Gezogenes Katana: Kampfkunst Iaido beim TSV!
Peter Röder steht in der kleinen Turnhalle der Falkenseer Kant-Schule. Mit einer kontrollierten und ruhigen Bewegung zieht er plötzlich ein metallisch funkelndes Katana-Schwert, läuft ein paar Schritte nach vorn und attackiert mit einem schnellen Hieb einen unsichtbaren Gegner. Und doch: Niemand muss Angst haben vor dem großen Mann. Er zeigt seinen Schülern nur gerade eine Kata aus der japanischen Kampfkunst Iaido. Und Iaido ist ein neues Sportangebot vom TSV Falkensee!
Ganz egal, ob Ringen, Cheerleading, Boxen, Einradfahren oder Inline-Skating: Im Breitensportverein TSV Falkensee e.V. (www.tsv-falkensee.de) finden viele Sportarten ein Zuhause.
Ganz neu im Portfolio ist die japanische Kampfkunstart Iaido. Verantwortlich für die Vermittlung ist Fachbereichsleiter Peter Röder (51), der ursprünglich aus der Nähe von Braunschweig stammt, aber seit Juni letzten Jahres in Falkensee lebt.
Der Grund für seinen Wechsel ins Havelland heißt Nici Pawellek: Er ist der Liebe wegen nach Brandenburg gekommen.
Für den TSV Falkensee war das ein Glücksfall: Peter Röder hat im Iaido den 7. Dan (acht gibt es!) und ist somit prädestiniert dafür, sein Wissen im japanischen Schwertkampf an neue Schüler weiterzugeben.
Peter Röder: „Mit 19 Jahren habe ich mit Kendo angefangen. Kendo ist ganz anders als Iaido. Beim Kendo powert man sich bis zur Besinnungslosigkeit aus. Mit Bambusschwertern, viel Geschrei und mit Vollkontakt, also mit allem, was dazugehört. Iaido ist ebenfalls eine Kampfkunst, die auf dem Schwert basiert und zwar auf dem japanischen Katana. Hier trainiert man allerdings mit einem richtigen Schwert Bewegungsfolgen gegen einen unsichtbaren Gegner, den man sich nur im Kopf vorstellt. Im Iaido trainiert man das schnelle Ziehen des Schwertes, präzise Schnittbewegungen und das Besiegen der Gegner, schnell und kontrolliert.“
Als Merksatz könnte man sich aufschreiben: Iaido ist die Kunst, ein Schwert blitzschnell und kontrolliert zu ziehen – verbunden mit Konzentration, Präzision und innerer Ruhe.
Peter Röder: „So wird Iaido überall im Netz übersetzt. Das japanische Zeichen für Iaido, das Kanji, lässt sich aber eher übersetzen mit „in jeder Situation da sein“. Ich sehe das auch so, dass Iaido über das reine Schwertziehen weit hinausgeht.
Für den TSV Falkensee bietet Peter Röder zwei Trainingszeiten an. Am Mittwoch von 20:15 bis 22 Uhr trainieren eher die Fortgeschrittenen Iaidoka in der kleinen Turnhalle der Kant-Schule. Am Donnerstag treffen sich die Anfänger von 20 bis 22 Uhr in der kleinen Turnhalle der Lessing-Grundschule.
Peter Röder: „Am 9. April startet unser zweiter Einsteigerlehrgang mit vier aufeinanderfolgenden Terminen immer am Donnerstag.“
Iaido kennt zwar durchaus Wettbewerbe, die auf verschiedenen Ebenen stattfinden und auch in einer Deutschen und einer Europa-Meisterschaft münden. Aber es finden keine Kämpfe gegen andere Teilnehmer statt. Stattdessen werden verschiedene Kata gezeigt, die in ihrer Form von höher graduierten Iaidoka bewertet werden. Jede Kata simuliert aber im Grunde genommen den Kampf gegen einen oder mehrere imaginäre Gegner mit dem Ziel, diese als letzte Konsequenz zu besiegen.
Peter Röder: „Wenn man Iaido philosophisch nimmt, dann sind diese imaginären Gegner das eigene Ich.“
Im Iaido gibt es keine Gürtel und keine Gürtelfarben, aber durchaus verschiedene Graduierungen. Die Schüler fangen mit den unteren Kyu-Graden an, dann folgen die Dan-Gradierungen von 1 bis 8, die im Grunde dem schwarzen Gürtel in seinen Gradierungen ähneln. Peter Röder: „Außenstehende können tatsächlich nicht erkennen, welchen Dan ein Iaidoka hat, es gibt keine Farben, Abzeichen oder Markierungen am Schwert oder an der Kleidung. Man sieht es aber an der Qualität der Bewegungen.“
Die Prüfungen für die Gradierungen werden nicht im eigenen Dojo in Falkensee durchgeführt. Eine erste Prüfung findet auf Ebene des Landesverbandes statt, da urteilen dann drei Prüfer aus verschiedenen Vereinen. Die Dan-Prüfungen finden auf Bundesebene statt, jedenfalls bis zum 5. Dan. Da kommen bereits sechs Prüfer zusammen, die oft aus verschiedenen Teilen Deutschlands oder aus dem Ausland kommen. Die 6. und 7. Dan-Prüfung wird auf europäischer Ebene durchgeführt, etwa bei der alljährlichen Europameisterschaft im Herbst. Die höchste Prüfung ist der 8. Dan. Diese spezielle Prüfung kann man nur zwei Mal im Jahr in Japan ablegen.
Peter Röder: „Ich bin jetzt seit Mai 1993 dabei und habe den 7. Dan im September 2022 bestanden. Vor der Prüfung zum 8. Dan müssen zwingend zehn Jahre vergehen. Also kann ich mich frühestens 2032 der 8. Dan-Prüfung in Japan stellen.“
Nici Pawellek, die selbst Iaido betreibt und 2. Dan ist, erklärt: „Es gibt bisher im Iaido keinen 8. Dan außerhalb Japans. Der 7. Dan ist also die bisher höchste Graduierung, die man als Nicht-Japaner im Iaido erreichen kann. In Deutschland gibt es bisher lediglich fünf von ihnen.“
Die Beschäftigung mit den Bewegungen, die ja ihren Ursprung in der früheren echten Kampfkunst der japanischen Samurai haben, führt zu einer gewissen Ruhe im Auftreten und zu einer Art defensiver Autorität. Aber hilft der simulierte Schwertkampf dabei, sich Fähigkeiten für die Selbstverteidigung im echten Alltag anzueignen?
Peter Röder: „Nein, Iaido ist nicht dafür geeignet, Skills für die Selbstverteidigung zu erlernen. Man lernt aber, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen und selbstbewusster aufzutreten.“
Wer gern zum Iaido kommen möchte, braucht zunächst nur eine Sporthose und ein T-Shirt, ansonsten ist man im Dojo barfuß. Wer Freude an der Kampfkunst entwickelt hat, kleidet sich in einen schwarzen Hosenrock (Hakama) und die passende Jacke (Gi), hinzu kommt ein Gürtel, in den das Schwert gesteckt wird – der Obi. Empfehlenswert sind Knieschoner, weil die Iaidoka viel Zeit auf ihren Knien verbringen.Viele Kata können aber auch im Stehen ausgeführt werden.
Peter Röder: „Wir haben im Oktober letzten Jahres beim TSV angefangen, wir sind jetzt zu neunt. Zu uns kommen junge und alte Leute, Männer ebenso wie Frauen. Es sind Leute dabei, die Japan toll finden, Leute, die Schwerter mögen und Leute, die die Samurai toll finden. Auch Manga-Leser sind dabei.“
Für die Einsteiger gibt es Übungsschwerter aus Holz, später legen sich die Iaidoka gern ein eigenes echtes Katana zu, das professionell aus Stahl geschmiedet ist und das, wenn man länger dabei ist, auch einseitig scharf geschliffen wird.
Peter Röder: „Das Katana muss zur Körpergröße passen, damit es bei den vorgegebenen Bewegungen der Kata nicht zu lang oder zu kurz ist. Die Schwerter von Nici und mir unterscheiden sich in der Länge voneinander. Die massengefertigten Übungsschwerter aus Metallkosten zwischen 300 und 1.500 Euro, die geschmiedeten Schwerter fangen bei etwa 4.000 Euro an. Nach oben sind dem Preis keine Grenzen gesetzt, da kann man für ein historisch wertvolles Schwert aus einer bestimmten Schmiede schon einmal fünfstellige Beträge bezahlen.“ (Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 241 (4/2026).
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