Brandenburgs Sozialminister René Wilke besuchte die IT-Gruppe des Seniorenbeirats Falkensee!
Wer heute eine Zugfahrt buchen, einen Arzttermin vereinbaren oder auch nur schnell ein Ticket für den Schienenersatzverkehr lösen möchte, braucht oft mehr als nur Geduld – nämlich ein Smartphone, passende Apps und das Wissen, wie all das funktioniert. Für viele ältere Menschen ist dies eine tägliche Herausforderung. Denn während die Digitalisierung immer schneller voranschreitet, fühlen sich viele Senioren abgehängt. Genau hier setzt die IT-Gruppe des Seniorenbeirats Falkensee an.
Mitten in der Corona-Pandemie hat der Seniorenbeirat Falkensee (www.seniorenbeirat-falkensee.de) eine eigene IT-Gruppe als neues Projekt ins Leben gerufen. Denn damals saßen viele ältere Menschen plötzlich völlig isoliert zu Hause, da sie die Kommunikationswege über Computer und Handy nicht zu nutzen wussten.
Die Idee damals: „Senioren helfen Senioren“. Denn wer selbst schon einmal erlebt hat, wie kompliziert Smartphones, Apps oder Online-Portale sein können, versteht die Sorgen Gleichaltriger oft deutlich besser als jeder junge Technikprofi.
Zum ehrenamtlichen Team der kundigen IT-Senioren gehören Teamleiter Michael Lauber sowie Dirk Bilstein, Albrecht Frei, Sylvia Hoffmann, Andrea Kröske und Holger Peetz. Gemeinsam unterstützen sie Seniorinnen und Senioren beim Umgang mit moderner Technik.
Wie wichtig genau solche Projekte geworden sind, zeigte der Besuch von Brandenburgs Sozialminister René Wilke am 19. Mai im Rahmen der Aktion „Kabinett vor Ort im Landkreis Havelland“.
Vor Ort sprach er mit den Senioren über die Chancen, aber auch über die Schattenseiten der Digitalisierung. „Die Digitalisierung setzt voraus, dass Menschen das auch nutzen können“, erklärte Wilke. Genau dort entstehe sonst eine gesellschaftliche Spaltung. Fortschritt darf nicht dazu führen, dass Menschen ausgeschlossen werden. Umso wichtiger seien Projekte wie die Falkenseer IT-Gruppe, die dafür sorgt, dass ältere Menschen technisch, sozial und menschlich weiterhin teilhaben können.
„Das Projekt ruht inzwischen auf drei wichtigen Säulen. Einmal im Monat treffen sich die Teilnehmer im ASB-Mehrgenerationenhaus. Dann geht es um Smartphones, Tablets und Notebooks, um das Installieren von Apps, das Versenden von E-Mails, die Handhabung von WhatsApp oder inzwischen auch um Künstliche Intelligenz und um die Sicherheit im Internet“, fasst Michael Lauber die wichtigsten Punkte zusammen. Besonders wichtig sind die Messenger-Dienste wie WhatsApp, die älteren Menschen dabei helfen, mit ihren Lieben in Kontakt zu bleiben und nicht zu vereinsamen.
Zusätzlich bietet das Team individuelle Beratungen im ASB Beratungszentrum (am Kreisverkehr Bahnhofstraße Ecke Poststraße) an, wie etwa bei Problemen mit neuen Geräten.
Wer nicht mehr mobil ist oder große Technik zu Hause stehen hat, bekommt Besuch vom IT-Team. Gerade diese Hausbesuche werden von vielen Senioren sehr geschätzt.
Wie groß der Bedarf an IT-Beratung inzwischen geworden ist, merkt man bei einem Besuch der Gruppe. Die Plätze im ASB-Raum sind voll besetzt. Denn die digitalen Themen spielen längst in allen Lebensbereichen eine große Rolle. Online-Banking, digitales Einkaufen, Cloud-Dienste oder der Schutz vor Betrugsmaschen im Internet beschäftigen gerade ältere Menschen zunehmend.
„Man kann heute kaum noch ein Theater besuchen, eine Reise buchen oder Zug fahren, ohne vorher online etwas erledigen zu müssen“, heißt es aus der Gruppe.
Zu den regelmäßigen Teilnehmern der IT-Runde gehört auch Pastor Riesche. Ohne Computer könne er sich seinen Alltag heute kaum noch vorstellen, erzählt er. Früher fragte er oft seine Enkelkinder um Hilfe. „Die haben zwar geholfen, aber nie wirklich erklärt, wie etwas funktioniert“, erzählt er amüsiert. In der Gruppe sei das anders. Dort nehme man sich Zeit. „Wir können Informationen als alte Menschen nicht so verarbeiten wie die jungen. Wir brauchen andere Erklärungen.“
Erst kürzlich wurde Pastor Riesche Opfer eines Cyberangriffs und bekam selbst zu spüren, wie wichtig Aufklärung und Sicherheit im Netz geworden sind. Genau solche Erfahrungen fließen heute in die Schulungen ein. Auch viele andere Senioren berichten davon, wie erleichtert sie über die Hilfe des Seniorenbeirats sind. Denn die Ehrenamtlichen erklären Schritt für Schritt, wiederholen die Fakten geduldig und sprechen dieselbe „Generationensprache“. Eine Teilnehmerin brachte es auf den Punkt: „Die Kinder sagen oft: Das habe ich dir doch schon erklärt. Hier wird es aber so erklärt, dass man es wirklich versteht.“
Für Albrecht Frei ist genau das die größte Motivation. Der ehemalige IT-Berater ist in der Gruppe neben Dirk Bilstein einer der IT-Fachmänner. „Meistens sind es aus unserer Sicht recht einfache Dinge, die den anderen aber große Probleme bereiten“, erzählt er. „Und wenn wir helfen können und eine Lösung finden, macht das einfach Spaß.“
Ähnlich sieht es auch Dirk Bilstein: „Oft sind es die kleinen Probleme, die einen wahnsinnig machen“, sagt er. „Und genau da kann man den Leuten schnell helfen.“
Und manchmal lernen die Helfer sogar selbst noch etwas Neues dazu. Sylvia Hoffmann, die sich um die Kommunikation innerhalb der Gruppe kümmert und nach jedem Treffen Präsentationen und Unterlagen an alle Teilnehmer verschickt, staunte überrascht über ihre Fortschritte: „Was ich inzwischen alles kann!“
Genau das macht die besondere Atmosphäre der Falkenseer IT-Gruppe aus: Hier geht es nicht nur um Technik. Es geht um Gemeinschaft, um Geduld und darum, gemeinsam Schritt zu halten in einer Welt, die sich im Digitalen immer schneller verändert. (ϑ Text/Fotos: Sandy Kolbuch)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 243 (6/2026).
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