Coole Bike-Tricks in der Luft: Dirt/BMX-Contest bei den Pic Trail Raiders in Falkensee!
Das ist ein Sport, für den man biegsame Knochen, eine Menge Mut und eine gute Kondition braucht: Die „Pic Trail Raiders“ aus Falkensee steigen aufs BMX- oder Dirt-Bike, um mit ordentlich Schwung über selbstgestaltete Rampen zu springen. Weit oben in der Luft zeigen sie akrobatische Figuren – und landen am Ende wieder sicher auf zwei Rädern. Am 13. Juni haben die Jugendlichen vom „Dirtpark Falkensee“ zu ihrem allerersten Dirt/BMX-Contest seit der Corona-Pandemie eingeladen. Die Beteiligung war sehr hoch.
Das ist schon ein ganz besonderer Sport. Wer mit dem BMX- oder Dirt-Bike unterwegs ist, sucht den besonderen Adrenalinkick und benötigt steile Rampen, um coole Sprünge zu vollführen.
Ulrike Legner-Bundschuh erinnert sich: „Vor zwanzig Jahren waren die Jugendlichen in der Schweinekuhle in Finkenkrug aktiv. Dort sind sie mitten im Wald gefahren und haben vor Ort ihren eigenen Parcours angelegt. Das fand der Förster gar nicht toll – und hat die Hügel gleich wieder platt gemacht. Das war für die BMX-Fahrer sehr frustrierend. Sie haben dann ein Konzept für einen eigenen, selbstverwalteten BMX-Parcours erstellt und sind damit zum Bürgermeister gegangen. Das war damals noch Jürgen Bigalke. Der hat sich das Konzept angesehen, aber gleich einen Dämpfer ausgesprochen: Werdet erst einmal ein ordentlicher Verein, bevor wir weiter miteinander sprechen.“
Doch wie soll man einen Verein gründen, wenn man noch gar nicht volljährig ist? Die Söhne von Ulrike Legner-Bundschuh waren selbst mit in der Szene aktiv und beknieten die Mutter: Machst du das bitte? Ulrike Legner-Bundschuh ließ sich erweichen und leitet seit nunmehr knapp zwanzig Jahren den Verein „Pic Trail Raiders e.V.“ (www.pictrailraiders.de), der am 7. Februar 2007 offiziell gegründet wurde.
Tatsächlich hat der Verein damals von der Stadt Falkensee ein Gelände zugewiesen bekommen. Es ist etwa so groß wie ein Fußballfeld und liegt gut versteckt im Wäldchen zwischen der Essener Straße und dem neuen Hallenbad Falkensee. Ulrike Legner-Bundschuh: „Das ist im Grunde genommen ein öffentlicher Spielplatz, für den die ‚Pic Trail Raiders‘ die Patenschaft übernommen haben. Jede Generation an Bikern baut hier die Sprungschanzen und Hügel so um, wie es am besten für sie passt.“
Erstaunlich ist, dass es über all die langen Jahre immer wieder eine neue Generation an BMX- und Dirt-Bike-Fahrern gab, die sich um das Gelände gekümmert hat. Denn die meisten Fahrer bleiben in der Regel nur wenige Jahre bei diesem Sport. Dann sorgen eine Freundin oder ein Freund, ein Studium oder eine Ausbildung, der Auszug von zu Hause oder eben auch ganz neue Interessen dafür, dass sich die Gesichter auf dem Parcours immer wieder ändern und eine neue „Generation“ den „Dirtpark Falkensee“ übernimmt.“
Ulrike Legner-Bundschuh: „Schlimm war es in den Corona-Jahren. Das Gelände befand sich in keinem guten Zustand, der Zusammenhalt der Jugendlichen war zerbrochen, und dann wurde auch noch unser Container abgefackelt, in dem wir unser Werkzeug verstaut haben. Da dachte ich schon, das war es jetzt, du hast dich jetzt auch lange genug um den Verein gekümmert. Und dann klingelte es plötzlich an meiner Tür, und Henrik Bösche stand vor mir. Der hat sich vorgestellt und gesagt, dass er den ‚Dirtpark Falkensee‘ neu beleben möchte. Und das hat er dann auch getan. Er hat vor allem dafür gesorgt, dass das soziale Leben wieder in Gang kommt. Die Biker sind komplett demokratisch aufgestellt, die entscheiden alles zusammen. Am Ende müssen die Jungen von den Älteren auch lernen, wie man die Hügel formt. Da steckt eine Menge Arbeit in dem Sport.“
Nachdem die ganze Anlage mit der Hilfe von Garten- und Landschaftsbauern, die mit schwerem Gerät angerückt sind, wieder in Form gebracht wurde, haben die „Pic Trail Raiders“ am 13. Juni erstmals wieder zu einem offenen Dirt/BMX-Contest geladen. Von 12 bis 18 Uhr durfte man als Zuschauer die abenteuerlichsten Sprünge bestaunen. Bike-Akrobaten zwischen 7 und 53 Jahren trauten es sich zu, meterweit in die Luft zu springen, um hoch oben den Lenker loszulassen und verschiedene „Figuren“ zu zeigen.
Henrik Bösche (19) stammt aus Spandau, er wohnt direkt an der Grenze zu Falkensee: „Ich fahre seit vier Jahren auf dem Dirt-Bike. Hier auf der Anlage verbringe ich die meiste Zeit mit Bauen. Darüber hinaus versuche ich, die Leute zusammenzubringen und sie dazu zu bewegen, etwas auf der Anlage zu tun.“
Bei den Sprüngen: Ist die Verletzungsgefahr hier nicht besonders hoch? Henrik Bösche: „Beim Contest hatten wir Sanitäter vor Ort. Tatsächlich können die meisten Biker schon sehr gut abschätzen, was sie sich zutrauen können und was nicht. Die Stürze sehen schlimmer aus, als sie sind. Die meisten Fahrer gehen vielleicht mit einer Prellung nach Hause. Knochenbrüche habe ich eigentlich noch nie erlebt.“
Tatsächlich tragen die Bike-Akrobaten alle einen Helm und meist auch einen Schutz für die Wirbelsäule. Darüber hinaus ist am Rad in der Regel alles abmontiert, was nicht unmittelbar zum Fahren dient.
Henrik Bösche: „Von den Locals sind sonst immer 20 bis 30 vor Ort, die aktiv fahren. Hinzu kommen jede Woche noch Leute, die über Instagram und Google mitbekommen haben, dass es hier einen Spot gibt. Unter der Woche sind wir meist am Nachmittag da, am Wochenende eigentlich immer ab 12 Uhr.“
Die Dirtbike-Anlage nutzt Lehm, um daraus die Sprünge zu bauen – bzw. „zu shapen“, wie das im Jargon heißt. Henrik Bösche: „So entstehen unsere Dirtjumps. Da gibt es die Tables, die bestehen aus einem Absprung, einer ebenen Fläche und einem Landebereich. Die Doubles haben einen Absprung und eine Landung – und dazwischen eine Lücke, das Gap. Je höher und steiler ein Sprung ist, umso höher steigt der Schwierigkeitsgrad. Die meisten Fahrer, die bei uns mit dabei sind, sind so 12, 13 Jahre alt.“
Für den Wettbewerb wurde das Feld in Amateure und „Pros“ geteilt. Nach einem Warmfahren stand ein „Best Trick Contest“ an, anschließend wurde zum „Pumptrack Race“ gebeten. Max Henning kümmerte sich für die Zuschauer um die Moderation. Auf die Gewinner warteten selbstgebastelte Pokale mit einem großen Zahnrad – wie passend.
Henrik Bösche: „Unser primäres Ziel war es aber nicht, einen sportlichen Wettbewerb auf allerhöchstem Niveau zu veranstalten. Wir haben das Event geplant, um die Leute auf dem Parcours zusammenzubringen – junge und ältere, gern auch Leute, die hier früher einmal gefahren sind, aber inzwischen etwas ganz anderes machen. Wir würden dieses Event gern einmal im Jahr machen, brauchen dafür aber viele Sponsoren. Beim Event hatten wir auch BMX-Räder zum Ausleihen da – für alle, die sich an diesem Sport gern einmal unverbindlich versuchen wollten.“
Bürgermeister Heiko Richter eröffnete den Dirt/BMX-Contest und zeigte sich sehr angetan von der jugendlichen Selbstverwaltung: „Hier vor Ort wirken ja bereits mehrere Generationen an Jugendlichen. 20 Jahre durchzuhalten und immer wieder neue Aktive zu finden, die sich engagieren, da kann ich nur sagen: Hut ab!“ (ϑ Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 244 (7/2026).
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