Kristina Hölzel: Regionale Geschichte (15): Bhf Falkenhagen
Hier kommt nun die Geschichte des 1954 gebauten Bahnhof Falkenhagen, scherzhaft von manchen auch als „Hauptbahnhof Waldheim“ getauft. Der Bahnhof Falkensee – bis 1927 als Bahnhof Seegefeld bekannt – existiert nun seit rund 150 Jahren an der seit 1846 bestehenden Bahnverbindung zwischen Berlin und Hamburg. Der Bahnhof Finkenkrug wurde Ende des 19. Jahrhundert eine offizielle Haltestelle auf dieser Strecke.
Der Bahnhof Falkenhagen jedoch diente ab 1954, am nordwestlichen Bahn-Außenring liegend, zunächst nur betrieblichen Zwecken. Ende der 1950er wurde er dann zum hoch frequentierten Knotenpunkt auch im Personenverkehr.
Am 13. August 1961 vollendete der Mauerbau nicht nur die Teilung Deutschlands sondern er setzte auch der direkten Bahnverbindung nach Ost-Berlin durch West-Berlin ein Ende. Auch die seit 1951 bestehende S-Bahnverbindung „Falkensee – Königs Wusterhausen“ wurde sofort eingestellt. Als die Grenze zu West-Berlin geschlossen wurde, war der in den 1950er Jahren fertiggestellte nördliche Bahn-Außenring für den Personen- und Güterverkehr der DDR die Hauptverbindung nach Ost-Berlin.
Nebenbei bemerkt, auch der Ausbau des Havelkanals diente dazu, den Güterverkehr um West-Berlin herumzuführen.
Ab 1961 bis zur Wiedervereinigung wurde die Fahrt nach Ost-Berlin ein zeitraubendes Unterfangen. Man fuhr über den kurz nach dem Mauerbau zweigleisig ausgebauten Außenring nach Birkenwerder. Von dort verkehrte die S-Bahn Richtung Ost-Berlin und nach Oranienburg. Zahlreiche Pendler nutzten früh am Morgen und abends den sogenannten „Durchläufer“ von Falkensee über Schönwalde nach Berlin-Ostbahnhof bzw. Berlin-Lichtenberg.
Am südöstlichen Bahnsteig des Bahnhofs Falkenhagen stand das 1961 errichtete Empfangsgebäude, das aus einem Erdgeschoss und einem Obergeschoss im zum Bahnsteig zeigenden Dachgiebel bestand.
Zur Sicherung des Zugverkehrs, der in den folgenden Jahren eine beachtliche Verkehrsdichte annahm, wurde am 18. April 1971 das sogenannte Gleisbildstellwerk „Falkenhagener Kreuz“ (Typ GS II Sp64b) eröffnet. Damit wurden sechs alte mechanische Stellwerke außer Betrieb gesetzt sowie vier wärterbediente Schranken durch automatische ersetzt. Vom Stellwerk Falkenhagen aus wurden die Anlagen im Bahnhof einschließlich der Abzweige zur Hamburger Bahn sowie die anderen Abzweigstellen am Kreuz Falkenhagen gesteuert.
Die erste Elektrifizierung der Strecken „Albrechtshof – Birkenwerder und Albrechtshof – Nauen“ begannen am 21. September 1981 und endeten am 7. Oktober 1983. Damals waren auch Hubschrauber im Einsatz. Die Aufstellung eines Mastes dauerte so nur fünf Minuten, zuvor brauchten Baukolonnen 30 Minuten.
In Falkensee selbst wurden in den 1980er Jahren täglich rund um die Uhr 114 Züge abgefertigt, darunter vier enorm lange Güterzüge. Im Durchschnitt waren es jährlich 1.200.000 Millionen Reisende bzw. Pendler und ca. 30.000 Güterwagons.
An die endlos langen Wartezeiten an den Falkenhagener Schranken erinnern sich viele.
Nach dem Fall der Berliner Mauer ließ der Personenverkehr deutlich nach. 1996 hielt der letzte Reisezug im Bahnhof Falkenhagen. Das Empfangsgebäude verfiel und wurde 2006 abgerissen. 2009 wurde die Fußgängerbrücke über die Gleise abgetragen. Im Herbst des gleichen Jahres wurde der Bahnhof an ein elektronisches Stellwerk angeschlossen.
Wanderer und Radfahrer können den Lost-Place im Bredower Forst noch heute entdecken.
(Quellen: u.a. Signal Sonderausgabe „S-Bahn ins Havelland“ 1993)
(Kristina Hölzel, Bild: Heiko Schulze)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 243 (6/2026).
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