Enrico aus Falkensee fährt elektrisch: Wie fährt man ein E-Auto ohne eigene Wallbox?
Enrico Berg lebt in Falkensee – und fährt mit großer Begeisterung ein E-Auto. Er wohnt allerdings im ersten Stock in einem Mehrfamilienhaus und hat somit keinen Zugriff auf eine eigene Wallbox. Wie gelingt es ihm da, mit einem elektrisch betriebenen Auto mobil zu bleiben? Wie gut ist inzwischen die öffentliche Ladeinfrastruktur in Falkensee? Wie einfach fällt ihm das Laden? Enrico Berg erzählt von seinem Alltag – und stellt echte Forderungen auf, was sich in Zukunft noch ändern sollte.
Enrico Berg (54) stammt aus Berlin. Über 20 Jahre lang hat er in Aachen gelebt. Seit elf Jahren wohnt er in Falkensee. In seinem beruflichen Alltag ist Enrico Berg LKW-Fahrer. Er steuert unter der Woche einen Diesellaster und liefert Waren in Berlin und Brandenburg aus. Umso ungewöhnlicher: Im privaten Umfeld setzt Enrico Berg seit 2020 komplett auf die E-Mobilität und fährt bereits sein drittes E-Auto.
Warum hat er sich vor sechs Jahren für ein E-Auto entschieden? Enrico Berg: „Mein damaliges Auto war schon sehr alt. So alt, dass ich mir dringend ein neues zulegen musste. Schon damals hatte ich das Gefühl, dass mir bei jedem Werkstattbesuch der Aschenbecher vergoldet wird. Ich habe bei den Inspektionen sehr viel Geld gelassen. Das hat mir zu denken gegeben. Schon damals war klar, dass ein Elektrofahrzeug wartungsärmer ist, ich hier also deutlich Kosten sparen kann. Zugleich ist das elektrische Fahren ein sehr angenehmes Fahren. Gerade auf der Kurzstrecke und im Stadtverkehr ist das E-Auto außerdem deutlich günstiger als das Benzinauto. Das alles sind starke Argumente für einen Wechsel. Ich war neugierig und habe mir gesagt: Ich wage das jetzt einfach mal, ich probiere das aus.“
Nun ist es aber so, dass Enrico Berg zusammen mit seiner Frau Hannelore in einem Mehrfamilienhaus in Falkenhöh wohnt – und zwar im ersten Stock: „Vor unserer Tür gibt es nur öffentliche Parkplätze und keine öffentliche Ladestation in der Nachbarschaft. Es ist vor Ort auch völlig unmöglich, eine Wallbox zu installieren. Das bedeutet, dass ich komplett auf eine Versorgung mit Strom über öffentlich zugängliche Ladestationen angewiesen bin.“
Am Anfang gab es in Falkensee nur eine Ladesäule am Rathaus, das war die Initialzündung. Dann kamen Ladepunkte an der neuen Stadthalle hinzu. Havelbus hat gleich drei Ladesäulen am Standort in der Straße der Einheit installiert. Zuletzt kamen im öffentlichen Bereich noch die Ladesäulen bei Hellweg und am Hallenbad dazu. Weitere Ladesäulen befinden sich inzwischen in der Bahnhofstraße und am Waldparkplatz vom Bahnhof Finkenkrug.
Enrico Berg: „Tatsächlich war es die Ankündigung, dass Ladesäulen bei Hellweg entstehen, die mich davon überzeugt hat, ein E-Auto zu kaufen. Denn diese Ladesäulen sind nicht weit von meinem Zuhause entfernt. Ich kann mich noch erinnern, dass ich auf dem Hellweg-Parkplatz einen Kupferdeckel im Boden gesehen habe, auf dem EnBW stand. Mit diesem Bild vor Augen habe ich mich entschieden, mich vom Benziner zu verabschieden. Dass es noch Jahre dauern würde, bis die EnBW-Säulen tatsächlich in Betrieb genommen werden, das konnte ja damals niemand ahnen.“
Die Ladeinfrastruktur für E-Autos verbessert sich mit den Jahren zunehmend. Das liegt auch daran, dass bei neu in Betrieb genommenen Supermärkten immer auch gleich mehrere neue Ladesäulen auf dem Parkplatz aufgestellt werden.
Enrico Berg: „Ohne eine Wallbox habe ich als Besitzer eines E-Autos nur zwei Möglichkeiten. Ich kann mein Auto zu einer öffentlichen Ladesäule fahren, es dort anschließen und nach ein paar Stunden wieder vollgeladen abholen. Das ist aber sehr umständlich, zumal die öffentlichen Ladesäulen in der Regel so programmiert sind, dass sie nach vier Stunden automatisch eine Blockiergebühr pro Minute in Rechnung stellen, die aber zum Glück auf einen Maximalwert beschränkt bleibt. Trotzdem kann das teuer werden. Ich habe es mir deswegen angewöhnt, immer genau dort Strom zu tanken, wo ich gerade etwas zu erledigen habe und wo eine Säule zur Verfügung steht. In der Regel verwende ich also die Ladesäulen auf dem Supermarktparkplatz. Das funktioniert für mich am besten. Auch wenn ich manchmal nur fünf oder zehn Prozent Strom nachlade. Mein Motto ist: Steht er, so lädt er.“
Ein großes Problem beim Laden ist die uneinheitliche Vorgehensweise. Das Ladekabel ins Auto stecken und einen Knopf drücken – so einfach müsste es eigentlich sein, ist es aber nicht. Jeder Stromanbieter hat sein ganz eigenes Verfahren. Mal kann man mit Kreditkarte bezahlen, mal braucht man eine App, mal drückt man eine Ladekarte ans Display, mal wird mit der Handy-Kamera ein QR-Code gescannt. Kurzum: Es ist verflixt kompliziert. Jeder, der mit einem E-Auto unterwegs ist, kann ein Lied davon singen.
Enrico Berg: „Das kann doch alles nicht wahr sein. Strom zu tanken, muss genau so einfach sein wie Benzin an der klassischen Tankstelle zu zapfen. Oft muss ich ganz genau auf das Kleingedruckte an einer Ladestation achten, um herauszufinden, wie teuer die Kilowattstunde vor Ort ist. Es kann sogar passieren, dass ich abhängig von der eingesetzten Ladekarte an der gleichen Säule mal 39 und mal 90 Cent für die Kilowattstunde bezahle.“
Angesichts der Tatsache, dass sich immer mehr Autofahrer für ein E-Auto entscheiden und nicht jeder eine eigene Wallbox nutzen kann, fordert Enrico Berg: „Ich habe die Vision, dass es an einer Säule immer nur einen Einheitspreis gibt, ganz egal, ob ich mit App, mit der Tankkarte, über einen QR-Code oder mit der Kreditkarte bezahle. Und dieser Preis sollte in großen Leuchtzahlen schon von der Straße aus zu sehen sein – wie bei einer Tankstelle. Dann kann ich nämlich schon vor dem Heranfahren an die Säule entscheiden, ob der angebotene Preis für mich passt oder nicht.“
Der E-Auto-Fahrer aus Leidenschaft hat inzwischen eine Lieblingsladestation gefunden: „Ich tanke gern an den Vattenfall-Ladesäulen des schwarzen NETTO-Supermarkts. Warum? Der Ladevorgang ist so einfach. Ladekabel anschließen, EC-Karte vorhalten, fertig. Schon geht es los mit dem Laden. Das nennt man Ad-hoc-Laden, das muss sich unbedingt weiter durchsetzen. Man braucht dabei keinen Ladevertrag, keine Ladekarte und kein App-Abo. In Falkensee wurden mir zuletzt 44 Cent für die Kilowattstunde berechnet, das ist ein fairer Preis.“
Ein Fazit: Es ist komplizierter, ein E-Auto zu fahren, wenn man keinen Zugriff auf eine Wallbox hat. Integriert man den Ladevorgang aber in seinen Alltag, ist es trotzdem möglich. Nur mit der Benutzerfreundlichkeit und der Preistransparenz müssen die Anbieter der Ladesäulen noch besser werden. Damit das E-Auto-Fahren auch weiterhin viel Spaß macht. (ϑ Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 243 (6/2026).
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