Das weiße Gold der Kühe: Zu Besuch bei Sandy Schulz und ihren Kühen in Tremmen!
Der Tag der Milch macht jedes Jahr am 1. Juni auf die Bedeutung von Milch, Milchprodukten und der heimischen Milchwirtschaft aufmerksam. Oft gehen die Landwirte an diesem Tag in die Kitas und Schulen, um sich und ihre Arbeit einmal vorzustellen. Auch Sandy Schulz von der Tremmener Agrarprodukte GmbH hat eine lokale Kita besucht, um den Kindern zu vermitteln: Die Milch kommt nicht aus einem Tetra Pak, sondern aus der Kuh.
Die Tremmener Agrarprodukte GmbH kümmert sich um insgesamt 500 Kühe samt ihrer Nachzucht. Die Milchkühe der Rasse Holstein-Friesian sind in einem Liegeboxenlaufstall mit Stroheinstreu untergebracht, die Färsen (Rinder, die noch nicht gekalbt haben) verbringen die warme Jahreszeit zusammen mit einem Zuchtbullen auf der Koppel, und die jungen Rinder in der Pubertät stehen im umfunktionierten Schafstall.
Sandy Schulz (37) ist in der GmbH als Herdenmanagerin angestellt. Ihr Großvater hat den Betrieb in der Wachower Landstraße 1 vor langer Zeit als Geschäftsführer vorangebracht, inzwischen kümmert sich Dietmar Steglich weiter um diese Aufgabe.
Zum Betrieb („Wir bringen die Natur auf den Tisch“ – www.tremmenagrar.de) gehört natürlich auch die Arbeit auf dem Acker. Auf über 1.100 Hektar Land werden Gerste, Brotweizen, Brotroggen, Raps und Mais angebaut.
Sandy Schulz: „Den Mais nutzen wir ausschließlich als Futter für unsere Tiere. Das gilt auch für die Grassilage, die wir auf 135 Hektar Grünland gewinnen. So bewegen wir uns in einem perfekten Kreislaufsystem. Ich finde, die Landwirtschaft sollte immer Tiere und Pflanzen zusammenbringen und sich nie nur auf eins konzentrieren.“
Die Herdenmanagerin liebt ihre Tiere: „Die meisten von ihnen haben eigene Namen. Sie sind auch alle sehr verwöhnt und verhätschelt – auch von den Kitakindern, die oft bei uns zu Besuch sind. Wir müssen die Kühe oft schon mit ‚Sie‘ anreden, damit sie überhaupt einmal einen Fuß vor den anderen setzen und machen, was wir von ihnen wollen. Kühe sind sehr neugierig, aber auch echte Gewohnheitstiere. Für sie muss am besten jeder Tag so sein wie der andere. Und am besten finden sie es, wenn sie jeden Tag immer das gleiche Futter bekommen.“
Vor Ort wird versucht, es den Tieren so angenehm wie möglich zu machen. Ziel ist es, eine nachhaltige und artgerechte Tierhaltung umzusetzen. Sandy Schulz: „Unsere Milchkühe haben ihren Auslauf im Stroh. Das ist wegen der hohen Strohkosten eigentlich nicht besonders wirtschaftlich. Aber diesen Luxus gönnen wir uns und ihnen. Unsere Trockensteher, das sind die Milchkühe in der Melkpause vor der nächsten Kalbung, entscheiden sogar selbst, ob sie im trockenen Stall oder auf ihrer eigenen Koppel stehen möchten.“
Zwei Jahre dauert es von der Geburt zur ersten Kalbung, damit ein Rind zur Kuh wird und Milch geben kann. Lässt die Milchleistung nach, muss sie erneut kalben, um die Milchproduktion wieder anzukurbeln. Sandy Schulz: „Bei mir dürfen die Kühe ein langes Leben haben. Aber wenn die Wirtschaftlichkeit nicht mehr da ist, kommen sie zum Schlachter. Zwei bis drei Tiere im Jahr verbrauchen wir auch intern. Sie landen bei uns auf dem Teller, das gehört zur Wahrheit und zur Landwirtschaft dazu.“
Das Team der Tierproduktion vor Ort besteht zurzeit aus drei Melkern, einem Fütterer und Sandy. Hinzu kommen eine Sekretärin, ein Chef für die Werkstatt und fünf Traktoristen auf dem Feld. Sandy Schulz: „Auch wenn andere Betriebe das oft bemängeln: Wir haben kein Problem mit dem Nachwuchs. Wir haben für jedes Lehrjahr einen Lehrling – und das sind meist richtig tolle Leute, die auch nach der Ausbildung bei uns bleiben. So haben wir ein sehr junges Team zusammengestellt.“
Eine richtige Hochleistungskuh kann an einem Tag bis zu 60 Kilo Milch geben. In Tremmen wird zweimal am Tag gemolken, einmal um 6 und einmal um 18 Uhr. Sandy Schulz: „Wir erzeugen eine richtige Vollrahmmilch. Die muss wenigstens vier Prozent Fett haben, sonst wird uns von der Molkerei nicht der volle Preis bezahlt. Unsere Kühe liegen bei etwa 32 Kilo Milch pro Tag. Da kommen wir auf 7.300 Kilo Milch, die pro Tag abgeholt werden. Die Milch geht nach Stendal. Sie landet übrigens nicht im Tetra Pak im Supermarkt. Unsere Milch, so hören wir, geht in die Süßigkeitenproduktion nach Italien, die bekommen die Kinder dann später als Schokoriegel wieder in die Hände.“
Leider lag der Milchpreis für den Tremmener Betrieb zuletzt bei nur 37,77 Cent. Das ist zu wenig für einen Milchbetrieb, um wirklich auskömmlich arbeiten zu können. Sandy Schulz: „Die Energiekosten sind explodiert, die Löhne sind gestiegen und wegen des Krieges im Iran wurden auch die Düngerpreise deutlich angehoben. Es wird immer schwieriger, in die schwarzen Zahlen zu kommen. Die Molkereien sagen aber auch ganz klar: Wer mit ihrem Preis nicht zufrieden ist, kann ja gern versuchen, seine Milch woanders zu verkaufen.“
Die Kuh im Stall könnte im Havelland so zu einem Auslaufmodell werden. Gab es 2015 noch 31 Milchviehbetriebe im Havelland, so sind es inzwischen leider nur noch 14. (ϑ Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 244 (7/2026).
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