224.000 Gäste im Hallenbad Falkensee: Trotzdem ist das Hallenbad in den roten Zahlen!
Lange wurde um das Falkenseer Hallenbad gestritten: Soll es gebaut werden oder nicht? Nun darf bereits seit zwei Jahren in den Fluten geplanscht werden. Der Ansturm auf das Hallenbad hat alle Erwartungen übertroffen: Statt 130.000 Besuchern im ersten Kalenderjahr, wie man das erwartet hatte, sind es inzwischen 224.000 Gäste. Und trotzdem: Aktuelle Zahlen, die Ende April im Hauptausschuss verkündet wurden, zeigen, dass das Hallenbad im gleichen Zeitraum auch ein Minus von 1,6 Millionen Euro gemacht hat.
Braucht Falkensee überhaupt ein eigenes Hallenbad? Gleich über mehrere Jahre hinweg wurde in der Stadtverordnetenversammlung über dieses Thema heftig diskutiert und gestritten. Die finale Abstimmung sorgte für grünes Licht: Das Hallenbad (www.hallenbad-falkensee.de) wurde an der Seegefelder Straße am Bahnhof Seegefeld gebaut – und 2024 in Betrieb genommen.
Von Anfang an war klar, dass das Hallenbad keinen Gewinn erwirtschaften kann und auf einen jährlichen Zuschuss durch die Stadt angewiesen ist. Da stellt sich jetzt die Frage: Wie gut wird das Angebot angenommen? Wie viele Menschen gehen regelmäßig schwimmen? Wird die Sauna genutzt? Und was ist mit der Kegelbahn?
Am 29. April kam es zur Stunde der Wahrheit. Im Hauptausschuss wurden die aktuellen Zahlen von der Stadt Falkensee verkündet. Zwei Jahre nach der Inbetriebnahme liegen nun belastbare Zahlen für das erste volle Kalenderjahr 2025 vor.
Blickt man auf das Kalenderjahr zurück, so hat der Betrieb des Hallenbads 3,4 Millionen Euro gekostet. Zieht man die Einnahmen ab, bleibt ein Minus von 1,579 Millionen Euro, das die Stadt Falkensee aus eigener Tasche bezahlen muss. Das bedeutet: Die Einnahmen durch die Besucher reichen nicht aus, das Hallenbad muss subventioniert werden.
Trotz allem ist das Hallenbad aber eine echte Erfolgsgeschichte, die eben diese Subvention zum Wohle der Besucher auch rechtfertigt. Denn anstelle der zunächst erwarteten 130.000 Badegäste sind es inzwischen 224.000 pro Jahr. Laut Analysen kommen 35 Prozent der Badegäste aus Falkensee, der Rest reist aus dem übrigen Havelland und aus Berlin an. Da Falkensee ein Mittelzentrum ist, hat die Stadt natürlich auch eine versorgende Verantwortung für das Umland.
Die städtische Betreiberin Gegefa Bäder GmbH hatte intern mit 940.000 Euro Einnahmen gerechnet, am Ende sind es 1,3 Millionen Euro geworden. Einnahmen hat das Hallenbad über die Eintrittspreise, über vor Ort stattfindende Kurse und über das Schul- und Vereinsschwimmen erzielt. Die Gastronomie und die Einnahmen aus der Sauna und der Kegelbahn kommen noch hinzu. Allerdings schwächelt vor allem die Kegelbahn. Statt prognostizierter Einnahmen von 82.000 Euro konnten 2025 nur 33.000 Euro erzielt werden.
Dirk Albrecht ist der Geschäftsführer der Gegefa Bäder GmbH. Er erklärt, warum mehr Badegäste nicht zwingend dazu beitragen, das Defizit zu verringern: „Zunächst freuen wir uns sehr, dass unser Hallenbad in der Bevölkerung so gut angenommen wird. Für ganz viele Bürgerinnen und Bürger gehört ein regelmäßiger Besuch bei uns zum Alltag mit dazu. Wir rechnen intern mit 15 Euro Kosten pro Gast. Eine 2-Stunden-Karte für Erwachsene kostet aber nur sechs Euro. Das bedeutet, dass jeder Badegast bezuschusst wird. Zusätzliche Badegäste über das erwartete Maß hinaus sorgen nicht zwingend für mehr Gewinn. Rechnerisch betrachtet decken sie nur ihre eigenen Mehrkosten, die durch einen stärkeren Personalbedarf oder eine höhere Abnutzung des Bades entstehen.“
Der hohe Zuspruch – trotz einer fast ständig defekten und gesperrten Rutsche – hat dafür gesorgt, dass das Personal vor Ort schon mehrfach einen Einlassstop aussprechen musste. Neue Badegäste durften erst dann ins Bad, sobald andere Besucher den Bereich verlassen hatten.
Dirk Albrecht: „Das stimmt. Das liegt an der Baugenehmigung, die festlegt, dass wir nur eine bestimmte Anzahl Gäste im Haus haben dürfen – inklusive unseres Personals. Diese Personengrenze liegt bei 400 Menschen. Wir erreichen dieses Maximum an Auslastung am ehesten am Sonntag um die Mittagszeit herum. Unsere Gäste sehen das in der Regel entspannt. Sie warten im Foyer, trinken einen Kaffee und werden vom Personal vor Ort aufgerufen. Das hat sich nach zwei Jahren bereits sehr gut eingespielt.“
Woher kommt eigentlich die Berechnung der 15 Euro, die jeder Badegast an Kosten verursacht? Dirk Albrecht: „Das war eine Aussage von Thomas Meyer, dem Geschäftsführer der GMF GmbH & Co. KG. Das ist unser Betreiberpartner. Die GMF betreut deutschlandweit über 25 Bäder – und bringt entsprechend viel Erfahrung mit. Die GMF hat über alle Bäder hinweg einen Durchschnittswert errechnet und kommt dabei auf 15 Euro Kosten pro Gast.“
Das Hallenbad hat aber zum Glück noch etwas Potenzial, um das finanzielle Defizit zu reduzieren – und zwar im Bereich der Sauna und in der Vermietung der Kegelbahn.
Dirk Albrecht: „Die Auslastung der Sauna ist noch nicht ganz dort, wo wir uns das wünschen. Aber die Zahlen zeigen in die richtige Richtung. Unser Betreiberpartner, der viele Bäder unterhält, sagt, dass es zwei bis zweieinhalb Jahre braucht, bis sich eine neue Sauna am Markt etabliert hat. Viele Saunagäste haben bereits eine Sauna, die sie regelmäßig besuchen. Sie sind erst bereit zu wechseln, wenn die neue Sauna sie von der Qualität her wirklich überzeugt hat. Und das dauert eben eine Weile. Im Vergleich zum Vorjahr hatten wir von August bis Dezember bereits eine Steigerung der Besucherzahlen von 20 bis 25 Prozent. Darauf kann man aufbauen.“
Bei der Kegelbahn gab es bereits im Vorfeld viele Stimmen, die geunkt haben, dass diese Sportart nicht mehr zeitgemäß ist und die Nachfrage entsprechend gering ausfallen wird.
Dirk Albrecht: „Erfasst werden in der Statistik zurzeit nur die verkauften Bahnen, nicht aber die Anzahl der Nutzer. Ob nun zwei, acht oder zehn Leute auf einer Bahn spielen, sehen wir nicht. Erfahrungsgemäß zieht die Attraktivität der Kegelbahn zur kalten Jahreszeit wieder an. Tatsache ist, dass viele Gäste gern ihren Geburtstag auf der Kegelbahn feiern. Vor allem Kindergeburtstage sind ein ganz großer Bringer. Viele Firmen und Abteilungen möchten auch ihre Weihnachtsfeier auf der Anlage abhalten. Wir geben die Kegelbahn noch nicht auf.“
Wie sieht es mit dem Catering aus? Im Bad, in der Sauna und im Foyer können die Gäste auch etwas Warmes essen – zum Beispiel eine Currywurst mit Pommes oder eine Pizza. Wie kommt die Gastronomie beim Publikum an?
Dirk Albrecht: „90 Prozent unserer Bade- und Saunagäste buchen das 2-Stunden-Ticket. Haben sie ein solches Ticket, verwenden sie die komplette Zeit auf das Badeerlebnis. Das führt dazu, dass die Gastronomie im Hallenbad selbst nicht im gewünschten Maß genutzt wird. Umso höher ist dafür aber die Nachfrage im Foyer, da werden zu Stoßzeiten mitunter die Plätze knapp.“
Wenn man sich die vorhandenen Stellschrauben ansieht, bleibt eigentlich nur noch die Erhöhung des Eintrittspreises übrig, um mehr Euro zum Ausgleich des Defizits zu erwirtschaften.
Dirk Albrecht: „Das Problem ist, dass die allgemeinen Kosten weiterhin so stark explodieren. Die Energie- und die Wasserpreise und auch die Kosten für die Wasserchemikalien steigen immer weiter. Auch der Wareneinkauf für die Gastronomie ist teurer geworden. Wir haben jetzt zwar unser Blockheizkraftwerk im Einsatz und konnten ab Juni 2025 unsere Photovoltaikanlage auf dem Dach in Betrieb nehmen, was uns jährlich um die 110.000 Euro Stromkosten einsparen sollte. Aber ja, wir werden mit mehreren Varianten der Stadt empfehlen, die Eintrittspreise für das Hallenbad an die gestiegenen Kosten anzupassen.“
Nun ist die Bahn von August bis Mitte Juni nicht gefahren, der Bahnhof direkt vor der Tür war für Monate verwaist. Ein Problem? Dirk Albrecht: „Das war eine große Überraschung für uns: Die Sanierung der Bahnstrecke Berlin-Hamburg hat sich auf unsere Besucherzahlen nicht auch nur im Ansatz ausgewirkt.“ (ϑ Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 243 (6/2026).
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