Da fliegt der weiße Ball: Potsdamer Golf-Club startet neu durch!
Der Potsdamer Golf-Club ist Ende letzten Jahres in eine Krise gerutscht – der Vorstand ist wegen Arbeitsüberlastung zurückgetreten und der Manager hat das Momentum genutzt und den Club verlassen. In dieser Situation wagten die Mitglieder der idyllischen Anlage einen ungewohnten Schritt. Sie übernahmen einfach selbst das Management und stellten einen neuen Vorstand auf. Gemeinsam kümmern sie sich nun um die Aufgabe, den Golf-Club neu zu überdenken und dringend anstehende Modernisierungen in Angriff zu nehmen. Eine starke Maßnahme: Der Clubbeitrag wird nicht erhöht, er sinkt im kommenden Jahr.
Quo Vadis, Potsdamer Golf-Club e.V. (PGC)? Mit dem neuen Präsidenten Eberhardt Sturm (66) sprach Carsten Scheibe von „Unser Havelland“.
Der Potsdamer Golf-Club ist zuletzt in eine große Krise gerutscht: Der Vorstand ist zurückgetreten, der langjährige Club-Manager hat den Golf-Club verlassen. Die Mitglieder mussten überlegen, wie es weitergeht. Stand die Möglichkeit im Raum, dass der Golf-Club aufgeben muss?
Eberhardt Sturm: „Es gab durchaus Befürchtungen von außerhalb, dass dies passieren könnte. Für uns Clubmitglieder war das nie ein Thema, wir hätten das nicht zugelassen. Den Club zu schließen, das war für uns keine Option.
Die große Frage war eher: Wie geht es nun weiter? Ohne Präsident, ohne die zweite Vorsitzende und vor allem ohne ein professionelles Management? Wie stellen wir direkt vor der neuen Saison kurzfristig ein neues Team auf die Beine?
Uns war klar, dass zunächst das Management neu besetzt werden musste. Ohne Vorstand kommt man ja noch über die Runden, aber man braucht zwingend jemanden, der die Saison managt. Wir wussten aber, dass wir uns definitiv keinen neuen Manager von außerhalb holen wollten. Dafür braucht man einfach mehr Zeit. Einen guten Manager zaubert man nicht einfach so aus dem Hut. Unsere Idee war es, dass wir das Management zumindest im ersten Jahr selbst stellen – mit Leuten aus unserem Verein, die sich intensiv um die administrativen und organisatorischen Aufgaben kümmern möchten. Wir haben gleich vier Leute gefunden, sodass wir die Aufgaben auf mehreren Schultern verteilen können.
Sebastian Rodig, Harald Weber und Martin Dreher waren die ersten drei. Sie haben sich mehr als ein Dutzend Mal mit dem alten Club-Manager Thomas Kolb getroffen, um die Übergabe zu regeln. Dabei hat sich aber schnell herausgestellt, dass wir uns unbedingt auch um das Thema IT kümmern müssen.
Unsere ersten drei Freiwilligen für das Management hatten wenig Ahnung vom Thema IT, so kam dann Carsten Tannhäuser als Nummer vier im Management dazu. Er hat Starlink auf dem Platz installiert, um einen Internetzugang über den Satelliten zu ermöglichen. Carsten Tannhäuser hat auch festgestellt, dass die Telekom gerade Glasfaser von Zachow in Richtung Tremmen verlegt – und veranlasst, dass wir gleich mit angeschlossen werden. Bereits im Mai sollen wir die Glasfaser bekommen. Dann können wir hier ganz anders arbeiten.“
Wie wurde der neue Vorstand gefunden?
Eberhardt Sturm: „Nachdem das neue Management feststand, haben wir mit unserer Golf-Truppe eine Golf-Reise in Florida angetreten. Andreas Struntz organisiert das immer. Und da kam natürlich das Thema auf: Das Management steht, aber was ist denn jetzt mit dem Vorstand? Matthias Nohl hat sich schnell dazu bereit erklärt, den zweiten Vorsitzenden zu machen. Ich war der letzte, der sich weggeduckt hat bei der Frage, wer sich denn zum Präsidenten wählen lassen möchte.
Wir haben anschließend im Februar die Mitglieder informiert, dass es Kandidaten für eine Vorstandswahl gibt. Am 18. April haben wir uns auf der Mitgliederversammlung zur Wahl gestellt. Der Verein hat uns das Vertrauen ausgesprochen.“
Wie viele Mitglieder hat der Potsdamer Golf-Club denn gerade?
Eberhardt Sturm: „Ende 2025 hatten wir 550 Mitglieder im Verein. Im Jahr 2024 waren es noch über 600.“
Die wichtigste Aufgabe des neuen Teams ist es jetzt also, neue Mitglieder zu werben. Man müsste eigentlich denken, dass dies ein Selbstläufer ist. Der PGC hat ein wunderschönes Gelände mit 18 Bahnen auf einer ehemaligen LPG-Obstplantage und inmitten eines Feuchtgebiets, das für viele Wasserhindernisse sorgt. Wo ist denn der Haken?
Eberhardt Sturm: „Das ist eine gute Frage. Als Golfen in Deutschland groß wurde, träumte man von einem ewigen Wachstum. Der Potsdamer Golf-Club war übrigens der erste Golf-Club, der nach der Wende neu auf DDR-Gebiet entstanden ist, das war 1991. Da hat man auch hier davon geträumt, dass die Mitgliederzahlen immer weiter steigen und steigen. Und damit auch die Einnahmen. Das ist aber nicht passiert.
Damals haben die Top-Clubs noch bis zu 50.000 Mark als Aufnahmegebühr verlangt, nur damit man dort Mitglied werden durfte. Dieses Antrittsgeld gibt es heute nur noch sehr vereinzelt. Wir haben in unserem Golfgroßraum 18 Golf-Clubs, die untereinander um neue Mitglieder konkurrieren. Wir werben uns untereinander die Mitglieder ab, die sich für den Sport begeistern.
Nun stellen wir aber auch fest, dass sich die jungen Leute gar nicht mehr so fest an einen bestimmten Golf-Club binden möchten. Und die älteren Spieler kommen in die Jahre oder ziehen weg.
Natürlich haben wir eine tolle Lage, es ist einfach schön hier bei uns im Havelland, man hat die Ruhe, einen tollen Blick, eine erstklassige Anlage und eine wunderschöne Terrasse, auf der man sitzen kann. Aber wir sind auch relativ weit vom Zentrum in Berlin entfernt. Die Berliner fahren vielleicht lieber nach Stolpe oder nach Gatow. Unsere Aufgabe ist es, die Leute dafür zu begeistern, bei uns Mitglied zu werden.“
Um das zu erreichen, soll nun tatsächlich der Mitgliedsbeitrag gesenkt werden?
Eberhardt Sturm: „Ja, das ist amtlich und auf der Mitgliederversammlung so beschlossen worden. Es gab auch eine sehr intensive Diskussion im Verein darüber. Der Mitgliedsbeitrag kostet aktuell 1.700 Euro im Jahr. Er soll nun für 2027 auf 1.590 Euro im Jahr gesenkt werden. Auch auf diese Weise möchten wir neue Mitglieder gewinnen und auch überzeugen.
Wer Jahresmitglied bei uns ist, hat ein Anrecht darauf, die gesamte Anlage des Clubs zu benutzen. Das gilt für die Driving-Range, die 6-Loch-Anlage und den 18-Loch-Platz. Dank der nicht so zahlreich vorhandenen Mitglieder ist es ein echter Vorteil, dass es bei uns eigentlich immer freie Startzeiten gibt, auch am Wochenende. Man muss die Startzeiten auch nicht Tage im Vorfeld buchen, sondern bekommt auch sehr kurzfristig noch einen Slot, um eine Runde zu spielen.“
Wie kann man die Mitglieder im Potsdamer Golf-Club beschreiben? Ist das ein sehr elitärer Club?
Eberhardt Sturm: „Bei uns golfen ganz normale Leute. Das sind Geschäftsleute, Rentner, Familien und wir haben sogar Studenten und einige Schüler bei uns. Wir haben wie die anderen Golf-Clubs das Problem, dass unsere Mitglieder immer älter werden. Was uns aber immer wieder auszeichnet: Unsere Mitglieder sind alle bodenständig geblieben, sie sind offen, kommunikativ und gern bereit, neuen Golf-Freunden zu helfen und sie zu unterstützen. Es gibt keinen Standesdünkel, sondern ein entspanntes Miteinander. Und nach einem Flight sitzt man gerne noch auf der Terrasse und trinkt zusammen einen Golfer.“
Früher gab es am Montagabend ein Afterwork-Golfen über neun Loch als vorgabewirksames Turnier. Gibt es das noch?
Eberhardt Sturm: „Das Afterwork-Golfen wurde lange Jahre nicht mehr groß beworben. Es ist häufiger ausgefallen, weil sich mitunter nur sechs bis acht Teilnehmer gemeldet hatten. Das möchten wir ändern. Das Afterwork-Turnier findet inzwischen nicht mehr am Montagabend, sondern am Mittwochabend statt. Generell haben wir uns auf die Agenda geschrieben, dass wir unsere offenen Turniere wieder mehr bewerben müssen, um mehr Teilnehmer zu bekommen. Das funktioniert auch recht gut. Bei unserem Saisoneröffnungsturnier der Damen und Herren hatten wir gleich 60 Teilnehmer. Und beim ersten Afterwork-Turnier am Mittwoch gab es bereits über 25 Anmeldungen. Da sind wir auf einem guten Weg.
Am 25. Juli werden wir ein großes Sommerfest-Turnier anbieten, das auch für Golfer von außerhalb offen ist. 120 Starter sind möglich. Es wird ein Frühstück, eine schöne Golfrunde und ein geselliges Beisammensein danach geben. Uns schwebt ein schönes Miteinander mit Mitgliedern und Gästen vor.“
Was viele nicht wissen: Um in Tremmen im PGC zu golfen, muss man nicht zwingend Mitglied sein und braucht auch keine Golf-Vorkenntnisse. Stimmt das?
Eberhardt Sturm: „Unsere Driving Range und unser 6-Loch-Platz können auch ohne eine Mitgliedschaft und ohne eine Platzreife genutzt werden, das gilt auch für das Putting-Grün und das Chipping-Grün. Für die Nutzung muss nur eine kleine Gebühr im Clubhaus bezahlt werden. Und wer keine Schläger hat, kann sich einfach welche ausleihen. Dank unserer Platzreifekurse haben wir immer 30 bis 40 Leih-Bags mit Schlägern für Rechts- und Linkshänder vorrätig, die wir ausgeben können.
Unsere Trainer Andreas Gasiorek und Andrea Bandörfer stehen gern zur Verfügung, um interessierten Besuchern zu zeigen, wie der Golfschwung geht und wie die kleinen weißen Bälle fliegen lernen. Wer hier Blut leckt, kann in einem Platzreifekurs oder bei einem Trainer die Platzreife ablegen. Sie besteht aus einer theoretischen und einer praktischen Prüfung.“
Wie sieht es eigentlich mit Ihrem Handicap aus? Wie gut schlägt der neue Präsident den Ball? Und sind Sie ganz entspannt, wenn es ums Golfen geht?
Eberhardt Sturm: „Mein Handicap liegt bei 15,4 – und es wird immer schlechter. Ich schone es auch nicht und spiele vorgabewirksame Turniere, in der Hoffnung, dass ein guter Tag dabei ist und ich mich verbessere. Mein großer Nachteil beim Golf: Ich kann mich herzhaft ärgern. Ich versuche das zu minimieren. Aber meine Kollegen warten immer schon darauf, dass mir wieder einmal aus Versehen ein Schläger aus der Hand gleitet, um es nett zu umschreiben. Das ist anscheinend mein Markenzeichen.
Viele haben bei uns auf dem Platz Respekt vor der Bahn 11, sie gilt als eine der schwersten Par-5-Bahnen in ganz Deutschland. Aber meine Panikbahn ist eher die 12. Das ist die Bahn, die es gar nicht gibt. Weil ich sie so oft streichen musste. Ich kam mit der 12 nie wirklich zurecht.
Ich spiele übrigens ausschließlich nur mit Fund- oder Wasserbällen. Das tut dann nicht so im Geldbeutel weh, wenn man unterwegs wieder einmal einen Ball ins Wasser schlägt.“ (ϑ Text/Fotos: CS)
Potsdamer Golf-Club e.V., Zachower Straße, 14669 Ketzin OT Tremmen, Tel.: 033233-7050, www.potsdamer-golfclub.de
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 243 (6/2026).
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