24 Stunden mit Sven Kraatz: Wir begleiten den Jäger und Jagdhornbläser!
Sven Kraatz lebt in Schönwalde-Glien, und zwar im Ortsteil Pausin. Hier führt er zusammen mit seinem Bruder einen landwirtschaftlich geprägten Hof, den beide von den Großeltern übernommen haben – das ist der „Damwildhof Kraatz“. Auf den knapp fünf Hektar bewirtschafteter Fläche haben die Brüder viel zu tun. Sven Kraatz engagiert sich aber auch noch bei der Feuerwehr, gehört zu den „Jagdhornbläsern Pausin“, ist Jäger und außerdem Vorsitzender der Gemeindevertretung. (ANZEIGE)
Der Hof der Familie Kraatz ist bereits 1903 entstanden. Bis zur Gründung der DDR wurden in Pausin etwa 20 Hektar Eigentumsland bewirtschaftet. Sven Kraatz: „In der Zeit der DDR versuchten meine Großeltern, das Anwesen bestmöglich zu erhalten. Sie bauten im Garten ihr eigenes Gemüse an und hielten Kaninchen und Hühner. Das Land wurde in die LPG eingegliedert.“
Nach der Wende musste alles neu aufgebaut werden. 2004 entstand das namensgebende Damwildgehege auf einer Fläche von 2,8 Hektar. 2010 zogen die Enkel Sven und Sascha Kraatz mit auf die Hofstelle, die sie dann 2014 notariell übertragen bekamen. Die stetig steigenden Auflagen haben dafür gesorgt, dass die Wildhaltung 2024 aufgegeben wurde. Zurzeit bauen die Kraatz-Brüder Spargel und Kartoffeln an, außerdem halten sie Hühner in einem mobilen Stall. Die eigenen Erzeugnisse werden in einem kleinen Hofladen direkt vor Ort verkauft. Hier bedienen sich die Kunden selbst und zahlen in die Kasse des Vertrauens ein.
4:30 Uhr: In der Spargelsaison bin ich schon ganz früh draußen auf dem Feld. Wir bauen Spargel auf etwa einem Hektar Fläche an. Wir stechen den Spargel selbst und beschäftigen keine Erntehelfer. Das mache ich gern schon ganz früh am Tag, wenn es noch kühl ist. Ein Frühstück fällt aus, es zählt jede Minute. Wir kennen bei uns auch nur zwei Größen beim Spargel – dick und dünn. Und Bruchspargel. In diesem Jahr hat man gemerkt, dass die Leute ihr Geld mehr zusammenhalten; wir haben etwa zwanzig Prozent weniger Umsatz gemacht als sonst.
6:30 Uhr: Außerhalb der Spargelsaison beginnt mein Tag um halb sieben. Ein Frühstück gibt es auch jetzt nicht. Erst einmal müssen die E-Mails abgerufen und gelesen werden.
7:30 Uhr: Jetzt ist endlich Zeit für ein Frühstück, hurra! Ein- bis zweimal in der Woche wird das Frühstück allerdings auf neun Uhr verschoben, denn dann treffen wir Landwirte uns gern, um bei einem gemeinsamen Frühstück über unsere Arbeit, die Marktlage, aktuelle Neuerungen und die verflixte Bürokratie zu sprechen. Ich bin als Dozent im Bereich der Agrarförderung unterwegs. Da weiß ich mitunter doch ein, zwei Dinge mehr als der normale Landwirt. Und wenn es auf die Erntezeit zugeht, haben wir Landwirte untereinander besonders viel Redebedarf.
8:00 Uhr: An einem normalen Tag besuche ich jetzt unsere Hühner. Wir halten um die 300 Hühner in Freilandhaltung. Da muss ich schauen, ob alles läuft, ob alles in Ordnung ist. Tatsächlich bekommen wir oft Besuch vom Fuchs und vom Habicht. Sie holen sich gern ein Huhn und dezimieren so unseren Bestand. Bei 300 Hühnern sammeln wir täglich um die 270 bis 280 Eier ein.
9:30 Uhr: In der Bestell- oder Erntesaison muss ich jetzt aufs Feld. Erst müssen die Maschinen vorbereitet werden, und dann geht es auf den Acker. Und da bleibe ich auch den ganzen Tag. So ein Tag auf dem Feld kann leicht bis spät in den Abend gehen. Bei der Arbeit geht es übrigens nicht nur um unsere eigenen Flächen. Als Lohnarbeiter helfe ich auch auf den Flächen anderer Landwirte mit. Je nachdem, was gerade ansteht, fahre ich den Mähdrescher, drille oder pflüge. An solchen Tagen bleibt wenig Zeit für meine ehrenamtlichen Tätigkeiten.
16:00 Uhr: Es gibt aber noch genügend Tage im Jahr, an denen muss oder kann ich nicht auf dem Feld sein. Dann bleibt Zeit für andere Dinge. Im politischen Umfeld betätige ich mich ehrenamtlich als Vorsitzender der Gemeindevertretung in Schönwalde-Glien. Die Sitzungen der Gemeindevertreter müssen ordentlich vorbereitet werden. Da die Verwaltung im Rathaus abends nicht mehr arbeitet, muss ich hier den Kontakt zu den regulären Arbeitszeiten aufnehmen. Ich muss außerdem schauen, welche Punkte es auf die Tagesordnung schaffen. Sind dafür Unterlagen vorhanden, muss ich dafür sorgen, dass diese frühzeitig bei den Gemeindevertretern ankommen, damit sie sich auch noch vor der Sitzung in ein Thema einlesen können.
18:00 Uhr: Ich weiß, jetzt gibt es zu Hause Abendessen mit der Familie. Ich bin gern mit dabei und freue mich, alle am Tisch zu sehen. Allein, es gelingt mir nur selten. Es ist einfach zu viel zu tun. Oft isst die Familie dann ohne mich. Meine Frau und die Kinder sind das leider bereits gewöhnt und haben sich damit arrangiert. Sie kochen sich dann etwas Schönes. Tatsächlich ist für mich eher das Frühstück die Hauptmahlzeit am Tag. Und es gibt Tage, da schaffe ich es nicht, noch etwas anderes zu mir zu nehmen. Ich weiß, das ist nicht gesund, aber ich kann es nicht ändern. Manchmal mache ich mir abends noch eine Stulle.
18:30 Uhr: Immer am Montagabend treffen sich die Jagdhornbläser in Pausin. Zurzeit sind 14 Jägerinnen und Jäger mit dabei. Wir haben in Pausin einmal zu zweit mit dem Jagdhornblasen angefangen – mit der Idee, die Tradition zu erhalten. Bei der Jagd geht es ja nicht in erster Linie darum, Musik zu machen, sondern darum, ein akustisches Signal zu geben. Daraus hat sich erstaunlicherweise diese doch recht große Gruppe gebildet, die sogar schon Preise gewonnen hat, etwa bei den Landesjägertagen im letzten Jahr. Wir werden auch für Geburtstagsfeiern gebucht, auch bei Veranstaltungen wie jetzt vor Kurzem bei der Brandenburger Landpartie waren wir mit dabei. Ich muss allerdings zugeben, dass mir für das Üben oft die Zeit fehlt. Ich schaffe es nicht so oft zu den Montagabenden, wie ich mir das wünschen würde. Das gilt auch für die Freiwillige Feuerwehr, die immer alle 14 Tage dienstags zusammenkommt.
20:00 Uhr: Abends schaue ich immer noch einmal in den Computer hinein. Die Bürokratie wird ja bei uns Landwirten nie weniger. Viele Kollegen kümmern sich um diese Arbeiten gern in den Wintermonaten, wenn auf den Feldern gerade nichts mehr zu tun ist. Aber ich erledige solche Dinge am liebsten sofort, bevor sie sich stapeln. Zum Glück haben wir eine gute Internetanbindung in Pausin. Gut genug jedenfalls, dass ich meine Arbeiten am PC erledigen kann.
21:00 Uhr: Feierabend. Nicht immer, aber meistens. Ich könnte ein Buch lesen. Aber meist ist es doch der Fernseher, der jetzt noch eingeschaltet wird. Ich gehe auch gern in die Sauna. Zu Hause haben wir keine. Eine Zeit lang bin ich immer in die Sauna nach Werder gefahren.
Ich bin ja auch Jäger, und ich gehe am allerliebsten am Abend auf die Jagd. Ich habe ein Revier hier in Pausin. Aber die Jagd ist in den letzten ein, zwei Jahren doch sehr kurz gekommen. Das liegt auch daran, dass das Wild deutlich abgenommen hat. Aber im Wald geht es auch darum, die Natur zu genießen und den Vögeln zuzuhören. Es ist ja nicht so, dass die Jäger jedes Mal, wenn sie in den Wald gehen, auch etwas schießen. Ich komme oft ohne Beute nach Hause. Wenn ich etwas schieße, verwerten wir das Wild selbst.
23:00 Uhr: Licht aus, es ist Schlafenszeit. Ganz bestimmt schlafe ich viel zu wenig. Aber ich komme mit wenig Schlaf aus, daran habe ich mich inzwischen gewöhnt. (Text/Fotos: CS)
Damwildhof Kraatz, Am Anger 12, 14621 Schönwalde-Glien, Tel.: 0171-2731609, www.damwildhof-kraatz.de
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 244 (7/2026).
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