Zu viele LKWs in Wernitz und Bredow: Vier Kommunen ziehen jetzt an einem Strang!
Der Geduldsfaden der Bürger in Bredow und in Wernitz ist so dünn geworden, dass er bald zu reißen droht. Vor allem die prosperierende Logistik in den Gewerbegebieten der Nachbarschaft sorgt dafür, dass ständig Lastwagen durch die kleinen Ortschaften brettern: Das Verkehrsaufkommen passt hier nicht zum dörflichen Charakter. Nun haben die Bürgermeister von Brieselang, Wustermark, Nauen und Ketzin/Havel eine Absichtserklärung unterschrieben, um ein neues Verkehrskonzept für das östliche Havelland anzustoßen.
Noch sind es nur vier Unterschriften unter einer Absichtserklärung. Sie bedeuten noch nicht, dass die regelmäßigen LKW-Fahrten vor allem durch Bredow (Brieselang) und Wernitz (Wustermark) schon morgen aufhören. Im Grunde genommen ist die Unterschriftenmappe nur ein erstes Signal aus der Verwaltung, das den betroffenen Bürgern signalisiert: Wir haben euch gehört, wir schauen einmal, was sich da machen lässt.
Tatsächlich ist es so, dass das GVZ Wustermark trotz Fluktuation eigentlich ständig ausgebucht ist. Auch im Gewerbegebiet von Brieselang tut sich etwas, EDEKA plant hier ein großes Logistikzentrum für Berlin und Brandenburg. Zu Ketzin/Havel gehört das Gewerbegebiet in Etzin, in dem sich Mosolf und ein Logistikzentrum von Hermes angesiedelt haben.
Die LKWs sind ständig unterwegs, um Ware in die Gewerbegebiete zu bringen oder wieder herauszutransportieren. Die B5 und die A10 sind dabei die Lebensadern, die die Logistikstandorte im Havelland mit dem Rest von Deutschland verbinden. Um diese Schnellstraßen anzusteuern, fährt so mancher Bullifahrer eben über die eigentlich verschlafenen Dörfer Wernitz und Bredow. Aber wie soll man hier schlafen oder tagsüber Kinder über die Straße schicken, wenn schwere LKW im Minutentakt ihren Weg durch die Ortschaft suchen?
Daran sollte man doch etwas ändern können! Am 25. Juni trafen sich Kathrin Neumann (Bürgermeisterin Brieselang), Katrin Mußhoff (Bürgermeisterin Ketzin/Havel), Dr. Michael Wiebersinsky (Bürgermeister Nauen) und Holger Schreiber (Bürgermeister Wustermark) in der Feuerwehrwache in Bredow, um öffentlichkeitswirksam eine vorformulierte Absichtserklärung zu unterschreiben. Roger Lewandowski, Landrat des Havellands, vervollständigte die Runde, die nichts Geringeres im Sinn hatte, als die „interkommunale Zusammenarbeit zur Entwicklung einer Wirtschaftsverkehrsspange“ anzustoßen.
Das bedeutet im Grunde: Ein neues Verkehrskonzept für das Osthavelland soll her, um vor allem die Ortschaften Bredow und Wernitz zu entlasten. Denn, so heißt es in der offiziellen Presseerklärung: „Eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung darf nicht zu einem Lebensqualitätsverlust der Anwohnenden führen.“ Und: „Ziele der interkommunalen Zusammenarbeit sind, eine leistungsstarke Anbindung der Gewerbestandorte für den Wirtschaftsverkehr bei gleichzeitiger Entlastung von Ortsdurchfahrten zu erreichen.“
Kathrin Neumann, Bürgermeisterin von Brieselang, sagt dazu: „Für Brieselang und insbesondere für Bredow ist der Letter of Intent ein wichtiger Schritt. Wir wollen wirtschaftliche Entwicklung ermöglichen, zusätzliche Arbeitsplätze schaffen und den Standort stärken. Zugleich ist für uns klar: Das darf nicht zulasten der Menschen in den Ortslagen gehen. Deshalb müssen wir Verkehr neu denken – und zwar nicht nur innerhalb einer Gemeinde, sondern gemeinsam im östlichen Havelland. Bredow ist seit Jahren stark durch Verkehr belastet. Wer hier an der Straße steht, sieht und hört sofort, worum es geht. Deshalb ist es so wichtig, dass wir mit den Nachbarkommunen, dem Landkreis und der Wirtschaft gemeinsam nach tragfähigen Lösungen suchen. Die geplanten Gewerbeentwicklungen betreffen nicht nur Brieselang. Auch Wustermark, Nauen und Ketzin/Havel stehen vor ähnlichen Fragen. Gewerbeverkehre enden nicht an Gemeindegrenzen. Deshalb ist diese interkommunale Zusammenarbeit der richtige Weg.“
Wie das Konzept für die Verkehrswende genau aussehen könnte, darüber wurde konkret aber noch nichts berichtet.
Bereits im letzten Jahr wurde die Kuhdammbrücke erneuert, um eine bessere Anbindung von der A10 an das GVZ in Wustermark zu ermöglichen. Vorher sind die LKWs immer über Zeestow (auch Brieselang) gefahren. Aber welche Möglichkeiten gibt es darüber hinaus? Eine Lösung könnte der Bau einer Umgehungsstraße um Wernitz herum sein.
Holger Schreiber, Bürgermeister von Wustermark: „In Wustermark quält uns bestimmt seit zwei Jahrzehnten das Thema Wernitz. Wir wissen, dass wir die Verkehrssituation dort vor Ort auflösen müssen. Aber dazu müssten wir eine komplett neue Umgehungsstraße auf den Weg bringen. Das können wir als Kommune aber alleine nicht leisten, da brauchen wir auch Flächen, die wieder die Stadt Nauen tangieren. Und wir brauchen Anschlusslösungen in Richtung B5. Wir müssen die Gewerbestandorte stärken, aber zukünftig Verkehrsführungen anbieten, die nachhaltig sind. Ich freue mich auf den weiteren Entwicklungsprozess. Wir alle legen da viel Hoffnung und auch Druck hinein.“
Dr. Michael Wiebersinsky als Bürgermeister von Nauen: „Mit unserem Ortsteil Markau sind wir ebenfalls von den Durchgangsverkehren betroffen. Aber auch für das Gewerbe in Nauen sehe ich hier eine Chance, von zukünftigen Änderungen im Verkehrsfluss zu profitieren. Ich hoffe, dass wir den Weg gemeinsam weiter fortführen.“
Katrin Mußhoff, Bürgermeisterin Ketzin/Havel: „Die LKW rollen auch durch Ketzin, da sind unsere Anwohner ebenfalls betroffen.“ Anwohner, die kommunale Politik und auch die Wirtschaft an einen Tisch zu bringen, sei jetzt besonders wichtig. Mußhoff: „Ich denke, da können wir zusammen viel erreichen:“
Gelungen ist es den vier Bürgermeistern schon einmal, die Industrie mit ins Boot zu holen, die für das ganze Problem ja mitverantwortlich ist. Die BSH Haushaltsgeräte Service Nauen, die EDEKA-MIHA Immobilien-Service GmbH, die FIEGE Logistik Stiftung & Co. KG, die GARBE Industrial GmbH & Co. KG und die Hermes Germany GmbH haben bekundet, über mögliche Lösungswege mitdiskutieren zu wollen.
Roland Gottlewski ist als Geschäftsführer der EDEKA-MIHA Immobilien-Service GmbH für die EDEKA Minden-Hannover zuständig – und kümmert sich um die Entwicklung von Logistikstandorten: „Die EDEKA Minden-Hannover plant in der Gemeinde Brieselang die größte Einzelinvestition in der Unternehmensgeschichte. Wir planen ein großes Logistikzentrum. EDEKA sieht sich hier nicht nur als Investor in der Region, sondern als langfristiger Partner.“
Eine erste konkrete Maßnahme: Die IPG Infrastruktur- und Projektentwicklungsgesellschaft mbH (IPG) soll ein interkommunales Verkehrskonzept erstellen. (ϑ Text: CS / Fotos: Sandy Kolbuch)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 245 (8/2026).
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