Durstige Genossen in Falkensee: Genossenschaftskneipe „Finken-Krug“ eröffnet!
Vor anderthalb Jahren hatte Sven Steller eine Idee, um dem grassierenden Kneipensterben in Falkensee etwas entgegenzusetzen: „Lasst uns eine Genossenschaftskneipe gründen!“ Nachdem sich tatsächlich viele helfende Hände gefunden hatten, ist es am Ende wirklich gelungen, eine stillgelegte Bäckereiverkaufsstelle in der Dyrotzer Straße in den gemütlichen „Finken-Krug“ zu verwandeln. Am 2. Juli wurde die feierliche Eröffnung der Kneipe mit vielen neugierigen Besuchern gefeiert. Die Gäste gönnten sich vor Ort ein erstes Bier und eine Wurst vom Grill.
Erst wurde Falkensees Kultkneipe – das „Schrääg ‚rüber“ in der Bahnhofstraße – geschlossen, dann folgten weitere Kneipen nach. Angesichts des fortschreitenden Kneipensterbens fragten sich viele Falkenseer: „Wo soll ich denn jetzt noch mit meinen Freunden ein Bier trinken?“
Das war auch für den Stadtverordneten Sven Steller ein echtes Problem. Er vermisste einen Ort wie das „Schrääg ‚rüber“ von früher, wo Jung und Alt, Männer und Frauen, die Sekretärin von nebenan und der bärtige Motorradfahrer einträchtig am Tresen zusammenfanden, um unabhängig von Beruf und Berufung gemeinsam einen gemütlichen Abend bei einem frisch gezapften Bier zu verbringen. Ihm war aber auch klar: „Heutzutage ist es kaum noch möglich, eine Kneipe zu führen und davon zu leben. Man muss andere Wege einschlagen.“
Der CDU-Mann war für eben diese neuen Wege sogar dazu bereit, zum Genossen zu werden. Seine Idee bereits im Februar 2025: Eine Genossenschaftskneipe muss her. Um das nötige Geld für den Betrieb der Kneipe zu sammeln, sollten 200 Genossen jeweils 200 Euro in den Topf einzahlen und damit Genossenschaftsanteile zeichnen. Mit diesem Geld wollte man u.a. die nötigen Umbaumaßnahmen bezahlen.
Ein geeignetes Gelände war überraschend schnell gefunden – die ehemalige Verkaufsstelle der Bäckerei und Konditorei Maschitzki in der Dyrotzer Straße in Finkenkrug, gleich an der Ecke zur Leistikowstraße. Hier gibt es sogar ein paar Parkplätze direkt vor der Tür.
Lange Monate wurde geplant und geschuftet. Vor Ort musste alles renoviert und umgebaut werden, die Genossenschaft musste gegründet werden, und unzählige Aufgaben aus dem Bereich der Bürokratie galt es zu bearbeiten. Dank vieler Helfer aus den Reihen der Genossen konnte die lange To-do-Liste Punkt für Punkt abgehakt werden.
Sven Steller: „Teilweise haben bis zu zwanzig Leute gleichzeitig in ihrer Freizeit auf der Baustelle gearbeitet. Diese unbezahlten Eigenleistungen haben das Projekt überhaupt erst möglich gemacht. Andere Gewerke mussten beauftragt und bezahlt werden, um den Anspruch auf Gewährleistung zu wahren. Aber unterm Strich haben wir bestimmt einige tausend Arbeitsstunden in die Genossenschaftskneipe gesteckt.“
Was dabei herausgekommen ist, durften sich alle begeisterten Kneipenfreunde am 2. Juli anschauen. An dem Tag gab es ab 16 Uhr ein Soft-Opening mit weit über hundert Gästen, die mit zu den ersten gehören wollten, für die vor Ort ein Glas Bier gezapft wurde.
Der „Club-Pub Finken-Krug“ (www.finken-krug.de), dessen Logo nun auch auf einem Schild über dem Gartentor prangt, bietet einen gemütlichen Garten unter schattigen Bäumen, aber auch einen neu ausgebauten Innenbereich im Haus mit einem Schankraum samt Bar.
Bürgermeister Heiko Richter, als ehemaliger Betreiber vom „Schrääg ‚rüber“ selbst vom Fach, zeigte sich bei seinem Besuch begeistert: „Das ist wirklich eine tolle Sache. Ich fand die Idee gleich sehr spannend, wusste aber auch: Wenn man das durchziehen möchte, braucht man wirklich eine Menge Helfer mit Zeit und Durchhaltevermögen. Dass es gelungen ist, von der Idee in die Umsetzung zu kommen, freut mich sehr. Die Genossenschaftskneipe ist ein tolles Beispiel dafür, wie Falkenseer zusammenwachsen, wenn sie eine gemeinsame Aufgabe haben. Ost und West und Alt und Jung haben hier Hand in Hand zusammengearbeitet, damit wir jetzt unser Bier trinken können.“
Eine echte Überraschung: Im neuen „Finken-Krug“ haben die Tische, die Spüle und die Zapfanlage aus dem alten „Schrääg ‚rüber“ eine zweite Heimat gefunden. Heiko Richter: „Ich bin wirklich froh, dass ich hier helfen konnte und die Schrääg-Ausstattung noch einmal ein zweites Leben bekommen hat.“
Auch Roger Lewandowski, Landrat des Havellandes, schaute sich den „Finken-Krug“ persönlich an: „Was soll ich sagen: Bürgerliches Engagement ist genau das, was wir in unser heutigen Zeit mehr denn je brauchen. Wenn es von staatlicher Seite immer weniger finanzielle Unterstützung gibt, ist es toll, wenn die Bürger sich für ihren Ort einsetzen und Ideen selbst umsetzen. Mehr kann man sich nicht wünschen.“
Der neue „Finken-Krug“ hat über die Ferien zunächst immer am Donnerstag von 16 bis 22 Uhr und am Freitag und Samstag von 16 bis 24 Uhr geöffnet. Für den September ist noch eine große Eröffnungsparty geplant. Danach geht es erst „richtig“ los, vorerst befindet sich die Kneipe im Experimentiermodus.
Sven Steller: „Direkt am 2. Juli hatten wir morgens 201 Genossen zusammen, den Abend über haben noch mehr Genossen gezeichnet. Das war eine echte Punktlandung. Der ‚Finken-Krug‘ ist grundsätzlich eine Kneipe für die Genossen und ihre Gäste. Wir werden aber niemanden rauswerfen, der vorbeikommt, ohne Genosse zu sein. Vor Ort halten wir Bier vom Fass und viele weitere Getränke bereit, auch einen kleinen Snack bietet wir an, etwa eine Currywurst oder eine Bratwurst.“
Genossen haben übrigens auch die Möglichkeit, den „Finken-Krug“ für sich zu mieten, um vor Ort zu feiern – allerdings voraussichtlich nicht an den „starken“ Tagen wie Freitag oder Samstag. (ϑ Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 245 (8/2026).
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