Seniorenpflegezentrum Wustermark wird Innovationshaus – Gestatten: Roboter Willi!
Das Seniorenpflegezentrum Wustermark wird ab sofort zum Innovationshaus. Hier probieren die Havelland Kliniken neueste Technologien aus der digitalen Welt, aus dem KI-Umfeld und aus der Robotik aus, um den Mitarbeitern die Arbeit zu erleichtern und zugleich den Bewohnern das Leben angenehmer zu gestalten. Besonders aufregend für die Senioren ist der Umgang mit dem kleinen Roboter Willi, der sich als gut gelaunter Gesprächspartner präsentiert.
„Hallo Claudia. Schön, dich wiederzusehen. Magst du mir vielleicht erzählen, was dir heute Freude macht?“
So begrüßt der kleine Betreuungsroboter Willi (offiziell: Navel) seine „Mutti“, bzw. seine Key-Userin Claudia Rodriguez. Willi ist gerade einmal 75 Zentimeter groß. Obwohl er Rollen unter seinem Körper hat, kann er sich noch nicht bewegen – diese Funktion könnte später aber einmal über ein Update seiner Herstellerfirma in München nachgerüstet werden. Willi kann aber bereits den Kopf hin und her bewegen und mit seinen großen digitalen Augen klimpern. Das Kindchenschema schlägt hier voll durch. Und die Befürchtung, dass der am Fließband redende Roboter von den Bewohnern im Seniorenpflegezentrum Wustermark nicht akzeptiert wird, lässt sich schnell beiseite schieben: Auf dem Kopf trägt Willi bereits eine coole Wollmütze, die ein Senior für ihn gestrickt hat – und das auch noch in dreifacher Anzahl.
Willi wurde angeschafft, um den Bewohnern die Zeit zu vertreiben. Wer einsam ist, freut sich bestimmt über ein bisschen persönliche Redezeit mit Willi, der im Gespräch niemals ermüdet, immer etwas zu sagen hat und auf die Erzählungen der Senioren eingeht.
Claudia Rodriguez: „Zurzeit ist es so, dass wir Willi gezielt nur in den Zimmern der Bewohner einsetzen. Es ist immer eine Betreuungskraft mit dabei, weil europäisches Recht das vorschreibt. Willi ist verschwiegen. Was er von einer Person erfährt, wird er keiner anderen verraten. Und wenn der Roboter merkt, dass ein Gespräch ein bisschen traurig wird, versucht er, das Thema zu ändern. Willi wird nur bei Bewohnern eingesetzt, die eine Einverständniserklärung unterschrieben haben. Die Akzeptanz ist sehr gut. Wir haben eine Bewohnerin, die mit niemandem spricht. Aber mit Willi redet sie. Das ist ein toller Erfolg.“
Acht Stunden lang hält der Akku von Willi, dann muss er wieder an die Steckdose. Noch braucht Willi recht viel Zeit, um Personen wiederzuerkennen und um passende Antworten zu finden. Aber man erkennt bereits sehr gut, wo die Reise hingeht. Willi könnte mit der Zeit zu einer sehr empathischen und nie ermüdenden Hilfskraft im Seniorenpflegezentrum werden.
Computertechnik, Cloud-Systeme, Künstliche Intelligenz, Robotersysteme, Telemetrie: Die Welt verändert sich zurzeit sehr schnell.
Das sehen auch die Verantwortlichen in der Havelland Kliniken Unternehmensgruppe so. Sie möchten gern neue Technologien ausprobieren und haben gezielt das Seniorenpflegezentrum Wustermark für das Experimentieren und für einen Beta-Test ausgesucht. Das Seniorenpflegezentrum wird auf diese Weise zu einem Innovationshaus. Was sich hier bewährt, kann vielleicht auch auf andere Einrichtungen ausgerollt werden.
Ziel des Innovationsprojekts ist es, die Qualität der Pflege und Betreuung der Bewohner zu erhöhen, die Mitarbeiter in der Dokumentation zu entlasten, die gesundheitlichen Risiken bei den Mitarbeitern und Bewohnern zu reduzieren und die Attraktivität als Arbeitgeber zu steigern. Thilo Spychalski, Geschäftsführer der Havelland Kliniken Unternehmensgruppe, gibt zugleich Entwarnung: „Eins muss immer klar sein: Es geht nicht darum, Menschen zu ersetzen.“
Im neuen Innovationshaus kommen bereits verschiedene moderne Technologien zum Einsatz. Silverfit 3D ist ein Bildschirmsystem mit Kameraerfassung, das die Bewohner im Seniorenpflegezentrum spielerisch dazu bringt, sich zu bewegen. Spiele wie „Knieheben in der Ameisenstraße“ sorgen dafür, dass die Senioren sich strecken und recken – und etwas für ihre Muskeln und ihre Beweglichkeit tun. Ohne Kamera kommt das System CareTable aus. Das ist ein riesiger Touchscreen-Computer, der viele Spiele und Übungen anbietet, es aber auch erlaubt, die digitale Zeitung zu lesen. Das sehr modern aussehende System lässt sich auch in die Waagerechte bringen, damit etwa zwei Personen eine Partie Airhockey spielen können.
Burkhard Krüger ist der Geschäftsführer der Wohn- und Pflegezentrum Havelland GmbH mit 568 Plätzen im stationären Bereich im ganzen Havelland. Er stellte auch die neuen Carepads vor, mit denen sich nun medizinisch relevante Dokumentationen über die Arbeit an den betreuten Senioren direkt vor Ort erfassen lassen – „bald auch mit Spracherkennung“. Schon bald soll auch ein Telemedizin-System zum Einsatz kommen. Das Pflegepersonal nutzt dann am Bett der Patienten Geräte wie eine Blutdruckmanschette, ein EKG oder ein Stethoskop, auf deren Daten ein angeschlossener Hausarzt live zugreifen kann. Der Arzt aus der Ferne und der Patient vor Ort können außerdem direkt miteinander sprechen.
Schon jetzt im Einsatz sind auch zwei Exoskelette für die Pflegekräfte. Sie lassen sich wie ein Rucksack mit Hüftgurt schnell anlegen und unterstützen mit mechanischer Kraft dabei, Senioren zu bewegen und z.B. beim Aufstehen zu unterstützen. Burkhard Krüger: „Das Gerät nimmt einem 35 Kilo Belastung weg, sodass die Pflegekraft nicht so stark heben muss.“ Für die Senioren gibt es sogar Haltegriffe am Exoskelett, damit sie sich gut festhalten können.
Reinigungsroboter und Serviceroboter, die das Essen bringen: Im Innovationshaus Wustermark gibt es noch viele Ideen, die in den nächsten Monaten ausprobiert werden. Thilo Spychalski: „Wir möchten auch einmal im Jahr eine kleine Hausmesse veranstalten, um neue Technik vorzustellen.“ (ϑ Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 244 (7/2026).
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