Netzwerk Gesunde Kinder im Havelland: 20 Jahre ehrenamtliche Hilfe für Eltern!
Das „Netzwerk Gesunde Kinder“ gibt es in Brandenburg bereits seit 20 Jahren – das Havelland ist seit der Gründung als Pilotprojekt mit dabei. Ziel ist es stets, Eltern gezielt in ihren Kompetenzen zu stärken und Kinder in ihrer gesunden Entwicklung zu fördern. Damit dies gelingt, stellt das Netzwerk ein gedrucktes „Familien-Handbuch“ zur Verfügung, ermöglicht den Austausch im Rahmen von Treffen und Veranstaltungen und entsendet ehrenamtlich tätige Familienlotsen in die Haushalte, um den Eltern dort mit Rat und Tat unterstützend zur Seite zu stehen. (ANZEIGE)
Das „Netzwerk Gesunde Kinder“ gibt es seit 2006. Es richtet sich an alle Familien mit Kindern, um sie gezielt zu unterstützen und bei allen Fragen des Elternseins nicht allein zu lassen. Zu diesem Zweck bündelt das Netzwerk vorhandene lokale Angebote, vernetzt Akteure miteinander, organisiert Kurse und Veranstaltungen, stellt den Eltern das gedruckte „Familien-Handbuch“ zur Verfügung und baut Ehrenamtsstrukturen auf, um Familienlotsen zu den Eltern und den Kindern schicken zu können.
Das „Netzwerk Gesunde Kinder“ gibt es in ganz Brandenburg. Hier haben sich zurzeit 21 Regionalnetzwerke herausgebildet, darunter für Orte und Regionen wie Cottbus, Oberhavel, Niederlausitz, Potsdam oder Spree-Neiße. Das Regionalnetzwerk Havelland ist von Anfang an mit dabei – und hat bereits in der ersten Pilotphase Akzente setzen können. Träger des Regionalnetzwerkes Havelland sind die Havelland Kliniken GmbH mit ihren beiden Standorten in Nauen und in Rathenow sowie der Landkreis Havelland. Das kostenfreie Angebot steht allen Schwangeren und Familien mit Kindern bis zu drei Jahren offen. Im Havelland wird das Netzwerk finanziert und gefördert aus Mitteln des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg, vom Landkreis Havelland und von den Havelland Kliniken selbst.
Die Lotsen sind das Herzstück vom „Netzwerk Gesunde Kinder“. Zurzeit gibt es im ganzen Land Brandenburg an die 950 ehrenamtliche Lotsen, die für etwa 4.000 Netzwerkkinder mit verantwortlich zeichnen.
Das „Netzwerk Gesunde Kinder“ im Havelland
Andrea Thiele ist die Koordinatorin im „Netzwerk Gesunde Kinder“ im Havelland. Sie sagt: „Was 2006 als Pilotprojekt mit einer Laufzeit von drei Jahren begonnen hat, wurde immer wieder verlängert, sodass es uns inzwischen bereits seit zwanzig Jahren gibt.“
Babette Dietrich ist von den Havelland Kliniken aus verantwortlich für das Netzwerk im Havelland: „Es gab damals ein Programm für mehr Familienfreundlichkeit in Brandenburg. Ansatzpunkt war die Gestaltung des demografischen Wandels: Dabei kann es nicht nur um die wachsende Anzahl älterer Menschen gehen, sondern auch darum, junge Familien für das Havelland zu begeistern und sie hier in der Region langfristig zu halten. Es hat schon damals diverse Angebote für junge Familien und für Kinder gegeben hat. Man musste sie nur publik machen. Wir wollten zeigen, dass man nicht nach Potsdam oder Berlin fahren muss – es gibt vieles vor der eigenen Haustür.“
Das „Netzwerk Gesunde Kinder“ ist ein präventives Projekt. Es begleitet junge Familien von der Schwangerschaft über die Entbindung in die eigene Häuslichkeit und begleitet sie hier unterstützend, bis zum dritten Geburtstag des Kindes.
Andrea Thiele: „Wir wenden uns auf verschiedenen Wegen bereits während der Schwangerschaft und auch nach der Geburt an die Familien und unterbreiten ihnen das kostenfreie Angebot, dass wir sie gern ein Stück weit auf ihrem Weg begleiten und unterstützen möchten. Wir sagen immer wieder: Mit jedem Kind wird nicht nur das Kind selbst geboren, sondern immer auch eine Mama und ein Papa. Oft fehlt den Eltern in dieser Situation natürlich ein gewisses Maß an Erfahrung. Unsere Ehrenamtlichen, die Lotsen, begleiten die Familien – dabei kommt es zu bis zu elf Hausbesuchen in den ersten drei Jahren des Kindes. Wobei wir immer ganz genau darauf achten, ob unsere Lotsen und die Familien auch ‚matchen‘, also wirklich gut zusammenpassen.“
Die Lotsen erinnern an Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen und bieten ihre eigene Expertise an, falls es passend zu diesen Terminen noch Fragen gibt. Die Lotsen kommen gezielt zu den Familien nach Hause, weil das ja auch der Hauptlebensraum der Eltern und der Kinder ist. Und es sich hier entspannter reden lässt. Ein passender Termin ist da leicht vereinbart.
Andrea Thiele: „Während eine nachsorgende Hebamme eher medizinisch arbeitet, liegt der Fokus unserer Lotsen auf Alltagsunterstützung und Orientierung im Familienleben. Da geht es mitunter um Anträge für das Kinder- oder Wohngeld, die gestellt werden müssen. Unserer Erfahrung nach geht es aber ganz oft um Unterstützung bei Themen, die für die Eltern schnell sehr bedeutsam werden. Etwa um das Zahnen, die Einführung der Beikost, das Abstillen, das Trockenwerden, das nächtliche Aufwachen und das Durchschlafen oder um kindliche Alpträume. Der Katalog essenzieller Fragen ließe sich endlos weiterschreiben. Hier können unsere Lotsen eine echte Hilfe sein und ihre umfassende Erfahrung weitergeben. In der Regel sind sie ja selbst erfahrene Eltern oder Großeltern und haben häufig auch einen beruflichen Kontext.“
Die Lotsen gehen sehr empathisch auf die Eltern ein. Es nützt nichts, mit Eltern über eine gesunde Ernährung des Kindes mit Bioprodukten zu sprechen, wenn die Familie nicht weiß, wo das Geld für die Miete herkommen soll.
Andrea Thiele: „Wir verstehen uns auch als eine Schnittstelle zu niedrigschwelligen Angeboten und zeigen so beispielsweise etwa den Weg zu einer Schuldnerberatung auf. Unsere Lotsinnen sind bestenfalls ein Branchenbuch auf zwei Beinen, sie wissen eigentlich immer, welche Institution in der Region gerade bei einem Problem helfen oder unterstützen könnte.“
Patenbesuch mit Puppe Fritzi
Babette Dietrich: „Vielen Eltern wird bewusst, dass das Leben mit einem Kind ein neuer Lebensabschnitt ist, der vielleicht nicht ganz so bilderbuchhaft verläuft, wie er in den Medien verklärt wird. Das ‚Netzwerk Gesunde Kinder‘ möchte Familien stärken. Niemand muss sich tausend verschiedene Ratgeber kaufen. Stattdessen erhalten sie gebündelte Unterstützung aus einer Hand. Und es kommt sogar jemand zu Hause vorbei, der nicht von einem Amt geschickt wird, der nicht wertet, der hilft, der Infos mitbringt, der Fragen beantwortet.“
Manchmal bringen die Lotsen auch die Therapiepuppe Fritzi mit. Fritzi „schläft“ bei den Lotsen in der Tasche und kommt bei bestimmten Themen heraus. Etwa, wenn es ums Zähneputzen geht. Das macht Fritzi auch nicht gern. Sie hat aber natürlich eine Zahnbürste mit dabei, mit der das Zähneputzen dann doch gaaaanz viel Spaß macht.
Darüber hinaus informiert das Netzwerk immer wieder über Infoabende und Kurse zu verschiedenen Themen, die Eltern online über die ‚Elternschule‘ auf der Homepage buchen können.
Im Landkreis Havelland gibt es zurzeit 54 ehrenamtlich tätige Lotsinnen für aktuell 591 betreute Familien.
Andrea Thiele: „Wir suchen immer wieder Menschen, die Lust haben, sich als Familienlotse zu engagieren. Wünschenswert sind berufliche Vorerfahrungen in sozialen, pflegerischen oder pädagogischen Berufen. Ergänzend bieten wir Fortbildungen an, bevor sie in die Familien gehen. Und bei ‚Stammtischen‘ gibt es Raum für den Erfahrungsaustausch der Lotsen.“ Text/Fotos: CS)
Havelländisches Netzwerk Gesunde Kinder, Ketziner Straße 19, 14641 Nauen, Tel.: 03321-421087 (Thiele), www.netzwerk-gesunde-kinder.de, Mail: gesunde.kinder@havelland.de
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 242 (5/2026).
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