgen in unserem Haus sehr eng zusammenarbeiten. Bei Darm- und Senkungsbeschwerden können wir so etwa eine gemeinsame Operation durchführen. Auch mit den Urologen arbeiten wir eng zusammen. Urologie, Koloproktologie und Gynäkologie sind in den Havelland Kliniken ein starkes Trio.“
Ein anderes wichtiges Thema in der Gynäkologie ist die Endometriose. Hier kommt es dazu, dass Gewebe, das der Schleimhaut der Gebärmutter ähnelt, leider außerhalb der Gebärmutter wächst – etwa an den Eierstöcken, am Bauchfell, am Darm oder an der Blase. Dieses Gewebe kann zyklusabhängig reagieren, Vernarbungen hervorrufen, Entzündungen bewirken und starke Schmerzen erzeugen.
Dr. Sevinj Wittershagen: „Diese chronischen Unterbauchschmerzen können wir erst konservativ und dann auch operativ behandeln. Bei einer Bauchspiegelung schauen wir uns den Umfang der Verwachsungen an und können eine Sanierung durchführen, indem wir die Endometrioseherde ausschneiden.“
Ein klarer Trend in der Gynäkologie ist, dass die Patientinnen älter werden. Und im Alter verliert das Bindegewebe seine Stärke. Das betrifft auch den Beckenboden.
Das führt dazu, dass das Thema Inkontinenz in der Bevölkerung immer drängender wird. Man sagt, dass allein in Deutschland inzwischen zehn Millionen Menschen an einer Inkontinenzproblematik leiden.
Um auf dieses oft tabuisierte Gesundheitsproblem aufmerksam zu machen, findet vom 15. bis 21. Juni die Welt-Kontinenz-Woche statt. Die Havelland Kliniken beteiligen sich und werden am 16. Juni von 11 bis 16 Uhr einen Inkontinenztag mit mehreren Vorträgen durchführen.
Schön ist, dass Dr. Sevinj Wittershagen dabei ist, wenn neues Leben auf die Welt kommt: „Am Standort Nauen haben wir einen sehr schönen Kreißsaal mit einer Wochenbettstation. Unsere Hebammen betreuen die werdenden Mütter. Nur wenn die Hebammen bei einer Geburt nicht mehr weiterwissen oder ein medizinischer Notfall entsteht, werden wir Ärzte hinzugezogen.“ (ϑ Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 243 (6/2026).
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