Rastplatz Ziegenkrug im Krämerforst neu eröffnet: Der Regionalpark Osthavelland-Spandau e.V. hat sich richtig ins Zeug gelegt!
Der Krämerforst ist für viele Waldfreunde ein echter Geheimtipp. Unter Eichen, Buchen und Kiefern stundenlang spazieren zu gehen, bringt Ruhe in den Kopf und lässt die Seele wieder frei atmen. Wer unterwegs eine Pause einlegen möchte, steuert gern den Ziegenkrug an. Der Rastplatz direkt an der Alten Hamburger Poststraße war von ihrer Ausstattung her leider in die Jahre gekommen. Der Regionalpark Osthavelland-Spandau e.V. hat nun viel Geld in die Hand genommen, um den Rastplatz in ein Vorzeigeobjekt der Naherholung zu verwandeln – mit Biotoilette, Naturparcours, Holzhütten und einem mehrere Meter hohen Holzriesen namens Krämer.
Die Alte Hamburger Poststraße führt wie mit dem Lineal gezogen von Berlin bis nach Hamburg. Man kann sich gut vorstellen, wie damals die pferdegezogenen Kutschen schaukelnd durch den Wald preschten, um wichtige Post und andere Güter von einer Stadt in die andere zu transportieren.
Etwa um 1751 entstand mitten im Krämerforst – zwischen dem heutigen Wansdorf, Pausin und Perwenitz – eine Post- und Pferdewechselstation. An dieser Stelle wurden damals die Pferde der Kutschen getauscht, sodass die Fahrt ohne weitere Verzögerung fortgesetzt werden konnte. Dieser besondere Platz hat den Namen „Ziegenkrug“ erhalten.
Vor Ort gab es ein rotes Backsteingebäude, von dem heute leider nur noch eine tiefe Senke im Waldboden und eine kleine übrig gebliebene Mauer künden. Das Gasthaus war über die Jahre Wirtshaus, Posthaus, Forsthaus und Jugendherberge. In den späten 60-er Jahren wurde das Haus nach einem Brand abgerissen.
Während der DDR-Zeit war das Waldgelände militärisches Sperrgebiet. Hier haben die Kampftruppen der DDR und auch die sowjetischen Soldaten den Krieg geübt. Nach der Wende hat sich die Gemeinde Wansdorf in den 90-er Jahren für den Ziegenkrug stark gemacht und aus ihm wieder einen Rastplatz für Spaziergänger gemacht – mit Rastmöglichkeiten, Bänken zum Sitzen und einer Grillhütte.
Da diese Bauten in die Jahre gekommen waren, hat es sich der Regionalpark Osthavelland-Spandau e.V. zur Aufgabe gemacht, den Ziegenkrug von Grund auf zu ertüchtigen und neu zu gestalten. Als Projekt fand die Neugestaltung des Ziegenkrugs ihren Weg in das Entwicklungskonzept des Regionalparks – den sogenannten „Masterplan Grün“.
Odett Schnegula ist die Geschäftsführerin des Regionalparks (www.osthavelland-spandau.de). Vieles von dem, was am Ziegenkrug neu entstanden ist, hat sie sich in stundenlanger Arbeit ausgedacht: „Ohne ganz viel ehrenamtliches Engagement hätten wir die Pläne nicht in die Tat umsetzen können. Zum Glück konnten wir viel Geld über verschiedene Zuwendungen gewinnen. 75.000 Euro kamen von der Landesplanung, 10.000 Euro von der Gemeinde Schönwalde-Glien und 2.000 Euro vom Regionalpark Krämerforst. Als Verein mussten wir keine Ausschreibungen machen, wie das etwa eine Gemeinde tun muss. So konnten wir die wunderschönen rustikalen Rasthütten aus Holz bestellen, die allein von der Optik her etwas ganz Besonderes sind.“
Viele Havelländer, die noch nicht jeden Baum im Krämerforst kennen, fragen sich: Wo ist denn der Rastplatz Ziegenkrug überhaupt? Sie kennen vielleicht die Saubucht, die Brüderbuche oder Reckins Eiche, können den Rastplatz selbst aber nicht auf der Karte zeigen.
Der Weg ist aber zum Glück ganz einfach zu finden. Man fährt am besten die Kreisstraße von Perwenitz in Richtung Wolfslake. Im Wald findet sich links der Radknotenpunkt-Wegweiser mit der Nummer KP20. Hier gibt es auch einen Wanderparkplatz fürs eigene Auto. Folgt man zu Fuß oder mit dem Rad rechter Hand der Alten Hamburger Poststraße in den Wald, trifft man nach genau 3,7 Kilometern auf den Ziegenkrug.
Die Wanderung lohnt sich, denn der Regionalpark Osthavelland-Spandau e.V. hat den Rastplatz nicht nur moderat saniert, sondern ist vor Ort regelrecht eskaliert.
Rastplatz Ziegenkrug mit Komposttoilette mitten im Wald
Wer den neugestalteten Rastplatz betritt, staunt nicht schlecht. Vor Ort warten nun zwei große Rasthütten aus ganzen Baumstämmen auf Spaziergänger und Radfahrer. Hier können sie sich geschützt vor Sonne oder Regen auf die Bänke setzen, um eine Brotzeit auf dem Tisch auszubreiten. Sollte es heftig schütten, steht eine Schutzhütte als Unterschlupf zur Verfügung. Bei Sonnenschein kann man sich auf zwei geschwungene Holzliegebänke legen – und das Gesicht in den Himmel halten. Aus dem Holz einer Eiche ist ein „Stammtisch“ für echte Kerle entstanden.
Vor Ort gibt es einen Mülleimer (nie verkehrt) und einen Fahrradständer in Form eines auf dem Boden liegenden Baumstamms, in den tiefe Kerben gesägt wurden, in die man nun das Vorderrad seines Fahrrads schieben kann.
So weit weg von jeder Zivilisation fällt ein neues „Möbelstück“ sofort ins Auge: Mitten auf der Waldlichtung gibt es ein hölzernes Toilettenhäuschen.
Odett Schnegula: „Das ist eine Trocken- oder Komposttoilette. Sie fasst 120 Liter und wird sehr gut angenommen. Im Sommer kümmere ich mich selbst darum, sie einmal in der Woche zu leeren. Dafür habe ich extra eine Sondergenehmigung bekommen, damit ich mit dem Auto in den Forst fahren darf, das ist nämlich ansonsten verboten. Das habe ich dem Schönwalder Bauhof versprochen, der sich ansonsten um die Pflege der Anlage kümmern wird. Auf jeden Fall sind die Spaziergänger mehr als erstaunt und äußerst dankbar, wenn sie mitten im Wald eine saubere Toilette vorfinden.“
Vor allem die Kinder werden ab sofort viel Spaß vor Ort haben. Es wurde ein Wildbienen-Insektenhotel aufgestellt. Direkt dahinter ist eine Wildblumenwiese entstanden, die hoffentlich viele Insekten zum Beobachten anlocken wird. Zahlreiche Infotafeln auf dem ganzen Gelände klären über unsere Natur auf. Auf dem Areal mit dem Insektenhotel gibt es außerdem ein Wald-Memory-Spiel, ein Dendrophon aus verschiedenen Holzarten (hängende Holzstäbe, die mit einem Holzschlegel wie ein Xylofon angeschlagen werden und dabei Töne erzeugen) und einen Barfußpfad mit wechselndem Untergrund.
Fünf Bäume wurden vor Ort nachgepflanzt. Hier entdeckt man nun die Esskastanie ebenso wie die Flatterulme, die Winterlinde, den Holzapfel oder die Wildbirne. Odett Schnegula: „Wir wollten unbedingt Bäume pflanzen, die schon einmal zum ‚Baum des Jahres‘ gewählt wurden. Ich habe im Amt von Schönwalde-Glien unsere Baumexperten gefragt, welche der infrage kommenden Baumarten wohl am besten zum Standort passen würden – und die genannten fünf Arten sind dabei herausgekommen. Sie werden am Ziegenkrug auf großen Infoschautafeln vorgestellt.“
Und es ist noch immer nicht genug. Weitere Infotafeln zeigen Wanderwege und Radtouren in der Umgebung auf, erklären die Meilensteine an der Alten Hamburger Poststraße und erzählen Sagen aus dem Krämerforst. Darunter auch die vom Teerbrenner Reckin, der zur Schwedenzeit im Dreißigjährigen Krieg oft dem Raubgesindel im Krämerforst aufgelauert hat – um die bösen Buben allesamt zu erschießen. Wurde er von Überlebenden verfolgt, versteckte er sich in einer hohlen Eiche. Eines Tages verfolgten ihn die Räuber, zerrten ihn aus der Eiche und erschlugen ihn. Seitdem ist auch heute noch von „Reckins Eiche“ die Rede.
Zurück zum Ziegenkrug. Fünf neue Vogelhäuschen und drei Fledermauskästen wurden an den Bäumen angebracht. Und die Arbeiten könnten sogar noch weitergehen. Odett Schnegula: „Es gibt einen alten, versandeten Brunnen. Den könnten wir neu ertüchtigen. Bei einem Waldbrand hätte die Feuerwehr einen Anlaufpunkt, um sich mit neuem Wasser zu versorgen.“
Der größte Hingucker vor Ort darf nicht unerwähnt bleiben. Es ist eine vier Meter fünfzig hohe Holzfigur von einem bärtigen Riesen, die direkt aus einer alten, sterbenden Eiche geschnitzt wurde. Sie zeigt den Riesen Krämer, der den Sagen zufolge früher in diesem Wald gelebt haben soll, bevor die ersten Menschen kamen – und der dem Krämerforst damit auch seinen Namen gegeben hat.
Gefertigt hat die urige Figur der Pausiner Ralf Martini: „Ich habe drei Wochen gebraucht, um den Riesen fertigzustellen. Ich habe mit der Kettensäge gearbeitet und die Feinheiten mit der Flex ausgearbeitet. Eine Hand musste nachträglich angesetzt werden, weil sie ein bisschen über den Stamm hinausragt. Und der Wanderstock des Krämer ist eine umgestürzte Fichte, aus der ich einen Wanderstock geschnitzt habe. Den Riesen habe ich am Ende eingeölt, damit er nicht so schnell verwittert und lange hält.“
Bei der Eröffnung des Rastplatzes am 14. Mai waren viele Gäste mit dabei. Es gab – passend zum Vatertag – Freibier, die Jagdhornbläser Pausin spielten auf, außerdem konnte man mit der Postkutsche durch den Wald fahren. Bodo Oehme, Bürgermeister von Schönwalde-Glien und Vorstand im Regionalpark, führte durch den Vormittag und freute sich, das Gelände der Öffentlichkeit übergeben zu können. (ϑ Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 243 (6/2026).
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