Havelland Kliniken: Phänomen Reflux!
Viele Menschen klagen über regelmäßiges Sodbrennen, was im medizinischen Kontext als Reflux bezeichnet wird. Dabei gelangt der Mageninhalt mit der Magensäure in die Speiseröhre – und kann hier für eine ganze Reihe von Problemen sorgen. Im Ernstfall ist es wichtig, einen Arzt zu konsultieren, bevor es etwa zur Ausbildung von Krebsvorstufen kommt. Und mitunter ist sogar eine Operation nötig, um die Lebensqualität nach einem Zwerchfellbruch wieder herzustellen. (ANZEIGE)
Bei einem Reflux gelangt saurer Mageninhalt in die Speiseröhre. Diese weist keinen Schutz vor der Säure auf, wie man ihn auf der Innenseite des Magens vorfindet. Deswegen kann die Säure an dieser Stelle auch langfristig durchaus Schaden anrichten.
Zwischen Magen und Speiseröhre gibt es keinen Schließmuskel, sondern eher einen Ringmechanismus in einem speziellen Winkel zwischen Speiseröhre und Magen. Dieser Verschluss kann durchlässig werden, entweder durch angeborene oder erworbene Faktoren, und dann kommt es immer wieder zum Reflux.
Dr. med. Johannes Diermann leitet die Chirurgische Praxis im Medizinischen Dienstleistungszentrum Havelland. Der Viszeralchirurg: „Oft kommen die Patienten sehr spät zu mir. Sie nehmen bereits über eine lange Zeit hinweg Tabletten, die die Magensäure hemmen. Da entsteht oft eine sehr lang andauernde Leidensgeschichte.“
Wie sind die Symptome bei solch einem Reflux? Dr. Diermann: „Viele klagen über das typische Sodbrennen – vor allem in der Nacht. Sie müssen dann sogar erhöht schlafen, um den Reflux zu stoppen. Das Sodbrennen wird meist als ein Brennen hinter dem Brustbein wahrgenommen. Mitunter klagen Reflux-Patienten aber auch ganz unspezifisch über Ohrenschmerzen. Oder sie entwickeln ein Asthma, weil ihnen die Säure oben in die Luftröhre hineinläuft. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, wie sich ein Reflux zeigt. Sinnvoll ist es oft, mit einer Gastroskopie in die Speiseröhre hineinzuschauen, um nach einem Grund für den Reflux zu suchen und um sich die Schleimhaut in der Speiseröhre anzuschauen und zu sehen, ob sie bereits Schaden genommen hat. Im schlimmsten Fall kann sich hier durch Veränderungen an der immer wieder neu gereizten Schleimhaut in der Speiseröhre ein Krebs entwickeln.“
Ein Reflux kann auftreten, weil es im Körper der Patienten eine Bindegewebsschwäche gibt, die mit zunehmendem Alter stärker ausgeprägt sein kann. Dr. Diermann: „Jede zweite Frau, die schwanger wird, bekommt es mit Sodbrennen zu tun, weil der Bauch wächst und nach oben drückt. Das gilt auch für Männer und Frauen mit großem Übergewicht.“
Alkohol, Rauchen, fettige Speisen vor allem am Abend sowie kohlensäurehaltige Getränke können ebenfalls ein Auslöser für Reflux sein, ebenso zu enge Kleidung. Und bei manchen Patienten ist sogar Schokolade ein echter Trigger.
Dr. Diermann ist im ambulanten Bereich ein erster Ansprechpartner für Reflux-Patienten. Im stationären Bereich der Havelland Kliniken in Nauen hat Dr. med. Claudia Roxlau, Oberärztin für Innere Medizin und Gastroenterologie, die gleiche Aufgabe. Sie sagt: „Ich sehe Patienten bei uns in der Aufnahme, die bereits seit 20 Jahren Tabletten gegen das Sodbrennen nehmen. Lange dachte man, man könnte mit einer solchen Dauermedikation eine Operation verhindern. Heute weiß man, dass diese Medikamente, wenn man sie über eine lange Zeit nimmt, durchaus ihre Nebenwirkungen haben. Sie können Osteoporose begünstigen und Leber- und Nierenschädigungen hervorrufen. In der Klinik gelangen viele Patienten mit Reflux zu uns, die mit einem Brennen hinter der Brust in die Notaufnahme gekommen sind – in der Angst, einen Herzinfarkt zu haben. Nachdem das ausgeschlossen ist, schauen wir noch einmal genauer hin.“
In der Klinik ist es möglich, neben der endoskopischen Magenspiegelung auch noch ein CT mit einem oralen Kontrastmittel durchzuführen. Es besteht auch die Möglichkeit, mit verschiedenen Verfahren, die zum Teil nur in der Klinik in Rathenow durchgeführt werden, eine Funktionsuntersuchung der Speiseröhre durchzuführen oder eine Säuremessung anzusetzen, die während eines ganzen Tages erfasst, wie oft es zu einem Reflux kommt.
Dr. Claudia Roxlau: „In der Gastroskopie und im CT sehen wir ganz genau, ob ein Zwerchfellbruch vorliegt. Wir sprechen von einer Hiatushernie.“
Carolin Oeder ist Ärztliche Leiterin des Adipositaszentrums in den Havelland Kliniken und leitende Oberärztin und Chirurgin in der Bauchchirurgie. Sie erklärt: „Oben im Brustkorb befinden sich die Lunge und das Herz. Darunter liegt als fast waagerechte Abgrenzung zum Bauchraum das Zwerchfell, das auch beim Atmen hilft. Das Zwerchfell ist eine Muskel-Bindegewebsplatte. Der Magen liegt normalerweise komplett unter dem Zwerchfell. Kommt es nun zu einem Zwerchfellbruch genau an der Stelle, an der die Speiseröhre durchbricht, kann der Magen über diesen Bruch nach oben wandern, wobei dann auch der Schließmechanismus am Ende der Speiseröhre nicht mehr funktioniert und es zu einem Reflux kommt. Wir hatten schon Fälle, bei denen der Magen so weit hochgerutscht ist, dass er schließlich neben dem Herzen lag und hier für Herzrhythmusstörungen gesorgt hat. Bei so einem Zwerchfellbruch muss natürlich operiert werden.“
Bei einer Operation kann die Öffnung des Zwerchfells um die Speiseröhre wieder enger gemacht werden. Carolin Oeder: „Im Zweifelsfall befestigen wir den Magen mit einer Naht so, dass er nicht mehr durch das Zwerchfell hindurchrutschen kann.“
Eine Operation in den Havelland Kliniken erfolgt laparoskopisch, also minimalinvasiv. Carolin Oeder: „Dafür verwenden wir bereits sehr gern unser roboterunterstütztes Da-Vinci-Operationssystem. So ein Eingriff dauert in der Regel eine Stunde. Wir rekonstruieren das Zwerchfell mit einer Naht, die sich nicht auflöst. Und zwar so, dass der Durchlass für die Speiseröhre nicht zu eng wird. Wir können auch einen Magenschlauch einsetzen, um das Gewebe zu verstärken. Und wir können eine Rekonstruktion des perfekten Winkels zwischen Magen und Speiseröhre durchführen, sodass der natürliche Verschluss wieder funktioniert und der Reflux ausbleibt.“
Nach einer solchen Operation haben die Patienten oft ein komisches Gefühl beim Essen und Trinken, weil sie es zuvor gar nicht mehr gemerkt haben, wie die Nahrung in den Magen rutscht. Carolin Oeder: „Nach einer operativen Versorgung muss man wieder sehr gut aufs Kauen achten, also kleine Portionen essen und kleine Bissen zu sich nehmen, bis sich das System wieder adaptiert hat. Eine Ernährungsberatung gehört für uns immer zur Behandlung mit dazu.“
Eine Operation führt in der Regel dazu, dass die Patienten ihre Beschwerden verlieren. Carolin Oeder: „In den meisten Fällen müssen anschließend keine Medikamente gegen Sodbrennen mehr eingenommen werden. Das ist eine deutliche Erhöhung der Lebensqualität.“ (Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 240 (3/2026).
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