Rollenspiele auf dem 11. Sonnencon in Spandau: Pen&Paper-Rollenspiele und Tabletop-Kriegsspiele!
Sie schauen dem unsagbar Bösen ins Auge, suchen in gewaltigen Dungeons nach Schätzen, schlitzen den feuerspeienden Drachen auf und haben keine Probleme damit, in fremde Reiche einzufallen, um die entführte Prinzessin zu retten. Rollenspieler bringen jede Menge Fantasie mit, um komplexe Welten allein in ihrem Kopf entstehen zu lassen. Doch um ein neues Abenteuer zu bestehen, brauchen sie gleichgesinnte Mitstreiter. Der Sonnencon, der in diesem Jahr zum elften Mal in Spandau stattfand, bringt die Spieler gern zusammen.
Die Würfel sind der kleinen Fantasytruppe gewogen: Das Schloss springt auf. Knirschend öffnet sich die steinerne Tür, die in den Dungeon führt. Muffige Luft schlägt den Spielern entgegen, die als Zauberer, Krieger, Heiler und Bogenschütze aufgebrochen sind, um Gold und Ruhm zu ernten. Doch dann leuchten im Dunkeln hinter der Tür plötzlich rote Augen auf. Viele rote Augen. Menschengroße Ratten springen hervor, um die unbesonnenen Abenteurer in Stücke zu reißen.
So könnte vielleicht ein neues Rollenspielabenteuer beginnen. Benjamin Brannies und Sven Winter vom Berliner Verein Nexus e.V. sorgen Jahr für Jahr dafür, dass überzeugte Rollenspieler einmal vor Ort zusammenkommen können, um gemeinsam ein echtes Abenteuer in erdachten Welten zu erleben.
Der Sonnencon (www.sonnencon.de) fand in diesem Jahr bereits zum elften Mal statt – dieses Mal am 18. und 19. Juli. Als Veranstaltungsort darf der 1992 gegründete Verein die Klassenzimmer der Spandauer Lynar-Grundschule nutzen. Dort, wo außerhalb der Ferien Schüler das Einmaleins oder die Schreibschrift einüben, probierten nun Rollenspieler Spiele wie Pathfinder, Daggerheart, Spire, Lex Arcana, Lancer, Splittermond oder Shadowdark aus – um nur einige wenige Games aus dem riesigen Spektrum zu erwähnen.
Diese klassischen Pen-&-Paper-Rollenspiele brauchen keinen Computer. Eine Spielleiterin oder ein Spielleiter führt ein kleines Team stattdessen im Offline-Modus durch ein zuvor ausgetüfteltes Abenteuer. Die Entscheidungen der Mitspieler bestimmen, ob eine Geschichte wie „Das letzte Zimmer im Grand Hotel“, „Das Dorf der Grabräuber“ oder „Im Feuertempel von Angazhan“ am Ende gut ausgeht. Oder eben nicht.
Benjamin Brannies (46), der den Sonnencon als „größte Rollenspiel-Convention der Hauptstadt“ bezeichnet, sagt: „Wir organisieren den Sonnencon zu acht. Wir arbeiten alle im Ehrenamt für den Verein und sind froh, wenn wir am Ende eine schwarze Null schreiben. Wir geben keine Rollenspiele vor, sondern überlassen die Auswahl unseren Spielleitern, die ihre Gruppe durch ein vorbereitetes Abenteuer führen möchten. So kommt es zu der großen Vielfalt, die wir auf dem Sonnencon anbieten. Aber auch die großen Klassiker wie Dungeons & Dragons oder Das Schwarze Auge waren in diesem Jahr wieder vertreten. Wir haben in drei Blöcken gespielt. Toll fand ich, dass sogar zwei Leute aus Leipzig mit dabei waren, die das Spiel Sparking Strings selbst mit entwickelt haben. So hatten wir eine waschechte Autorenrunde. Im Vorfeld hatten sich 125 Leute für den Con angemeldet, 40 kamen noch einmal für den separaten Tabletop-Bereich hinzu. Am Ende müssen wir noch eine größere Anzahl spontaner Besucher dazurechnen, sodass wir insgesamt um die 200 Gäste und Mitspieler hatten.“
In einem Klassenzimmer wurde „Call of Cthulhu“ gespielt, ein Rollenspiel aus dem Horrorgenre, das auf den Geschichten von H. P. Lovecraft fußt. Mario Zoll (47) war extra aus Würzburg angereist, um hier mitzumischen. Er erklärte das Setting des Spiels: „Unser Spielleiter erzählt uns die Rahmenhandlung und spielt auch alle Nebenfiguren. Unser Team besteht aus fünf Hauptpersonen. Das sind bei Cthulhu keine Zauberer oder Krieger, sondern ‚Ermittler‘, die einen mysteriösen Fall aufklären wollen. Das könnten Ärzte, Journalisten oder Detektive sein. An wichtigen Punkten im Spiel entscheidet der Würfel, was als Nächstes passiert. Springt meine Figur etwa aus einem fahrenden Auto, muss ich im Rahmen eines Geschicklichkeitswurfs würfeln, ob sie sich dabei verletzt oder nicht. Wir fünf, die wir zusammen das Abenteuer spielen, sind uns vorher noch nie begegnet. Das macht das Rollenspiel noch spannender. Bis die Geschichte abgeschlossen ist, kann es bis zu fünf Stunden dauern.“
In einem Nachbargebäude fanden sich die Tabletop-Gamer zusammen, um Warhammer 40.000 zu spielen. Das ist ein düsteres Science-Fiction-Spiel, in dem die Menschheit große Teile der Galaxis erobert hat. Es gibt aber Krieg, Fanatismus und Unterdrückung. Kurzum: Überall wird gekämpft, und genau darum geht es in dem Spiel. Auf einer Spielmatte mit den Maßen 60 x 44 Inches (etwa so groß wie ein Tisch) werden Elemente wie Mauern oder Hausfassaden so aufgestellt, wie es eine Karte vorgibt. Anschließend platziert jeder Spieler seine eigenen kleinen Figuren in dem Szenario. Das können Soldaten, Monster oder Angehörige außerirdischer Völker sein. Hinzu kommen Geschütze und Panzer.
Max Meisse (30) aus Berlin-Schöneberg: „Im Spiel tritt man gegen einen einzelnen Gegner an. Das Spiel kennt verschiedene Phasen. Erst kommt es zum Aufbau. Anschließend platziert man seine Armeen in den dafür erlaubten Bereichen. Gespielt wird in alternierenden Zügen. Erst führt der eine Spieler alle seine Züge aus, dann der andere. Nach fünf Runden ist das Spiel vorbei. Es geht nicht nur darum, die Figuren des Gegners zu vernichten; man muss zugleich auch verschiedene Missionen erfüllen. Dafür bekommt man Punkte, die wir in einer App notieren. Wer am Ende die meisten Punkte hat, gewinnt. Ein Spiel dauert genau 3,5 Stunden.“
Max Meisse mag Taktikspiele und schätzt den Reiz, gemeinsam mit dem Gegner „an der Platte“ zu spielen: „Es gibt aber auch Spieler, die lieben es noch viel mehr, die Figuren zu bauen, um sie anschließend zu bemalen.“
Auf dem Sonnencon stellten Händler ihre Waren aus, es gab ein Nerd-Quiz, eine Auktion wurde durchgeführt und Lesungen standen auf dem Plan. Niemand musste verhungern – es gab Burger vom Grill. Benjamin Brannies: „Der nächste Sonnencon wird am 10. und 11. Juli 2027 stattfinden.“ (ϑ Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 245 (8/2026).
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