Scheibes Glosse: Das Leben ist gefährlich
Das, was wir Leben nennen, geht so schnell dahin wie eine Eiskugel in der Sommersonne, ein Steak auf dem Teller eines hungrigen Mannes oder ein Wildberry Lillet in den Händen schnatternder Freundinnen. Wer Angst davor hat, dass der Schnitter bereits die Sense schärft, sollte stets auf die Wahrscheinlichkeiten achten.
Als die Kinder noch klein waren, sollte ich mir im Urlaub immer ein Kilo Hackfleisch in die Badehose stecken und möglichst weit ins Meer hinausschwimmen. Damit die Haie lieber mich fressen und nicht den zarten Nachwuchs. Das war ein biologisch schlauer Gedanke der Familie: den Nachwuchs bewahren und den Erzeuger opfern, der ja seine Gene bereits weitergegeben hat. Pfiffig.
Der Gedanke zeigt aber auch auf, wie schnell das eigene Leben vorbei sein kann. Der Tod lauert bereits hinter der nächsten Tür. Ohne Sauerstoff hält der menschliche Körper nur Minuten durch, ohne Wasser nur einige Tage und ohne Nahrung wenige Wochen. Danach wird es zappenduster: Game over.
Komisch ist, dass sich die meisten Menschen immer große Sorgen um Todesarten machen, die am Ende gar nicht relevant sind. So gab es 2025 tatsächlich nur 65 Haibisse auf der ganzen Welt – und die meisten waren noch nicht einmal tödlich.
Da ist es schon gefährlicher, bei einem Unwetter in den Himmel zu schauen. In den USA geht man davon aus, dass im Schnitt 28 Menschen pro Jahr von einem Blitz aus ihrem irdischen Dasein erlöst werden. Die Gefahr, nach einem Insektenstich zu sterben, liegt in den USA bei 1:42.636. Man sollte es kaum glauben, aber der freundliche Hund vom Nachbarn ist noch gefährlicher. Bei 1:33.899 liegt die Wahrscheinlichkeit, von einem bellenden Vierbeiner ins Jenseits befördert zu werden. Ein Sturm bringt einen in Amerika bereits mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:14.115 um. Einfach nur in der Sonne zu liegen, ist noch tödlicher: Mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:3.740 stirbt man an der Hitze oder an einem Sonnenstich.
Wer Hunger hat, sollte sorgfältig kauen, sonst erstickt man noch an seinem Burger oder einem Stück Pizza. In den USA erwischt es jedenfalls einen von 2.367 Toten. Noch tödlicher sind Brände: Hier liegt die Wahrscheinlichkeit bei 1:1.365, von einer Rauchvergiftung ins Nirwana geleitet zu werden. Das feuchte Element ist nicht viel besser. Wer schon nicht vom Hai filettiert wird, kann auch ertrinken. Hier geht die Statistik vom Faktor 1:1.025 aus.
Die Dinge, vor denen man am meisten Angst hat, tauchen in einer Statistik gar nicht erst auf. Als Flugzeugpassagier zu sterben, ist so unwahrscheinlich, dass der National Safety Council der USA für 2024 gar keine Quote mehr berechnet hat.
Zur eigenen Entspannung trägt sicherlich bei, dass die früher gern verkündete Todesquote von 150 liquidierten Menschen, die pro Jahr von einer von der Palme herabfallenden Kokosnuss erschlagen werden, inzwischen als Fake News gilt. Anscheinend gab es einen statistischen Fehler in Papua-Neuguinea: Hier hatte man auch Kopfprellungen, die durch herabfallende Kokosnüsse hervorgerufen wurden, zu den Todesfällen addiert. Immerhin ist auch das ein schlauer Gedanke: In Deutschland liegt die Wahrscheinlichkeit, von einer Kokosnuss erschlagen zu werden, theoretisch gesehen bei Null. Es sei denn, der eigene Partner dreht durch und verwendet den allerersten Gegenstand, der in der Küche zu finden ist, bei einem Streit als Wurfgeschoss.
Leider ist es nicht möglich, eine wirklich relevante Todesstatistik zu ignorieren: Lange Jahre hieß es, dass jeder dritte Deutsche einmal in seinem Leben an Krebs erkranken wird. Inzwischen geht man davon aus, dass es bereits jeder Zweite ist. Das Robert Koch Institut sagt: 49 Prozent der Männer und 43 Prozent der Frauen erhalten im Laufe ihres Lebens eine Krebsdiagnose.
Die wirklich bedrohlich klingende Steigerung liegt sicherlich daran, dass die Menschen immer älter werden. Zugleich sorgen Risikofaktoren wie mangelnde Bewegung, Übergewicht und stark verarbeitete Lebensmittel für ein steigendes Risiko.
Darum: Wer gern länger leben möchte, achtet auf seine Gesundheit und reduziert die Risikofaktoren. Wer sich dann täglich viel bewegt, gesunde Mahlzeiten zu sich nimmt und auf Alkohol und Zigaretten verzichtet, kann auch noch ganz auf Nummer sicher gehen: Vergessen Sie das mit dem Kilo Mett in der Badehose mal lieber ganz schnell wieder. (Carsten Scheibe)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 243 (6/2026).
Kennen Sie schon unsere Gratis-App?
Apple – https://unserhavelland.de/appapple
Android – https://unserhavelland.de/appandroid
Anzeige
