Kino-Filmkritik: Der Astronaut
Andy Weir ist ein Name, der bei Science Fiction Freunden Gewicht hat. Sein Roman „Der Marsianer“ über den auf dem Mars gestrandeten NASA-Astronauten Mark Watney wurde mit Matt Damon verfilmt und überzeugte vor allem mit seiner Faktentreue: Alle Geschehnisse im Film basierten auf echten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Frei nach dem Motto: Im Weltraum hört dich niemand schreien.
Jetzt gibt es einen neuen Roman von Andy Weir – und er wurde bereits fürs Kino optioniert, bevor er überhaupt erschienen ist. „Der Astronaut – Project Hail Mary“ bringt uns erneut in den Weltraum. Der Regisseur ist dieses Mal nicht Ridley Scott; Phil Lord und Chris Miller erledigen den Job gemeinsam. Ihr SciFi-Drama hat bei der Produktion 150 Millionen Dollar verschlungen. Das Interesse der Kinogemeinde ist aber groß: 400 Millionen Fans haben den YouTube-Trailer allein in der ersten Woche gesehen.
Was passiert? Ryland Grace (Ryan Gosling) war früher einmal Molekularbiologe, inzwischen arbeitet er aber als Lehrer an einer Schule. Er wird von der ESA-Mitarbeiterin Eva Stratt (Sandra Hüller) von der Schule abgezogen und in ein geheimes Forschungsprojekt gesteckt. Die Sonne stirbt. Eine mysteriöse biologische Substanz zaubert schwarze Flecken auf die Sonne und droht sie zu ersticken.
Überall in der Galaxis sterben die Sonnen auf die gleiche Weise – nur im Tau-Ceti-System widersetzt sich eine Sonne erfolgreich der schwarzen Pest.
Das Menschenteam baut das Raumschiff „Hail Mary“, um die Lichtjahre bis zum Stern zu überbrücken und hier vor Ort nach einer Lösung zu suchen. Der Name ist Programm: „Hail Mary“ ist im American Football der Name für einen verzweifelten letzten Spielzug mit wenig Aussicht auf Erfolg.
Nach Jahren im All kommt Ryland Grace im Tau-Ceti-System an – und stellt überrascht fest, dass er nicht der einzige ist, der vor Ort nach einer Lösung für das Überleben des eigenen Planeten sucht. Alien „Rocky“ wird sicher die Herzen aller Zuschauer erobern.
All diese Informationen sind auch schon im Trailer zu sehen. Mehr darf man auch schon gar nicht verraten, um nicht wirklich zu spoilern.
Nur so viel: „Der Astronaut“ ist ein spannendes, knapp drei Stunden langes Kammerspiel, das mit einem sehr sympathischen Ryan Gosling, einem herzigen „Rocky“ und einer unterkühlt-feinhumorigen Sandra Hüller aufwartet. Gerade die deutsche Schauspielerin bleibt lange im Kopf der Zuschauer hängen, sie empfiehlt sich mit dieser Rolle für weitere Hollywood-Auftritte.
„Der Astronaut“ verzichtet komplett auf Aggressionen, blutige Konflikte und Laser-Ballereien und schlägt einmal komplett andere Töne an, als Science-Fiction-Freunde das gewohnt sind. Dass die Spannung trotzdem über den ganzen Film gehalten wird, ist die große Kunst des Films. Hier geht es halt wirklich darum, ein schwieriges wissenschaftliches Problem zu lösen.
„Der Astronaut“ setzt einmal mehr auf Hard Science: Im Weltraum ist kein Geräusch zu hören. Kräfte, die in eine Richtung wirken, erzeugen eine Gegenkraft in anderer Richtung. Dass in diesem wissenschaftlichen Konsens über einzelliges Leben mitten im All diskutiert wird, ist der SciFi-Part im Film. Klasse. (CS / Verleih: Sony)
Unsere Wertung: ♠♠♠♠♠ (5 von 5)
FSK: 12 – Dauer: 156 Minuten
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=MlsrbQaKXoY
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 241 (4/2026).
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