Die Maulbeere in Falkensee: Süße Beeren-Nascherei am Radweg der Sympathie!
Täglich fahren viele Havelländer mit dem Rad über den Radweg der Sympathie, der mitten durch Falkensee führt. Dabei brausen sie an einigen unscheinbaren Bäumchen vorbei, die hier am Wegesrand stehen. Nur die wenigsten erkennen, dass es sich hier um Maulbeerbäume handelt, die gerade sehr leckere Früchte tragen. Sie bieten sich als eine kleine süße Wegzehrung zum Pflücken und Naschen an. Genau für diesen Zweck hat die Stadt Falkensee diese Bäume auch gepflanzt.
Finger weg, das sind doch Vogelbeeren! So heißt es oft, wenn jemand vor einem Maulbeerbaum stehen bleibt und damit beginnt, die süßen Früchte von den dünnen Ästen zu naschen. Die Maulbeere ist in weiten Kreisen der deutschen Bevölkerung völlig unbekannt. Dabei ist sie doch so lecker.
Tatsächlich ist das Gehölz kein einheimisches Gewächs. Maulbeeren wurden damals gezielt von den Römern in ganz Europa angepflanzt. Ursprünglich stammen die Bäume aus den subtropischen Regionen der Nordhalbkugel.
Warum sollte man die Maulbeere nach Europa holen? Ein Grund ist schnell gefunden: die Seidenproduktion. Denn die Seidenraupe, die damals zur Seidenproduktion verwendet wurde, frisst nun einmal für ihr Leben gern die Blätter vom Maulbeerbaum. Heute wird die Seide längst synthetisch hergestellt, die Raupe hat durch den industriellen Fortschritt ihre Bedeutung verloren.
Die Früchte vom Maulbeerbaum sind aber auch heute noch eine süße und leckere Nascherei mit einem ganz eigenen Geschmack.
Wer jetzt neugierig geworden ist: Zwischen der Erlenstraße und der Seeburger Straße (L20) finden sich am Radweg der Sympathie in Falkensee gleich 16 kleine Maulbeerbäume. Yvonne Zychla von der Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Falkensee: „Die Maulbeerbäume entlang des Radweges der Sympathie wurden bewusst gepflanzt und sollen zum Verweilen und Naschen einladen.“
Die Früchte zeigen sich im Juni und Juli gleich in drei Farben an den Bäumen. Es gibt sie in Weiß, Rot und Schwarz. Jede Farbe steht für eine eigene Baumart. Es gibt die Weiße Maulbeere und die Schwarze Maulbeere, die beide aus Asien stammen. Hinzu kommt die Rote Maulbeere, die aus Nordamerika kommt und eigentlich eher rosa- oder lilafarbene Früchte trägt.
Yvonne Zychla: „Die Stadt hat sich gezielt für die Weiße Maulbeere (Morus alba) entschieden, da ihre Früchte bei Berührung und Fruchtfall keine intensiven Flecken hinterlassen. Falls sich nun am Radweg der Sympathie auch dunkelfruchtende Arten finden, ist das tatsächlich versehentlich passiert. Die Rote Maulbeere (Morus rubra) und die Schwarze Maulbeere (Morus nigra) ähneln der Weißen Maulbeere in Blatt und Rinde stark. Daher können Verwechslungen selbst in Baumschulen vorkommen. Da Maulbeerbäume erst nach fünf bis sieben Jahren Früchte tragen, wird eine Verwechslung häufig erst zu diesem Zeitpunkt erkannt.“
Die Radfahrer und Spaziergänger am Radweg der Sympathie dürften sich über die dunklen Früchte an den Bäumen trotzdem sehr freuen: Sie schmecken deutlich süßer und aromatischer als die weißen.
Warum sieht man die Maulbeere nicht viel häufiger beim Einkaufen im Supermarkt? Nun, das ist so: Es gibt zwei große „Probleme“ mit der Maulbeere, die gegen eine kommerzielle Verwertung der Früchte sprechen. Die Maulbeere ist eine äußerst zarte Frucht. Die filigranen Zellwände platzen sehr schnell, noch schneller als bei Brombeeren. So lassen sie sich frisch kaum in einen Supermarkt transportieren. Vor allem in den südlichen Ländern werden die Beeren deswegen gern zu Brotaufstrichen und Säften verarbeitet. Im international aufgestellten A100-Supermarkt im Havelpark gibt es etwa einen Maulbeersirup zu kaufen. Im Iran und in der Türkei kennt man Maulbeeren auf den Märkten auch in getrockneter Form.
Und: Die Maulbeeren am Baum werden nicht alle auf einmal reif. Während die ersten Früchte bereits erntebereit sind, sind die anderen noch immer steinhart und ungenießbar. Deswegen lassen sich die Früchte nicht in einem Rutsch ernten, das ist nicht wirtschaftlich.
Für die Spaziergänger und Radfahrer am Radweg der Sympathie ist der verzögerte Reifungsprozess natürlich ein Geschenk: Jedes Mal, wenn man erneut an den Maulbeerbäumen vorbeikommt, gibt es neue Früchte, die man ernten kann.
Eine Faustregel: Eine Frucht ist reif, sobald sich der Stiel durch einfaches Antippen sofort vom Ast löst. Früher hat man Tücher unter die Bäume gelegt und anschließend an ihnen gerüttelt, um die reifen Früchte zu ernten.
Maulbeeren haben fast zehn Prozent Zucker, viel Vitamin C und auch noch einige andere Vitamine mit im Gepäck.
Die Bäume werden auch sehr alt. In der Benediktinerabtei Brauweiler soll ein tausendjähriger Maulbeerbaum stehen, der im Jahr 1024 gepflanzt wurde. Als Wappenfigur ist der Maulbeerbaum im Wappen der Stadt Erkner zu finden.
Wer nach einer ersten Nascherei am Wegesrand nun selbst Lust auf Maulbeeren im eigenen Garten verspürt, wird in den Baumschulen Nauen (www.baumschulen-nauen.de) fündig. Hier gibt es fünf verschiedene Arten als Busch, als Hängesorte und als Bäumchen, die man kaufen kann. Margarethe Hobohm: „Maulbeeren sind recht anspruchslos, wenn es um den Standort geht. Sie müssen in den ersten Standjahren aber regelmäßig gegossen werden. Freiwachsende Maulbeerbäume werden bis zu acht Meter hoch.“
Wer nach dem Sturm „Ziros“ im Juni 2025 Bäume im Garten verloren hat und noch immer Nachpflanzungen durchführen muss, kann übrigens auch die Maulbeere verwenden. Zumindest in Falkensee wird diese Baumart als Nachpflanzung akzeptiert. (ϑ Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 245 (8/2026).
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