Milchzahn & Stinkefuß: Illustrator Daniel Bauer begeistert Kinder!
Es wird Zeit für neue Helden im Kinderzimmer. Aber was ist, wenn sie Milchzahn und Stinkefuß heißen? Daniel Bauer ist Illustrator. Mit einer extremen Liebe zum Detail erzählt er in bereits drei dicken Bänden die spannenden Abenteuer von zwei Fuchsbrüdern, die im Nachtschattenwald tierische Abenteuer erleben. Die aufwendig gestalteten Bände richten sich an Kinder zwischen vier und acht Jahren. Am besten lesen die Eltern die umfangreichen Geschichten vor – und machen so aus der Lesezeit vor dem Schlafengehen ein von den Kindern heiß ersehntes Ritual.
Daniel Bauer (40) hat sein Arbeitszimmer im Dachgeschoss eines Mehrfamilienhauses in Dallgow-Döberitz. Direkt gegenüber einer Kita. So kann er seine eigene Zielgruppe immer sehen, sobald er an einem seiner Kinderbücher arbeitet. Auf diese Weise vergisst er nie, dass seine Kundschaft zu den ehrlichsten und zugleich anspruchsvollsten Klienten auf der Erde gehört: Kinder lieben nur die Bücher, denen es tatsächlich ganz und gar gelingt, sie auf eine spannende Abenteuerreise in fremde Welten zu entführen.
Daniel Bauer stellt seine Buchwelten wie folgt vor: „Milchzahn und Stinkefuß sind zwei Fuchsbrüder. Im ersten Buch ‚Milchzahn & Stinkefuß – der Hühnerdieb‚ wurden die Hühner aus dem Stall entführt. Alle denken natürlich, das waren die Füchse, aber das stimmt gar nicht. Am Ende müssen die Brüder selbst herausfinden, wo die Hühner abgeblieben sind. Tatsächlich müssen die Kinder am Ende der Geschichte sogar selbst dabei helfen, die Hühner im Buch zu finden, die in den Bildern versteckt sind. Das ist eine Geschichte mit 88 Seiten. Da sie sich an Kita-Kinder und an Kinder am Anfang der Grundschule wendet, ist das ganz klar ein Buch zum Vorlesen. Dabei können sich die Eltern und die Kinder das Buch zusammen anschauen. Sicherlich schafft man es, alleine mit diesem Buch gleich mehrere Abende vor dem Schlafengehen zu füllen. Immer mit dem Cliffhanger: Fortsetzung folgt.“
Daniel Bauer stammt aus Bad Belzig, er lebt aber mit seiner Frau und den zwei Kindern inzwischen seit 14 Jahren in Dallgow-Döberitz. Der gelernte Grafikdesigner arbeitet als freier Illustrator, ist zugleich Dozent am Berliner Lette-Verein und hat sich nebenbei ein wirtschaftliches Standbein mit seinen Kinderbüchern aufgebaut: „Bei den Milchzahn & Stinkefuß Büchern ist es so, dass ich mir die Geschichten grob ausdenke. Mit Holger Lindemann aus Münster habe ich einen ganz wunderbaren Autor getroffen, mit dem ich mich blind verstehe und dem es wirklich gut gelingt, meine Ideen in Worte zu fassen. Er schreibt die Geschichte, ich mache die Illustrationen dazu. Wobei es in der Regel so ist, dass ich die Illustrationen auf den Buchseiten bereits grob vorskizziere und sich der Textumfang an dem Platz orientiert, den ich noch übrig lasse.“
Die Bücher, die ganz besonders wertig wirken, entstehen in eigener Verantwortung; Daniel Bauer hat sich dafür keinen etablierten Verlag gesucht, sondern gestaltet sie am Mac-Rechner selbst, um sie in kleinen Auflagen in den Druck zu geben. Sie lassen sich auf Etsy (https://www.etsy.com/de/shop/MilchzahnStinkefuss) bestellen oder bei einem der vielen Events einkaufen, bei denen Daniel Bauer präsent ist.
Ganz egal, ob im Havelpark, bei EDEKA Dorfmann in Nauen, bei EDEKA Vujanov in Falkensee oder bei einer anderen sich bietenden Gelegenheit: Der Stand von Daniel Bauer fällt bereits von Weitem auf. Aus bunt beplankten Elementen entsteht nämlich stets ein kleiner Pop-up-Store, in dem sich die Bücher bewundern lassen, in dem Daniel Bauer aber auch mit den Kindern interagieren und ihnen lustige Figuren zusammen mit einer Widmung in die Bücher malen kann: „Bei diesen Events habe ich immer ein weißes Hemd an, trage eine Holzfliege und binde das Haar zu einem Zopf. Da lege ich großen Wert auf ein gepflegtes und immer gleiches Äußeres. Tatsächlich ist es so, dass mich viele Eltern nur wegen meines Outfits schon von Weitem wiedererkennen. Wenn ich für die Kinder etwas male, sitze ich auch immer so, dass ich mit ihnen auf Augenhöhe bin. Vor mir steht immer eine Bank, auf der nur Kinder Platz nehmen können. Da wird sofort klar, wer meine Zielgruppe ist. Inzwischen ist mein Stand so gut strukturiert, dass ich ihn in kürzester Zeit auf- und wieder abbauen kann – und das auch noch in verschiedenen Größen mit bis zu drei Metern Breite. Meinen regionalen Kooperationspartnern gefällt das, weil der Stand sehr professionell aussieht und sie so auch einen Mehrwert für ihre Kunden schaffen.“
Dass Daniel Bauer studierter Grafikdesigner ist, merkt man seinen Grafiken an. Sie wirken fast fotorealistisch, zugleich aber auch verspielt, fantasievoll und bunt. Mit Absicht durchbricht der Illustrator die klassische Erzählstruktur „normaler“ Kinderbücher. Seine Zeichnungen ziehen sich wie in einem modernen Comic oft über eine ganze Doppelseite. Manchmal muss man das Buch drehen, um sie in der richtigen Perspektive wahrnehmen zu können. Daniel Bauer: „Das ist ungewöhnlich, aber gewollt. Die Geschichte lebt, sie lässt sich nicht einfangen. Das Buch muss gedreht werden, die Bilder haben Bewegung, so entsteht Tempo – und auf einmal stecken die Kinder mitten in der Geschichte. Dass meine Bücher beim Lesen gedreht werden müssen, ist inzwischen fast eine Art Signature-Move von mir.“
Auf diese Weise sind bereits zwei Nachfolgebände entstanden. „Milchzahn & Stinkefuß: Das Einhorn der Meere“ bringt es auf 114 Seiten, beim jüngsten Buch „Milchzahn & Stinkefuß: Was für ein Zirkus“ sind es 120. Das erste Buch kostet 16,90 Euro, die beiden dickeren Nachfolger sind für 19,90 Euro zu haben. Wer online bestellt, bekommt eine Zeichnung und eine Widmung gratis mit dazu, bei einem Kauf auf einer Veranstaltung ist das sowieso mit dabei.
Daniel Bauer: „Im Einhorn-der-Meere-Buch fragen sich die beiden Fuchsbrüder, was wohl hinter den Bergen Spannendes vor sich geht. Sie schauen nach – und landen sogar unter Wasser. Hier lernen sie einen seltsamen Meeresbewohner kennen und müssen am Ende einen waghalsigen Befreiungsplan schmieden und umsetzen. Im Zirkus-Band bekommen es die Brüder nach einem Gewitter plötzlich mit einem Tiger, einem Affenkind und sogar mit Wölfen zu tun.“
Der Erfinder der drei Fuchsabenteuer ist ein echter Pedant. Schnelles Arbeiten liegt ihm, dennoch muss alles perfekt sein. Die Akribie geht sogar so weit, dass Daniel Bauer für das Einhorn-der-Meere-Buch für mehrere hundert Euro Fotos eines Narwals von einem Fotografen auf Island angekauft hat, nur um dieses Tier ganz besonders realistisch zeichnen zu können: „Oft baue ich auch kleine Holzmodelle von wichtigen Dingen, die in meinen Büchern vorkommen. So steht in meinem Regal auch ein detailliertes Holzmodell von dem Zirkus, der im Zirkus-Band eine große Rolle spielt.“
Da dürfte klar sein, dass es sehr lange dauert, bis ein neues Buch vollendet ist. Am Buch mit den Narwal hat der Autor fünf Jahre gesessen (was auch an Corona und der sich anschließenden Papierknappheit lag). Daniel Bauer: „Bei diesem Buch ist es mir passiert, dass die neuen Illustrationen am Ende des Buches viel besser waren als die älteren vom Anfang. Da habe ich den ersten Teil noch einmal neu gezeichnet.“
Die große Frage ist: Warum tut sich Daniel Bauer den großen Aufwand an, seine Bücher selbst zu drucken und zu vertreiben? Wäre ein großer Verlag nicht zielführender?
Daniel Bauer: „Als ich angefangen habe, eigene Kinderbücher zu entwickeln, hatte ich genau so einen Verlag. Kurz vor dem Druck hieß es plötzlich: Entweder ändern Sie noch einmal die ganze Geschichte, oder wir drucken das nicht. Und dann hat der Verlag das Buch am Ende auf einem ganz anderen Papier gedruckt als wir vorher abgesprochen hatten. Ich wollte das Buch in matt haben, es wurde aber glänzend gedruckt. Da habe ich festgestellt, dass ich die künstlerische Kontrolle brauche. Wenn ich schon so viel Mühe investiere, soll das Ergebnis nicht unter den Fehlentscheidungen Dritter leiden. Meine Familie hat mir zu meinem 30. Geburtstag ein Startkapital finanziert, und seitdem mache ich meine Bücher alleine. Mit dem Verkauf der gedruckten Bücher finanziere ich den Druck der nächsten Bücher. Ich bin auch stolz darauf, dass ich die Bücher noch immer komplett in Deutschland produzieren lasse. Wenn gedruckt wird, stehe ich mit an der Druckmaschine und prüfe bis zuletzt, ob auch wirklich alles so läuft, wie ich mir das vorgestellt habe. Ich lasse immer eine begrenzte Zahl an Büchern drucken. Ein großes Glück ist, dass ich sie bei meinen Eltern in einem eigenen Zimmer lagern kann. Man mag es kaum glauben, wie viel Platz so eine Buchproduktion einnehmen kann.“
So sehr Daniel Bauer die Kontrolle über sein Werk liebt, so sehr muss er doch auf die Meinung einer Person hören: „Vor dem Druck gebe ich meine Bücher immer an eine Professorin. Sie macht das Lektorat und achtet auf Sprache und Verständlichkeit. Bei den ersten Malen, bei denen ich ihre Kritik zurückbekommen habe, habe ich tatsächlich geheult. Aber es muss einfach sein. Wenn wir schreiben: ‚Dem Fuchs ist furchtbar flau im Magen‘, dann argumentiert sie, dass Erwachsene diesen Satz verstehen, Kinder aber nicht. Für sie muss es heißen: ‚Der Fuchs hat Bauchgrummeln‘. Mit meiner Professorin zu arbeiten, ist wie mit einem Sparringspartner in den Ring zu steigen.“
Mit etwas Glück entdeckt man Daniel Bauer mit der Kamera in der Hand, wenn er für ein neues Buch recherchiert: „Ich fahre in den Tierpark, in den Zoo oder in den Wald und mache Unmengen an Fotos. Oft zeichne ich auch vor Ort in ein Skizzenbuch. Ich zeichne sehr detailgenau. Deswegen muss ich vorab wissen: Welche Augenfarbe hat ein Hirsch? Wie lang ist der Schwanz eines Wildschweins?“
Am digitalen Zeichenbrett entsteht zunächst die Zeichnung, die anschließend mit Photoshop ausgemalt und verfeinert wird.
Ein viertes Buch über Milchzahn & Stinkefuß ist bereits in Vorbereitung. Daniel Bauer: „Es spielt wieder im Nachtschattenwald. Da gibt es ein Tier, das Unfug treibt – und natürlich werden wieder unsere Füchse verdächtigt.“ (Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 243 (6/2026).
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