Sommerfest vom Landkreis Havelland 2026: Feiern im Regen, aber mit Zuversicht!
Einmal im Jahr lädt der Landkreis Havelland über 200 Vertreter der Politik, der Wirtschaft, der Kultur und des Sports in den Garten von Schloss Ribbeck ein – zum gemütlichen Sommerfest. Traditionell gibt es Reden von der Kreistagsvorsitzenden Barbara Richstein und von Landrat Roger Lewandowski, mehrere Showacts und ein leckeres Buffet vom Grill. In diesem Jahr fand das Fest am 1. Juli statt – und geriet einmal mehr in eine grollende Regenfront hinein.
Ärmel hochkrempeln, Probleme lösen, die anstehenden Aufgaben erledigen und den Laden irgendwie am Laufen halten: Einmal im Jahr gönnt sich der Landkreis Havelland eine kurze Pause vom stressigen Verwaltungsalltag und feiert sich selbst mit einem gemütlichen Sommerempfang. Der findet seit wenigen Jahren unter freiem Himmel im Schlossgarten von Schloss Ribbeck statt.
Auch in diesem Jahr fanden sich wieder über 200 geladene Gäste vor Ort ein, um am 1. Juli an einem warmen Sommerabend eine schöne Zeit zu haben und sich im Netzwerken zu versuchen.
Mit einem vorausschauenden Blick auf die Wetterkarte hatten die Verantwortlichen erstmals schützende Zelte im Schlossgarten aufgestellt. Vor zwei Jahren war das Fest schon einmal so im Regen versunken, dass alle Gäste ins Schloss flüchten mussten und die Steaks und Würstchen am Ende auf dem Balkon gegrillt wurden. Und auch dieses Jahr kippte der Wettergott ohne Rücksicht auf Verluste seine Badewanne aus und wässerte ganz Ribbeck ordentlich. Nach einer halbstündigen Husche zogen die Wolken allerdings weiter, und das Fest konnte fortgesetzt werden.
Die Kreistagsabgeordnete Barbara Richstein begrüßte alle Anwesenden. Sie fragte sich, ob man angesichts der weltpolitisch unsicheren Situation, der nicht anspringenden Wirtschaft in Deutschland und der schlechten Finanzlage im Landkreis überhaupt noch zusammenkommen und gemeinsam feiern dürfe: „Definitiv. Ich finde, wir müssen wieder optimistisch in die Zukunft blicken und nicht immer nur alles schlechtreden. Es scheint in Mode gekommen zu sein, immer nur das Schlechte zu sehen und nicht auf das Positive zu schauen. Wir brauchen positiv denkende und handelnde Menschen.“
Landrat Roger Lewandowski, der den Sommerempfang gern für eine Bestandsaufnahme der Geschehnisse im Havelland nutzt, bemühte Fontane in seiner Eröffnungsrede: „Von Theodor Fontane ist ein Zitat überliefert, das gut zu unserem Landkreis passt: ‚Ich bin die Heimat durchzogen, und ich habe sie reicher gefunden, als ich zu hoffen gewagt hatte.‘ Diesem Eindruck kann ich mich auch rund 150 Jahre später anschließen. Wir haben in den letzten Jahrzehnten viel erreicht, und das sollten wir auch nicht gering schätzen oder als gegeben hinnehmen, auch wenn im Moment nicht alles so rosig aussieht.“
Was tatsächlich nicht besonders rosig aussieht, ist die „prekäre Lage unserer Haushalte“. Immer mehr Kommunen rutschen ins Minus und verlieren ihre finanziellen Rücklagen. Auch der Landkreis Havelland, eben noch schuldenfrei, muss nun ordentlich sparen und neue Kredite aufnehmen, um wichtige Projekte wie etwa den Neubau eines Gymnasiums in Wustermark bezahlen zu können. Unlängst fand zu diesem Anlass ein gemeinsamer Aktionstag „Kommunen am Limit“ statt.
Landrat Roger Lewandowski bemängelte, dass Bund und Länder den Kommunen immer neue Aufgaben übertragen, diese aber nicht angemessen bezahlen: „Ich habe schon immer auf das Prinzip verwiesen: Wer bestellt, bezahlt auch. Ein erster Anfang wäre gemacht, wenn Bund und Länder Normen und Standards abbauen würden, statt regelmäßig neue zu schaffen. Die Kommunen in Deutschland leisten mehr als ein Viertel der staatlichen Ausgaben, erhalten aber nur ein Siebtel der staatlichen Einnahmen. Was wir dringend brauchen, sind strukturelle Reformen, die uns in die Lage versetzen, unsere Handlungsfähigkeit zurückzugewinnen.“ Ansonsten müsse man sich als Landkreis die Frage stellen, „was wir uns noch leisten können!“
Umso wichtiger ist dem Landrat einmal mehr das Ehrenamt. Das sei etwas, „das unbezahlbar ist. Denn das Ehrenamt schafft etwas, das sich nicht verordnen lässt. Es schafft Vertrauen. Es schafft Zusammenhalt. Es schafft Heimat. Gerade in Zeiten, in denen vieles unsicher erscheint, ist das von unschätzbarem Wert.“
Auch wenn der Wirtschaftsmotor stottert und immer wieder Aussetzer hat, schaute der Landrat mit Stolz auf die eigene Scholle. Hoffnungsvoll berichtete er, dass EDEKA im Landkreis ein großes Logistikzentrum errichtet, dass Karls Erlebnisdorf wächst und weitere Arbeitsplätze schafft und dass sich vor Ort gleich mehrere große Rechenzentren ansiedeln werden.
Und er schloss seine Rede mit den Worten: „Bleiben Sie unserem Landkreis verbunden. Bleiben Sie engagiert. Und bleiben wir gemeinsam zuversichtlich. Denn solange Menschen bereit sind, füreinander einzustehen, hat unsere Heimat, hat unser Havelland eine gute Zukunft.“
Für die weitere Unterhaltung sorgten während des Empfangs das Jugendblasorchester der Musik- und Kunstschule Havelland, das Musik- und Tanzensemble „Ultimates“ aus Falkensee und das Musik- und Tanzensemble „All-Inc’s“ aus Rathenow.
Am Ende zeigte sich wie abgesprochen ein halbrunder Regenbogen direkt über dem Schloss Ribbeck. Roger Lewandowski: „Ich habe sofort den Kämmerer losgeschickt, um am Ende des Regenbogens nach einem großen Topf mit Gold zu suchen.“ Vielleicht lassen sich die Geldsorgen im Landkreis ja auf diese Weise in den Griff bekommen. (ϑ Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 245 (8/2026).
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