Traglinge e.V. aus Spandau helfen kranken Kindern: Selbsthilfegruppen helfen in Krisenzeiten!
Ein gesundes Kind – das ist der Wunsch vieler Eltern. Doch die Wirklichkeit hält sich nicht immer an Wünsche. In der Realität müssen Eltern mit den Nachwehen einer Frühgeburt, mit den Folgen einer Trisomie 21 oder mit den Konsequenzen eines diagnostizierten Herzfehlers zurechtkommen. Die Traglinge e.V. in Spandau stehen Eltern beratend und unterstützend zur Seite – und das nicht nur nach der Geburt, sondern bis zu einem Alter des Kindes von 27 Jahren. (ANZEIGE)
Seit 2009 stehen die Traglinge e.V. mit Sitz auf dem Gelände des Evangelischen Waldkrankenhauses in Berlin-Spandau Familien in Not zur Seite. Was viele Eltern erleben, ist nicht nur die Sorge um das eigene Kind – sondern auch ein Gefühl des Alleinseins. „Wenn man Gewicht auf mehreren Schultern verteilt, kann alles viel einfacher sein“, sagt Katja Mahn, Gründerin und Geschäftsführender Vorstand des Vereins.
Umso wichtiger sind Orte, an denen ein Austausch möglich ist. Genau das bieten die Selbsthilfegruppen der Traglinge. Hier kommen nicht nur die Eltern zusammen. Oft sitzen auch Großeltern, Freunde oder Nachbarn mit am Tisch – Menschen, die die betroffenen Familien im Alltag unterstützen und selbst Sicherheit gewinnen möchten. Katja Mahn: „Unsere Haltung in den Gruppen ist: Komme einfach, wie du bist. Dort, wo du und dein Kind gerade stehen, ist das völlig o.k.“
Die Kinder wachsen trotz Erkrankung oft erstaunlich selbstverständlich mit ihrer Situation auf, während Eltern von Sorgen und Ängsten geprägt sind. Der Austausch mit anderen Familien, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, kann helfen.
Insgesamt fünf Gruppen haben sich über die Jahre hinweg bereits etabliert. Neu hinzugekommen ist ein „All-Inclusive-TREFF“ für Familien mit Kindern und Jugendlichen mit Trisomie 21. Im „DiabetesTREFF“ lernen Eltern und Kinder den sicheren Umgang mit Pumpen und den Alltag in Kita oder Schule. Der „FamilienTREFF“ wiederum steht allen offen, die sich keiner festen Gruppe zuordnen möchten – da geht es etwa auch um ehemalige Frühchen, die längst größer geworden sind. Die Selbsthilfegruppen helfen dabei, diesen Weg nicht allein gehen zu müssen. Sie schaffen Räume für Begegnung, für Verständnis und für neue Perspektiven. Und manchmal entstehen hier Freundschaften, die über die Treffen hinaus bestehen.
„Wer offen mit seiner Situation umgeht, findet Unterstützung. Wer sich zurückzieht, läuft Gefahr, zu vereinsamen. Genau das wollen die Traglinge verhindern – und stattdessen Mut machen“, fasst Sabine Landmann, Kinderkrankenschwester mit dem Schwerpunkt Kardiologie und Leiterin vom HerzchenTREFF, das Ziel des Vereins zusammen.
Eine Anmeldung für die Selbsthilfegruppen ist nicht erforderlich. Die regelmäßigen Treffen dauern in der Regel zwei Stunden. Unterstützt werden die Treffen von Fachkräften und Ehrenamtlichen, die für Struktur sorgen.
Neben den Gesprächsangeboten engagieren sich die Traglinge auch praktisch im Alltag der Familien. Dank einer Förderung der Glücksspirale konnte der Verein vor kurzem fünf E-Bikes anschaffen. Das Team sucht die Familien in Berlin und im Havelland nämlich aktiv auf – und ist nun noch schneller, unabhängiger und umweltschonender unterwegs. (ϑ Text/Foto: Sandy Kolbuch)
Traglinge e.V., Stadtrandstraße 555, 13589 Berlin ,Tel.: 030-370227460, www.traglinge-ev.de
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 242 (5/2026).
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